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Die Welt · 1912-09-20 · 38 (20.9.1912) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
38 (20.9.1912)
Date
1912-09-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1176 DIE^ELT Nr. 38 Lektüre für. die Jugend teilweise befriedigen wird, wissen wir doch, daß wir durch die Herausgabe dieser Zeitschrift unserer Pflicht noch nicht Genüge geleistet haben. Unserer Jugend müssen populär-wissenschaftliche Werke und die besten Erzeugnisse der Bcllestristik aller Völker als Lektüre in die Hand gegeben wurden. Die Ueberset/.ungsliteratur ist bei uns bis zum heutigen Tage leider noch dürftig, das Glück ist unserer Jugend leider noch nicht gegönnt, Shakespeare, Byron, Schiller und Goethe in hebräischer Sprache zu lesen. Es ist zwar unmöglich, von heute auf morgen eine vollständige, dem Geiste der Jugend entsprechende Uebersetzungsliteratur zu schaffen, aber wenn wir diesem Zwecke nur 10 000 Frcs. opfern könnten und dieser Summe jährlich nur 3000 Frcs. hinzufügen, dann wäre es möglich, im Laufe einer kurzen Zeit einen großen Schatz fremder befruchtender Gedanken der jüdischen Literatur einzuverleiben. Die Arbeit des „Meturgeman" in Rußland ist zwar lobenswert, genügt aber lange noch nicht, um den Wissensdurst der Jugend zu stillen. Die größte Arbeit der Lehrer ist aber selbstverständlich die Erziehungsarbeit, welche in Erez Israel besonders verantwortlich und schwierig ist. Sie verlangt vom Lehrer eine gründliche Vorbereitung und ständige Fortbildung. Zu diesem Zwecke müssen wir die Sommerkurse zu einer dauernden Einrichtung ausgestalten. Im L;iufe eines Monats müssen die Lehrer die Möglichkeit erlangen, ihre Kenntnisse auf dem Gebiete der Pädagogik zu erweitern. Zwar werden diese Kurse größtenteils von den Lehrern selbst erhalten, aber trotzdem wird eine jährliche Beihilfe von 3000 Frcs. zwecks Anschaffung von Unterrichtsmaterial und Beiträge an Reisekosten und Erhaltung der Lehrer unumgänglich sein. Viele hebräische Schulen in Erez Israel existieren ohne Landkarten und ohne Schülerbibliotheken. Die Lehrerzentrale wird die Pflicht haben, diesem Mangel abzuhelfen. Mit den notwendigsten Gegenständen beginnend, wie z. B. Karten von Erez Israel, muß die Lehrer/entrale langsam sich bemühen, die Schulbibliotheken zu erweitern und das Unterrichtsmaterial nach allen Richtungen zu vermehren. Der Lehrer in Erez Israel ist nicht nur der Erzieher der Jugend, sondern auch der Träger der hebräischen Kultur im Lande. Diese ganz besondere Stellung legt ihm die Pflicht auf, für die Erweiterung des Wissens und die Stärkung des hebräischen Elements in Palästina zu sorgen. Alle Bildungsarbeit außerhalb der Schule wird in Erez Israel meist durch die Lehrer oder unter ihrer Leitung gemacht. Nur geht diese Arbeit aus Mangel an Mitteln nur langsam vorwärts. Man kann sich bei der Volksbildungsarbeit, wenn sie systematisch betrieben werden soll, nicht auf freiwillig arbeitende Kräfte verlassen. Hier muß das Prinzip der Besoldung einsetzen. Zum Zwecke der Volksbildung werden in Jaffa, in Jerusalem und einigen Kolonien Vorträge, Volksuniversitäts-Kurse, Abendvorlesungen veranstaltet. Die Kurse sind gewöhnlich dem Unterrichte in der hebräischen Sprache und anderen Gegenständen, wie z. B. im Rechnen, Geographie, Geschichte usw. gewidmet. Ihre zahlreichen Hörer bestehen meist aus Arbeitern, Arbeiterinnen und Handwerkern. An den Kursen für Hebräisch nehmen oft ganze Familien teil. Diese Veranstaltungen sind mit Ausgaben