Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 40 (2.10.1912)
- Date
- 1912-10-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 40 ■ b\El 4. Dem' Geiste der Verfassung gemäß haben die Gesetze und Organe des Staates über den Schutz der nationalen Interessen aller Elemente zu wachen und sie gegen jede Unterdrückung, Angriff oder Aufreizung zu beschützen. 5. Alle Elemente des Reiches sind absolut gleich an Rechten und an Pflichten. Daraus folgt: 1. eine gleichmäßig gerechte Auswahl der Zivil- und Militärbeamten aus der Mitte aller Elemente, 2. der freie Zutritt der Glieder aller Elemente zu den Staatsschulen, 3. die staatliche Anerkennung und Subvention erung der Schulen aller Elemente im gleichen Ausmaße mit den Staatsschulen, 4. das Recht auf den Gebrauch der nationalen Sprachen als Unterrichtssprachen in diesen Schulen, die aber gleichzeitig obligatorisch die offizielle Staatssprache zu unterrichten haben. 6. Die konstitutiven Reichselemente müssen ihre Proportion eile Vertretung in beiden Parlamenten haben, sowie in den Verwaltiingskörperschaften der Wilajets, Kasas und Nahies." Die türkische Regierung gegen die antisemitische Hetze Konstantinopel. Der durch die Manifestation der jüdischen öffentlichen Meinung herbeigeführte energische Protest des Medschliss Dschismani gegen die antisemitische Preßkampagne hat einen entschiedenen Erfolg gehabt. Der „Jeune Türe" meldete vergangene Woche hierüber folgendes: „Informationen aus bester Quelle zufolge hat sich die Regierung in der Sitzung des Ministerrates vom 18. d. Mts. mit den von seiten einer gewissen Presse gegen die Juden gerichteten Angriffen beschäftigt. Der Justizniinister, Senator Halim Bej, erhob sich energisch gegen diesen unqualifizierbaren Feldzug und erklärte, daß die Regierung energische Maßregein ergreifen müsse, um ihm ein Ende zu setzen. Halim Bej rühmte zugleich das jüdische Volk und dessen Anhänglichkeit an das osmanische Vaterland. Der Justizminister erhielt wärmste Unterstützung von seiten mehrerer anderer Mitglieder des Kabinetts, die auf die Gefahr hinwiesen, die die Veröffentlichung solcher Artikel gegen eines der friedfertigsten und dem Reiche ergebensten Landeselemente mit sich brächte. Die Regierung zog die vorn Konsistorium vorgebrachten Klagen in ernste Erwägung. Der Staatsanwalt, heißt es, soll mit der Angelegenheit befaßt werden, damit die schuldigen Blätter und die Schreiber der Artikel in Gemäßheit der bestehenden Pressegesetze vor Gericht gezogen werden/' Diese Meldungen des „Jeune Türe" sind seitdem durch eine offizielle Mitteilung bestätigt worden, die das Großrabbinat letzthin an die hiesigen jüdischen Blätter versandte und die wir im folgenden wiedergeben. Das Großrabbinat schreibt: „Der Justizminister hat dem Großrabbinate durch die Vermittlung eines der Mitglieder des Medschliss Dschismani bekanntgegeben, daß das offizielle Pressebureau aufgefordert worden ist, den Direktoren aller Blätter Weisungen dahingehend zu erteilen, daß jede Kampagne gegen die Juden zu vermeiden ist. Außerdem steht die Regierung im Begriffe, ein Gesetzesprojekt auszuarbeiten und der Kaiserlichen Sanktionierung zu unterbreiten, welches alle Angriffe gegen irgendeine der nationalen Gemeinden verbietet." :ELT 1241 Ein Protest der Studenten Unter Führung des jüdisch-nationalen Studentenvereins „Agudath Hamitlamdim" hat sich die jüdische Studentenschaft der Hauptstadt in mehreren Meetings vereinigt und einen gemeinsamen energischen Protest gegen die antisemitischen . Presseangriffe beschlossen, der in den Blättern veröffentlicht wurde. Auch größere Kreise der nichtjüdischen, besonders der armenischen, Studentenschaft haben sich dem Proteste angeschlossen. , Eine armenische Stimme gegen Antisemitismus und Antizionismus Das Organ der Hintschakistenpartei der Armenier „Nar Aschcharach" veröffentlichte vergangene Woche einen Artikel, in dem es heißt: ,,Wenn es Nationen gibt, die groß genannt zu werden verdienen, so ist die jüdische Nation unbestreitbar eine von ihnen. Dieses Volk war groß und ist groß. Es hat nicht < nur heute, sondern in allen Jahrhunderten Persönlichkeiten ( hervorgebracht, die sich in allen Zweigen der Wissenschaft . und schöpferischer Menschenarbeit hervorgetan haben. Und 1 gleichwohl ist dieses große Volk ungerecht verfolgt. Das; ist ja von jeher das Vorrecht aller Großen auf der Erde gewesen. Die Pfeile, die aus gewissen türkischen Kreisen I gegen die jüdische Nation geschleudert werden, sind nicht j nur ungerecht, sondern auch, frei heraus gesagt, gefährlich für die dauernden Interessen dieses Landes. Die Türkei bedarf für ihre Regeneration dieser großen! Nation im allgemeinen und ihrer arbeitenden Klasse im I | besonderen." Nach einer Analyse der Ursachen des Antisemitismus schreibt das Blatt über den Zionismus wie folgt: „Ist die jüdische Einwanderung nach Palästina den dauernden Interessen des osma- ] n i s c h e n Reiches schädlich? Keineswegs! Sie ist mehr als nützlich.; Bietet sie irgendeine Gefahr für den Staat, eine entfernte Gefahr auch nur? Nimmermehr! Es genügt, nur den Fuß nach Palästina zu setzen, in die jüdischen Kolonien, um zu sehen, wie die schöpferische jüdische Arbeit sogleich die Wüsten in Fruchtland, in blühende Gärten verwandelt. Diese Gegend des osmanischen Reiches unterscheidet sich auf den ersten Anblick schon von den; Gegenden ihrer Umgebung durch ihre Zivilisation und euroj päische Kultur. Der Jude zeigt sich in diesem Landesteile s [' als zivilisatorischer Faktor, als Avantgarde des Fortschritts. Er ist ein Fortschrittsfaktor auf allen Gebieten, im Ackerbau, in allen Zweigen der Industrie. Alles ist dort modern, europäisch. Fördert das alles nicht den Staatsschatz? Wieviel tausend ' Pfund jährlicher Mehreinnahmen laufen von da in die Staatsj kasse? Warum wird die Einwanderung von Rassen, die an Kultur; der jüdischen weitaus inferior sind, nicht als schädlich erjj achtet? i Alle Nationen, die dieses Land zusammensetzen, '(:' müssen ein vollkommenes und unverletzliches Recht darauf > \, besitzen, nicht allein ihr nationales Sein bewahren zu können, sondern auch alle Bedingungen für ihren Fortschritt und ihre i j> Wohlfahrt ihr eigen nennen. Warum dieses Recht gerade Vj den Juden verweigern? Warum Mißtrauen hegen ji! und die Türen verschlossen halten gegen- J!j über einem solchen Kulturelemente?" \ ' * ' Dieser warm geschriebene Aufsatz, der, wie wir erfahren, den Chef der hintschakistischen Partei, einer der beiden großen