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Die Welt · 1912-09-25 · 39 (25.9.1912) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
39 (25.9.1912)
Date
1912-09-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 39 D1E2 jüdische Familien, d. h., jede Familie durchschnittlich zu 7 Personen gerechnet, nahezu 350 000 Juden ins Land eingeführt, um die arabische Bevölkerung zu verdrängen und Palästina vom Reiche loszureißen. All dies sei das Werk des Komitees „Union et Progres". Daß gegen solche Ungeheuerlichkeiten keine Polemik möglich ist, leuchtet ein. Die Verfasser selber glauben nicht an sie, wohl aber leider manche naive türkische Leser, denen alles Gedruckte, besonders das türkisch Gedruckte, heilig ist. Die Wirkungen dieser Kampagne drohen auf die Dauer gefährlich zu werden. Angesichts der antisemitischen Propaganda und der von ihr drohenden Gefahr hat die jüdische Bevölkerung von Konstantinopel, die Jugend an der Spitze, sich zu einer kräftigen Abwehr erhoben. Vergangenen Sonntagmorgen, zur selben Zeit, da der Medschlis Dschismani seine Tagung abhielt, versammelten sich im Hause des Großrabbinates über hundert aus allen jüdischen Vierteln der Stadt herbeigeeilte Personen und hielten eine Sitzung ab, in der über die zu ergreifenden Maßregeln beraten wurde. Die Debatten leitete unser Gesinnungsgenosse Aaron B a r z i 1 a i". Schließlich wurde einstimmig die folgende Resolution angenommen: „In hohem Grade empört über die giftigen judenfeindlichen Publikationen gewisser türkischer Preßorgane, Publikationen, die dem Geiste der osmanischen Verfassung zuwiderlaufen, die Zwietracht zwischen den Elementen säen und sehr gefährliche Folgen für das jüdische Element haben können, protestieren die hier Versammelten vor der öffentlichen Meinung. Wir drücken unser Bedauern über die Verspätung aus, mit der der Medschlis Dschismani diese Angelegenheiten auf die Tagesordnung gesetzt hat, und bitten den Medschlis dringlichst, unverzüglich die energischsten Schritte bei der Regierung zu tun, die der Fall erfordert, indem wir ihn für die Folgen der Fortdauer des gegenwärtigen Zusrandes verantwortlich machen. Wir drücken den Wunsch aus, daß diese Schritte, damit sie möglichst wirksam und offiziell erscheinen, von einer Delegation unternommen werden, die sich aus Mitgliedern des geistlichen und weltlichen Rates zusammensetzen soll." Die Versammlung übermittelte diese Resolution durch eine Abordnung dem Dschismani. Dieser erklärte ihr, er fühle sich absolut gleicher Gesinnung mit der Versammlung und habe bereits einen Takrir redigiert, der durch den Vertreter des Großrabbiners Rabbi Sabbetai Levy und durch zwei Mitglieder des Dschismani der Regierung unterbreitet werden soll. Das Schriftstück, das am letzten Montag dem Justizminister überreicht wurde, hat in seinem letzten Teile folgenden Wortlaut: „Der religiöse und der weltliche Rat unserer Gemeinde, entrüstet und gekränkt angesichts dieser Publikationen, die die Gemüter aufzuhetzen geeignet sind und schwere und unheilbare Folgen nach sich ziehen können, protestieren entschieden gegen diese lügenhaften Behauptungen und lenken die Aufmerksamkeit der Regierung hierauf, damit Maßregeln zur Beendigung dieser bedauerlichen Situation ergriffen werden. Da es eine der Hauptpflichten der kaiserlichen Regierung ist, darüber zu wachen, daß jede Ursache zu Unruhen und Zwistigkeiten beschworen werde, erklären wir Seiner Exzellenz, daß die ganze jüdische Nation mit Ungeduld die Maßregeln erwartet, die die osmanische Regierung für gut befinden wird, um dieser Pressekampagne gegen die Juden, die sich immer durch ihre Gefühle der