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Die Welt · 1912-09-20 · 38 (20.9.1912) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
38 (20.9.1912)
Date
1912-09-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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1178 DIE3&ELT; Nr. 38 Palästinareise zurückkehrte: „Es fehlt dem Lande an, Schatten und Wasser." Als später Thofik Bey von Jerusalem auf einen anderen Posten abberufen wurde, gerieten jedoch diese Bestrebungen ins Stocken. Ab und zu wurden die jeweiligen Gouverneure an die Sache erinnert, und sie nahmen auch manchmal einen Anlauf, die Angelegenheit der Aufforstung der Dünen vorwärts zu bringen, es blieb jedoch am Ende alles beim alten. Es ist nun ein Verdienst des neuen Gouverneurs von Jerusalem, dar! er bald nach seiner Ankunft die Sache energisch in die Hand genominen hat. Muhadi Bey hat bereits in der kurzen Zeil, seit er hier eingetroffen ist, Beweise seiner Rührigkeit und seines Verständnisses für die Landwirtschaft geliefert. So ist es ihm gelungen, die Begründung einer landwirtschaftlichen Schule zu beschleunigen, was gewiß zur Hebung der Agrikultur beitragen wird. Er hat nun auch ein Rundschreiben an die Dörfer, die an die Dünen grenzen, gerichtet, in welchem er sie auffordert, sich der Dünenpflanzung zuzuwenden. Vorlaufig hat bloß Rischon le-Zion, das von den Dünen besonders bedroht wird, bejahend geantwortet. Die übrigen Dörfer scheinen noch unschlüssig zu sein. Sie werden jedoch gewiß dem Beispiel von Rischon folgen. Aus den Kolonien Chederah. Unsere Kolonie, die zukunftsreiche, war auch zugleich die schmerzensreichste aller jüdischen Kolonien. Achad-Haam hat vor 12 Jahren in dem zweiten Band seines Werkes „AI Paraschath Derachirn" („Am Scheidewege") eine Liste der in Chederah gefallenen Opfer der Malaria, die sich dort häufig zu einem Schwarzwasserfieber steigerte, veröffentlicht. Danach sind ganze Familien in den ersten Jahren der Kolonie, die nun schon über 20 Jahre zählt, vom Tode hingerafft worden. Dabei darf die Liste Achad-Haams auf Vollständigkeit keinen Anspruch erheben. Und auch nach Aufnahme dieses ,Verzeichnisses sind noch viele Menschenleben durch die Tücke des Fiebers vernichtet worden. Es schien in der Tat ein hirnverbrannter Gedanke, Chederah nicht aufgeben zu wollen. Die Zukunft jedoch hat denen recht gegeben, die mit unvergleichlichem Heidenmut den Glauben an Chederah nicht verloren haben. Eine Besserung trat bereits ein, als man in großzügiger Weise die umgebenden großen Sümpfe, die Geburtsstätten des Fiebers, durch Anlage von Eukalyptuswäldern sanierte. Die Wälder Chederahs sollen über eine halbe Million Bäume enthalten. Wenn also dadurch der Gesundheitszustand sich verbesserte und die Zahl der Opfer immer geringer wurde, so bot die Kolonie doch im ganzen noch einen recht dürftigen Anblick, weil es dort nur wenige Einwohner gab. Und auch diese wagten es nicht mehr, im Sommer in Chederah zu bleiben, sondern pflegten sich in der heißen Jahreszeit nach der mehr als zwei Stunden entfernten Kolonie Sichron Jakob zu begeben. Die Lage der Kolonie verbesserte sich, als vor sechs Jahren die Gesellschaft „Agudath Netaim" und auch Privatleute anfingen, in Chederah Pflanzungen von Orangen, Mandeln und Oelbäumen anzulegen, wofür der dortige Boden besonders geeignet ist. Dadurch kam neues Leben in die fast verwaiste Kolonie. Vor dritthalb Jahren war die Kolonie finanziell so weit gekräftigt, daß sie einen eigenen Arzt engagieren konnte. Die Wahl fiel auf Dr. Brünn, ein Mitglied der Berliner „Hasmonäa", der damals Palästina als Tourist bereiste, und bald sollte es sich zeigen, daß die Wahl eine sehr glückliche war, denn Dr. Brünn war es vorbehalten, vieles zur günstigen Entwicklung der Kolonie beizutragen. * Gleich in der ersten Zeit seines Aufenthaltes