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Die Welt · 1912-11-01 · 44 (1.11.1912) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
44 (1.11.1912)
Date
1912-11-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1360 auf denen unsere Arbeit hier und dort basiert, die gleich h e n sein. Wir wollen ein g 1 e i c h b e r e c h t i g t e s Volk unter gleichberechtigten Völkern werden, an dem gemeinsamen kulturellen und sozialen Fortschritt partizipieren; daraus ergibt sich aber die logische Konsequenz, daP) wir dasselbe Recht allen anderen Volkern zubilligen müssen und die Unterdrückung anderer Nationen weder direkt noch indirekt fördern dürfen. Aeliniiches gilt auch von unserer sozialen Betätigung. Wir müssen jenen Grundsätzen, die uns bei unserer Palästiiiakoionisatioii leiten, auch in unserer Stellungnahme zu den wirtschaftlichen Kämpfen in der Diaspora treu bleiben. Eine diesbezügliche Inkonsequenz wäre es z. B., ein A n h ä n g e r der S i e d 1 u n g sgenossenschaft in Palästina zu sein, in den Diasporaländern aber für eine kapitalistische oder orthodox-marxistische Wirtschaftspolitik zu schwärmen. Es kann eben eine das jüdische Ciesamtvolk vertretende nationale Politik k e i n e engherzige K 1 a s s e n p o 1 i t i k sein! Ein trefflicher Wegweiser in dieser Hinsicht ist die letzte Schritt unseres Gg. Dr. F r a n z O p p e n Ii e i m e r: „Die soziale F r a g e u n d d er S o z i a 1 i s m u s , e ine k r i t i s c h e A u s e i n a n d e r s e t z u n g mit der in a r \ i s t i s c h e n T h e o r i eu, ein Buch, das in keiner zionistischen Bibliothek fehlen sollte. Die Judennot ist ja zum guten Teile eine wirts c h a f 11 i c h e , das jüdische Problem mit dem sozialen so enge verbunden, dal) eine erhöhte Aufmerksamkeit demselben zugewendet werden muß. Wollen wir die jüdischen Massen für die zionistische Bewegung gewinnen, so müssen wir die Fahne ihrer sozialen Befreiung, sowohl in Palästina, wie in der Diaspora entrollen, müssen wir also auch der sozialen Struktur unseres Volkes Rechnung tragen durch eine ihr angepaßte „Jüdische S o zi a 1 p o 1 i t i k44. Nr. 44 Um aber die Zuspitzung der Klassengegensätze in den zionistischen Reihen zu verhindern, gibt es nur ein radikales Mittel: „Die Sozialisierung der jüdischen B o u r g e o s i e und die Entmarxisierung d e r j ü d i s c h e n P r o i e t a r i e ru. So utopisch dies auch klingen mag, so schwer diese Arbeit für die in Traditionen großgezogene alte Generation sein mag, die jung e wird diesen Weg schon im Interesse der Organisation, aber auch mit Rücksicht auf die fortschreitende soziale Entwicklung betreten müssen. Will die zionistische Bewegung ihre Reihen festigen und erweitern, dann harren ihrer eben Aufgaben, deren Bewältigung nur möglich ist durch eine zielbewußte J u g e n d e r z i e h u n g. Zu diesem Zwecke müssen aber auch die diversen studentischen Vereine und Verbindungen der Organisation hilfreich zur Seite stehen und der Ausbildung i h r e r Mitglied e r auf allen wissenschaftlichen Gebieten (mit besonderer Berücksichtigung der zum Verständnis unserer Ziele erforderlichen Disziplinen) ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Dan n werden uns die .,alten Herren'4 die genügende Anzahl Intellektueller zuführen, die wir unbedingt benötigen, um eine intensive großzügige Agitation in allen jüdischen