Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 37 (11.9.1912)
- Date
- 1912-09-11
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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unbegreiflich. Wir müssen die Judenschaft selbst erobern, und dazu gibt es nur die Wege der Propaganda und der Palästina- Arbeit, auf denen gearbeitet werden kann. In diesen zwei Hinsichten hat das neue A. C. viel geleistet. Herr Wolffsohn ironisiert die Reisen der Mitglieder des E. A. C. Wir aber antworten, daß die Leitung sich der Bewegung zeigen muß, und daß die Herren Levin und S o k o 1 o w nach Galizien gekommen sind, hat die Bewegung nicht zu bedauern. Die Ziffern der Eingänge für den Zentralfonds aus Galizien in der Höhe von über 9000 M. beweisen dies. Daß Herr Dr. Zipper eine große Aktion für das Hebräische Gymnasium in Jerusalem in Galizien unternehmen und dafür 30 000 Mark bisher bekommen konnte, ist nur darauf zurückzuführen, daß Dr. Levin den Boden vorbereitet hat. Die große Zahl der verkauften P. L. D. C.-Aktien, die steigenden' Eingänge des Nationalfonds beweisen, daß der Zionismus lebt. Teil muß bei dieser Gelegenheit bemerken, es wäre notwendig, daß jemand von den Herren nach Amerika geht. Wenn ich mir also von diesen Propagandareisen sehr viel verspreche, so halte ich für noch wichtiger die Palästina-Arbeit. Wir haben diese Arbeit von der neuen Leitung verlangt und sie hat sie geleistet. Heute hat man in Palastina Respekt vor der Leitung und ihrem Vertreter, Dr. Ruppin. Aus allen diesen Gründen spreche ich der Leitung vollständiges Vertrauen aus. Der Zionismus hat produktive Arbeit zu leisten, und diese leisten die Herren, die unbeschränkt in Palästina arbeiten. Schluß der Sitzung um 7U, Uhr. Dienstag, den 3. September, vormittag. Prof. Warburg eröffnet um \0\'> Uhr die Sitzung. Ingenieur Stricker: Herr Wolffsohn wirft der Leitung vor, daß sie wenig Positives erreicht hat. Außer Schekeln gibt es aber noch einen anderen Aktivposten, nämlich das Vertrauen und die Sympathie der Organisation. Die Leitung hat gestern, als sie Geld brauchte, ihre Sympathien sofort in Garantien von 100 000 M. umgewechselt. Herr Wolffsohn hat sich darüber beklagt, daß ihm von der Partei Schwierigkeiten gemacht wurden, wenn er Geld brauchte. Er hat eben die Schwierigkeiten gehabt, weil wir unwillig waren. Es handelt sich nun darum, daß die- Kolonialbank dem A. C. den nötigen Kredit einräumt gegen unser Giro. Darin ist gar nichts, was man vor der Oeffentlichkeit zu verschweigen hätte. Das täte jede andere Bank gegen gutes Giro auch. Der Redner versichert schließlich der gegenwärtigen Leitung im Namen seiner Landsmannschaft, daß diese mit ihren bisherigen Leistungen sehr zufrieden sei und daß ihr diese Leistungen nicht zu teuer bezahlt erscheinen. Die Leitung möge auf diesem Wege fortfahren. Dr. Weizmann: Auf der letzten A. C. - Sitzung hat Herr Kann genau dieselben Sachen und Kritiken vorgebracht, und als Ergebnis der Diskussion wurde angenommen, daß eine Zweckrevision aller Institute, der Banken und der Palästina-Institute, vorgenommen werde. Diese Revision ist jetzt im Gange und hat wenigstens bei den Palästina-Instituten schon stattgefunden. Unsere Aufgabe wäre es nun, nicht die Angriffe zu wiederholen, sondern die Ergebnisse der Revision abzuwarten und zu beraten, ob wir nach den Vorschlägen der Revision handeln sollen. Aber das Gegenteil geschieht. Wir haben wieder denselben Spektakel. Die ganze Kritik ist deplaciert, sie wäre berechtigt, wenn nach durchgeführter Revision die Vorschläge der Revision nicht berücksichtigt worden wären. Die Reden des Herrn Wolffsohn und der anderen Herren über die Finanzsachen klingen immer so, als wären sie im Alleinbesitz aller Kenntnisse der Bewegung. Herr Dr. Marmorek spricht in seinen etwes nebelhaften Ausführungen so, als hätte er ein Monopol auf die Politik. Wir haben ums lange Jahre bemüht, von Herrn Dr. Marmorek das Geheimnis zu erfahren, es ist uns aber nicht gelungen. Als ich das letztemal in Paris war, hat er mir, wie er sagt, aus Gastfreundschaft nicht geantwortet. Wenn ich aus Herrn Marmoreks Reden etwas herausschälen konnte, so war es die Anschauung, man müsse Geld aufstapeln, damit man, wenn irgendein Moment kommt, etwas tun kann. Ich will auf diese naive Auffassung, die mit der Erwartung von Wundern operiert, nicht näher eingehen.