in Chederah fiel Dr. Brünn das ungehörige Verhalten der nichtjüdischen Wächter aut, die sich als die Herren der Kolonie betrachteten. Er berief daher die Kolonisten zu sich, um zu beraten, wie diesem Uebelstand, der bereits schroffe Formen angenommen hatte, abzuhelfen sei. Es wurde beschlossen, sofort die „Wächter" zu entlassen und bis aut weiteres die Kolonie durch die Einwohner selbst bewachen zu lassen, was auch bis zur Uebergabe der Wacht an die jüdische Wächterorganisation „Haschomer" geschehen ist. In dieser Versammlung wurde auch über die allgemeinen Maßnahmen, die zum Wohle der Kolonie führen würden, beraten. Um die Einwohnerzahl zu vermehren, wurde beschlossen, das jüdische Arbeiterelement durch Errichtung von Ledigenheimen sowie von Familienwohnungen zu stärken, ferner für die Hebung des Gesundheitszustandes Sorge zu tragen. In beiden Hinsichten waren die Bestrebungen von Erfolg gekrönt. Bekanntlich hat der Jüdische Nationalfonds in Chederah ein Arbeiterhaus (Ledigenheim) erbaut, dem in Bälde ein weiterer Flügel angegliedert werden soll. In diesem Ledigenheim befindet sich auch die Arbeiterküche und das Lesezimmer der Arbeiter, und das Ledigenheim dient bereits heute als Sammelpunkt und Stätte der Geselligkeit für die jüdischen Landarbeiter. Auch hat der Jüdische Nationalfonds bereits begonnen, in Chederah 20 Häuschen aus Zementsteinen für die jemenitischen Juden zu erbauen. In bezug auf die Erbauung von Familienhäusern für aschkenasische Landarbeiter ist es Dr. Brünn gelungen, den Verein „Esrau in Berlin dafür zu gewinnen, dort 25 solche Häuschen im Werte von je 1500 Frcs. zu erbauen, von denen 10 Häuschen bereits im lautenden Jahre fertiggestellt werden sollen. Jede Arbeiterfamilie erhält noch außerdem 25 Dunam Boden und 375 Frcs. bar zur Anschaffung von Inventar. Natürlich werden die Arbeiter diese Kredite in einer Reihe von Jahren abzutragen haben. — Auch hat der genannte Verein für den Bau eines Krankenhauses in Chederah 10 000 Frcs. und für die Anlage einer Wasserleitung 20 000 Frcs. bewilligt. Die 20 000 Frcs. für die Wasserleitung wird die Kolonie innerhalb 10 Jahren abzahlen. Jetzt wird jedes Haus Wasserleitung erhalten, die ihm gutes Trinkwasser aus einem gesunden Brunnen zuführen wird. Ein besonderes Rohr wird nach dem Dreschplatz der Kolonie geleitet werden, um im Falle einer entstehenden Feuersbrunst in Funktion zu treten. Der Motor wird mit Eukalyptusholz geheizt, das ja hier in Hülle und Fülle vorhanden ist. Seit Dr. Brünn als Arzt in der Kolonie wirkt, haben die Kolonisten aufgehört, im Sommer die Kolonie zu verlassen. Der Gesundheitszustand hat sich andauernd gebessert. Trotzdem hat das hier von dem bekannten amerikanischen Philanthropen Nathan Straus begründete Gesundheitsamt in letzter Zeit die Einrichtung getroffen, daß sämtliche Einwohner, Juden und Araber, täglich eine Dosis Chinin erhalten. Zu dieser Maßregel ist Dr. Brünn, der Leiter des Gesundheitsamtes, nach seiner Reise durch Italien, wo er sanierte Malariagegenden besuchte, gelangt, lieber das Gesundheitsamt selbst sowie über manches andere will ich Ihnen demnächst berichten. Pethach-Tikwah. Dieser Tage ist es ein Jahr geworden, seit Eiijahu Sapir, der Direktor der A. P. C. und Verfasser wichtiger Werke, plötzlich gestorben ist. Aus diesem Anlaß fand an seinem Grabe in Pethach-Tikwah eine Gedächtnisfeier statt, zu der sich auch mehrere Personen aus Jaffa eingefunden haben. Ansprachen hielten Disengoff und Dr. Mossinsohn. Im Lesesaal der Kolonie sprach M. S ch e i nk i n. Die Bibliothek von Pethach-Tikwah, die den Namen Eiijahu Sapirs führt und über äußerst spärliche Mittel verfügt, wandte sich wegen einer Subvention an Herrn Johann Kremenezky. Kremenezky, der eigenen Besitz in Pethach-Tikwah hat, schickte

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