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Die Welt · 1912-09-20 · 38 (20.9.1912) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
38 (20.9.1912)
Date
1912-09-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1172 unmoralisch bezeichnet. Moralisch sei es, die Nation, ungeachtet der Gefahr, die sie laufen mag-, den Weg gehen zu lassen, den sie das Wohl des gesamten Vaterlandes gehen heißt. Die jüdischen Deputierten seien nicht Deputierte ihrer Nation, sondern die des ganzen Reiches, und haben nur die Rücksicht auf dieses, nicht auf die engen nationalen Interessen walten zu lassen. Die Juden müßten mit den Unionisten gehen, weil deren Programm das beste und moralischste sei, nämlich, der Ausdruck eines den engherzigen nationalen Partikularismus ausschließenden Allottomanisinus, dessen Ideal die Verschmelzung aller Landesrassen in eine einzige ottomanische Rasse sei. Zum Schluß fügt der Schreiber jedoch vorsichtig hinzu, daß er nur seine eigene persönliche Meinung zum Ausdrucke gebracht habe. Ebensowenig wie das Problem der parteitaktischen Orientierung, hat auch die Frage, wer die -Zentralinstanz für die Vertretung der jüdischen Interessen bei den bevorstehenden Wahlen sein soll, bisher ihre Lösung gefunden. Aber auch diese wird nicht lange mehr auf sich warten lassen. In seiner Sitzung vom 30. August hat der Medschliss Dschismani sich mit diesem Punkte beschäftigt, sein Beschluß ist jedoch noch nicht zur Kenntnis der Oeffentlichkeit gekommen. — Es ist gar keine Frage, daß diesmal bei den Wahlen der nationale Gesichtspunkt bei allen Elementen des Reiches eine viel größere Rolle spielen wird, als früher. In letzter Stunde wird bekannt, daß sogar unter den Türken das Bestreben aufgetaucht ist, eine eigene türkische nationale Partei zu begründen. Das wäre von außerordentlicher Bedeutung für das Reich, würde jedenfalls zur Klärung der Verhältnisse beitragen. Der ,,Tanin" freilich bekämpft diese Idee aus „allottomanischen" Gründen. Er ist der Meinung, daß dem Lande mit der Gründung nationaler Parteien schlecht gedient sei. Wenn die Minoritäten, nach ihm sehr zu unrecht, die Gründung nationaler Organisationen für gut halten, so sei es jedenfalls die Rolle des türkischen Elementes, nicht nur sich selbst von solchen Bestrebungen frei zu halten, sondern auch die Gründung andersnationaler Parteien zu verhindern; der Türke habe die Mission, als Kitt zwischen den verschiedenen Nationalitäten des Reiches zu dienen und sie zu einer einzigen allottomanischen Nation zu verschmelzen. Also, trotz aller bösen Erfahrungen, immer noch der alte Irrtum. Die Hilfsaktion für die Erdbeben-Geschädigten Die Sammlungen für die jüdischen Gemeinden von Tschorlu und Gallipoli werden fortgesetzt. In der Konstantinopeler Ge- Nr. 38 meinde sind bis jetzt 10 000 Frcs. zusammengekommen, was im wesentlichen das Verdienst des Direktors der Anglo-Levantine Banking Co., Herrn Schemtob Mitrani ist, der unermüdlich für die Opfer des Erdbebens arbeitet. Nach den neuesten Nachrichten, die durch einen Bericht des Großrabbinatssekretärs Altabev hierher gelangten, wird die Lage der Aermsten immer prekärer. Es beginnt an Kleidern, Wäsche und Decken zu mangeln. Die Regenzeit beginnt bereits, sich durch heftige Schauer anzukündigen, die elenden Zelte werden vom Unwetter weggeschwemmt und zerrissen. Es muß schleunigst geholfen werden. Einstweilen ist der Großrabbinatssekretär in die beiden schwergeprüften Gemeinden abgereist und hat einer jeden von ihnen aus dem Hilfsfonds 50 Pfund, etwa 1000 M., für das Allernötigste übergeben. Dieses Geld wird an Ort und Stelle durch die Lokalkommission verteilt, die durch die Delegierten des Hilfsvereins und der Bene Berith eingesetzt wurde. In Konstantinopel ist nun die endgültige zentrale Hilfskommission gebildet. Sie besteht aus folgenden Mitgliedern: N a h m i a s Bej, als Vizepräsident der Nationalversammlung, Albert Hazati als Delegierter des Konsistoriums, Dr. Markus als Vertreter des Hilfsvereins der Deutschen Juden, Dr. Auerbach als Vertreter der Großloge Bene Berith, Schemtob Mitrani als Vertreter der lokalen Hilfsorganisationen und Tedesch i als Vertreter der Alliance Israelite Universelle. Den Vorsitz führt Nahmias Bej, das Sekretariat Dr. Auerbach, als Schatzmeister und Leiter des Effektendepots fungiert Schemtob Mitrani. Herr Oberrabbiner Dr. Markus und Herr Tedeschi sind beauftragt, binnen einigen Tagen ein Projekt für die Hilfsorganisation vorzulegen. Die ,.Alliance Israelite" hat für die Erdbebengeschädigten zuerst 1000 Frcs. überwiesen. Es folgten sodann weitere Beträge, so daß die Gesamtsumme der bisher überwiesenen Gelder 11 000 Frcs. beträgt. Neue Brände In Konstantinopel folgen die Brände unheimlich rasch aufeinander. Vorige Woche ist wieder eine Häusergruppe in Galata neben dem Turme eingeäschert worden, und 18 jüdische Familien sind ins Elend geraten. Die unter Vorsitz von Dr. Markus stehende Hilfskommission für Balat hat aus ihrem Fonds an jede Familie 25 Frcs. als erste Hilfe ausgeteilt; auch eine armenische Familie hat an dieser Vergünstigung ihren Anteil erhalten. DIE^ELT WffffJfffffffffffffffffSffJfftfffffMWMWfMSftMfffJJfJJ'JfJVffffSJWfffffJffff In geschäftlichen Angelegenheiten aller Art mögen sich unsere Gesinnungsgenossen an den unterzeichneten §1AC#0 RaviIffOflliOll^fl an Kauf- -■ Verlag wenden. Wir erteilen kostenlos sachgemäße Auskunft über DCAUy3V|UCIICI I ieute? die in Deutschland oder auch in anderen Ländern Einkäufe besorgen. Speziell ia Deutschland stellen wir PyilAff AllfPll unsere bei Fabrikanten und Exportfirmen gut eingeführten Vertreter für Wareneinkauf zur Verfügung. »üV|JVi IvUI CII ■ im ff ImnArfOlirOII für Landosprodukte und sonstige Artikel worden überall entsprechende Verbindungen IIah UHU llll|J\SI ICUB nachgewiesen. - Wir können ferner kostenlos lohnende Vertretungen an w ir&tC*r linrl Ulfif^ri&PtfJSfcrlf Üllfnachweisen, die gut eingeführt sind und über beste Referenzen ver- 11 ClUI UHU fflCUCIVCinCIUICI fügen. Allen Gesinnungsgenossen beschaffen wir gegen Erstattung der Porto- Tiiif Afl^CClflO All^lflinffA in allen geschäftlichen Angelegenheiten, auch in bezug auf schwespesen AUVCMflOdijjc MUallUllllC bonde Differenzen. — Korrespondenz in allen Sprachen. — Anfragen sind zu richten an den |: Verlag „Die Welt" KO=,rr9i,e Berlin W15, Sächsische Str. 8 >MVJV.V»VAWVV^JV.W

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