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Die Welt · 1912-09-11 · 37 (11.9.1912) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
37 (11.9.1912)
Date
1912-09-11
Page
– (sequence 14)
Language
German
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1138 Wir kommen nunmehr zum neuen Rechnungsjahr. Für dieses müssen wir ihnen ein wesentlich höheres Budget vorlegen. Die erhöhten Ausgaben sind aber nicht etwa eine Vermehrung unserer Verwaltungskosten, sondern ausschließlich die Folge unserer erhöhten Tätigkeit in kultureller und politischer Hinsicht, und nur insofern überschreiten die Ausgaben den Rahmen der tatsächlichen Ausgaben der früheren Jahre. Denn diese haben bereits in den letzten Jahren durchschnittlich 138 000 M. betragen, während wir durchschnittlich 169 000 M. fordern. Bei diesen Zahlen sind stets die Kosten des Palästinaamtes und alle Rückvergütungen fortgelassen worden. Wir hoffen, die Ausgaben in voller Höhe durch die Einnahmen aus dem Schekel und dem Zentralfonds abzudecken. Die Einnahmeansätze ergeben sich aus den Erfahrungen des letzten Jahres. Die erwartete Erhöhung des Schekels von 90 000 M. im letzten Kongreßjahr auf 124 000 M. entspricht der voraussichtlichen Steigerung in den beiden letzten kongreßlosen Jahren von 54 000 M. auf 80 000—90 000 M., dem stärkeren Leben unserer Organisation und ihrem rein mechanischen Anwachsen, das selbst in der Zeit vom 9. zum 10. Kongreß die Eingänge um 12 (> hat steigen lassen. Für den Zentralfonds rechnen wir mit einer Erhöhung um 16 000 bis 25 000 M., da die planmäßige Agitation für diesen Fonds in einer Reihe großer Landesverbände noch gar nicht begonnen hat, und da wir glauben, in der Anweisung aller politischen und kulturellen Ausgaben auf diesen Fonds die richtige Grundlage für seine Popularisierung gefunden zu haben. So wäre die Finanzlage der Parteileitung keine ungünstige, wenn ihr die erforderlichen Kredite zur Verfügung ständen, wie sie jede Verwaltung gebraucht. Denn nirgends passen sich die Einnahmeeingänge den fortlaufenden Ausgaben an. Dies gilt ganz besonders in unserer Organisation, in der es nun einmal dahin gekommen ist, daß die Beiträge für die Zentrale im wesentlichen erst am Ende des Geschäftsjahres fließen. Wir finden übrigens diese Erscheinung in allen ähnlich aufgebauten Organisationen und müssen daher auch für die Zukunft mit ihr rechnen. Wir brauchen daher für das laufende Geschäftsjahr einen neuen Kredit von 100 000 M. Für diesen neuen Kredit lehnen wir es ab, uns, wie im vorigen Jahre, an die gesamte Organisation zu wenden und Garantien zu erbitten. Um aber dein J. C. T. die Herausgabe des Kredites zu erleichtern, haben einige unserer näheren Freunde sich uns gegenüber schriftlich bereit erklärt, die Garantie für diese 100 000 M. in voller Höhe zu übernehmen. Wir verpflichten uns, die 100 000 M. dein J. C. T., soweit dieselben bis dahin nicht voll zurückgezahlt sein sollten, spätestens am 1. Oktober 191'i zu bezahlen. Wir werden Ihnen daher eine weitere Resolution vorlegen, in der der Aufsichtsrat des J. C. T. ersucht wird, dem E. A. C. für das Rechnungsjahr 1912/13 einen neuen Kredit von 100 000 Mark gegen persönliche Garantien bis zum 30. September 1913 zur Verfügung zu stellen. Um Irrtümer zu vermeiden, betone ich hierbei nochmals, daß dieser Kredit nur deswegen verlangt wird, weil der alte Kredit in voller Höhe abgedeckt wird. Sie werden andererseits auch anerkennen müssen, daß die Bewilligung dieser Summen eine notwendige Voraussetzung für die Fortführung unserer Arbeiten ist. Denn der Fortschritt unserer Organisation ist abhängig von der Arbeit, die man an sie verwendet. Arbeit aber kostet nicht nur Mühe und Schweiß, sondern auch Geld. Und dieses Geld muß erst einmal ausgegeben sein, ehe ein Erfolg eintreten kann. Wir haben auf dem letzten Kongreß Ihrem Wunsche gemäß die Leitung der Bewegung übernommen, weil wir zu unserer Sache Vertrauen haben. Dieses Vertrauen hat sich in uns noch gestärkt. Nr. 37 Als unsere Bewegung sich organisierte, erregte sie dank dem Ungewöhnlichen und LJeberraschenden unserer Tendenzen und der Energie unseres Auftretens in der Oeffentlichkeit Aufsehen. Allmählich aber hatte man sich