Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 43 (25.10.1912)
- Date
- 1912-10-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3315709-3316514-3316557--56646-3350597- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 43 MEÄELT 1333 einen hebräischen Verlag ins Leben zu rufen, da schien dieser Gedanke großen Beifall gefunden zu haben. In Wirklichkeit hat aber dieser Plan gar keine Aussicht, praktisch ausgeführt zu werden. Und warum sollen wir es nidht offen eingestehen? Ist denn bei uns die Nachfrage nach hebräischen Büchern so riesig groß, daß es nötig wäre, einen so großangelegten Verlag zu gründen? Kämpfen nicht vielmehr die wenigen existierenden hebräischen Verlagsanstalten schwer genug um ihre Existenz? Es wäre viel notwendiger und würde dem Judentum viel mehr Segen bringen, wenn man erst die Möglichkeit schaffen würde, die vorhandenen Bücher zu iesen und zu würdigen, als wenn man neue erscheinen ließe. Für das Programm dieser Organisation sollte die Förderung der hebräischen Kultur die Hauptsache und die der hebräischen Sprache nur Nebenzweck sein, denn ein Aufblühen der ersten bringt natürlich auch (den Aufschwung der zweiten mit sich. Kann es der „Histadruth" gleichgültig sein, daß die Missionsschulen unsere Kinder gerade in Palästina unserer Sprache und unserem Volke entreißen? Daß „jüdische" Gesellschaften aus aller Herren Länder in Palästina ein Neu- Babylonien gründen, indem sie dorthin alle möglichen Sprachen und Kulturen tragen und auf Kosten der unserigen in den Schulen verbreiten? Kann die Organisation für hebräische Kultur es ruhig geschehen lassen, daß die erste Bibliothek im Heiligen Lande aus Mangel an Mitteln zugrunde geht, und die hebräische Mittelschule Jerusalems aus ebendenselben Ursachen ein kümmerliches Dasein fristet? Ist eine Abhilfe dieser Zustände nicht viel mehr den Zielen der Organisation entsprechend, als die Gründung eines Verlages? Eine halbe, ja eine ganze Million täte unserer „Histadruth" not, aber nicht um mit dem Gelde schwindsüchtige Unternehmungen zu gründen, sondern um das Ailerselbstverständlichste zu tun, was eine solche Organisation tun soll, um der hebräischen Kultur zu einer gesunden Entwicklung zu verhelfen. Einen Kulturfonds brauchen wir, den verschafft uns, ihr Herren von der Histadruth! Setzt alle Hebel in Bewegung, daß er nicht ewig eine schöne Phantasie bleibe, sondern in Balde wirklich zustande kommt. Für den Augenblick heißt es: Arbeiten, praktisch arbeiten, und nicht schwärmen, unsere bestehenden Kulturanstalten unterstützen und nicht großen aber leeren Ideen nachjagen. Daß die „Histadruth" Lebensrecht und -Kraft hat, kann sie nur durch eine solche Tätigkeit beweisen. Möge sie möglichst bald mit frischem Mut an sie herantreten! Abraham M i h a s c Ii a n. o o o o o o o o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG Herr Dr. Arthur R u p p i n in Jaffa, der hochverdiente Leiter unseres Palästinawerks, ist von einem schweren Schicksalsschlage betroffen worden. Seine Gattin Selma, geb. Leweck, wurde ihm plötzlich durch den Tod entrissen. Wir sprechen Herrn Dr. Ruppin unsere herzlichste Teilnahme aus. ♦ Anläßlich des Hinscheidens meiner Frau, sind mir von Freunden, Vereinen und Institutionen so viele Beweise der Teilnahme zugegangen, daß es mir beim besten Willen nicht möglich ist, jedem einzelnen zu danken. Ich bitte daher auf diesem Wege meinen aufrichtigsten Dank entgegenzunehmen. Köln, Oktober 1912. David Wolffsohn. Spendenliste Anläßlich der jüngsten Sitzung des Zentralkomitees wurden folgende Beiträge für die auf den Namen Ussischkins und Tschlenows zum Andenken an das dreißigjährige Jubiläum ihrer nationalen Tätigkeit zu gründenden Gartenstädte in Palästina („Menachem" und „Jechiel") *) gezeichnet. Francs Rubel Mark Dr. N. Katzenelsohn, Libau.....1ÜO0 M. Feldstein, Warschau......500 Dr. H. G. Heymann, Berlin.....500 A. Podlischevvsky, Warschau .... 300 H. Urysohn, Moskau....... 100 Julius Simon, Mannheim...... 100 Professor Dr. Otto Warburg, Berlin . . 100 Dr. Arthur Hantke, Berlin..... 200 M. M. Trop .......... 100 Dr. Emil Margulies, Leitmeritz ... 30 Adolf Stand, Lemberg....... 30 *) Vgl. „Welt" 1912, Nr. 13, SS. 416—417. Wir erhalten hierzu folgende Zuschrift: Wie bekannt, hat die jüngste Konferenz der russischen Chüwewe-Zion den Beschluß gefaßt, zum Andenken an das Jubiläum der dreißigjährigen segensreichen Arbeit Ussischkins und Tschlenows im Dienste unserer großen Volkssache, in der Nähe größerer palästinensischer Städte mit zahlreicher jüdischer Bevölkerung zwei kleine Gartenstädte zu gründen, wo die junge Generation aus den palästinensischen Städten der produktiven Arbeit zugeführt werden und ihren Lebensunterhalt durch Garten- und Gemüsebau, Geflügelzucht, Milchwirtschaft usw. finden soll. Zwecks Realisierung dieses Beschlusses wurde bereits in Rußland ein ziemlich hoher Betrag aufgebracht. Anläßlich der jüngsten Sitzung des Zentralkomitees wurde der betreffende Fonds um die oben angeführten Summen bereichert. Allein die uns zur Verfügung stehenden Summen reichen für das geplante Werk nicht aus. Da sich uns gegenwärtig die günstige Gelegenheit bietet, für diesen Zweck geeignete Terrains zu erwerben und uns ein Aufschub der Sache höchst untunlich erscheint, so richten wir hiermit an alle Gesinnungsgenossen, die Ussischkin und Tschlenow für ihre unvergänglichen Verdienste um unser großes nationales Werk Dank wissen, und die an der Entwicklung eines gesunden Volkslebens in Palästina Interesse haben, die ergebenste Bitte, sich an der Schaffung der beiden Gartenstädte ,,M e n a c h c mu und ,,J e c h i e 1" nach Kräften zu beteiligen und uns ihr Scherflein für das schöne Werk umgehend zukommen zu lassen. Mit ergebenem Zionsgruß Im Namen der Spezialkoinmission: Samuel B a r b a s c h. Dr. J. S a p i r. C h. Etting er. * Adresse für Geldsendungen: Bankhaus S. Barbasch, Odessa (Rußland).