verbunden. Zwar bekommt wmmmmmmmmmmmmmmmmmmmwmmammmmaaHmi man meist das Lokal unentgeltlich in irgendeiner der existierenden Schulen, aber es mangelt an Bezahlung für Beleuchtung, Bedienung, in erster Reihe aber an Honorar für die Vorträge. Aus diesem Grunde müßten diese Vortragskurse, an denen sich eine große Menge von Juden ohne Bildung und ohne Kenntnis der hebräischen Sprache beteiligt, in T i b e r i a s mit 500 Frcs., in S a f e d mit 500 Frcs., in Jaffa mit 300 Frcs., in Jerusalem mit 300 Frcs., in den Kolonien mit 400 Frcs. unterstützt werden. Die Subvention würde jährlich zusammen 2000 Frcs. betragen. Zur Abhaltung von Kursen und Vorträgen eignen sich am besten Volkshäuser oder Volksuniversitäten, die unter einer besonderen Leitung die Ordnung der Vorträge, die Aufführung dramatischer Werke, die Veranstaltung musikalischer und literarischer Abende besorgen können. Auf diese Weise könnten sich diese Institutionen mit der Zeit zu einer Ruhestätte für die arbeitende Masse und zu einem Zentrum des geistigen und gesellschaftlichen Lebens an einem jeden Orte gestalten. Diese Institutionen sind auch als Vereine auf der Basis von Mitgliedsbeiträgen möglich. Sie werden aber noch für Jahre hindurch mit Rücksicht auf die eigentümlichen lokalen Bedingungen einer Unterstützung bedürfen. Die kulturelle Arbeit in Palästina erfordert auch eine ganz besondere Sorge für die dortigen Bibliotheken. Einige von ihnen werden vom Odessaer Komitee unterstützt, andere erhalten sich nur aus zufälligen Spenden. Die Bibliotheken in Erez Israel sind leider sehr arm. Es mangelt ihnen sogar an den wichtigsten Zeitungen und oft an den notwendigen Büchern der neuen Literatur. Auch müßte man es sich angelegen sein lassen, die palästinensischen Bibliotheken mit nützlichen Büchern in fremden Sprachen zu versehen, weil wir in Erez Israel immer noch eine große Menge von Leuten haben, die kein Hebräisch verstehen, oder weil es sich um Gebiete handelt, in denen die hebräische Literatur leider wenig geschaffen hat. Zwecks Bestellung solcher Bücher müßte eine Subvention im Betrage von 1000 Frcs. pro Jahr bewilligt werden. In diesem Bericht sprechen wir nur über Dinge, die heute dringend notwendig sind und die durch unsere Lehrerzentrale gemacht werden können. Wir übergehen die ganze Kulturarbeit, welche nicht im Rahmen unseres Arbeitsgebietes liegt, wie z. B. Gründung neuer Schulen, Schaffung eines guten hebräischen Zeitungswesens, Gründung einer ständigen hebräischen Bühne. Vielleicht wird in kurzem die Gründung einer großen Gesellschaft möglich sein, die die Leitung des gesamten geistigen und kulturellen Lebens in Erez Israel auf sich nehmen wird. Diese Gesellschaft, die mit großen Mitteln versehen und von den richtigen Männern geleitet werden müßte, wird ein viel größeres Arbeitsfeld haben als die Lehrerorganisation. Heute jedoch berichten wir nur über Angelegenheiten, mit denen wir uns schon seit längerer Zeit befassen, tind die mehr oder weniger mit der Erziehimg und dem Unterricht in der Schule und außerhalb derselben im Zusammenhang stehen. Diese Arbeiten betrachten wir als dringend. Für den M e r k a s Harn m u r i in: Dr. J. L u r i e. Das Actions-Comite hat den Schluß des Schekeljahresauf den 31. Oktober 1912 festgesetzt. Die Landes- und Sonderverbände werden daher dringend gebeten, die Schekelsammlung in den nächsten Wochen zum Abschluß zu bringen und die eingehenden Beträge nach London oder Berlin zu überweisen.

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