Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 39 (25.9.1912)
- Date
- 1912-09-25
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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1218 DIE3KEELT; Nr. 39 Autor will, was ihm nur irgendwie an ethnographishen, philosophischen oder wissenschaftlichen Beziehungen mit dem Haupt- Problem des Judentums in Verbindung zu stehen scheint —■ mit seinen Gedankenketten umschließen. Der erste Teil behandelt kurz „die Judenfrage im Lichte der Anthropologie"; der Autor schließt sich der judtschen Hypothese an, daß die Juden keine Semiten sind; sie seien aber eine selbständige Rasse, „die mit den Semiten ebensoviel oder ebensowenig verwandt sei, wie mit den arischen Völkern", und die er Abrahamiten nennt. Wichtiger nimmt Horowitz das psychologische Moment, das rassenpsychologische, das er eigentlich als ein geistiges behandelt. Der Begriff des Monotheismus wird erweitert zu einer Art rassenphilosophischem Grundtypus, zu einer Monoauffassung, die mit dem zum Schlagwort gewordenen Monismus nicht identisch ist. Einige Satze mögen diese Grundauffassung charakterisieren. „Der jüdischen Auffassung nach ist Gott nicht Objekt des Erkeunens für den Intellekt, sondern aktives Subjekt. (iotteserkenutnis läßt sich nur aus einer immanenten Erkenntnis ableiten. Das Wirklich-Wirkende im Menschen birgt für den Juden die l Überzeugung vom Dasein Gottes in ihm, und das VVirklich-Wirkende um den Menschen verkündet dieses Zeugnis in der Welt." „Der Nachweis des Kampfes zwischen der Mono- und der Pol\autiassung im menschlichen, aber außerreligiösem Denken innerhalb der Jahrtausende, ist das psychische Ringen der arischen mit der abrahamitischen Kasse . . . Die Mono- und Polyauffassung ist nicht immer ausschließlich auf Individuen der betreffenden Rassen beschränkt, d. h. man findet die Monoauffassimg auch bei Individuen der arischen und die rolyauffassimg bei Individuen der semitischen und abrahamitischen Völker." Einen ürund/ug des jüdischen Geistes bildet die Abstraktion, nicht lediglich in trockenen Verstandes-, sondern in lebendigen Vernunttiormen, sowie das Bedürfnis des Erkennen s auch auf religiösem Gebiet. „Die Idee erwacht: im Intellekt das Konkrete zu erfassen, im Pneuma (der Vernunft) das Abstrakte der Dinge. Der religiöse Genius der Arier liegt in der intellektuellen Glauhenszustiinmung, der der Abrahamiten in der pneumatischen Glaubensaiifklärung.'' Auch manche einzelne Probleme werden behandelt, die Historie, die Hygiene, sogar die Tragödie, mit manchen LJeberschätzungen und Irrungen, doch immer in einer großen Weite des Zusammenhangs. ^']Ui\ solche Erörterungen aus mehr innerlicher oder mehr theoretischer Betrachtung entstanden, so quillt auch aus dem stürmischen Drangen nach Erfassung des Augenblickes die Sehnsucht der Erkenntnis. So sucht Nathan Birnbaum, (Jessen Denken so stark durch das Temperament bewegt wird, in seinem Essay „Einblicke und Ausblicke*)4', in den Tiefen der Volksseele die neuen bewegenden und befruchtenden Kräfte, welche die Oberschicht der verflachenden Scheinintelligenz „wie Tünche" verschwinden machen und den religiösen Genius des Volkes aufs neue zu wecken bestimmt seien. Keiner hat so scharf wie er die Selbstzersetzung des Westjudentums — oder sagen wir besser: des Judentums im Westen - charakterisiert. Erst in dieser Zeit ist „das Leben plötzlich ohne den Hintergrund geblieben, aus dessen Tiefen der Genius der Gesamtheit die Seele des einzelnen führt". Nicht so im Osten! „Da ist noch nicht alles vorüber ... Da ist noch kein ganzes Volk mit ins Nichts gerissen." Auch A c h e r will wie Buber an einen neuen Chassidismus anknüpfen, er bleibt aber bei der kalten Erkenntnis und beim heißen Glauben an die Kräfte des Volkes stehen, und er spricht am Schlüsse nicht wie Buber vom Bereiten, sondern vom Erwarten. Einer der aufrichtigsten Wahrheitssucher im Gewirre der Zeit ist H i 11 e 1 Z e i 11 i n; wiewohl er manchmal in einen Nietzscheschen Formalismus verfällt. Von ihm ist vor kurzem eine Sammlung „Gedanke und Dichtung*)" erschienen. Er hält das Problem des sich erneuernden Judentums nur in solchem Sinne für wesenhaft, daß es ein Menschheitsproblem bedeutet. „Viel fordere ich," sagt er in dem Essay, „Hirhurim" (Gedankenwogen) „vom Zionismus und seinen Bannerträgern, weil ich der Wiederbelebung des Volkes Israel eine allgemein-menschliche Bedeutung beimesse. Auf keine Weise kann ich mir die Wiederbelebung des Volkes Israel bloß als nationale Wiederbelebung vorstellen, sowie etwa die der Bulgaren, Serben usw.*4 Aber der Geist der Umgebung bedrückt ihn, nicht nur das Gemeine und Häßliche, sondern auch das Kluge und Halbe, die Vieltuerei und jener Idealismus, der sich verpflichtet glaubt, die Wahrheit nicht zu sehen, und das Begehren großer, ewiger Ziele in kleinen Begeisterungen verpufft. „Es gibt eine Liebe, die nicht Feuer der Seele, sondern nur Feuer des Blutes ist." „Die wirkliche Liebe fürchtet sich nicht vor der klaren Erkenntnis, im Gegenteile, wie die Erkenntnis sich steigert, vertieft, vergrößert und erweitert sie sich." Zeitlin sucht die Quellen des A 11 g e f ü h 1 s , das macht seinen Zusammenhang mit dem Chassidismus aus. Er sucht sie unmittelbar, aber er erwartet auch Verwirklichung in der Renaissance des Judentums. Wien. Ernst Müller. :ft) Erschienen in dem von der EinLinah, Czernowitz, herausgegebenen Sammelbuche ,,Heimkehr", Essays jüdischer Denker. Verlag von L. Lamm, Berlin. *) „Machaschawahwe-Schirah", Bibliotheka gedolah, Warschau. Bd. 59 00. Schluß des redaktioneilen Teiles Bei dem Jewish Colonial Trust, London sind eingegangen: Für den Bezalel: per South African Zionist Federation......I! 3.3.0 Für Russian Jewish Orphanage: per South African Zionist Federation......11 3.3.0 Für Mandelstamm Medical Institute in Palästina: per South African Zionist Federation......C 3.3.0 Für Nationalbibliothek in Jerusalem: per Federation of American Zionist........£ 4. KONFITÜREN S—i PACKUNG für Pralinös. Katzenzungen, Mokkabonnen Ueberau zu haben SCHOKOLADEN M— N —V Milch Nu88 Vanille 01t Drei Ntuen Edelschokoladen BERLIN Dresden 1911: Kgl. Sächs. Staatspreis