Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 43 (25.10.1912)
- Date
- 1912-10-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1332 Zweck der Versammlung den organisatorischen Zusammenschluß der bestehenden Turnvereine und die Erörterung der erforderlichen Maßnahmen zur Ausbreitung der Turnbewegung in Stadt und Land bezeichnete. Herr Abieser J ellin »erstattete den Rechenschaftsbericht des vorbereitenden Komitees. Herr Naphcha berichtete über den Jerusalemer Turnverein, der bis jetzt 272 Mitglieder zählt, darunter 27 aktive Turnerinnen. Eine besondere Turnabteilung hat der Verein für die Zöglinge der Talmudschulen (Jeschiboth) eingerichtet. Dieser Abteilung gehören jetzt 27 Turner an. Der Verein nimmt auch im öffentlichen Leben Jerusalems eine geachtete Stellung ein und hat außer dem Schauturnen zum Besten des Roten Halbmonds" eine Reihe von geselligen Abenden, Ausflügen, öffentlichen Versammlungen, Vorträgen usw. veranstaltet. Herr Salvar berichtete über den seit Jahresfrist bestehenden Turnverein in der Kolonie P e t h a c h - T i k w a h. Lehre" J. Teller teilte mit, daß auch in der Kolonie R e ch o - b o t h vor kurzem eine Turngruppe ins Leben gerufen worden sei, der fast die ganze Jugend augehört. Es fehlt dort an einem geeigneten Turnlehrer. Aehnüch lauteten die Berichte der Vertreter der Kolonien Rischon le-Zion, S i c h r o n- J a k o b und N e s s - Z i o n a h. Turnlehrer C) r 1 o f f berichtete über den Stand und die Entwicklung des jüdischen Turnvereins in J a f f a , der über eine geübte aktive Turnerschaft von ()() .Mitgliedern verfügt. Ein Zweigverein wurde jüngst im jüdischen Stadtviertel Tel- A w i w gegründet. Im Anschluß an die verschiedenen Berichte entwickelte sich eine rege Aussprache über den Arbeitsplan und die nächsten Aufgaben der jüdischen Turnerschaft Palästinas. Es wurde insbesondere die Notwendigkeit der Ausbildung geeigneter Lehrkräfte hervorgehoben. Die Versammlung faßte eine Reihe wichtiger Beschlüsse und genehmigte zum Schlüsse den vom vorbereitenden Komitee eingebrachten Satzungsentwurf für den jüdischen Turnverband Palästinas. Unsere Kulturinstitutionen und die „Histadruth" In den letzten Wochen hörten wir den Hilferuf zweier jüdischer Kulturstätten Palästinas herübertönen. Erst war es der Direktor des hebräischen (jymnasiums in Jerusalem, der anläßlich der Konferenz unseres Zentralkomitees nach Berlin gekommen war, um für die ihm unterstellte Sehlde Freunde zu gewinnen, und gleich darauf lesen wir im „Haolam" (Nr 21 22) den verzweifelten Aufruf der Jerusalemer Nationalbibiiothek, welche mit unüberwindlichen Schwierigkeiten zu ringen hat und uns deshalb auffordert, ihr beizustehen. Beide Institutionen sind für jeden national gesinnten Juden von einem Wert und einer Bedeutung, die kaum hoch genug veranschlagt werden können. In der unglücklichen, vom Staube des Aberglaubens und dem Schmutze des Schnorrerfeistes so verunstalteten urbs aeterna, weht seit' einigen Jahren ein frischer, belebender und erlösender Hauch, es ist der Geist der seelischen Aufrichtung und Genesung der Jerusalenier Judenheit. Jerusalem will aufhören zu sein, was es war: eine Stadt von Fanatikern und eine Stätte der Unkultur, es will sich vielmehr zur Verheißung des Propheten emporschwingen, die ihm die Rolle eines Kulturzentrums der Welt zuerteilt., es will am Leben des modernen, gesunden Judentums den ihm zukommenden Anteil nehmen, und an dem großartigen Bau der Junghebräer mitarbeiten. Aus diesem Bestreben heraus und dank dem opferfreudigen Idealismus einiger Lehrer und Kulturträger wurde daselbst das Gymnasium gegründet, welches auf geistigem Gebiete dasselbe zu leisten berufen ist, was der „Bezaiel" auf dem ökonomisch-praktischen schaffen will: Eine Generation von Juden auszubilden, die es als ihr Lebensziel betrachten, zur Hebung des Landes, des Volkes und der Sprache nach Kräften beizutragen. Daneben erfüllt es auch die Aufgabe eines