Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1912-09-11 · 37 (11.9.1912) · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
37 (11.9.1912)
Date
1912-09-11
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316514-3316551--56477-3350357
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

lasscncr gesprochen. Auch er werde den Versuch machen, ganz ruhig zu sprechen. Wir glauben den Herren von der Oppositon: Sie sind für die Paliistina-Arbeit, aber der Unterschied liegt in der Intensität des Wollens. Jeder von uns muß sein Wollen durch die Tat bekräftigen. Herr Marmorek möge an Ort und Stelle die Dinge kennen lernen. Dann wird er vielleicht auch zu der Tat-Intensität gelangen. Schluß der Sitzung 5 Uhr. Mittwoch, den 4. September, Vormittag. Dt. H a n t k e eröffnet die Sitzung um 10 Uhr. Das Referat der Budgetkommission erstattet Dr. Hausmann: Die Budgetkommission hat gefunden, daß aut der Ausgabenseite mit Ausnahme zweier geringfügigen Streichungen keine Aendemngen vorzunehmen seien. Diese Streichungen sind die Ermäßigung der Ausgaben für den Kongreß aut 20 000 M. und die Streichung der Subvention für die P.L.D.C., weil dieser letzte Betrag aus anderen Quellen zu decken ist. Nach Streichung von 7000 M. haben wir einen Ausgaben- Etat von 193 000 AI. Allerdings hat dabei über den Posten „Presse" noch das A. C. zu entscheiden. Auf der Einnahmenseite hat die Konimission auch den Etat mit 193 000 M. angenommen, und die Streichung von 7000 M. auf die projektierten Einnahmen für Schekel und Zentralfonds vorgenommen. Diesen Etat bittet der Referent zu genehmigen. Wolftsohn: Im Namen der Minorität der Budgetkommission möchte ich mitteilen, daß wir folgende Posten in dein vorgelegten Budget beanstandet haben: 1. den Posten für Propaganda, der von 31 000 auf 15 000 reduziert werden sollte. 2. haben wir gegen den Posten Presse gestimmt, der vollständig gestrichen werden soll. Ferner soll der Posten auswärtige Vertretungen reduziert werden, sodann sollen gestrichen werden die Subvention für den „Haolam" und ,die beiden letzten Posten Seminar und Studentenheim. Ich teile dies hier deswegen mit weil ich und meine Freunde nicht gegen das ganze Budget stimmen wollen, da wir aber nicht in der Lage sind, dafür die Verantwortung zu übernehmen, so werden wir uns der Abstimmung enthalten. Es folgt dann eine längere Gcschäftsordntingsdebatte, und es wird beschlossen, die zwei ausdrücklich zum Budget vorgemerkten Redner zu Worte kommen zu lassen und die Rednerliste zu schließen. Dr. K a t z e n e I s o ii: Nach der vorliegenden Bilanz ergibt sich ein Defizit von 19 000 AI. Nun werden wir aut die späteren Eingänge vertröstet. Wir haben für dieses Jahr bessere Resultate erwartet. Zum ersten Male wurde der Zentralfonds eingeführt, dessen Idee von mir ausgegangen ist. Es sind aber für den Zentralfonds nur 44 000 M. eingegangen. Floffen wir, daß im nächsten Jahre ein besseres Resultat erzielt wird, aber zunächst müssen wir mit den Tatsachen rechnen. Was die Schekel betrifft, so sind die Eingänge nicht anders als früher. Nun kommen die Ausgaben für das nächste Jahr. Ich habe mich sehr darüber gefreut, daß sich Herren gefunden haben, die für einen Kredit von 100 000 Mark Garantien übernehmen wollen. Aber in dem Opfer, daß die Herren diesmal gebracht haben, ist auch ein bitterer Tropfen enthalten, denn auch die Oarahtiezeichnungen sind schon eine Parteisache geworden. Vom finanziellen Standpunkte sind mir die Garantien diesmal lieber, vom volkstümlichen waren sie mir im Vorjahre lieber. Ich möchte ein paar Worte zu e'infgen Positionen des Budgets sagen. Bei dem Posten Agitation ist die sprunghafte Erhöhung von 13 00!/ auf 31000 A\. nicht begründet. Ich möchte also beantragen, daß wir das Budget auf das Maß der früheren Budgets reduzieren. Wenn die Leitung meint, daß größere Einnahmen zunächst durch größere Ausgaben erzielt werden können, so möchte ich bitten, damit wenigstens noch ein Jahr zu warten, um zu sehen, welches Resultat wir in diesem Jahre erreichen. P o d (i s c h e w s k i: Herr Wolffsohn und ich sind immer dafür eingetreten, die Institutionen zu besteuern, denn wir glauben, daß die Bewegung die Mutter aller Institutionen sei. Im Prinzip beharre ich auch jetzt darauf. Weil ich aber zu jener Partei gehöre, die damals in der Opposition war, sage ich jetzt, Sie sollen das Geld nicht von den Institutionen nehmen. Deshalb haben wir die Garantie von 100 000 AI. aufgebracht. Wir werden es mit Vergnügen begrüßen, wenn