Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 43 (25.10.1912)
- Date
- 1912-10-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 haben, befaßt sich jetzt mit einem Vorschlag, die Fabrik zu pachten und sie kooperativ weiter zu betreiben. T i b e r i a s , Anfang Oktober. Dem Vernehmen nach wird das hiesige Spitzenatelier, das bis nun 50 Mädchen beschäftigt hat, vergrößert werden. Es sollen noch 25 Mädchen aufgenommen werden. Es soll auch eine besondere Lehrerin für Nähen und Zuschneiden engagiert werden, womit unserer Stadt sehr gedient wäre. J e r u s a 3 e m, Anfang Oktober. Herr Salomen Schiller, der Leiter des Hebräischen Gymnasiums in Jerusalem, ist von seiner Europareise, die er im Interesse des Gymnasiums unternommen hat, zurückgekehrt. Hoffentlich ist jetzt die Existenz dieser wichtigen Anstalt gesichert. In Deutschland und Oesterreich fand Herr Schiller lebhaftes Interesse für das Gymnasium, und es wurden auch vielversprechende Schritte eingeleitet, um für die Deckung des jährlichen Budgets Sorge zu tragen. Auch bekannte Persönlichkeiten aus Rußland haben ihre tatkräftige Mithilfe zugesagt. Zu gleicher Zeit befaßte sich Herr Schiller mit der Gewinnung geeigneter Lehrkräfte für die Anstalt. Für Bibel und Talmud ist Dr. Chac h a m aus Wien engagiert worden. Für andere Fächer sind ebenfalls gediegene Lehrkräfte in Aussicht genommen. —- Die Zahl der Schüler ist im Wachsen begriffen. Während das abgelaufene Schuljahr mit ca. 80 Schülern abgeschlossen hat, wird das neue wahrscheinlich mit mehr als 100 beginnen. Erfreulich ist es, daß mehrfach Kinder, die bis nun Schulen christlichen Charakters besucht haben, sich jetzt für den Eintritt ins Hebräische Gymnasium vorbereiten. Aus den Kolonien Sichron-Jakob. Dank der Bemühungen der I. C. A. - Administration wurde hier im November 1905 eine Gesellschaft für Viehversicherung ins Leben gerufen, die von der I. C. A. einen Zuschuß von 1200 Frcs. erhalten und bis September 1906 gewirkt hat. Nachher geriet sie ins Stocken, und es bedurfte der eifrigen Arbeit des hiesigen Arztes, Dr. Hilel Joffe, um sie am 1. März 1909 zu reorganisieren, so daß sie von neuem ihre wichtige Tätigkeit aufnehmen konnte. Seit 1909 entwickelt sich die Gesellschaft ganz gut. Diese Woche fand die jährliche Generalversammlung statt. Aus dem Bericht war zu ersehen, daß im abgelaufenen Jahre der Gesellschaft 30 Mitglieder (im vorigen Jahre 25) angehörten, die insgesamt 167 Tiere (im vorigen Jahre 130) versicherten. An Beitragsgeldern gingen 1258,85 Frcs. ein. Gefallen sind im abgelaufenen Jahre 6 Tiere, für die die Gesellschaft 453 Francs an die betreffenden Mitglieder zu zahlen hatte. Außerdem zahlte noch die Gesellschaft 392 Frcs. für Einspritzungen, 120 Frcs. an den Sekretär und 120 Frcs. an den Kontrolleur. Das Jahr schloß mit einem Ueberschuß von 369 Frcs. Das Gesamtvermögen der Gesellschaft beträgt 2018,40 Frcs. Die Ferienkurse, die in unserer Kolonie für die Lehrer Palästinas veranstaltet wurden, haben sich auch finanziell im Rahmen des Voranschlags gehalten. Die Einnahmen sowie die Ausgaben betrugen ca. 8000 Frcs. Verblieben sind Betten, Geräte, Instrumente usw. im Werte von ca. 1500 Frcs. als Requisiten für die Abhaltung der künftigen Ferienkurse. Das Gesamtresultat der diesjährigen Ernte ist für unsere Kolonie nicht unbefriedigend. Die Sommerernte entschädigt in mancher Hinsicht für den Ausfall bei dem Wintergetreide. Besonders der Sesam brachte reichen Ertrag. Leider ist jetzt der Getreidemarkt äußerst flau. Der Getreidehandel liegt fast ausschließlich in arabischen Händen, woraus sich auch bezüglich der Preisbildung