jüdischen „Schmelztiegels", indem es Chaluka-, sephardische, bucharische usw. Kinder zu einem einheitlichen jungen Schülervolke vereinigt, Nr. 43 und was bei den Erwachsenen nicht leicht erzielt werden kann, gelingt spielend bei den jugendlichen Zöglingen. Die Existenz einer hebräischen Mittelschule in einer Stadt, deren Einwohner zu 7ün,o Juden sind, ist eine absolute und dringende Notwendigkeit; das geht schon allein daraus hervor, daß alle Richtungen der Jerusalemer Judenheit der Schule freundlich gesinnt sind. Nur so konnte das Gymnasium im Laufe eines kurzen Trienniums 5 Klassen eröffnen, die ca. 100 Schüler zählen. Die weitere Ausbildung und Vervollkommnung der Anstalt ist aber durch den Mangel an Mitteln so gehemmt, daß sich die Leitung gezwungen sah, an das Ausland zu appellieren. Die schöne Antwort Galiziens, welches sich bereit erklärt, die für den Bau eines eigenen Hauses nötige Summe von 100 000 Kronen innerhalb Jahresfrist aufzubringen, zeugt von sehr viel gutem Willen, aber sie löst das Problem nur zur Hälfte: denn das laufende Budget, welches jetzt bereits 20 000 Franken jährlich erfordert, und natürlich von Jahr zu Jahr steigen muß, bereitet den Leitern des Gymnasiums Sorge und Kopfzerbrechen, und zwingt sie von neuem, an uns mit dem Ruf um Abhilfe heranzutreten. Daneben steht die Nationalbibliothek und ruft uns die unerfreuliche Wahrheit zu, daß ihr der Untergang droht, falls nicht schleunigst Hilfe gebracht wird. Der Leser weiß gewiß nicht, daß 30 000 Bände in einem unvollendeten kleinen Hause kümmerlich zusammengepfropft sind, daß auf diesem Hause 15 000 Franken Schulden lasten, daß über 5000 Bücher noch nicht katalogisiert, das heißt auf ihren Inhalt geprüft, daliegen! Während alle Völker der Welt für Schulen und Bibliotheken Millionen ausgeben, während unsere reichen Volksgenossen für zahllose Schulen und Bibliotheken in den verschiedenen Landern bereitwilligst Opfer bringen, kümmert sich um unsere armen Kulturanstalten fast niemand, und die Stadt, von der die Kultur der gesamten Menschheit ausgegangen ist, hat heute nicht einmal ein richtiges Gymnasium und eine anständige Bibliothek! Die schreckliche Lage der letzteren hat zwar unsere Organisation zur Hilfeleistung bewogen, und auch der Hilfsverein bestrebt sich, durch Subventionen dem Uebel ein klein wenig zu steuern. Aber diese Subventionen reichen bei weitem nicht aus, um eine Verbesserung der Lage herbeizuführen und die Existenzfrage zu lösen. Nun fragt es sich: Wer kann und muß diesen Institutionen aus der Not heraushelfen, wer hat die Pflicht, sie zu pflegen und in die Höhe zu bringen? Natürlich wir alle, ohne Ausnahme. Aber da wir eine Menge von Organisationen, jedoch keine einheitliche Organisation für die Interessen des gesamten Judentunis haben, so muß die Frage so formuliert werden: Welcher von diesen Organisationen kommt es zu, sich dieser jüdischen Kulturanstalten anzunehmen? Und hier ist es nicht mehr so leicht, eine passende Antwort zu finden. Wenn die A. I. LI. die Millionen, die bei ihr auf Lager liegen, zu wirklich jüdischen Zwecken gebrauchen wollte, so wäre das Problem leicht gelöst. Da aber weder das Gymnasium noch die Bibliothek auf die Fahne der französischen Republik den Treueeid ablegen werden, so ist es nicht einzusehen, weshalb diese Pariser Gesellschaft plötzlich auf einen solch jüdischen Einfall kommen sollte. Der Hilfsverein, der ja wenigstens die Bibliothek schon unterstützt, kann wegen seiner anderweitigen Inanspruchnahme eine radikale Besserung der Zustände nicht herbeiführen. Bei uns Zionisten steht es ebenso, da das Budget unserer Leitung auch so schon groß genug ist und neue Posten nicht mehr aufnehmen kann. Da bleibt nur noch die „Histadruth Ibrith" übrig, und an diese möchte ich mich wenden. Als vor einigen Jahren in einem Augenblick des Enthusiasmus der Entschluß gefaßt wurde, einen Fonds in der Höhe von einer halben Million zu gründen, um DIEÜ0KELT