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Die Welt · 1912-09-25 · 39 (25.9.1912) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
39 (25.9.1912)
Date
1912-09-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1212 DIEIaKELT: Nr. 39 kann aber diese Forderungen bei seinen Mitgliedern viel leichter durchsetzen, und was einem Einzelverein doch noch schwer fällt, erreicht ein großer Verband mit Leichtigkeit! An dieser Stelle wird es sich wohl erübrigen, über die Bedeutung des Hebräischen viel Worte zu verlieren. Es sei hier nur angeführt, was ein auf dem Wege zum Zionismus befindlicher deutscher Jude, Franz Q u e n t i n, im „Kunstwart" schreibt: ,,Ich glaube aus guten Gründen, daß die national jüdische Bewegung in Deutschland früher oder später alle Kraft an die Verbreitung der hebräischen Sprache wenden wird, denn nur sie w ird fähig sein, uns unser Judentum vollends zur Wirklichkeit zu machen/' Nun besteht wohl wenig Hoffnung, im Zionismus ergraute Führer auf den nächsten Kongressen hebräisch sprechen zu hören; es wird vielleicht auch nicht erwartet. Aber von jungen Studenten kann es gefordert werden; in vielen Studentenvereinen ist schon jetzt die hebräische Sprache obligatorisch. Und was für ein belebendes Moment kann beispielsweise allein das hebräische Turnkommando werden! Oder nehmen wir die P a 1 ä s t i n a a r b e i t. Wer waren die ersten Pioniere des Palästinagedankens im Osten, die Gründer der ersten Kolonien?—- Die „B i 1 u", junge russische Studenten. Auch im Westen sind es jetzt junge Akademiker vom „Kartell zionistischer Verbindungen", die sich in Erez-Israel niederlassen. Denn die radikale Jugend kann an erster Stelle den begeisterten Worten auch Taten folgen lassen und praktisch den praktischen Zionismus durchführen, anstatt rein theoretisch praktische Palästinaarbeit zu predigen. Und ein Weitverband könnte von seinen Mitgliedern wenigstens eine P a 1 ä s t i n a reise obligatorisch verlangen, könnte sie zur späteren Arbeit in Palästina anregen und vorbereiten. Daß wir die Kolonisationsmöglichkeiten in Palästina überhaupt unterschätzen, ist schon von Landeskennern mehrfach hervorgehoben w orden. Es gilt und dies ist gar nicht so schwer , dort jeden Tag neue Positionen zu erringen. Wir sehen mit Genugtuung schon jetzt, wie jeder Jude, auch der Nichtzionist, wenn er eine Palästinareise unternimmt, begeistert zurückkehrt. Wie würde unsere ganze Propaganda und Agitation belebt werden, wie große Wirkungen ließen sieh erzielen, wenn alljährlich Gruppen junger Akademiker 'von einer Palästinareise nach allen Ländern des Goius zurückkehrten und in Wort und Bild das Gesehene schilderten. Die Glut ihrer Begeisterung würde die Herzen entzünden, die Sehnsucht nach. Zion entflammen und zur tatkräftigen Förderung anspornen. Wir würden dann sicher keine Budgetsorgen haben, und die Einnahmen unseres 'Nationalfonds würden sich verzehnfachen. Und es wird so kommen — früher oder später! Auch noch ein anderes: Man beklagt sich — vielleicht nicht mit Unrecht , daß unsere Bewegung zu trocken, z u nüchtern geworden sei, man vermißt das Ideale, Begeisternde, Schwunghafte der ersten Jahre; man spricht von einer „Verflachung'*'. Und auf dem letzten Kongreß ist die Hoffnung auf eine „Vertiefung4* des Zionismus ausgesprochen worden. Von wem anders kann aber eine solche Vertiefung ausgehen, als von Akademikern, die Hebräisch verstehen, unsere Geschichte und Kultur und das Land kennen? Unsere Bewegung muß in die Breite und in die Tiefe wachsen. Gewiß, auch die Nicht-Vollblutzionisten, die Nur-Schekelzahler, wollen wir nicht missen — k e n j i r b u! Aber eine Vertiefung kann nur von der Jugend kommen, die vom Erdhauch Palästinas durchdrungen ist. Und sie wirkt auch in die Breite. Nicht mit Unrecht wird die stete Ausbreitung des Zionismus in der letzten Zeit in Deutschland auf die Arbeit der akademischen Verbindungen zurückgeführt. Ein großer Verband kann seine Mitglieder auch zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit Palästina und dem Orient anregen; er kann eine Art Akademie werden und den Weg zur hebräischen Universität ebnen. Naturwissenschafter werden Flora und Fauna des Landes beschreiben, junge Mediziner die hygienischen Verhältnisse studieren, Juristen und Nationalökonomen die rechtlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse untersuchen, Historiker und Philologen — die politische und kulturelle Vergangenheit des Landes und des ottomanischen Reiches. Wer sich mit kolonialen Fragen beschäftigt, weiß, welche Riesenarbeit die verschiedenen Kolonialämter in allen Richtungen der Landeserforschung leisten. Ein Akademikerverband kann bei uns diese Arbeit einleiten. Wird dadurch nicht eine ,,jüdische Wissenschaft" entstehen, der, von allem anderen abgesehen, auch eine politische Bedeutung als einer „penetration scientifique" nicht abzusprechen ist und die deshalb auch praktischen Wert hat im Kreislaufe unserer Arbeit: praktische Arbeit gewinnt politische Bedeutung, und der kulturelle Einfluß kondensiert sicli auch zu prakt i s c h c r Macht. All diese Arbeit kann jedoch nur von einem großen Verband, nicht von einzelnen Vereinen, in Angriff genommen werden. Dazu kommt noch ein Umstand in Betracht. Im Weltverband werden sich die jungen Zionisten verschiedener Länder näher kennen und verstehen lernen. Die noch bestehenden Gegensätze und Mißverständnisse werden allmählich verschwinden, die gegenseitige Fühlung sich verstärken und verfeinern, man wird neue Arbeitsmethoden kennen lernen, und was sieh in einem Lande bewährt hat, mit Erfolg auch in anderen Ländern einführen können. All dies wird zur Vertiefung, Ausbreitung und Vereinheitlichung unserer Bewegung beitragen. Aber auch nach außen hin wird die Wirkung einer großen Studentenorganisation von eminenter Bedeutung sein. Das Ansehen jeder einzelnen zionistischen Körperschaft und die Ehre der jüdischen Fahne wird steigen, wenn die nichtjüdischen Kommiiitonen wissen, daß diese Verbindung einem großen Weltverband angehört. Und ein Weltverband, in dem, sagen wir, 100 Verbindungen, 1500 aktive Mitglieder und 10 000 alte Herren organisiert sind, wird nicht nur deutlich zeigen, daß die Jugend in unseren Reihen steht, sondern auch den Kämpfern für die Anerkennung der jüdischen Nationalität, wie in Oesterreich und in ähnlichen Ländern, gute Dienste leisten. Die Universitätsbehörden werden eine Sektion eines Weltverbandes nicht so leicht mit der stereotypen Antwort: ,,Wir kennen keine Juden, nur Polen oder Tschechen usw." abweisen können, wie etwa eine kleine Einzelverbindung. Zum Schluß sei noch auf folgendes hingewiesen. ,,Das Wollen hängt ab vom Können." Mit dem größeren Ansehen und dem vermehrten Einfluß erweitert sich auch der Gesichtskreis und das Arbeitsfeld.

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