Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 37 (11.9.1912)
- Date
- 1912-09-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1134 DIESqKELT Nr. 37 Das in Frage gestellte Weitererscheinen unseres hebräischen Organs, des „Haolam", ermöglichten wir durch eine erhöhte Subvention. Auch zu den Kosten der Monatsschrift „Palästina" tragen wir bei. In Frankreich, in Aegypten und Griechenland sowie in Galizien sind neue zionistische Zeitschriften entstanden. Der Misrachi gibt ein Korrespondenzblatt heraus. In Westösterreich konnten sowohl die Jüdische Zeitung, wie die Selbstwehr ausgestaltet und inhaltlich vermehrt werden. Der gesamten Presse stellten wir nach wie vor die N. J. K. zur Verfügung, bedienten sie auch sonst mit steigendem Erfolg durch Versendung von Nachrichten und aufklärenden Artikeln. Die öffentliche Presse einerseits, die streng vertraulichen Berichte an das große A.C. andererseits ließen aber eine Lücke in der Informierung der Organisation, die sich bald bemerkbar machte. Wir gingen daher an die Herausgabe einer Monatskorrespondenz zur Orientierung aller Funktionäre der Bewegung. Zuerst handschriftlich vervielfältigt, erscheint sie jetzt gedruckt in deutscher und englischer Sprache und geht allmonatlich allen Vertrauensmännern zu. Es gibt wohl nur noch wenige Städte, in die sie nicht dringt. Sie stellt so, wie wir hoffen, den dauernden Zusammenhang zwischen der Zentrale und den aktiven Parteigenossen aller Länder dar. Mit der Basler Lebensversicherungsgesellschaft haben wir den Ihnen allen bekannten Vertrag abgeschlossen. Trotzdem die Vorarbeiten für die Aufnahme einer direkten Tätigkeit dieser Gesellschaft in den osteuropäischen Ländern noch nicht beendet sind, der Tätigkeitskreis der Basler Lebensversicherungsgesellschaft also die wichtigsten Zentren des zionistischen Lebens noch nicht erreicht hat, können wir dank dem Interesse, den der Vertrag allein in Deutschland gefunden hat, mit den Ergebnissen der ersten 6 Monate zufrieden sein. Die erste Abrechnung wird am 1. April 1913 erfolgen. Bei unserem Amtsantritt übernahmen wir drei ungelöste organisatorische Einzelfragen: die Verständigung mit dem Misrachi in der Frage der nationalen Erziehung, die Beseitigung der Differenzen in England und in den Vereinigten Staaten von Amerika; die Lösung der letzten Frage, die Verständigung zwischen der American Zionist Federation und dem Order Knights of Zion ist Gegenstand direkter Verhandlungen zwischen beiden Verbänden. Diese Verhandlungen dauern noch fort, versprechen aber guten Erfolg. Die beiden englischen Verbände haben sich auf unseren freundschaftlichen Rat eine gemeinsame Behörde, den Joint Council gegeben und damit wieder die Grundlage für eine einheitliche Propaganda geschaffen. Die Verständigung mit dem Misrachi ist auf Grund des Ihnen bekannten Abkommens bereits im Herbst v. J. zustande gekommen. Wir konstatieren mit Genugtuung, daß in beiden Fällen alle Beteiligten gern zum Frieden mitgewirkt und uns unsere Aufgabe erleichtert haben. Durch alle diese Arbeiten und Versuche haben wir uns bemüht, die Organisation zu stärken und der Propaganda zu dienen. Wir unterbreiten Ihnen diese unsere Tätigkeit rein referierend. Sie alle sind ja Sachverständige in diesen Fragen, und so weiß denn ein jeder von Ihnen, wie langsam sich sogar im engen und daher übersichtlicheren und leichter zu beeinflussenden Rahmen einer Ortsgruppe propagandistische und organisatorische Neuerungen in greifbare, in vorzuführende Resultate umsetzen. Und dabei sind wir uns darin einig, daß die wertvollsten Ergebnisse solcher Arbeiten nicht das zahlenmäßige Anschwellen von Schekelgeldern und Sammlungen, sondern die Steigerung