Gemeinden einleiten zu können; wir werden in diesem Falle dann auch überall die geeigneten Vertrauensmänner besitzen und unsere Organisation entsprechend ausbauen können. In diesem Sinne ist theoretische Arbeit zugleich praktische; aber auch in anderer Hinsicht. Sie beseitigt durch Klärung manche durch die S c h 1 a g \v o r t p o 1 i t i k entstandenen Unstimmigkeiten in den eigenen Reihen, erwärmt von neuem die infolge der Tageskämpfe müde und verdrossen Gewordenen, regt sie zu neuer Arbeit an und widerlegt schließlich manches Vorurteil gegen uns. Auf diese Weise bedingen sich also Theorie und Praxis, müssen Erziehungsarbeit und organisatorische Tätigkeit sich gegenseitig ergänzen. DIE^ELT WWW ^m>m>m>„ REVUE DER PRESSE fi mmm Die jüdische Presse in Rußland beschäftigt sich jetzt in erster Reihe mit den Dumawahlen, insbesondere mit dem Anteil der Juden an denselben. Der bisherige Verlauf der Wahlkampagne ist für die Juden, trotz aller gegen sie gerichteten behördlichen Schikanierungen, rein zahlenmäßig betrachtet, nicht ungünstig. Zahlreiche jüdische Wahlmänner sind durchgegangen und an manchen Orten, wie in Warschau und Lodz, bilden sie sogar die absolute Mehrheit. Wichtiger noch als diese Erfolge mag die erfreuliche Tatsache sein, daß die Juden diesmal nicht, wie bei den früheren Wahlen, ihre Kräfte zersplittert haben. Diesen Fortschritt in der inneren Konsolidierung behandelt , ,D i e Jüdische Woche" in ihrer jüngsten Nummer in einem bemerkenswerten Artikel über „Jüdische W e 11 p o 1 i t i k". Der Verfasser stellt zunächst fest, daß die Juden, die in Rußland 5 n«. der Gesamtbevülkerung ausmachen, Anspruch hätten, 24 Abgeordnete in die Duma zu entsenden. In Wirklichkeit aber sind die Juden über große Strecken des Zarenreiches zerstreut, — und selbst in denjenigen Bezirken, wo sie einen großen Teil der Stadtbevölkerung ausmachen, werden sie von der ländlichen Einwohnerschaft, die zumeist mit der Stadtbevölkerung zu gemeinsamen Wahlkörpern vereinigt sind, an Zahl übertroffen. Immerhin sind sie in der Lage, durch Abmachungen mit anderen Gruppen und Nationalitäten, die vielfach ihrer Unterstützung bedürfen, auf den Gang der Wahlen häufig entscheidenden Einfluß auszuüben und ein schätzenswerter Machtfaktor zu werden. Dazu gehört aber die Schaffung einer j ü d i s c h e n Konzentration, die im Namen der jüdischen Wähler mit den anderen Parteien zu verhandeln hätte und bestrebt sein müßte, betreffs der Aufstellung von jüdischen und judenfreundlichen Kandidaten vorteilhafte Bedingungen zu erlangen. Während der Wahlen zur ersten Duma wirkte der ,,Verband zur Erreichung der Gleichberechtigung", wenn auch nicht als eine solche „Konzentration", so doch als einheitliche Organisation, der es auch gelungen ist, zwölf jüdische Kandidaten durchzubringen. Bei den folgenden Wahlen aber trat eine verhängnisvolle Spaltung der jüdischen Wählerschaft ein. Die „Gruppisten" bekämpften die Zionisten; die jüdisch-proletarischen Parteien traten mit Sonderkandidaturen auf. Und der „Erfolg" blieb nicht aus. Die jüdische Fünfmillionenbevölkerung blieb in der zweiten und dritten Reichsduma fast ohne Vertretung, und nur einem Zufall war es zu verdanken, daß zwei bis drei jüdische Kandidaten doch gewählt wurden. Bei den jetzigen Wahlen ist jene Verderbliche Zerfahrenheit im

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