Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1912-09-11 · 37 (11.9.1912) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
37 (11.9.1912)
Date
1912-09-11
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316514-3316551--56475-3350355
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1142 , DIE] Fischer, P o d 1 i s c h e w s k i und Friede in a n n. Dann wird die Debatte fortgesetzt. Delegierter Romano (Philippopel) spricht französisch. Er bekämpft die Ansichten der Herren Wolffsöhn und Dr. Marmorek und findet die Kritik der Leitung ungerechtfertigt. Die Propaganda müsse naturgemäß Geld kosten und dazu sei die Organisation verpflichtet, die Mittel zu stellen. Dr. F r a n z i e - B c r c n s t c i 11: Das große A. C. hat in seiner ersten Sitzung mit der Föderation Misrachi eine Verständigung erzielt dahingehend, daß ein Vertreter der Föderation Misrachi mit beratender Stimme an den Sitzungen des großen A.C. teilnehmen kann. Unser Delegiertentag hat sich mit dieser Angelegenheit beschäftigt und war der Ansicht, daß diese Verständigung den Beschüssen des X. Kongresses widerspricht. Es ist also hier vom organisatorischen Standpunkte etwas gemacht worden, was nicht gerechtfertigt ist. Wir haben darüber dein E. A. C eine Resolution übermittelt, und es wurde uns darauf erwidert, daß das E. A. C. bei der Jahreskonferenz seinen Standpunkt in dieser Angelegenheit darlegen wird. Wenn ich auch glaube, daß diese Verständigung vielleicht notwendig war, so bin ich der Ansicht, daß man dem Beschluß eine andere Fassung hätte geben sollen. Eine weitere Frage, die der Redner erörtern möchte, ist der Vertrag des A. C. mit der Basler Lebensversicherung. In Holland seien darüber Beschwerden eingelaufen. Der Vertrag ist nach Ansicht des Redners kein glücklicher. Auch hält es der Redner nicht für richtig, wenn die Zentrale Parteisekretäre anstellt, die die ganze Welt bereisen sollen. Das sei Sache der Landesorganisationen. Diese Reisen der Sekretäre können die Landesorganisationeu als solche nur schädigen. Die momentane Unterstützung, die die Landesorganisationen durch solche Reisen finden, werden sie später bereuen. Sodann kritisiert der Redner die politische Aktion, die Herr Kann in Holland unternommen hat, ohne vorher das F. A. C. darüber zu befragen. Er glaubt, daß es notwendig sein wird, endlich einmal festzustellen, welche Stellung" die Mitglieder des großen A. C. innerhalb der Landesorganisationen einzunehmen haben. Im allgemeinen bemerkt er, daß die politischen Debatten, die hier geführt werden, unfruchtbar seien. Herr Kann spricht über die Gesellschaften, und Dr. Hevmann sagt, daß die Organisation damit nichts zu tun hat. Das ist ein Irrtum. Unsere Organisation ist dafür verantwortlich. Der letzte Kongreß hat z. B. den Beschluß gefaßt, die Propaganda für die P. L. D. C. zu fördern, und das F. A. C hat denn auch die Landesorganisntionen aufgefordert, Aktien der P. T... D. C. zu verkaufen. Prof. Warburg: Die Propaganda für die P. L. D. C. bestand nur in dem Beschluß des Kongresses, und nach der Veröffentlichung der Bilanz hat das E. A. C. keine Propaganda für die P. L. D. C. gemacht. Sekretär Dr. R o s e n b 1 ii t h : Ueber das Verhältnis des Misrachi zum A. C. wird noch gesprochen werden bei der Frage der Ausgabe von Sammelbüchsen durch die Föderation Misrachi. In bezug auf die Baseler Lebensversicherung ist ein Unterschied zwischen der Stellung der Landeskomitees in anderen Ländern und der Stellung des holländischen Z. K. Die meisten anderen Länder erblicken nichts Illoyales in solchen Abschlüssen. Herr Franzie Bernstein sagt ferner, die Tätigkeit der Parteisekretäre sei geeignet, die Tätigkeit in den Landesverbänden zu stören. Demgegenüber liegt ein Brief der holländischen Landesorgaiiisation vor, von Herrn Franzie Rerensfein unterschrieben, der die Einladung an Herrn B'umenfeld enthält, in drei Versammlungen zu sprechen. Ka plansky glaubt, daß im Budget die Einnahmeposten für Schekel und Zentralfonds zu optimistisch sind. Die Ansicht des Herrn Wolffsohn über zu hohe Kosten der Agitation kann der Redner absolut nicht teilen. Nur glaubt er, daß die Methode der Agitation keine richtige ist. Man müßte vielmehr eine Zweck-Agitation für bestimmte Institutionen machen. So z. B. hat man im Sinne des Q. Kongresses eine Agitation für den Genossenschaftsfonds durchgeführt, die einen ausgezeichneten Erfolg gehabt hat. Der letzte Kongreß hat eine Agitation für die P. L D. C. beschlossen, und die Leitung hat diesen Beschluß nicht ausgeführt. Die Agitation der Sekretäre sollte nach bestimmten Institutionen und Ländern gegliedert werden, dann wird sie fruchtbringend sein. In dem Bericht des E. A. C. wird gesagt, daß die Leitungbestrebt war, in gutem Einvernehmen mit den Landesorganisationen und