Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 37 (11.9.1912)
- Date
- 1912-09-11
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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1146--DIE] Hantkc: Zweitens schlagen wir Ihnen für den Legitimationsausschuß, der aus fünf Mitgliedern und 1ünt Stellvertretern zu bestehen hat, folgende Herren vor: Als Mitglieder: Dr. Walter Münk, Berlin, Leon Levite, Warschau, Ingenieur Stricker, Wien, Gustav F i n z i, Troppau, Dr. Leon Reich, Lemberg; als Stellvertreter: Dr. Julius Becker, Berlin, A. W e i ß m a n n , Kattowitz, Dr. Emil M a r g u l i e s, Leitmeritz, Dr. S c h o e n f e 1 d, Budapest, H. Trop. Stanislau. Der Antrag wird angenommen. Dr. Hantkc: Wir kommen nunmehr zum nächsten Punkt der Tagesordnung, d. i. Zeit und Ort des nächsten Kongresses. Das E. A. C. schlägt Ihnen vor, den XL Kongreß in der zweiten Hälfte des August in Wien abzuhalten, lieber den Ort sind verschiedene Projekte aufgetaucht. Wir sind der Ansicht, daß wir mit dem größten Demonstrationsmittel, welches wir haben, möglichst an einen Platz gehen wollen, wo wir vom jüdischen Volke gesehen werden. Nach Rußland können wir leider nicht gehen. So kamen von diesem Standpunkte für uns nur Wien und Berlin in Betracht. Wir haben auch London und Paris in Betracht gezogen, aber sie deshalb abgelehnt, weil sie für die große Menge der Juden ziemlich schwer zu erreichen sind, und weil außerdem die Sprache eine große Schwierigkeit bedeutet. Von den uns vorliegenden Städten (Wien und Berlin) haben wir Wien den Vorzug gegeben, weil es eine stärkere jüdische Umgebung hat. Ferner ist Wien ein neutraler Platz, und wir haben Ursache gerade auf dieses Moment jetzt Rücksicht zu nehmen. Wir bitten Sie also, unseren Vorschlag anzunehmen. In der anschließenden Debatte begrüßen Stand und Dr. Zweig den Vorschlag des E. A. C. und bitten um dessen Annahme. Prof. Engel schließt sich ihnen an, aber nur in der Voraussetzung, daß der Wiener Kongreß ein Demonstrations- und Arbeitskongreß sein werde, nicht, wie der Hamburger, ein Kongreß der Kritik. Ein solcher dürfe in Wien nicht tagen. Die Tagesordnung müsse also derart eingerichtet werden, daß die Kritik schon vorher im A.C. einsetzt. K a n n spricht sich für Frankfurt a. M., L e v i n - E p s t e i n für London aus. Kap- 1 a n s k v und Dr. M a r g u 1 i e s befiirworien den Vorschlag des II. A. C, der dann angenommen wird. H a n t k e: Wir kommen nun zum Punkte \\ i s r a c h i - Büchsen. Zunächst folgende tatsächliche Aufklärung. Wir haben aus dem Korrcspondenzblatt des Misrachi vor einigen Monaten erfahren, daß der Misrachi Büchsen ausgibt, in denen er ebenso sammelt, wie für den Nationalfonds. Auf unsere Anfrage haben wir erfahren, daß er in diesen Büchsen für einen Kolonialfonds sammelt. Er will nämlich in der Nähe von Jerusalem eine Kolonie jüngerer Jerusalemer Juden aus Chaltika-Kreisen gründen. Ais wir ihm erklärten, daß wir dies für bedenklich halten, erklärte er, er wolle diese Büchsen nur in solchen orthodoxen Kreisen verbreiten, welche sich weigern, eine Nationalfonds-Büchse anzunehmen. Da wir aber der Ansicht waren, daß die Ausgabe von Sonderbüchsen für den Nationalfonds nicht vorteilhaft sei, so haben wir den Misrachi Versucht, diese Büchsensammlnng zurückzustellen. Darauf hat uns der Misrachi das Recht zu* dieser Maßnahme bestritten, da jede Landesorganisation das Recht habe, zu sammeln, wie sie wolle, und der Nationalfonds kein Monopol auf Büchsen habe. Wir haben darauf geantwortet, daß das E. A. C. das Recht habe, in die organisatorischen Maßnahmen der Föderationen einzugreifen, daß aber der Föderationsverband bei der Zentralkomitee-Sitzung gegen solche Entscheidungen protestieren könne. Da hat sich endlich der Misrachi bereit erklärt, die weitere Ausgabe von Büchsen einzustellen, bis das Zentralkomitee die Sache geordnet habe. Nun legt das E. A.C. der Zentralkomitee-Sitzung folgenden Antrag vor: „Im Interesse einer allgemeinen Verbreitung der Sammelbüchsen des J. N. F. erklärt das zionistische Zentralkomitee die Herausgabe von Büchsen durch die Landes- und Sonderverbände zur Vornahme irgendwelcher Sammlungen für unzulässig." Natürlich hat der Nationalfonds kein ausdrückliches Privileg auf Büchsen bekommen, aber die Herausgabe von Büchsen beruht auf einem Kongreßbcsehlusse, und jedermann weiß, daß eine Sammelbüchse immer nur für den Nationalfonds ist. Man hat uns ein zu großes Entgegenkommen gegen den Misrachi vorgeworfen, und Herr Franzie-Berenstein hat von einem falschen Entgegenkommen gesprochen. Wir sind nicht seiner Ansicht, aber in diesem Punkte, der jetzt auf der Tagesordnung steht, haben wir keinen Anlaß, dem