Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 38 (20.9.1912)
- Date
- 1912-09-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1174 DIEE^ELT; Nr. 38 fallen lassen, rungen an ih; Selbstentwicklung ein daß außerordentliche Forden gestellt werden; und für die aller moralischen Kräfte läßt sich kaum stärkerer Hebel finden, als die permanente Gewöhnung an den Gedanken, daß wir Ausnahmeleistungen vollbringen müssen, um uns mit Recht außerhalb des großen Haufens stellen zu können. Es sind viele schöne Schlagworte geschaffen worden, um diese letzten Konsequenzen zu verschleiern. Das schäbigste ist der „Zionismus für die andern", für die „Armen und Gedrückten". Wir sind alle arm und gedrückt. Ein wenig feiner klingt es, wenn man die Notwendigkeit der inneren Nationalisierung voranstellt, oder (sehr mit Unrecht!) sich auf Herzls prachtvolles Wort von der Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland beruft. Das sind alles Selbstverständlichkeiten, die der einzelne in sich zu erledigen hat. Sie dürfen nicht dazu dienen, den Willen zur Tat zu lähmen. Doch es ist nicht nur eine logische Konsequenz, die den einzelnen nach Palästina weist, sondern — gerade bei den Besten — ein starkes und immer stärker werdendes Gefühl. Die abnorme Lage des jüdischen Volkes, deren feinstes Barometer wir selbst sind, hat keine andere Lösung als die Verpflanzung nach Palästina. Und unsere eigene seelische Unfreiheit hat keine andere Abhilfe. Auch hier wird Palästina keine Wunder tun. Auch in Palästina gibt es genug Unfreiheit, Galuth und Zerrissenheit. Aber die Ahnung einer höheren inneren Freiheit, die jeder von uns in sich trägt, kann hier zu i einem Begriff sich formen, auf welchem Wege dieses höchste Gut für das nächste Geschlecht zu erwerben ist. Und schließlich: Gibt es für einen jungen Menschen, der noch ein Leben zu vergeben hat, etwas Größeres, als dieses Leben auf eine hohe Sache zu stellen, mit der er steht und fällt? In Palästina ist noch viel Platz für Arbeit, und so wenig ist noch bisher geschehen, daß noch jeder Stein zum Eckstein werden kann. Hier ist der einzelne noch nicht eine Nummer, sondern eine richtende Kraft. G e rade dem deutschen Judentum scheint jetzt hier eine bedeutende Aufgabe zuzufallen. Es wird durch seine intensive Durchdringung mit der europäischen Kultur Aufgaben lösen können, für die das jüdische Element Palästinas bisher nicht geeeignet war, und so weit über seine Zahl hinaus die jüdische Position festigen. In dieser Entwicklung ein Glied zu sein, müßte der höchste Ehrgeiz jedes jungen Juden werden. Einer großen Sache zum Wachsen zu helfen, ein neues, Rad ins Rollen zu bringen — höhere Menschenziele fand auch der sterbende Faust nicht. Die nächsten Aufgaben des Hebräischen Lehrerverbandes in Palästina*) (Bericht an das Zionistische Zentralkomitee.) Der Verband der hebräischen Lehrer in Erez Israel wurde in Sichron Jakob im Jahre 1903 gegründet. Sein Programm umfaßt alle Arbeiten auf dem Gebiete des hebräischen Erziehungswesens in unserem Lande, Die Leitung der Organisation befindet sich in den Händen einer Zentrale, welche durch die Generalversammlung für zwei Jahre gewählt wird. Die Zentrale des Lehrerverbandes beschäftigt sich mit dem Schulwesen und allen kulturellen Institutionen des Landes. Ihr Hauptziel ist, die Erziehungsarbeit in Erez Israel einheitlich zu gestalten, um die Kräftigung der hebräischen Kultur und des