Treue, Ergebenheit und Liebe für das Vaterland ausgezeichnet haben, dieser Kampagne, die vor allem den heiligen Gesamtinteressen unseres Landes schädlich ist, Einhalt zu gebieten." [ELT 1207 Nach einer offiziellen Mitteilung des Medschlis an die Presse hat der Justizminister H a I i m B e j der den Takrir überreichenden Deputation den freundlichsten Empfang bereitet und nach Anhörung ihrer Beschwerde sein lebhaftestes Bedauern über diese traurige Pressekampagne ausgedrückt. Er versicherte, daß er die jüdische Nation als eines der besten Elemente des Landes betrachte und versprach, sich sogleich mit dem Minister des Innern in Verbindung zu setzen, dem er den Takrir übermitteln werde, damit energische Maßregeln ergriffen werden, die den Presseangriffen auf die jüdische Nation ein Ende machen sollen. Aus dem jüdischen Gemeindeleben Salonikis (Von unserem Berichterstatter.) Saloniki. Die Jüdische Gemeinde von Saloniki befindet sich gegenwärtig in einer sehr schwierigen Lage. Sie hat kaum jemals eine derartig schwere Krise durchzumachen gehabt wie jetzt, und diese Krise erstreckt sich nicht nur auf einige wenige ihrer Tätigkeitsgebiete, sondern lähmt das gesamte Leben der Gemeinde. Die Kasse der Gemeinde ist tatsächlich erschöpft. Die Subventionen für die Schulen sind seit einiger Zeit nicht mehr bezahlt worden, und man muß daher mit der Schließung derselben rechnen. Auch die Beamten der Gemeinde haben schon seit vier Monaten ihre Geh *; nicht erhalten, und die Gabella geht ebenfalls nicht mehr ein. Die Institution Bikur Cholim, welche arme Familien mit ärztlicher Hilfe versorgt, wird möglicherweise auch ihre Tätigkeit einstellen. Das leitende Komitee hat bereits seine Demission gegeben. Der Gemeinderat ist nicht imstande, seine Funktionen auszuführen, da er keine Mittel hat, und die Armen klopfen vergeblich bei ihm an. Um aus dieser Situation einen Ausweg zu finden, hat der Gemeinderat die jüdischen Klubs der Stadt zusammengerufen, nämlich den Nouveau Club, Club des Intimes, Association des Anciens Eleves de TAlliance Israelite Universelle, Association des Anciens Eleves de PEcole Franco-Allemande und den Cercle Maccabi. Nach langen Beratungen wurden diese Vereine beauftragt, die nötige Zahl von Personen auszuwählen, um über den Eingang der Kommunalsteuern zu wachen und die Liste derjenigen zu vervollständigen, die zu den Gemeindekosten beitragen sollen. Bei dieser Gelegenheit wurde festgestellt, daß die Eingänge sehr unregelmäßig einfließen und daß besonders unter den wohlhabenderen sich sehr schlechte Zahler befinden. Die Gemeinde hat eigentlich noch 6000 türkische Pfund zu bekommen. Als erfreulich ist zu berichten, daß der Gemeinderat dem Vorschlag des Turnvereins Maccabi zugestimmt hat, im Hofe der großen Talmud Thora-Schule eine Turnhalle zu erbauen. Dieser Beschluß hatte sich dadurch verzögert, daß einige Mitglieder des Gemeinderates, an ihrer Spitze der Präsident, Herr Samuel Modiano, sich zunächst ablehnend verhielten, indem sie behaupteten, daß der Hof der Talmud Thora durch die körperlichen Uebungen der Turner entweiht würde. Glücklicherweise gelang es den Bemühungen des Maccabi, des Großrabbiners Jacob MeTr, sowie der Herren Moise Assael und David Matalon, dem gesunden Menschenverstand im Gemeinderat zum Siege zu verhelfen. Die Turnhalle wird auf Kosten des Maccabi errichtet und ausgestattet, die Talmud Thora-Schule hat nur den Boden zu liefern, und nach zehn Jahren wird sie die Eigentümerin der Halle. Damit hat der Turnverein Maccabi einen wichtigen Schritt zu seiner weiteren Fortentwicklung getan.

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