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Die Welt · 1912-09-25 · 39 (25.9.1912) · page 17

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
39 (25.9.1912)
Date
1912-09-25
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 39 Juden aus Wirklichkeit?" Für Buber besteht zwischen der physischen Gemeinschaft des Blutes und der geistigen Gemeinschaft im Volkstum lebendiger Ideen ein unauflösliches Band, das nicht in einem physischen Zwang begründet, sondern in geistiger Freiheit zu beherrschen ist. Mehr als anderswo ist die Erhaltung des Judentums der Freiheit überantwortet. „Wo die natürliche objektive Situation des einzelnen in seinem Verhältnis zum Volke gegeben ist, verläuft das Leben in Harmonie und gesichertem Wachstum; wo sie nicht gegeben ist, gerät der einzelne, je bewußter, je ehrlicher er ist, je mehr Entschiedenheit und Deutlichkeit er von sich fordert, desto tiefer in einen Konflikt, er wird desto unausweichlicher vor eine Wahl gestellt ... es wäre sinnlos, sich etwa von der umgebenden Kultur freimachen zu wollen, die ja von unseres Blutes innersten Kräften verarbeitet und eingeeignet worden ist. Wir wollen und dürfen uns bewußt sein, daß wir in einem prägnanteren Sinne als irgendein anderes Volk der Kultur, eine Mischung sind. Aber wir wollen nicht die Sklaven, sondern die Herren dieser Mischung sein." So verwandelt sich die Gebundenheit des Blutes in schöpferische Kraft. Denn als generelle Einheit ist das jüdische Volkstum Ideenträger, Träger vor allem der Ideen der Einheit, der Tat und der Idee der absoluten Zukunft, die das Leben in den Dienst der absoluten Zwecke emporhebt. Nicht als ob der einzelne Jude Träger dieser Ideen wäre, aber sie prägen sich im Volkstum, in der Geschichte und in den Volkstrieben aus, in reinen oder getrübten, ja in positiven oder negativen Formen. Gerade das innere Dualitätsbewußtsein macht die Tragik des Juden aus und das ist auch der Punkt, von dem aus vielleicht die, ich möchte sagen, „geistantisemitischen" Anschauungen Weiningers und einiger ehrlicher Denker, die nur die negative Seite dieser Dualität sahen, zu beleuchten wäre. Bubers Reden sind sicherlich nicht das letzte, was gesagt werden kann. Vor allem muß ja auch das Judentum als Idee bereits unabhängig vom nationalen Ausgangspunkt, in sich selbst gegründet sein. Andererseits kann das neue Judentum zwar eine Umwandlung erfahren, aber keine N e u s c h ö p f u n g sein. Seine Erkenntnis ist Historie. Und eine Darstellung seines Geistes kann des Gewordenen, Ueberlieferten nicht entraten. Eine strenger auf das Historische sich stützende Darstellung über das Wesen des Judentums liegt in zwei interessanten Schriften vor, deren eine ein bißchen sensationell wirken könnte, weil sie von einem Rabbiner in den Bahnen Rudolf [Zucke ns geschrieben ist: nämlich „Die Geistesrelie; ion und das jüdisch e.Religionsgeset z*' von t33HHUH9BRBRf^^ 1217 I. Ziegler*), während das andere „Von den Juden für die Juden**)", einen obskureren Verfasser hat, aber in einer äußerlich nicht entsprechenden Ausgabe und manchmal etwas unklaren Sprache manche fruchtbare Idee verbirgt. Beiden Büchern ist der Ernst des aus sich selbst zur Wahrheit Ringenden nachzurühmen. Zieglers Buch ist offenbar das Resultat einer Auseinandersetzung zwischen geistigem Judentum und „universeller Geistesreligion". Es soll aber weit mehr sein, als ein Kompromiß zwischen ein bißchen Aufklärung und ein bißchen Judentum, wie es die alte Aufklärungsepoche charakterisiert. Von einem Mut der Ueberzeugung spricht es, daß - wie immer wir uns zum einzelnen stellen mögen gerade das Prinzip des Gesetzesjudentums in dem Gedanken der Objektivierung der religiösen Idee gesucht wird. „Das Gesetz ist niemals Selbstzweck, immer nur der Nebenzweck, der sich in den Hauptstrom der Religion, der Ethik, ergießt." Die konkrete Form unterscheidet die historische von der Geistesreligion — und sie gibt auch die Möglichkeit und Notwendigkeit der Synthese zwischen einem äußerlich dokumentierten religiösen Judentum und der modernen Weltauffassung im Sinne des Autors. Eine konkrete Form ist aber notwendig, d e n n „nur d a s V e r w eben der Lehre mit dem Leben, das Einbeziehen des Lebens in die Lehre, vermögen uns die Religionsidee derart einzuprägen, daß sie ein wesentlicher Teil unseres Seelenlebens wird44. Bildet das Gesetz die Verstofflichung der Religionsidee, so fordert das Bewußtsein dieses Prinzipes nicht die Erstarrung in der Gesetzeserfüllung, sondern deren „Zitrückführung auf ihre einfacheren Formen44, was, wenn es aus dem historischen Bewußtsein heraus geschieht, eben nicht jene äußerliche Reform wäre, die mehr aus negierenden als aus religiösen Interessen entsprungen war. Wenn die Auffassung des Autors, dessen aligemeine Geistesreligion noch immer ein vages Gebilde bleibt, manchen Widerspruch erfahren würde, so bliebe der Wert des Buches darin bestehen, daß manches Wertvolle, besonders aus dem talmudischen Schrifttum, das die jüdische Geistesreligion kennzeichnen soll, in sehr guter Auswahl und Anordnung den Hauptteil des Buches bildet. Das Buch von Horowitz stellt eine selbständigere Auffassung des Judentums dar, wenn diese auch nicht überall bis zur Klarheit des Begriffs gebracht ist. Der *) Sgnaz Ziegler: „Die Geistesreligion und das jüdische Religionsgesetz'4. Ein Beitrag zur Erneuerung des Judentums. Berlin, Georg Reimer. **) M. L. Horowitz: „Von den Juden für die luden44. I. Buch. Braila. Unsere geehrten Abonnenten, deren Bezugszeit am 30. September 1912 abläuft, ersuchen wir um gefl. rechtzeitige Einsendung des Abonnementsbetrages. Den Abonnenten in Deutschland und Oesterreich - Ungarn haben wir Zahlkarten bzw. 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