auch die Herren von der Gegenseite dazu beitragen. Die neue Leitung hat ein Programm ausgearbeitet, sie will es ausführen. Wenn wir die Arbeit nach diesem neuen Programm verlangen, müssen wir auch die Mittel geben. Der Redner kommt nun zu den einzelnen Posten. Der Posten Agitation sieht groß aus, aber für das, was die Herren als seinen Inhalt erreichen wollen, ist er eher zu niedrig. Mit den anderen Posten ist es genau so. Wenn die Leitung sagt, wir müssen Reisen machen und Propaganda treiben, so sind die Summen dazu notwendig. Darum bittet der Redner, das Budget unverkürzt anzunehmen. Dr. H antke: Was die Zahlen betrifft, die Herr Dr. Katzenelson hier neuerdings angeführt hat, so möchte ich nur eines erklären. Die nächsten zwölf Monate müssen darüber entscheiden, ob wir oder Sie recht behalten werden. Ich kann im Namen des E. A. C. meiner Ueberzeugung Ausdruck geben, daß wir die Verantwortung für das Budget übernehmen können. Selbstverständlich lassen sich künftige Dinge nicht mathematisch vorherbestimmen. Wir alle haben garantiert, wreil wir in die weitere Entwicklung der Bewegung Vertrauen haben. Wir haben es nicht als eine Parteisache aufgefaßt. Wir betrachten die Garantien als einen Ausnahmefall. Die Bewegung muß derartig stark werden, daß sie einen Kredit bei der Bank auch ohne Garantien erhält. Ich hoffe, daß das nächste Jahr diese Kreditfähigkeit der Organisation erweisen wird. Wir empfinden, daß eine Einschränkung der Ausgaben für Propaganda es uns unmöglich macht, eine Gesundung der Finanzen herbeizuführen. Wir kehren damit zur Tradition der früheren Jahre zurück. Unter Herzl hat es niemand riskiert, an den Ausgaben für Propaganda Kritik zu üben. Ich weiß mich noch sehr deutlich zu erinnern, daß auch die Zionistische Vereinigung für Deutschland eine Subvention von Herzl bekommen hat, als sie noch in der gleichen Situation war, in der sich jetzt andere Organisationen befinden. Wer mit Presse-Angelegenheiten zu tun hat, weiß, wie lange es dauert, bis eine Zeitung sich erhalten kann. Wenn die russische Landsmannschaft in den „Rasswjet" nicht so bedeutende Summen hineingesteckt hätte, so könnte er jetzt keine Dividende zahlen. In jedes Geschäft gehört ein Betriebskapital. Sic wissen, daß in den letzten Jahren immer wieder von der Besteuerung der Institutionen gesprochen worden ist. Sie werden vielleicht bemerken, daß wir Ihnen keine Besteuerung vorgeschlagen haben. Wir wissen, daß die Partei genug stark ist, um aus Eigenem die Ausgaben 7ju bestreiten. Der Zentralfonds zeigt uns einen ganz schönen Anfang, da wir dabei nicht auf einmalige Spenden, sondern auf feste Jahresbeiträge rechnen können. Die Zahl der einzelnen Beiträge ist gering, weil in manchen Ländern die Propaganda für den Zentralfonds überhaupt noch nicht eingesetzt hat. Belgien ist ein Beispiel dafür, wie man in zweckmäßiger Weise für den Zentralfonds arbeiten kann. Wenn wir uns auf dem nächsten Kongreß zur Wiederwahl aufstellen lassen, so werden wir es nur dann tun, wenn die Versprechungen von uns eingelöst worden sind. Wir kommen nunmehr zur Abstimmung der einzelnen Anbetrag die alten Garantoren zu entlasten, ferner dem E. A. C. charge-Erteilung. Ferner der Antrag des E. A. C. um Bewilligung des Budgets und drittens der Antrag des E. A.C., den Aufsichtsrat zu ersuchen, gegen Abdeckung des alten Kredits und Uebergabe einer neuen Personen-Garantie über den Restbetrag die alten Garantoren zu entlasten, ferner dem E. A. C. für das neue Geschäftsjahr auf Personen-Garantie einen Kredit von 100 000 M., rückzahlbar am 30. September 1913 zu gewähren. Der Antrag auf Decharge-Erteilung wird einstimmig angenommen. Woltfsohn wiederholt seine bereits früher abgegebene Erklärung, sich bei der Abstimmung über das Budget der Stimme zu enthalten. Dr. Zweig beantragt namentliche Abstimmung, zieht den Antrag aber zurück. Das Budget wird mit 33 gegen 1 Stimme bei 13 Stimmenthaltungen angenommen. * Hierauf erstattete Dr. Schmarja L e v i n sein Referat über die ikulturelle Tätigkeit in Palästina und verlas zum Schlüsse ein Schreiben des Herrn Feldstein (Warschau) an das Zionistische Zentralkomitee, worin die Gründung eines Fonds zur Förderung der hebräischen Sprache und Literatur sowie des Erziehungswesens in Palästina vorgeschlagen wird. Wir veröffentlichen nachstehend den Vorschlag des Herrn Feldstein seinem vollen Wortlaut nach. Das Referat Dr. Levins bringen wir in der nächsten Nu mm er.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.