Misrachi entgegenzukommen. Das ist ein Punkt der Organisation und Propaganda, der prinzipiell ist und schwer in das Gebäude, das wir mühsam errichtet haben, eingreift. Ich bitte Sie also, den Antrag des E. A. C. anzunehmen. [ELT — - Nr. 37 Arnold Wiener glaubt nicht, daß wir eine Handhabe besitzen, um die Ausgabe besonderer Sammelmittel den einzelnen Föderationen zu untersagen. Auch in der Bukowina und in Amerika wird ja für neu zu errichtende Kolonien gesammelt. Man müsse den religiösen Kreisen die Möglichkeit bieten, für Palästinazwecke zu spenden, und dies sei nur möglich, wenn der Misrachi seine besonderen Sammelnuttel hat. Dr. Zweig tritt dem Vorredner entgegen. Die Büchse sei das Symbol aller Sammlungen für den Nationalfonds und dürfe nicht für andere Sammelzwecke verwendet werden. Im gleichen Sinne sprechen T s c Ii 1 e n o w , Schein und in längeren Ausführungen Dr. B o d e n h e i m e r. Wolf f söhn regt an, der Misrachi solle die Spenden, die er mit den Büchsen des Nationalfonds sammelt, für die zu gründende Kolonie verwenden. Da kein Vertreter des Misrachi anwesend ist, wird die Abstimmung vertagt, um später Herrn Struck Gelegenheit zu geben, das Wort hierzu zu nehmen. * Es wird nunmehr die P a 1 ä s t i n a d e b a f t e fortgesetzt. Friede m a n n bespricht die Einwanderung der jemenitischen Juden nach Palästina. Man müsse im Interesse dieses wertvollen Volks Clements mit einer größeren Aktion in die Oeffentlidrkeit treten. Vielleicht werde auch die Möglichkeit sein, für diesen speziellen Zweck von der I. A. C. Geld zn bekommen. Der Redner möchte deshalb den positiven Vorschlag machen, daß das A. C. sich mit einem Aufruf an die Oeffentlidrkeit wende und für diesen speziellen Zweck zur Sammlung auffordere. In Deutschland, Oesterreich, Rußland und Rumänien können wohl bedeutende Beträge aufgebracht werden. Solche Sammlungen gehen aber nur dann gut vor sich, wenn das A. C. sie beschließt. Zweitens möchte er den Präsidenten des Nationalfonds bitten, eine Zusammenstellung zu geben, wieviel Oeld wir in städtischen und wieviel in ländlichen Betrieben investiert haben. Denn nur so können wir wissen, welche Arbeitsmöglichkeiten wir in Angriff nehmen können. Ferner möchte er gern von Dr. Bodenheimer und Dr. Tschlenow hören, welche Anschauung sie über die Oppenheimersche Siedlungsgenossenschaft gewonnen haben, ob sie glauben, daß man mit den Mitteln auskommen wird und daß das Unternehmen Aussichten hat. Boris O o I d b e r g polemisiert gegen die Ausführungen des Herrn Kann betreffs der P. L. D. C. Der vorige Kongreß hat einstimmig beschlossen, daß es Pflicht der Zionisten sei, die P. L. D. C. zu fördern. Wenn wir nun einen derartigen Beschluß ausführen wollen, so kommt Flerr Kann und macht uns Vorwürfe darüber. Der Redner verkennt keinesfalls die Fehler, die gemadit wurden, muß aber sein Befremden aussprechen, daß hier drei Tage mit unfruchtbarer Kritik und gegenseitigen Vorwürfen verloren worden sind, anstatt positive Vorschläge für d;e weitere Arbeit zu erörtern. Die Schuld an dieser Zeitverschwendung haben die Herren auf der anderen Seite. Engel: Das Expose der Herren S o k o I o w und J a - cobson habe wenig Beachtung gefunden, er möchte aber doch einige Worte darüber sprechen. Herr Sokolow hat betont, wir lassen die Dinge eher an uns herantreten, als daß wir an sie herangehen. Dies sei eine bedauerliche Auffassung. Oesterreich gegenüber, das gerade jetzt eine geschäftige, bedeutende Diplomatie in Orientfragen hat, würden Fehler begangen. Und gerade in Oesterreich habe man infolge schlechter Informationen abenteuerliche Vorstellungen über zionistische Politik. Der Redner wendet sidi dann als Schulmann der Schulfrage zu. Er spricht sich gegen das hebräische Gymnasium in Jerusalem aus. Solange das Gvmnasium in Jaffa nidit ganz fest ist, solange es noch bezüglich der Mittel nicht ganz sicher steht, sei die Errichtung eines Gymnasiums in Jerusalem ein Fehler. Was wollen Sie denn später mit den Absolventen des hebräischen Gvmnasiums anfangen? Diese oroße Zahl von Leuten mit Mittelschulbildung wird im Lande nicht festen Fuß fassen können. Die Juden sollen aber doch im Lande bleiben, das ist unsere Absicht. Ein Intelligenzüberschuß, der notwendigerweise in diesen Anstalten produziert wird, werde das Land verlassen müssen. Ohne gründliche Elementarschule, sowohl Dorfals auch städtische Schule, mit allen ihren LJnterrichtsbehelfen (Schulbüchern und dem unbedingt notwendigen Lehrplan), ohne diese Grundelemente unter guter Oberaufsicht lassen sich Mittelschulen überhaupt nicht gründen. Man möge also Kapitalien sammeln und agitieren^ aber keine unreifen Kinder in die Welt setzen.