Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 44 (1.11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1358 Knabe" (Nationalgalerie, Berlin), „Kolumbus^ (Kolumbus-Museum, Chicago), ,,W ashington I r v i n g"- Monument (Zentral-Park New York), M u n k ä c s y - B ü s t e" (Nationalmuseum, Budapest), Grabmal Spitzer (Friedhof Passy, Paris) u. v. a. In Paris machte Beer die Bekanntschaft unseres seligen Führers Dr. Theodor Hcrzl, sowie die von Max Nordau, mit denen er dann in freundschaftlichen Beziehungen verblieb. Damals — es war die bewegte Zeit der „Affaire Dreyfus" — besann sich auch Beer auf sein Selbst, auf seinen jüdischen Ursprung. Er war einer der ersten, der dem Rufe Herzls mit seinem ganzen künstlerischen Enthusiasmus folgte. Schon am zweiten Zionistenkongreß nahm er persönlichen Anteil. Allen Zionisten wird noch die herrliche Kongreßmedaille in Erinnerung sein, die er dem Kongresse darbrachte und die Nordau so schön ,,D i e Verheißung" nannte. Die Medaille zeigt eine am Meeresstrand ausruhende Judenfamilie; der Vater, der den Wanderstab in seiner Linken hält, die Mutter, die dem Säugling die Brust reicht, und zwei Kinder. Das jüngere Kind liegt am Boden, das ältere Kind, mit dem Wanderstab in der Hand, steht aufrecht, bereit, die Wanderung fortzusetzen. Diesen Wanderern erscheint eine herrliche Gestalt, die das jüdische Ideal, den Nr. 44 Zionismus symbolisiert, und den müden Wanderern den Weg nach dem Lande der ersehnten Rast zeigt. — Im Jahre 1902 kam Beer nach Florenz, wo er bleibenden Aufenthalt nahm. Mehrere Schöpfungen seiner Kunst sind daselbst entstanden, von denen besonders zwei Statuen allgemeine Aufmerksamkeit erregten. Die eine Statue, welche das Judenelend in seiner ganzen Tragik darstellt, ist „Schema Israel" betitelt, die andere, welche die Arbeit verherrlicht, führt den Titel „Im Schweiße deines Angesichts". Letztere wurde von der Stadt Mühlhausen im Elsaß für einen Monumentalbrunnen angekauft, der auf dem Rathausplatz errichtet wurde. In seinen Werken erscheint uns Beer als eine Darstellungskraft ersten Ranges, in dem sich Realität und Idealismus zu harmonischer Einheit verbinden. Wenn sich Friedrich Beer im Reiche der bildenden Kunst einen großen Namen erworben hat, als einer der wenigen, die bei großem Können nicht mit ihrer „Originalität" prunken wollten, so ist sein Verdienst um die Renaissance des Judentums nicht hoch genug einzuschätzen. Wenn auch nicht „offiziell"' am Zionismus beteiligt, hat er doch sowohl in Frankreich wie hier in Florenz unermüdlich für das ewige und immer junge Ideal des jüdischen Volkes gearbeitet. R u d o l f o Lup u. DIE3^ELT Jüdische Bevölkerungsstatistik im osmanischen Reich Da nach dem osmanischen Staatsrecht der unterworfene Kitabi, d. h. der Anhänger derjenigen Religionen, die eine geschriebene Offenbarung (Kitab) besitzen, ob Jude oder Christ, zu einem Untertan zweiter Ordnung wurde, entstanden innerhalb des türkischen Staates zugleich mit den nichtislamischen Religionsgemeinschaften (R'ajas-Herde) neue staatliche Gebilde, die sogenannten Milel, denen fast völlig selbständige Gerichtsbarkeit und Verwaltung eignen. Als selbständige „Milel4' bestehen im osmanischen Reiche das griechische Millet (Mil'let- Gesamtheit der unter dem betr. Patriarchen -stehenden Diözesen), das Millet der gregorianischen Armenier, das Millet der jüdischen R'aja, das Millet der protestantischen R'aja, ferner die mit Rom unierten Kirchen des Orients und die lateinische Kirche des Orients. Eine zuverlässige Statistik kann für keine der angeführten Gruppen gegeben werden. Zwar war nach der politischen Umwälzung von 1Q0S von der geplanten Veranstaltung einer Volkszählung die Rede, die ja nicht bloß für die Ermittelung der Wahlfähigen, der Wehrpflichtigen usw. von Bedeutung sein müßte; aber Ergebnisse der Zählung liegen bisher nicht vor, und ob dieselbe überhaupt zur Ausführung gelangt ist, mag mit Recht bezweifelt werden. Wir sind daher für die jüdischen Bevölkerungsziffern auf eine Reihe anderer Quellen angewiesen, und angesichts der Schwankungen in den Angaben wird man sich begnügen müssen, sie nebeneinanderzustellen und das Mittel zu ziehen. Das Millet der jüdischen R'aja (Yahudi milleti) besteht in dem Grundstock aus spanischen Juden (Sephardim), die infolge der 1415 und 1492 stattgehabten Judenhetzen Spanien und Portugal verlassen haben und als Kitabi dem osmanischen Staatenverbande einverleibt wurden. Allerdings bildeten die Juden schon zu Muhammeds Zeit in Arabien und Syrien eine separate Gemeinde und wurden als Zimmi's beschützt; neuerdings sind auch aus Polen, Rußland und Westeuropa viele Aschkenasim dort eingewandert, An der Spitze steht ein Groß- oder Oberrabbiner (Chacham- Baschi), der seine Glaubensgenossen bei der Pforte vertritt. Ihm zur Seite steht ein geistlicher und ein Laien-Beratungskörper. Jener besteht aus 7 Rabbinern und überwacht den Kultus, dieser wird aus 9 Laien gebildet und regelt die weltlichen Angelegenheiten des Millet, namentlich die Finanzverwaltung. Daneben besteht noch ein aus 60 Laien und 20 Rabbinern zusammengesetzter großer Volkskonseil, dem die Wahl des Oberrabbiners und der beiden Beratungskörper obliegt; beide Wahlen erfordern die Bestätigung der Pforte. Zwei weitere Oberrabbiner, die jedoch dem Chacharn-Baschi untergeordnet sind und als dessen Vertreter angesehen werden können, haben ihren Sitz in Saloniki und Adrianopel; auch Jerusalem hat seinen offiziellen Chacham-Baschi. Die jüdische Sekte der Karaiten erlangte für ihr Oberhaupt durch ein Irade vom 25. August 1900 die ausdrückliche Anerkennung- Abdul Hamids. Ueber die jüdische Bevölkerung innerhalb des türkischen Reiches liegt eine Reihe von Statistiken vor, deren Nebeneinanderstellung lehrreich ist, weil sie an einem Musterbeispiel die auf statistischem Gebiet noch herrschende Unsicherheit herausstellt. Die „Jüdische Statistik" (cf. „Palästina", Jahrgang II, 1903, S. 14) trägt von verschiedenen Seiten über die Bevölkerungszahl folgende Angaben zusammen, denen ich in der fünften Spalte die Zahlen D. Jul. Richters (Mission und Evangelisation im Orient, Gütersloh 1908) hinzufüge: nach Meyers Lexikon nach Barnett nach Harris | nach Zeller nach Richter (1908) 1. Europ.Türkei a) ohneOstrumelien b) mit Ostrumelien 1 i 279 472 | 350 000 82 277 650 000 110 000 2. Asiat und afrikanisch. Türkei 262 500 j 162 729 247 bis 265 000 3. Insgesamt 541 972 350 000 245 006 650 C0O 357 bis 375 000