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Die Welt · 1912-09-25 · 39 (25.9.1912) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
39 (25.9.1912)
Date
1912-09-25
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 39 DIE2 eine Kontrolle über die hier existierenden Institutionen geschaffen. Für die Zukunft stellt der Waad Ha'ir folgendes Programm auf: Ein Emigrantenheim am Hafen, eine sanitäre Kommission für die Stadt, ein Schlachthaus, eine Kasse für durchreisende Arme, Anlegung einer Matrikel für Geburten, Heiraten und Todesfälle, Maßnahmen zur Verbilligung der Lebensmittel. Gegenwärtig sind die Wahlen zum neuen Waad im Gange. Nach dem jetzigen Statutenentwurf soll der Waad alle zwei Jahre neugewählt werden. Wie in früheren Jahren, so hat auch an diesem Roschhaschanah im Saale des hebräischen Gymnasiums ein Gottesdient stattgefunden. Außer den Schülern waren auch viele Einwohner von Tel-Awiw anwesend, weil die provisorische Synagoge für die Feiertage zu enge ist. Herr Scheinkin sprach über die Ideen des Universalismus, die in den Gebeten der hohen Feiertage zum Ausdruck kommen. Aus den Kolonien Pethach-Tikwah. Die hiesigen Chassidim haben in diesen Tagen eine eigene Synagoge eingeweiht. Bauplatz und last die gesamten Baukosten hat der hiesige Kolonist (ierson E 11 i n g e r zur Verfügung gestellt. Im abgelaufenen Schuljahr wurde die hiesige Schule von zirka 200 Schülern und der Kindergarten von ca. 100 Kindern besucht. Die hiesige Talmud-Thora wurde von 240 Knaben und 120 Mädchen besucht. Zusammen also gab es bei uns ca. 660 Schulkinder, gewiß eine Zahl, die das ständige Wachstum unserer Kolonie beweist. Die Kinder der Yemeniten sind zum größten Teil noch ohne jeden Schulunterricht. Das wird hoffentlich anders werden, sobald die Yemeniten in ihre Häuschen einziehen und an einem Orte konzentriert sein werden. Ness-Zionah. Acht Einwohner unserer Kolonie haben in letzter Zeit um ihre Naturalisation nachgesucht. Sobald ihr Gesuch genehmigt wird, werden fast alle Einwohner unserer Kolonie ottomanische Staatsbürger sein. Ben-Schemen. Die Verwaltung der hiesigen Nationalfondsfarm geht daran, hier eine größere Milchwirtschaft einzurichten. Zu diesem Zwecke wurden Kühe und Kälber aus dem Libanon gebracht. Merchawja. Dem Vernehmen nach ist in dem benachbarten arabischen Dorfe Afule ein Cholerafall vorgekommen. Schulwesen und Schrifttum Nach einer Meldung des „Haor" ist die Anglo-Jewish Association im Begriffe, in Jerusalem ein Seminar für Lehrerinnen zu gründen. Die erste Klasse soll demnächst mit 12 Schülerinnen eröffnet werden. Herr Josef M e j u c h a s wird dort 13 Stunden wöchentlich im Hebräischen unterrichten, während eine Lehrerin aus England S englische Unterrichtsstunden erteilen wird. Da in Jerusalem die Kurse des Hilfsvereins für Kindergärtnerinnen bestehen und in Jaffa das Lewinskv-Seminar für Lehrerinnen eröffnet wird, ist es sehr fraglich, ob die Anglo-Jewish Association mit dieser Schöpfung einem wirklichen Bedürfnis abhilft. Dieser Tage ist das erste Heft des 2. Jahrganges „Moledeth" („Heimat", Zeitschrift für die Jugend) unter der Redaktion des Dichters Jakob F ich mann erschienen. Von Originalbeiträgen sind die von F r i s c h m a n n , K a h a n , Herdyczewsky, A. S. R