an die neue Erscheinung gewöhnt und die von jüdischen Assimilanten inspirierte Presse erstreckte auch auf den Zionismus die Taktik des Totschweigens, die sie überhaupt in jüdischen Dingen beliebt. Diese uns nicht angenehme Taktik ist jetzt durchkreuzt worden. Die wissenschaftliche Welt, die Literatur kommt um das Problem des jüdischen Nationalismus nicht mehr herum. Christliche und jüdische Gelehrte und Schriftsteller, besonders aus dem deutschen Kulturkreis, haben unsere Idee mehr denn je dem allgemeinen Interesse erschlossen. Und unsere Gesinnungsgenossen Ruppin, Buber und Zollschan haben ihnen das wissenschaftliche Rüstzeug geliefert und gleichzeitig als zionistische Mitglieder der europäischen Gelehrtenwelt durch ihre eigene Forschungen und Arbeiten als echte Schüler Herzls uns selbst einen Platz in ihr gesichert. So verspricht der Zionismus, auf die öffentliche Meinung Europas und damit auch auf die Entwicklung der von dieser abhängigen jüdischen Oeffentlichkeit einzuwirken. In einer solchen Zeit darf es für uns nur eine Parole geben: Alle Kräfte anstrengen und nicht ängstlich vor Ausgaben zurückschrecken, die die notwendige Voraussetzung unserer Arbeit sind. Und so bitten wir Sie, unseren Anträgen uneingeschränkt zuzustimmen. * An das Referat Dr. Hantkes knüpfte sich eine längere Budgetdebatte. W -o I f t so Ii n: Bevor ich zu der Hauptsache, dem Budget übergehe, möchte ich zunächst sagen, daß es für mich eine schwere Aufgabe ist, zu sprechen. Erstens, weil ich selbst früher sechs Jahre die Leitung innehatte, und zweitens, weil es hier in diesem Saale schwer ist, eine Debatte mit Zahlen usw. zu führen. Man bekommt oft auf sachliche Argumente eine Rede zu hören, wie sie heute vormittag Herr Dr. Levin gehalten hat. (Dr. Levin: Das war notwendig!) Gewiß, Herr Dr. Levin, es war vielleicht notwendig, und ich selbst höre solche Reden gern, aber hier müssen wir zunächst beim Budget mit kühler sachlicher Arguinentierung, mit Ziffern kämpfen. Es wurde hier mitgeteilt, daß in früheren Jahren weniger Schekel eingegangen sind, als in diesem Jahre. Aber man vergißt dabei, zu erwähnen, daß z. B. der IX. Kongreß in Hamburg im Dezember stattgefunden hat, und daß in den ersten drei Monaten danach Kämpfe in der Organisation hauptsächlich gegen Wolffsohn, der gezwungen war, die Leitung zu übernehmen, stattgefunden haben. Es konnte daher in den ersten drei Monaten an eine Einsammlung der Schekel überhaupt nicht herangegangen werden. Trotzdem sind in diesem kongreßlosen Jahre 71 000 Schekel eingegangen, jetzt haben wir nach 'der vorliegenden Aufstellung 52 000 Schekel. Ich weiß nicht, wie Herr Dr. Hantke dazu kommt, anzunehmen, daß in diesem Jahre 80—90 000 M. Schekelgelder eingehen werden, es ist ja möglich, aber man kann es bezweifeln. Es wird hier z. B. gesagt, daß jetzt das schlechteste Jahr in Rußland ist, das wir gehabt haben. Ich habe aber noch schlechtere Jahre gehabt. Als ich die Leitung übernahm, da haben die Herren aus Rußland überhaupt keine Schekel geschickt. Wenn man darüber geklagt hat, gebrauchten die Herren die Ausrede, daß man mit der Kölner Leitung nicht zufrieden sei und deswegen keine Schekel schicke. Jetzt, nach dem „Friedenskongreß", haben die Herren aus Rußland wiederum keine Schekel geschickt. Der Redner gibt dann ziffernmäßige Darstellungen über die Ausgaben der alten und der neuen Leitung. Wenn man richtig wirtschaften will, so hat man nicht das Recht, Gelder zu investieren, selbst, wenn sie gut angelegt sind, wenn man die Mittel nicht besitzt. Ich habe keine Mittel zugewiesen erhalten von der Bank und habe mich nach der Decke gestreckt. Die neue Leitung hat das Prinzip: Je mehr Ausgaben, desto mehr Einnahmen. Ich kann dieses Prinzip nicht teilen. Sie haben in diesem Jahre mehr Ausgaben gehabt. Wo ist nun der größere Schekeleingang? Sie sprechen von den besseren Beziehungen zwischen den Landesorganisationen und der national-jüdischen Erziehung des Volkes. Es mag ja sein, daß die Sekretäre des E. A. C. das Volk national-jüdisch erziehen. Aber Sie erzählen, daß Sie überall an Mitgliedern, an Schekelzahlern gewonnen haben. Wo sind diese? DIEBEL!

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