Föderationen zu bleiben. Hiervon habe aber die Föderation Poale Zion wenig verspürt. Der Redner wendet sich nun den Ausführungen Dr. Bodenheimers zu. Dr. Bodenheimer sagt, daß die Zeit noch nicht jEELT Nr. 37 da sei, um über eine allgemeine Kolonisationstätigkeit des Nationalfonds zu sprechen. Aber in seinem Bericht ist ausgeführt, daß für ein Programm, das hier aufgestellt ist, eine Million Francs ausgegeben werden soll. Für eine Million Francs wäre man imstande, 5 Dörfer zu schaffen. Das würde bedeuten, daß jährlich 500 jüdische Arbeiter Arbeitsgelegenheit hätten. Der Nationalfonds ist ein geeignetes Instrument der Bewegung, und dieses Instrument will Dr. Bodenheimer für Agrarkredit festlegen. Das würde heißen, daß der Fonds als Boden-Erwerbsfonds zu existieren aufgehört hat. Der Nationalfonds sei nicht berechtigt, einen solchen Weg zu betreten, weil eine solche Politik den Interessen der jüdischen Volksmassen, auch den ausdrücklichen Beschlüssen des Kongresses widerspricht. Die Ansicht des Direktoriums möge eine andere sein; aber das Direktorium hat die Beschlüsse des Kongresses zu vertreten. Der Redner schlagt folgende Resolution vor: ,,Die Jahreskonferenz vertagt die Beschlußfassung über den Arbeitsplan des Nationalfonds und beauftragt das E. A. C, dem nächsten Kongresse über die Durchführung der Beschlüsse des VIII. Kongresses bezüglich des Agrarkredits Bericht zu erstatten." Keßler: Die Rede meines Freundes Kann war vielleicht grob, aber sachlich war sie richtig. Das Programm der heutigen Leitung unterschreibe ich vollständig. Worin wir uns aber unterscheiden, das sind die Methoden. Herr Dr. Hevmann bat uns erklärt, daß er die Fehler im Betrieb des Bezalel bereits vor Monaten erkannt hat und es der Fürsorge des Herrn Kann nicht bedurft hätte. Warum ist er aber dagegen nicht eingeschritten? (Prof. Warburg: Das ist ja auch geschehen, aber nicht hier öffentlich, sondern im Vorstand des Bezalel.) Warum hat man keinen sachverständigen kaufmännischen Leiter für Palästina aufgenommen? (Warburg: Weil man so schnell keinen findet.) Dem Redner mißfällt auch das ganze System in Berlin. Die Leitung ist ihm zu preußisch. Wir haben mehrere Sekretäre, und es ist zu befürchten, daß wir in einen Bureaukratismus hineinkommen. Sekretäre sind nötig, aber nicht in Berlin. Gehen Sie den Landesorganisationen Subventionen für die Anstellung von Sekretären. Im Budget könnte man viele Posten streichen, vor allem die Presse. Dr. Reich: Gegenüber Herrn Kaplanskv bemerke ich, daß die Bewegung dessen Klassenstandpunkt nicht teilen könne. Redner hält es für ein großes Verdienst der Leitung, daß wir bei unserer Kolonisationstätigkeit in Palästina auch die reicheren Leute, die 10 000 Frcs. besitzen, unterstützen und sie nicht im Golus verkommen lassen Mit Bezug auf die Rede von Dr. Marmorek führt er aus, es sei noch die Frage, was vom soziologischen Standpunkt erhabener ist, der große Moment, auf den Dr. Marmorek wartet oder die intensive organische Arbeit, die wir in Palästina durchführen. Diese Arbeiten bringen einen Umschwung in der Seele der jüdischen Nation mit sich. Der Redner erklärt, daß die galizisclie Landsmannschaft das Budget bewillige und der Leitung das vollste Vertrauen entgegenbringe. Dienstag-Nachmittag. Schein spricht über Palästinaarbeit. Man müsse in Palästina sämtliche Klassen fördern, insbesondere aber die Arbeiter. Wir müssen es vermeiden, die arabische Arbeiterbevölkerung zurückzustoßen. Er ist dafür, daß für den Bezalel ein kaufmännischer Leiter angestellt wird. In bezug auf die Presse wiederholt der Redner seinen früheren Standpunkt, daß wir eine spezielle jüdische Presse im Orient haben müssen. Die Propaganda müßte nach allen Seiten ausgedehnt werden.! Kann bemerkt, daß seine Ausführungen von den einzelnen Rednern nicht so interpretiert wurden, wie er es gewünscht hätte. Dr. Tschlenow habe von ihm verlangt, er sollte sich um die Tiberia-Land-Gesellschaft nicht kümmern, weil es sich um eine private Gesellschaft handelt. Der Redner ist aber der Ansicht, daß, wenn bei einem Unternehmen in Palästina Geld verloren wird, der gesamte Zionismus dafür verantwortlich gemacht werde. Im übrigen habe er nicht sämtliche Gesellschaften kritisiert, sondern nur vom Bezalel. der Oelbnumsnende und der P. L. D. C. gesprochen. Selbstverständlich müsse der Bezalel erhalten werden, er habe nur gerügt, daß die Uebelstände in der Geschäftsführung nicht beseitigt würden. Er habe nicht von Liquidation, sondern von Reorganisation gesprochen. Dr. Levin sagt, ich verlange von den Palästina- Gesellschaften Dividenden. Nein, ich verlange bloß eine gute Gebarung. Allerdings, wenn der Nationalfonds so große Kapitalien investiert, müsse er daraus auch eine Dividende

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.