- Was meinen Sie, haben wir im Moment der Revolution verpaßt? Sagen Sie uns doch, was man unterlassen hat; dann könnte man darüber diskutieren. Was die Bank betrifft, so will ja kein Mensch, daß die Bank ohne persönliche Garantie Geld hergeben soll. Sind die Garantien gut, dann wird der Aufsichtsrat sie annehmen, sind sie nicht gut, dann wird er sie ablehnen. Sie sagen ferner, wenn Ihr arbeiten werdet, so werdet Ihr Geld haben. Worin soll die Arbeit des E. A. C. bestehen? Sie muß selbstverständlich auch eine organisatorisch-propagandistische sein. Dazu gehören nun Reisen der Mitglieder des E. A. C. und der Sekretäre. Sie machen sich darüber lustig, daß die Sekretäre das Judentum nationalisieren sollen. Die Sekretäre als erfahrene Agitatoren müssen selbstverständlich in erster Linie die Aufklärungsarbeit leisten. Und dann sind doch die Sekretäre keine schlechteren Zionisten als die anderen. Herr Dr. Marmorek hat die Rede, die er gestern hier hielt, auch schon vor zwei Jahren gehalten und zwar gegen Sie, Herr Wolffsohn. Herr Dr. Marmorek spricht davon, daß wir die Bewegung verkleinert hätten, und hat uns als Ghettojuden dargestellt. Er hat darüber geklagt, daß man das wahnwitzige Angola-Projekt, mit dem Zangwill das Judentum lächerlich machte, in der „Welt" angegriffen hat. Wir sollen das als große politische Arbeit ansehen! Herr Kann hat hier eine Komische Sache vorgebracht in bezug auf die P. L. D. C. Er hat die Aktien der P. L. D. C. mit englischen Konsols verglichen. Gewiß, die Bank von England ist besser als die P. L. D. C. Aber bedenken Sie, wenn wir bei den englischen Konsols 25°ii> verlieren, so ist dies ein nutzloser Verlust, wenn Sie aber bei der P. L. D. C. verlieren, so haben Sie etwas gelernt und etwas geleistet. Wir sind dazu da, um in Palästina Erfahrungen zu sammeln. Es muß mit den Mißverständnissen und falschen Worten aufgeräumt werden. Wolffsohn sagte: „Ich habe gesündigt/' aber auf die Brust schlägt er uns. Wenn es in der zionistischen Partei ein gesundes Zusammenarbeiten geben soll, so werden Sie sich an den Gedanken gewöhnen müssen, daß man in Palästina arbeitet, und Sie werden auch das Risiko auf sich nehmen müssen, das heute wir allein tragen. Jean Fischer: Nach der Ansicht des Herrn Sokolow gibt es keinen Gegensatz zwischen politischen und praktischen Zionisten. Nach anderen Reden aber gibt es doch Gegensätze. Die Schilderungen, die Herr Weizmann von Herrn Marmoreks Behauptungen gibt, sind nicht richtig. Dr Weizmann sagt, Dr. Marmorek bringe nichts Tatsächliches. Aber als im vorigen Jahre gefordert wurde, ein politisches Komitee einzusetzen, das nach einein gewissen Plan arbeite, wurde das abgelehnt, da Herr Weizmann erklärte: „Kein Plan, das ist mein Plan." Und ist Herr Weizmann dazu berufen, in ein solches politisches Komitee einzutreten, er, der den politischen Zionismus, wie wir ihn verstehen, für eine Utopie erklärt? Mit dieser Arbeit müssen solche Personen betraut werden, die an den politischen Zionismus glauben. Ferner wurde hier behauptet, daß wir Gegner der praktischen Palästinaarbeit wären. Nach meiner Auffassung besteht praktische Palästinaarbeit nicht darin, eine Reihe von Reden zu halten, sondern man muß sie seihst machen. Der Zionist, der in seinem Privatleben nicht praktische Palästinaarbeit gemacht hat, ist kein lOOprozentiger Zionist. Wir müssen unsere Haut zu Markte trafen, aber wir müssen auch wirklich praktisch arbeiten. Dabei ist noch eines zu beachten. Die Bank ist als politisches'Instrument gegründet worden. Darum müssen wir dieses Instrument des politischen Zionismus intakt halten. Deshalb darf die Bank nichts mit der praktischen Palästinaarbeit zu tun haben. Wir müssen dazu andere Gelder beschaffen. Wenn wir die Gelder, die für andere Zwecke gesammelt sind, in Palästina verlieren, so trifft die Verantwortung Sie. Sie sagen, daß durch die Wertsteigerung des Bodens etwaige Verluste ersetzt werden. Das kann man sagen bei städtischem Boden. Der Wert ländlichen Bodens hat aber eine Grenze der Steigerungsfähigkeit, und unrentable Bearbeitung des Bodens läßt seinen Wert sinken. Herr Kaplanski hat sich dagegen gewendet, daß die Gelder des Nationalfonds in der vorgeschlagenen Weise nach Palästina übergeführt werden. Ich unterstütze diese Ansicht, denn wenn Sie eine Reserve haben, so können Sie evtl. schlechte Geschäfte durch diese Reserve stützen. Wenn aber alle Gelder drüben sind, so ist die Befürchtung immer vorhanden, daß sie bei der Unrentabilität der Palästinaunternehmungen den Nationalfonds gefährden. In der nachfolgenden Geschäftsordnungsdebatte wird beschlossen, daß zuerst die Redner der Federationen, die noch nicht zu Worte gekommen sind, sprechen. Auf Antrag Levite wird eine Budgetkommission gewählt, die mit einigen Vertretern des E. A. C. sich zur Beratung über das Budget zurückzieht. In die Kommission werden gewählt die Herren Levite, Wolffsohn, Heymann, Hausmann,