sowie der Zahlungstermine Unzuträglichkeiten ergeben. In diesem Jahre kommen fast gar 1331 keine Händler in unsere Kolonie und der Mangel an Bargeld macht sich sehr fühlbar. Seltsam ist es, daß die Juden, die in Europa vielfach hervorragende Getreidehändler sind, hier vorläufig fast keinen Einfluß auf diesem Gebiete haben. Es ist anzunehmen, daß eine Handelsgesellschaft, die über ein größeres Kapital verfügte, gleich dem „Pardess" auf dem Gebiete des Orangenbaus, den Getreidebau treibenden Kolonien förderlich wäre, und bei geschickter, kaufmännischer Leitung gewiß auch geschäftlich reüssieren würde. Dagania. Alljährlich tritt nach Beendigung der Drescharbeiten im August ein gewisser Mangel an Arbeitsgelegenheit in den Getreide bauenden Kolonien ein. Denn die Vorbereitungsarbeiten für die Winterbestellung beginnen in der Regel erst nach dem Niedergang des ersten Regens, der das Feld geeigneter zum Beackern macht. Somit tritt für die jüdischen Feldarbeiter eine unfreiwillige Arbeitspause ein, die über zwei Monate dauert. Auch die sogenannten jährlichen Arbeiter werden in der Regel von den Kolonisten nur für 10 Monate engagiert. Daß ein solcher Zustand von den Arbeitern sehr drückend empfunden wird, braucht nicht weiter ausgeführt zu werden. Mit dieser Frage befaßte sich nun der Vorstand der galiläischen Arbeiter in einer Sitzung, die dieser Tage bei uns stattgefunden hat. Es wurde beschlossen, daß die beschäftigungslosen Arbeiter sich als Gruppen zusammenschließen sollen, um verschiedene Arbeiten, wie Reinigung der Felder von Steinen, Anlegung von Straßen usw. in Akkord zu übernehmen. Der Vorstand beschloß ferner, mit den Verwaltungen von Dagania, Merchawjah, Medschdel u. a. wegen Vergebung derartiger Arbeiten in Verhandlung einzutreten. Schulwesen und Schrifttum Seinerzeit haben die palästinensischen Schriftsteller zum Andenken an die gefallenen jüdischen Wächter ein Sanimelbuch „Jiskor" herausgegeben. Das Buch fand große Verbreitung und erzielte einen Ueberschuß, der jetzt zur Herausgabe literarischer Sammelbücher verwendet wird. Das erste Sammelbuch „Jisre'el" unter der Redaktion von A. S. R a b i n owitz liegt nun vor. In erster Reihe verdient eine Novelle von Agnon ,,Der Traum des Jakob Nachum" genannt zu werden. Die reiche Begabung Agnons hat sich in letzter Zeit in einer Anzahl herrlicher Dichtungen offenbart, von denen in der „Welt" noch die Rede sein wird. Auch in dieser Novelle zeigt der junge Künstler durch die feine Konzeption, die schönen, packenden Bilder und die gediegene Sprache, in der er von einem russischen Kritiker B i a 1 i lc und M e n d e 1 e an die Seite gestellt wurde, daß er sich einer vielversprechenden Reife nähert. J. Z. Rimon hat ein hübsches Gedicht ,,Der tote Mond" beigesteuert. Josua B a r s i 1 a i (Eisenstadt) schildert eine Reise in Galiläa vor 12 Jahren. Das Buch enthält noch Novellen von K. L. S i 1 m a n und A. S. R a b i n o w i t z , ein Gedicht von Fi ch mann u. a. Rabai (Pseudonym) hat ein lyrisches Gedicht und Betrachtungen in Prosa beigesteuert, die angenehm auffallen. Man wird nicht fehlgehen, in dem Autor dieser Arbeiten einen der angesehensten Rabbiner Palästinas zu vermuten . . . Jüdische Turnkonferenz ir? Palästina Am 29. September fand in der Aula des Hebräischen Gymnasiums in Jaffa der erste Vertretertag der jüdischen Turnerschaft Palästinas statt. Zu der Tagung waren über 30 Delegierte aus verschiedenen Städten und landwirtschaftlichen Kolonien erschienen. Die Eröffnungsrede hielt Herr Goldschmidt aus Jerusalem, der die bisherigen Fortschritte der jüdischen Turnbewegung in Palästina skizzierte und als