des nationalen Bewußtseins, der Fortschritt des Verständnisses für die Wiedergeburt unseres Volkes, die Stärkung der Beziehungen des Golus zu Palästina sind — und solche Werte sind nur in längeren Zeitabschnitten meßbar. Immerhin können wir einige Momente anführen, die allem Anschein nach eine merkliche Stärkung unserer Organisation bezeugen. Wir stehen am Ende eines kongreßlosen Jahres. In solchen Jahren ist bisher stets die Höhe des Schekels weit geringer gewesen als in den Kongreßjahren. Die Gründe dieser Erscheinung sind nicht geschwunden. Sie liegen in der Natur der Sache. Es fehlt der Reiz der Kongreßwahlen. Nach einer eben überstandenen Kongreßzeit mit ihren Anstrengungen und Mühen gibt man sich auch gern ein wenig der Ruhe hin. Der nächste Kongreßtermin erscheint noch in weiter Ferne. So zahlen in den Jahren ohne Kongreß nur die Unentwegten ihren Schekel, so arbeiten mit voller Kraft nur die innerlich gefestigten Gruppen. Wir dürfen daher mit Befriedigung konstatieren, daß in diesem kongreßlosen Schekeljahr einige Landesverbände bereits jetzt mehr an Schekel abgeführt haben als im letzten Kongreßjahr, nämlich Kanada, Bulgarien und Frankreich. Andere haben die Zahl des Kongreßjahres fast erreicht, so die Vereinigten Staaten von Amerika, Galizien und Südafrika, obwohl in allen diesen Ländern die Schekelsammlung noch in vollem Gange ist. Von weiteren Ländern haben wir schon detaillierte und positive Nachrichten, daß die Zahl des Schekels allen berechtigten Erwartungen voll entsprechen wird, wenn wir auch die Eingänge erst nach den Feiertagen, also im Oktober und noch später erwarten dürfen. Wir können schon heute mit Bestimmtheit erklären, daß die Schekeleingänge des Jahres 1911/12 zum mindesten die Höhe des vorletzten Kongreßjahres mit 80 000 M., vielleicht sogar die des letzten Kongreßjahres mit 90 000 M. Bareingang erreichen werden. Das ist eine sehr erhebliche Steigerung. Denn in den beiden letzten kongreßlosen Jahren waren nur 56 000 M. und 54 000 M. eingegangen. Weniger befriedigend ist die Entwicklung des Zentralfonds. Nur einige wenige Länder haben hier bisher einigermaßen befriedigend gearbeitet, so vor allem Galizien, sodann Belgien, Deutschland, Holland, Westösterreich. Immerhin werden wir unseren Voranschlag mit 60 000 M. bei einiger Anstrengung der Organisation noch bis zum Schlüsse des Kalenderjahres erreichen. Leider fehlen hier die außereuropäischen Länder noch vollständig. So werden wir nach menschlicher Voraussicht bis zum Ende des Kalenderjahres das jetzt noch rechnerisch bestehende Defizit des Geschäftsjahres 1911/12 vollständig decken. Daß es vor der Hand noch nicht möglich war, die Gesamteingänge rechtzeitig herauszubringen, wird ja niemanden von Ihnen wundern. Denn selbst die bestverwalteten Landesverbände haben es nicht möglich machen können, in einem kongreßlosen Jahre dieses Ziel zu erreichen. Immerhin ist auch nach dieser Richtung bereits eine ganz außerordentliche Besserung zu verzeichnen, So waren im letzten Jahr, obwohl es ein Kongreßjahr war, bis zum 1. April erst 844 M. eingegangen. In diesem Jahre waren es 5044 M. Ebenso waren im letzten kongreßlosen Jahr 1909/1910 bis zum 1. August nur 15 900 M. eingegangen. In diesem Jahr waren es bereits 38 500 M. Am 1. September betrugen diese Zahlen im Jahre 1909/10 22S00 M., im Jahre 1911/12 52 000 M. Auch in unseren Ausgaben haben wir uns innerhalb der Grenzen gehalten, die uns der vom X. Kongreß festgelegte Etat gesetzt hatte. Sie werden dies aus den Ihnen zugegangenen Uebersichten und aus der Ihnen heute vorgelegten Zwischenrechnung selbst ersehen. In der Zwischenrechnung haben wir — ähnlich wie dies bei der Verlegung der Bureaus von