Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1912-09-11 · 37 (11.9.1912) · page 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
37 (11.9.1912)
Date
1912-09-11
Page
– (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316514-3316551--56480-3350360
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 37 DIE^KELT 1147 Lewin-Epstcin bedauert, daß auf beiden Seiten in den Reden, die hier gehalten wurden, soviel Verbitterung geherrscht hat. Wir wollen nicht nur kritisieren, sondern uns bemühen, die Sache besser zu inachen. In beziig" auf die Oelbaumspende möchte er sagen, daß es ihn wenig kümmert, ob ein Baum für 6 M. gepflanzt werden kann oder nicht. Er ihabe selbst 600 Baume in Palästina gepflanzt, die seit J5 Jahren bestehen. Die P. L. D. C. war ursprünglich als eine Parzellierungsgesellschaft gedacht. Es kommen viele Leute nach Palästina, einzeln und in Gruppen, und für diese war eine solche Gesellschaft nötig, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich in Palästina niederzulassen. Für diese Zwecke war ihr Kapital auch ausreichend. Aber unter keinen Umständen sollte diese Gesellschaft selbst Kolonisation treiben. Denn um Kolonisation zu treiben, braucht man ungeheure Mittel. Was die Absiedlung jüdischer Arbeiter betrifft, so könne dies nur auf dem Wege geschehen, den der Verein Esra eingeschlagen hat. Wolffsohn: Es ist eine Legende, daß eine Opposition gegen die Leitung vorhanden ist. Wir haben nicht die Absicht und die Möglichkeit, eine andere Leitung vorzuschlagen, und nichts liegt uns ferner, als den Zionismus in zwei Parteien zu spalten. Wir haben nur einzelne Institutionen kritisiert und von der Leitung bloß behauptet, daß sie mehr Geld ausgibt, als sie einzunehmen imstande ist. Ich möchte also bitten, daß ein für allemal solche Legenden aus der Welt geschafft werden. Ich möchte mich auch gegen die Aeußerung 'l)r. Weizmanns wenden, daß man von der alten Leitung die Palästinaarbeit mit Zangen herausziehen mußte. Das ist eine Legende seit Jahren. Mit denen von Ihnen, die in finanzieller Beziehung auf meinem Standpunkt stehen, die den Jewish Colonial Trugst für unantastbar halten, habe ich keine Differenzen. Heute haben wir einen Applaus gehabt, wie er in dieser Versammlung noch nicht zu hören war. Er galt einem Manne, der nicht Volksreden hielt von idealen und geistigen Interessen, er hat nur ein Wort gesagt: 40 000 Frcs., und da haben Sie applaudiert. Ich habe mich darüber gewundert, daß Sie, die das Geld so wenig einschätzen und sagen, es sei nur ein Mittel zum Zweck, Beifall klatschten. Sie^hatten aber recht, zu applaudieren, weil wir tatsächlich unsere großen Idealj nicht durchführen können, wenn wir nicht die Mittel haben. Wenn wir von unserer Seite auf die Bank aufpassen, so müßten Sie uns dafür dankbar sein. Wir wollen, daß unsere Institutionen gesund bleiben. Wir wollen, daß die Organisation bestehen kann, daß sie nicht über ihre Kraft Geld ausgebe, das sie nicht besitzt, damit sie nicht in Verlegenheit kommt. Wir wollen, daß unsere Institutionen gut geleitet werden. Dazu helfen keine Volksreden, sondern nur wohldurchdachte Arbeit. Dr. Levin: Ich habe mich gefreut, daß Herr Feldstein bei den Ausführungen des Herrn Wolffsohn anwesend war. Herr Wolffsohn sprach von den 40 000 Frcs., die Herr Feldstein gestiftet hat. Wir sind zwar einfache Leute, aber jeder von uns hat schon im Leben 40 000 Frcs. gesehen. Es besteht also kein Grund, darüber in Jubel auszubrechen. Wenn man Herrn Feldstein zugejubelt hat, so geschah es, weil er die Bedeutung des geistigen Zionismus in Palästina begriffen hat. Dr. Marguli es: Wenn wir behauptet hätten, daß die Gegenseite die Gelder der Finanzinstitute angreifen wolle, so hatten wir nachher nicht versucht, die Sache harmlos darzustellen. Wenn man die Reden der Herren hört, so empfindet man, daß uns eine Weltanschauung voneinander scheidet. Sie haben uns gezwungen, durch private Mittel die Palästina-Institutionen zu finanzieren, und nun kommen Sie als Kritiker und üben eine Kritik, wie sie bei einer Konkursgesellschaft üblich ist. In Palästina müssen wir alles mögliche unternehmen, auch wenn wir bei einzelnen Dingen materiellen Schaden erleiden sollten. Dr. Boden heimer: Herr Kaplansky hat die Aktion des Nationalfonds kritisiert und seine Kritik in einem besonderen Antrag verdichtet, gegen den ich mich ganz entschieden ausspreche. Herr Kaplansky steht auf dem Standpunkte, daß der Nationalfonds heute" schon verpflichtet wäre, ausschließlich Grund und Boden in Palästina zu erwerben, er hat ausgerechnet, daß unsere Jahreseinnahrne hinreichen würde, um jedes Jahr 50 000 Dun am zu erwerben. Dies genüge für die Aufgaben des Nationalfonds. Demgegenüber bemerke ich, erstens ist diese Berechnung falsch, zweitens ist es für uns notwendig, wenn wir Land kaufen, daß