Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 37 (11.9.1912)
- Date
- 1912-09-11
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 37 DIE^ELT 1143 beziehen. In den Verschlagen, die Dr. Bodenheimer in seinem Bericht macht, seien wiederum große Ausgaben enthalten. Es soll eine neue Administration eingerichtet werden, und wir wissen genau, daß, wenn die Summen jetzt klein sind, sie später größer werden. Dr. Ruppin sagt, daß D a g a n i a den Arbeitern die Möglichkeit zu kleinen Ersparnissen auf dem Wege der Gewinnbeteiligung gewährt. Wo ist nun der Anteil des Nationalfonds? Es gibt ferner einen Vertrag zwischen dem Nationalfonds und der Oelbaumspende, wonach gewisse Ausgaben an den N. F. zurückerstattet werden. Weshalb ist die Abrechnung hierüber hinausgeschoben worden? Die Anleihe, die die P. L. D. C. aufnimmt, sei nicht völlig gesichert, weil der Nationalfonds keine Zinsen dafür bekomme. Dr. Bodenheimer sollte mit solchen Anleihen vorsichtiger sein. Auch der Redner ist überzeugt, daß die Gelder des Nationalfonds sicher angelegt sind. Dieser Glaube soll jedoch nicht erschüttert werden. Dafür hat Dr. Bodenheimer die Verantwortung. Dr. Levin hat mir vorgeworfen, daß ich immer nur von Geld spreche, während unsere Arbeit auch Opfer an Blut gekostet hat. Gewiß, auch ich bedauere diese Opfer schmerzlich, aber glauben Sie mir, es kostet auch uns Herzblut, wenn wir sehen, daß die Dinge nicht richtig gemacht werden, und man unsere Vorstellungen nicht berücksichtigt. Dr. Tschlenow: Es sind kaum 10 Monate verflossen, seit die neue Leitung an ihre Arbeit getreten ist, und davon waren einige Monate mit technischen Arbeiten ausgefüllt. Es sei also zu früh, Forderungen zu stellen und Kritik zu üben. An dieser Kritik sind vielleicht die Herren von der Leitung selbst schuld, denn sie haben auch schon Fortschritte festzustellen gemeint. Der Redner erkennt diese Fortschritte auch an, doch über die Anfänge der Arbeit zu berichten, wäre noch Zeit gewesen. Herr Wolffsöhn hat hauptsächlich hervorgehoben, die Leitung gebe zu viel Geld aus. Diese Behauptung sei schwer mit den Tatsachen in Einklang zu bringen. Die Leitung hat nach dem Budget gewirtschaftet, welches wir auf dem X. Kongreß bestätigt haben, und hat seine Grenzen nicht überschritten. Es ist auch nicht wesentlich höher, als das Kölner Budget. Wie war es denn früher? Keine Tagung ist verlaufen, wo uns Herr Wolffsohn nicht sagen mußte, daß wir leider keine Deckung für die Ausgaben haben. Was das Darlehen bei der Bank betrifft, so haben wir keine Tendenz, von der Bank irgend etwas zu verlangen, was die Bank nicht gegenüber jedem anderen Kunden tun kann. Kreditfähigen Leuten Kredit zu gewähren, ist selbstverständlich. Wie war es aber in den Beziehungen zwischen dem E. A. C. und der Bank in früherer Zeit? Als Herr Wolffsohn die Leitung übernahm, hat das E. A. C. von der Bank einen größeren Kredit erhalten, und da waren keine Personen, die garantierten. Erst später haben sie eine weitere Anleihe unter Garantien aufgenommen. Das war derselbe Personalkredit, den wir jetzt in Anspruch nehmen. Noch eins: Herr Wolffsohn hat früher dafür gekämpft, wir sollten die Bank und den Nationalfonds zugunsten der Organisation besteuern. Gestern hat Herr Wolffsohn gesagt, das Bankgeld sei fremdes Geld, über das wir nicht verfügen können. Das ist ja eben der Grund, daß wir im Gegensatz zu Herrn Wolffsohn die Besteuerung der Institutionen abgelehnt haben. Wir nehmen keinen Kredit in der Weise, wie es die frühere Leitung getan hat, und protestieren, daß solche Tendenzen in unsere Forderungen hineingedeutet werden. Die zweite Gruppe der Vorwürfe Wolffsohns war, daß man viel Geld für Propaganda ausgebe, daß viele Reisen von den Sekreteären und dem E. A. C. gemacht würden, und daß durch die Reisen des E. A. C. das Prinzip des Kollegiums, für das wir kämpften, durchbrochen worden sei. Was die Propaganda anbetrifft, so versteht der Redner Herrn Wolffsohn nicht. Er sa$rt selbst, daß er an Repräsentationskosten nicht gespart habe. Aber Repräsentation — das ist nur äußere Propaganda; innere Propaganda, die durch gute Kräfte geleistet wird, sei viel wichtiger. Wenn die breiten Schichten keine Impulse von uns bekommen, so haben wir auch materiellen Schaden davon. Die Propaganda-Ausgaben sind also in Wahrheit Einkünfte. Unsere Arbeit ohne Propaganda fortführen, heißt, ihr die Seele nehmen. Was nun die Reisen des E. A. C. betrifft, haben wir denn, als wir ein Kollegium forderten, die Vorstellung gehabt, daß die Herren zwölf Monate an einem Orte sitzen müssen? Das ist unmöglich. Wir wollten nur nicht, daß alle Angelegenheiten durch eine Person geleitet werden. Unsere Bewegung muß überall eingreifen, und eine Person kann nicht zu gleicher