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Die Welt · 1912-09-11 · 37 (11.9.1912) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
37 (11.9.1912)
Date
1912-09-11
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Es tut mir noch heute leid, daß ich einmal gezwungen war, bei der Bank Anleihen für die Organisation zu machen. Es rächt sich dies, denn man kommt heute wiederum zur Bank und verlangt neue Mittel. Herr Dr, Hantke sagt, die Garantoren brauchten nicht zu bezahlen, und führt u. a. auf, daß wir z. B. 6700 M. vom Jüdischen Verlag zu bekommen haben. Sie haben gehört, daß die Bank mit dem Verlag ein Abkommen treffen soll, wonach sie ihm ein größeres Darlehen gewährt. Von diesem Darlehen wird der Verlag dem A. C. seine Forderung in Höhe von 6700 M. bezahlen. Seinerzeit hat Dr. Hantke gesagt, daß wir im Geld schwimmen würden, vorläufig sehe ich nichts davon, sondern, daß der garantierte Betrag nur durch neue Anleihen zurückgezahlt werden kann. Aber Schulden werden nicht bezahlt dadurch, daß man neue Schulden aufnimmt. Nun wollen wir aber einmal sehen, ob es notwendig ist, daß man derartige Ausgaben macht. Ich will darüber nicht streiten, ob es richtig ist. daß man große Ausgaben machen soll, um große Einnahmen zu haben. Ich rate Ihnen, beginnen Sie mit den großen Ausgaben, wenn Sie Resultate gesehen haben. Bedenken Sie, daß Sie fremdes Geld wollen. Sie haben in Basel seinerzeit ein flüchtiges Budget aufgestellt. Der budgetierte Betrag wurde ausgegeben. Sie haben aber nicht mehr als A u s s i c h t e n , später Geld einzubekommen, und Hoffnungen für die Zukunft. I Ind nach diesen Erfahrungen legen Sie uns ein Budget von 200 000 M. vor, obwohl Sie doch mit den hohen Ausgaben des letzten Jahres kein Ergebnis hatten. Das übersteigt weit unsere Kräfte. Das Geld ist ja vollständig Nebensache, aber haben muß man es. Ich betrachte die Organisation nicht als Hauptsache. Unsere Idee ist mir wirklich heilig, sie wird immer bestehen ohne Organisation und Band, aber ich fürchte eben die Gefahr, daß die Organisation dieser Träger der Idee, zugrunde gehen kann. Wenn Sie zu den Herren gegangen wären, die hier garantiert haben, und ihnen gesagt hätten: Ihr wollt ein Opfer bringen, nun gut, so zahlt uns gleich das Geld, das wir brauchen, und wenn Sie nicht die Kolonialbank in Anspruch genommen hätten, so wäre ich eher zufrieden gewesen. Die jüdische Kolonialbank gehört nicht uns. Das Geld der Bank ist fremdes Geld, und wenn die Jüdische Kolonialbank Verluste haben wird, dann wird man wahrscheinlich die Direktoren und Aufsichtsräte verantwortlich machen. Warum gibt es eigentlich bei uns zwei Parteien, von denen der Artikel in der „Welt", den schon Herr Bodenheimer heute zitiert hat, die Anhänger der einen als „Krämerseelen4' bezeichnet? Ich begründe dies so: Zu jedem von Ihnen habe idh als Bamkverwalter absolutes Vertrauen, in der Gesamtheit, als Partei aber, habe ich nicht das Vertrauen zu Ihnen, das Sie mit den Geldern der Bank so umgehen würden, wie ich es für richtig halte. Wir betrachten unsere Aufgabe in folgendem: Die Jüdische Kolonialbank ist geschaffen in einer großen Zeit des Zionismus, und sie ist das einzige Mittel, um wirklich praktische Arbeiten in Palästina zu leisten. Deswegen sage ich, daß wir die Bank beschützen müssen, und ich furchte jede Partei, die auf dem Standpunkt steht, die Mittel der Bank für praktische Arbeiten der Organisation heranzuziehen. Ich bin von dem guten Willen der anderen Seite überzeugt. Ich sage nur, Sie kennen die Bank nicht. Sie wissen nicht, daß wir den größten Teil unseres Vermögens in Palästina und Konstantinopel liegen haben, und wir haben in Palästina Depots aufgenommen, die wir jede Stunde verfügbar haben müssen. Was würde aus uns werden, wenn die Bank diese Depots, auch nur eine Stunde lang nicht zurückzahlen könnte. Dann wäre die Organisation ruiniert. Wenn Sie genau diese internen Dinge kennen, dann können Sie auch hegreifen, warum wir für die Bank so besorgt sein müssen. Wir sind gewiß bereit, alles für die Bewegung zu tun, was wir können. Aber ich bin der Ansicht, daß hier viel zu viel Geld ausgegeben wird für Phantastereien, wie Propaganda und Presse, und zwar obwohl wir mit dieser Presse keine guten Erfahrungen gemacht haben. Wenn ich sehe, daß es sich um eine große Sache handelt, so bin ich dafür, daß jeder von uns sich opfert. Aber für überflüssige Ausgaben habe ich wirklich nichts übrig, denn wir haben Wichtigeres zu tun. Zeigen Sie zuerst, daß Sie die Schekeleinnahmen vermehren können, dann werde ich der erste sein, der sagt, wir bewilligen Ihnen jeden Kredit, den Sie beanspruchen, denn dann schaffen Sie selbst die Mittel, um den Kredit zu decken. Aber so dürfen wir es nicht machen, im Interesse der Kolonialbank und auch im Interesse der Organisation. Idh will die einzelnen Positionen durchgehen. Da haben wir 31 000 M. für Propaganda, früher