a b i n o w i t z und F i c h - mann selbst zu nennen, die sämtlich nur Gediegenes bieten. iE LI — 1215 Das Heft bringt auch eine Fülle guter Uebersetzungen. Mit Recht darf jetzt der rührige Verlag die Förderung auch ausländischer Kreise für sein dankenswertes Unternehmen beanspruchen. Auch das Augustheft des „Hachaklai" weist eine Reihe interessanter Artikel auf. Redakteur Dr. M. Zagorodsky schreibt über die Pflege der Arbeitstiere und gibt eine interessante Uebersicht über die Antworten, die die Redaktion auf ihre Anfragen bei den Kolonisten bezüglich des diesjährigen Spätregens erhalten hat Tierarzt J. S a m m i n o f f schreibt über Rheumatismus des Jungviehes, Agr. Apfelbaum über die Bekämpfung des Stammbohrers. Lehrer Dr. A. B. R o s e n s t e i n berichtet über seine meteorologischen Messungen in Palästina. Es folgen die üblichen Rubriken mit reichem Inhalt. Die Monatsschrift „Hachaklai" kostet im Auslande 12 Frcs. jährlich. Die Ferienkurse in Sichron-Jakob sind programmäßig bis zu Ende durchgeführt worden. In den letzten Tagen veranstaltete die Jugend der Kolonie ein Abschiedsfest zu Ehren der Lehrer. Die Lehrer ihrerseits veranstalteten einen literarischen Abend, der einen guten iVerlauf nahm und dessen Reinertrag der Bibliothek der Kolonie zugeführt wurde. Herr Dr. A. B. Rosen stein hielt noch zum Schluß ein Referat über die mathematische Terminologie im Hebräischen. Nach einer Meldung der ,,Moriah" hat ein Jerusalemer Talmudist, Jehoschua Kano w s k y , eine K o n k o r d a n z der Misch nah bereits vollendet und für eine Konkordanz des Talmud die nötigen Vorarbeiten gemacht. Die Jeschihah ,,Ez Chaim*4 hat Herrn Kanowsky, der ein Jünger dieser Jeschibah ist, bei seiner Arbeit materiell gefördert. Kleine Nachrichten Herr Simon Gold mann aus St. Louis ist in Jaffa eingetroffen. Er wird sich demnächst nach der von ihm begründeten Kolonie „Poriah" begeben, wo er sich mit seiner Familie niederlassen will. Es ist Herrn Goldmann gelungen, in Amerika fünf Gesellschaften „Achusah" zu gründen, und zwar zwei in St. Louis, eine in Chicago, eine in New York und eine in Scranton, Pa. Der Zweck einer „Achusah*4 ist die Schaffung einer Siedlung in Palästina. „Poriah" ist das Werk der ersten Achusah in St. Louis. Herr Efraim Blum e n f e 1 d aus Paris, ein tätiges Mitglied der „Poale Zion", ist nach Palästina gekommen, um hier das Palästina-Bureau dieser Organisation zu begründen. Das Bureau wird sich hauptsächlich mit der Information auf dem Gebiete des Arbeitsmarktes befassen. Die galiläischen Arbeiter haben den Lohn eines Arbeitstages gespendet, um den gefallenen jüdischen Wächtern Grabsteine zu errichten. Aus judäischen Kolonien gingen Telegramme nach Paris ab, mit dem Ersuchen, Direktor A n t e b i in Palästina verbleiben zu lassen. Die Kolonie Rischon le-Zion beschloß, dem ermordeten Wächter Sacharow auf Kosten der Kolonie einen Grabstein zu setzen. Außerdem wurden 500 Frcs. für eine Stiftung auf Sacharows Namen bewilligt. In Zukunft will die Kolonie einen jüdischen Wachtdienst organisieren. In Pethach-Tikwah ist der Streit wegen der Apotheke, der den Frieden der Kolonie störte, durch ein Schiedsgericht beigelegt worden.

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