Zeit überall sein, wo es notwendig ist. Wenn es fünf sind, werden zwei oder drei immer an Ort und Stelle sein, und die anderen werden die notwendigen Reisen machen. Sogar Herr Cowen hat konstatiert, daß die Reise des Herrn Sokoiow nach London von großem Interesse für unsere Bewegung war. Herr Jacobson ist oft in Konstantinopel, das haben wir schon früher gewußt, und uns gesagt, daß wir nach und nach eine Aenderung in dieser Richtung durchführen und eine neue Person zum ständigen Aufenthalt in Konstantinopel finden müssen. Wir werden dies hoffentlich auch erreichen. Was Herrn Levin betrifft, so hat er uns schon bei seiner Kandidatur gesagt, daß er ein halbes Jahr in Palästina wird sein müssen, wir waren damit einverstanden. 'Herr Levin hat dann fünf Monate sehr fruchtbar propagandistisch gewirkt und wird auch fernerhin unser Vertrauen rechtfertigen. Auch in Palästina arbeitete er für ein zionistisches Palästina-Unternehmen von größter Tragweite. Wir haben übrigens nicht für diese fünf Männer gekämpft, sondern für das Prinzip, und dieses hat sich bewährt. Die Personen werden gewiß im Laufe der Zeit wechseln. Unser Prinzip ist folgendes: In Berlin haben wir ein jüdisches Milieu, kollegiale Arbeit und ferner Arbeit nach allen Richtungen, die unser Programm einschließt. Daß unsere Zentrale hier ganz andere Impulse geben und empfangen kann, als in Köln, das wird niemand bestreiten. Wenn wir die Bemühungen der neuen Leitung betrachten, so müssen wir sagen, daß wir mit ihnen zufrieden sind. In zehn Monaten kann man nicht viel leisten, und deshalb sind übertriebene Anforderungen nicht gerechtfertigt, aber die Richtlinien der Arbeit sind sichtbar, und in diesen Richtlinien hat die Leitung unser Vertrauen gerechtfertigt. Herr Wolffsohn und auch Herr Dr. Marmorek haben uns Vorwürfe gemacht, daß wir in Rußland keine Schekel sammeln und außerdem noch Subventionen verlangen. Ich möchte Herrn Wolffsohn in Erinnerung bringen, daß es Verhältnisse gibt, die jeder zu berücksichtigen verpflichtet ist. Wissen Sie, wie wir jetzt in Rußland arbeiten? Darunter leiden selbstverständlich jene Gebiete, die hauptsächlich von der Propaganda abhängen, wie /. B. der Schekel. Nehmen Sie z. B. die anderen Gebiete, wie den Nationalfonds und die Palästina - Institutionen, und Sie werden finden, daß wir darin sehr schöne Erfolge erzielt haben. Man muß mit solchen Verhältnissen rechnen, und die Erfolge unserer Tätigkeit für die Institutionen werden Ihnen beweisen, wie viel wir unter normalen Verhältnissen in Rußland sammeln könnten. Levin führt den ziffernmäßigen Nachweis, daß der Unterschied zwischen den Ausgaben in Köln und Berlin kein erheblicher ist. Es sei erfreulich, daß wir in unserer Partei tüchtige Kailfleute haben. Nun fordern aber diese Kaufleute, die Prüfung der Unternehmungen vom kaufmännischen Standpunkte sollte Ihnen zufallen. Zugegeben, dann aber verlangt der Redner Trennung der Arbeitsgebiete. Dann mögen die Herren die Propaganda und das geistige Gebiet unserer Bewegung anderen Leuten überlassen. In der früheren Leitung war in Wirklichkeit nur e i n Leiter vorhanden, und wenn dieser im Interesse der Bewegung gezwungen war, Köln zu verlassen, so blieb niemand dort. Dadurch aber hat sich Herr Wolffsohn nicht abhalten lassen, Reisen zu machen, wo es im Interesse der Bewegung notwendig war. Der Redner könne für seinen Teil die Versicherung abgeben, daß er auf seinen Propaganda reisen niemals Reden polemischer Natur, etwa gegen die Gruppe der „politischen** Zionisten gehalten habe. Seine Reise nach Palästina und seine früheren Reisen nach Rußland und Galizien seien alles eher als Lustreisen gewesen. Er hatte an 32 Tagen 2S Vorträge zu halten und mußte oft Nächte durchfahren. Herr Wolffsohn meint ferner, man möge die Subvention für den „Haolam" streichen, denn die Russen würden die Mittel selbst finden. Die Russen geben ohnehin genug für hebräische Zeitungen, das weiß Herr Wolffsohn, und der Redner glaubt, daß es ein Ehrenstaudnunkt für die Organisation sei, welche die hebräisvhe Renaissance auf ihre Fahne geschrieben hat, den ,,Hajlamu zu fördern. Unsere Schuld ist es nicht, daß der „Haolam" in Deutschland wenig Leser hat, und wenn ihn die zionistische Zentrale mit einigen tausend Mark unterstützen soll, so ist es charakteristisch, daß man den Mut hat, sich dagegen zu wehren. Ohne Hebraismus und jüdische Kultur hätten wir keinen Zionismus. Der Redner apostrophiert nun Herrn Marmorek, er möge sich doch durch den Augenschein überzeugen, was in Palästina entsteht, dann würde er seine Ideen konkretisieren können. Herr Dr. Bodenheimer habe von den Werken im Lande eine ganz andere Meinung bekommen, als er dort war. Herr Kann habe zum zweiten Male viel versöhnlicher und ge-