jüdisch-nationalen Geistes zu erreichen. Diesem Ziel strebt sie zu durch 1. Ausarbeitung von Lehrplänen für alle Schulen, 2. Lehrerkonferenzen, 3. Versorgung der Lehrer mit Werken allgemein pädagogischen Inhalts, 4. Herausgabe von pädagogischen Lehrbüchern, mit besonderer Berücksichtigung des Unterrichtes in Erez-Israel, 5. Veranstaltung von Ferienkursen für die Lehrer. Auch ist die Zentrale bemüht, die Liebe zur hebräischen Sprache durch eine unablässige Agitation für die Wiederbelebung derselben, durch Vorträge und Abendkurse für die Erwachsenen, Lesebücher für Schulkinder, durch Kindergärten und auf jede andere Weise zu erhöhen. Die Lehrerzentralc gewinnt mit jedem Tage mehr Autorität, so daß sie auch die Lehrerprüfungen vornimmt und Prüfungszeugnisse erteilt. Auf diese Weise dehnt sich der ursprüngliche Wirkungskreis der Zentrale auf neue Arbeitsgebiete aus. Vor zwei Jahren begann die Zentrale die Herausgabe der pädagogischen Monatsschrift „Hachinntich". Im Nissan dieses Jahres ist der „Hachinnuch" in seinen dritten Jahrgang eingetreten, von dem bisher 5 Hefte erschienen. Die Zeitschrift veröffentlicht Artikel über die Theorie und die Praxis des Schulunterrichts. Eine Spende, die die Lehrerzentrale von Herrn Moser zugunsten des „Hachinnuch" erhielt, gab der Redaktion die Möglichkeit, in diesem Jahre als Prämie für die Abonnenten das ausgezeichnete Buch von James „Kurse d 6 r Psychologie für L e hrcru herauszugeben, und damit den ersten Schritt zur Herausgabe klassischer pädagogischer Literaturwerke in hebräischer Uebersetzung zu machen. Ferner gibt die Lehrerzcntrale in Gemeinschaft mit dem Vereine „Koheleth" eine Monatsschrift für die Jugend unter dem Titel „Moledeth" heraus. Trotz mancher Schwierigkeiten im Anfange sind wir sicher, daß es möglich sein wird, auch diese Zeitschrift auf eigene Füße zu stellen. Einige Male schon hat die Zentrale die Ferienkurse für die hebräischen Lehrer abgehalten. Bis jetzt waren es aber entweder Kurse für gewisse Gegenstände oder Kurse für kurze Zeit. In diesem Jahre hielt die Zentrale auf Grund eines erweiterten Planes während eines ganzen Monats Ferienkurse für Lehrer ab. Diese Kurse kosteten ca. 8000 Frcs., von denen die Lehrer selbst 3500 Frcs. beisteuerten. Ferner haben wir in diesem Jahre eine Wander-Leihbibliothek eingerichtet. Dieselbe enthält Bücher in verschiedenen Sprachen und gibt den Lehrern die Möglichkeit, ihr Wissen zu vervollständigen. Die Hauptarbeit der nächsten Jahre wird die Herausgabe von Lehrbüchern für die Mittelschulen bilden. Wenn wir auch mit Büchern für die Volksschulen durch verschiedene Ausgaben der Vereine in Erez-Israel und in anderen Ländern in relativem Maße versorgt sind, so fehlt es an Lehrbüchern für höhere Schulen vollständig. Dieser Mangel an Lehrbüchern raubt den Schülern unserer Mittelschulen nicht weniger als ein Drittel ihrer Zeit und zwingt den Lehrer, einen großen Teil seiner Zeit auf die Zusammenstellung des Lehrmaterials zu verwenden. Die Schüler bereiten sich nach unregelmäßigen, oft abgekürzten handschriftlichen Aufzeichnungen vor, was einerseits von nachteiligem Einfluß auf ihre Kenntnisse ist, *) Auf diesen interessanten Bericht des rührigen und verdienstvollen Merkas Ha m m orim wies Dr. Schmarja Levin in seinem Kulturreferat auf der jüngsten Sitzung des zionistischen Zentralkomitees mehrfach hin. Das Levinsche Referat selbst können wir erst in der nächsten Nummer bringen.