wir auch wissen, was wir damit anfangen sollen. Wir dürfen es weder brach liegen lassen, noch den Arabern verpachten, sondern wir müssen es in irgendeiner Form bewirtschaften. Für den Kauf und die Bewirtschaftung des Landes brauchten wir infolgedessen sechs bis acht Millionen Francs jährlich. Ferner irrt Herr Kaplansky, wenn er sagt, daß der Beschluß des V. Kongresses über den Zweck des Nationalfonds noch maßgebend ist. Inzwischen sind andere Bestimmungen angenommen worden. Herrn Kann bemerke ich, daß ich alles, was ich früher gesagt habe, auch gegenüber seinen letzten Bemerkungen aufrecht erhalte. Wir fühlen uns stark genug dazu, Fehler einzugestehen und zu verbessern. Herr Dr. Friedemann hat nun einen Antrag gestellt, den ich Sie bitte, einstimmig anzunehmen. Dr. Hantke läßt über den Antrag Dr. Friedeinann bezüglich der Jemeniten abstimmen. Dieser Antrag wird einstimmig angenommen. Die Resolution Kaplanski wird nach kurzer Debatte abgelehnt. Hermann Struck: Das A.C. hat den Antrag gestellt, daß den Föderationen untersagt werden soll. Beiträge in Büchsen zu sammeln. Diesen Antrag halte ich für unerhört. Sie fahren damit in Ihrer Praxis fort, den Föderationen das Leben zu erschweren. Wir sind eine selbständige Föderation, gebildet aut Grund des Nachweises, daß wir bestimmte Zwecke verfolgen, auf Grund des Organisationsstatuts, auf Grund der Erfüllung der Pflichten, die es uns auferlegt. Wir arbeiten still und, wie ich glaube, gut, und jetzt sagt man uns: Wenn Ihr Geld sammeln wollt, so ist das sehr schön, aber Büchsen dürft Ihr nicht aufstellen. Sie verzeihen, meine Herren, aber das ist widersinnig. Anstatt den Föderationen die Arbeit zu erleichtern, erschwert man ihnen das Leben. Wenn Sie uns einmal anerkannt haben, müssen Sie uns arbeiten lassen. Als die Poale-Zion Marken herausgaben, war der Nationalfonds viel liebenswürdiger in der Erlaubnis. Ich bitte Sie, mir doch die Stelle im Organisationsstatut zu zeigen, welche Sie berechtigt, uns die Herausgabe von Büchsen zu verbieten. Mir ist nichts davon bekannt. Wenn wir im Begriffe sind, eine Kolonie zu gründen, da schreibt uns das Zentralbureau: Wozu gründen Sie diese Kolonie, wollen Sie einen Unterschied zwischen koscheren und treifenen Kolonien machen? (Zwischenrufe: Das ist ganz richtig!) Dieser Zwischenrut beweist eine gänzliche Verständnislosigkeit für zionistische Arbeit. Wenn Sie uns nicht unterstützen wollen, so seien Sie überzeugt, daß wir die Kolonie auch allein gründen werden. Herr Kaplansky, der Vertreter der uns befreundeten Föderation (Heiterkeit), die immer mit uns zusammenarbeitet in den Prinzipien der Organisation, hat Ihnen ausgeführt, daß das Prinzip der Landsmannschaften nicht das richtige ist, vielmehr die Gruppierung nach Anschauungen. Ich bin ganz dieser Meinung. Herr Stand hat erwähnt, daß das Hebräische Gymnasium in Jerusalem durch Herrn Levins Verdienst Geld bekommt. Ich bin der Ansicht, daß ein Mitglied des E. A.C. für ein solches Institut sich nicht einsetzen sollte. Auch über die Stiftung des Herrn Feldstein habe ich einiges zu sagen. Heber die Hochherzigkeit, die darin liegt, ist nicht zu diskutieren und über die Wichtigkeit der hebräischen Sprache brauche ich nicht zu sprechen, aber es ließe sich doch darüber streiten, ob es nicht wichtiger wäre, für hungernde palästinensische Arbeiter Obdach und Brot zu schaffen, als eine Schule zu gründen, die die Ausdrücke für tägliche Bedarfsartikel neu konstruiert. Die alten Juden sind mit ihren Ausdrücken ganz gut ausgekommen, und es ist nicht nötig, zu wissen, wie eine Schinkenstulle hebräisch heißt (Heiterkeit). Ich stimme auch gegen diese Gründung, weil Sie für die Vorberatung solcher Neugründungen einen Kulturausschuß eingesetzt und diesen nicht befragt haben. Zum Schluß bitte ich Sie nochmals, Ie#en Sie uns keine Schwierigkeiten in den Weg, sondern lehnen Sie den Antrag des A. C. ab. Dr. Hantke: Namens des E. A. C. erkläre ich, daß wir auf unserem Standpunkt in dieser Angelegenheit beharren. Alles, was Herr Struck hier ang-eführt hat, kann für uns kein Grund sein, den Sonderverbänden das Recht zu geben, besondere Büchsen herauszugeben. Zur Aufklärung möchte ich noch sagen, daß wir in der Frage der Stiftung des Herrn Feldstein keinen Beschluß gefaßt haben. Wir kommen nunmehr zur Abstimmung, und zwar kommt zuerst der Antrag des E. A. C. Dieser Antrag wird mit 2-1 gegen 17 Stimmen angenommen. Kaplan S'k y gibt folgende Erklärung ab: Es tut mir leid, daß man durch Beschlüsse des Zentralkomitees zu Erklärungen gezwungen wird. Aber ich muß erklären, daß nach unserem Organisationsstatut den Sonderverbänden nicht verboten werden kann, die Mittel für ihre Sonderzwecke aut jene Weise aufzubringen, die sie für gut befinden. Wir haben aus Rücksicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.