waren es 13 000 M. Das sind Ausgaben, die meistens für Reisen bestimmt sind. Sie sagen, es sind Reisen in anderen Ländern notwendig, um die Juden national zu erziehen. Ich halte solche Reisen für vollständig überflüssig. Dann sagen Sie, daß die Beziehungen zwischen der Zentrale und den Landesorganisationen gepflegt werden müssen. Wenn Sie gut arbeiten, werden Sie ein gutes Einvernehmen mit den Organisationen erziel'en. Aber die Beziehungen, die Sie heute glauben durch die. Reisen der Sekretäre herzustellen, halte ich für gefährlich, denn diese guten Freunde werden sich später gegen Sie wenden. Wir brauchen keine solchen Beziehungen herzustellen, und für die Leitung der Organisation und die Nationalisierung des Judentums hat eben das Actions-Comite zu sorgen. Sie haben auf dem letzten Kongresse verlangt und es auch durchgesetzt, daß die Leitung einem Kollegium übertragen wird, das an einem Ort zu sitzen hat. Nun war ein Herr dieses Kollegiums, Dr. L e v i n, in Palästina. Herr Dr. Jacobson, der die Arbeiten des Palästinaressorts übernehmen sollte, sitzt in Konstantinopel und kommt nur besuchsweise nach Berlin. Herr Soikolow macht Reisen nach Rumänien, Rußland und London. Jetzt haben Sie ein Kollegium, aber es sitzt nicht an einem Ort. Gehen wir die Posten weiter durch. F"ür Broschüren haben Sie früher 2500 M. ausgegeben, jetzt setzen Sie 500 M. ein. Aber ich habe gehört, daß bereits -in der letzten Sitzung des E. A. C. für Broschüren 600 M. bewilligt wurden. Wie wollen Sie mit diesem Budget auskommen? Gewiß, ich bin dafür, daß man eine gute Sache subventionieren soll. Aber Subventionen für Zeitungen und Sekretäre der Landesorganisationen können nur dann bewilligt werden, wenn man die nötigen Mittel hat. Nachdem Herr Dr. Hantke, der jetzige Finanzleiter, Vergleiche gezogen hat mit den Jahren 1909, 1910 und 1911, um zu beweisen, wie günstig es jetzt steht, warum hat er nicht die Bilanzen der früheren Jahre angesehen? Der Hamburger Kongreß hat um SC00 M. weniger gekostet, als jetzt vorgesehen ist, dabei ist absolut nicht gespart worden, und ich habe niemals gespart, wo ich die Repräsentation für wichtig hielt. Warum also diese Mehrausgabe? Nun kommen wir zur Presse. Ich möchte am liebsten beantragen, diesen Posten ganz zu streichen. Ich sehe, daß uns diese Presse absolut keinen Nutzen bringt. Sie verlangen ferner, daß man für den „Haolam" eine Subvention gibt, aber Schekel zahlen die Herren in Rußland nicht. Wenn man den „Haolam" für notwendig hält, so wird man 6000 M. auch in Rußland aufbringen. Hier kommt eine Subvention für die Histadruth. Gewiß die Histadruth ist mir sehr lieb und wert, aber solange das E. A. C. Geld borgen muß, kann es dafür keine Unterstützung bewilligen. Kurzum, der Eindruck des Budgets ist ein solcher, als ob das E. A. C, 100 000 M. bar in der Kasse hätte. Ein solches Budget kann ich nicht annehmen. Und ich bin dafür, daß wir bei allen Positionen die notwendigen Streichungen vornehmen. Ich sage dies nur im Interesse unserer Organisation. Simon: Ich war nach dem letzten Kongreß einer derjenigen, die es als erstrebenswert bezeichnet haben, ein gutes Einvernehmen herbeizuführen mit denjenigen Gliedern unserer Organisation, mit denen wir bis dahin einen prinzipiellen Kampf führen mußten. Insbesondere habe ich es als erstrebenswert betrachtet, daß alle gehässige Art der Kritik, die über das sachliche hinausgeht, für die Folge unterbleiben sollte. Diesen Standpunkt, den ich immer auf das entschiedenste vertrat, kann ich in diesem Augenblicke nicht mehr aufrechterhalten, denn ich sehe, daß Herr Wolffsohn bei einer Debatte, bei der eine ruhige und kühle Führung von vornherein gegeben sein sollte, diesen Grundsatz nicht im geringsten befolgt hat. Die Rede des Herrn Wolffsohn, von der er sagte, daß sie kühl und sachlich sein werde, war die reinste Demagogie. Ich werde aber weder auf den Ton, noch auf die etwas barocke Art der Beweisführung des Herrn Wolffsohn eingehen, sondern nur kurz die prinzipiellen Unterschiede gegenüber Herrn Wolffsohn dartun. Der prinzipielle Unterschied zwischen Herrn Wolffsohn und uns besteht darin, daß Herr Wolffsohn der Meinung ist, wir und das A. C. dürfen nur solche Ausgaben machen, deren Einnahmen von vornherein gesichert sind, und dürfen sie nur entsprechend den größeren Einnahmen ausbauen. Wir aber sind der Meinung, daß es nicht nur Kapitalien gibt, die durch ihren tatsächlichen Bestand Sicherheit bieten, sondern daß es auch werbende Kapitalien gibt, und daß eine Bewegung wie unsere, wenn sie nicht an die werbende Kraft ihrer Organisation glaube, dadurch tatsächlich den Bankerott erklärt. Aus diesem Grunde erklärt es sich, daß Herr Wolffsohn den Posten Agitation und Propaganda beanstandet. Er glaubt nicht an diesen Wert, wir aber glauben daran. Wir halten es für notwendig, Sekretäre hinauszuschicken, die in

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