Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 37 (11.9.1912)
- Date
- 1912-09-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 DIEX^ELT 1133 immer steigendem Maße möglich sein wird, auf jedem Delegiertentag der Landes- und Sonderverbände persönlich vertreten zu sein. Die Mitglieder des großen A. C. haben uns hierin, teilweise auch außerhalb ihres Wohnsitzes unterstützt und sich bereitwillig in den Dienst der Zentrale gestellt. Und doch konnte sich diese Tätigkeit bei aller Opferwilligkeit nur in einem verhältnismäßig engen Rahmen bewegen. Andererseits sahen wir deutlich, daß die Propaganda der Zentrale der Organisation nur dann den überall vermißten Impuls geben konnte, wenn sie ständig das ganze Jahr hindurch durchgeführt wurde. Wir gingen daher dazu über, unser Sekretariat durch die Anstellung zweier Parteisekretäre für die Führung der Propaganda zu erweitern. Auch hierin sind wir getadelt worden. Zu Unrecht. Die Tadler haben eben vergessen, daß zu den Aufgaben der Zentrale nicht nur die Arbeit nach außen, nicht nur die Arbeit in Palästina, sondern auch die Erziehung des jüdischen Volkes zum bewußten Nationalismus gehört. Sie haben nicht erkannt, daß die Durchführung der nationalen Erziehung eben die wahre Aufgabe einer tiefer erfaßten Propaganda ist und daß die Propaganda sich so zur höchsten Aufgabe der Organisation, zur Vorbedingung jedes Erfolges erhebt. Sieht man unsere Propagandatätigkeit von diesem Gesichtspunkt aus an, so erkennt man auch, daß gerade sie in der Lage ist, unserer Bewegung neue und kräftige Impulse zu geben. Die Ergebnisse unserer politischen Arbeit, unsere Fortschritte in der Besiedlung Palästinas, die Stärkung unserer national-kulturellen Institutionen —- sie alle hängen nicht nur von unseren Anstrengungen ab. Hier gebieten Machtfaktoren, auf die wir ohne Einfluß sind. In der Arbeit der Propaganda ist die Organisation souverän. Hier hängt der Erfolg allein von uns selbst ab. Hier allein kann sich die Organisation in ihrer Tätigkeit selbst kontrollieren. Da wäre es ein Verbrechen gewesen, zu zögern und die vorhandenen Kräfte nicht auszunützen. Und so haben wir zunächst in der Person des Herrn Blumenfeld einen Parteisekretär für die deutschsprechenden Länder und dann in Herrn Dr. Korngrün einen Sekretär für Südosteuropa gewonnen. Beide Herren haben sich ausschließlich mit der Propaganda beschäftigt, Herr Blumenfeld in Deutschland, Westösterreicli, Belgien, Dänemark und Schweden, Herr Dr. Korngrün in Oalizien, Bukowina, Ungarn und den südslavischen Ländern. Wir sehen das Ergebnis aller dieser Propagandareisen nicht nur in der so herbeigeführten Verstärkung der Propaganda selbst, sondern in der sich überall verbreitenden Erkenntnis, daß ein jeder unserer Verbände nur durch Zusammenwirken eines ständig arbeitenden Bureaus mit einem besoldeten, propagandistisch tätigen Parteisekretär und durch Führung einer streng national gerichteten, die innere Fortbildung der Gesinnungsgenossen und die Agitation nach außen gleichmäßig betonenden Propaganda zu einem lebendigen zionistischen Körper werden kann. Unser Zentralbureau hat die Tätigkeit unserer Parteisekretäre durch pünktliche Führung der Korrespondenz unterstützt, die Propagandareisen vorbereitet, die uns gegebenen Anregungen ausgeführt und die Wünsche der Parteileitung den Verbänden übermittelt. Aufgabe unseres Zentralbureaus war es weiterhin, die statistischen Unterlagen und das sonstige tatsächliche Material für die Aufstellung von Propagandaplänen und für die örtliche Verbreitung unserer Propaganda zusammenzustellen und auszunutzen. Unsere englische Abteilung hat im alten Umfang die Korrespondenz mit den englisch sprechenden Gesinnungsgenossen und der Presse englischer Sprache aufrechterhalten. Aber auch unsere Korrespondenz in der hebräischen und in der französischen Sprache ist stark gestiegen. In anderen Sprachen korrespondieren wir nur ausnahmsweise. Doch kann jeder Gesinnungsgenosse uns in seiner Sprache schreiben. Durch Sammlung eines umfangreichen Adressenmaterials haben wir die Unterlagen für eine allgemeine zionistische Kartothek geschaffen. Wir hoffen, diese im Laufe des neuen Geschäftsjahrs fertigstellen zu können und damit endlich in den Besitz dieser so notwendigen Grundlage für jede moderne Propaganda zu kommen. Die allgemeine zionistische Kartothek wird jeder zionistischen Organisation oder Institution zur Verfügung stehen. Fast überall mußten wir bemerken, daß es an einer Propagandaliteratur fehlte. Dieser Mangel machte sich um so mehr fühlbar, als die Landessprachen im Osten und Südosten die jüdisch-deutsche Sprache in immer steigendem Maße zurückdrängen und so das Verbreitungsgebiet der deutschen Parteiliteratur und deren Verwendbarkeit für die Massenpropaganda einschränken. Wir haben daher nicht nur die Broschüre Dr. Elias Auerbachs: „Palästina als Judenland" und eine verbesserte und vermehrte Auflage des zionistischen Merkbuches von Hugo Schachtel, sondern auch eine englische Broschüre unseres Sekretärs Mr. Israel Cohen: The Zionist Movement herausgegeben. Eine englische Ausgabe des Merkbuches, eine französische, insbesondere für den Orient bestimmte Palästinabroschüre und Uebersetzungen der Lichtheimschen Broschüre ins Ungarische und Kroatische werden in kurzem erscheinen. Daneben erwähne ich das Protokoll des X. Kongresses und die neue Auflage des Palästinahandbuchs von Trietsch. Der technische Vertrieb unserer Propagandaliteratur ist jetzt im Jüdischen Verlag konzentriert. Es ist uns gelungen, den Jüdischen Verlag vollkommen zu reorganisieren und finanziell zu sichern. Unter der Leitung des Herrn Dr. Ahron Eliasberg ist er auf dem besten Wege, seine Verlagstätigkeit in großem Umfange wieder aufzunehmen und auch sein Sortimentsgeschäft auszudehnen. Trotz der Unbequemlichkeiten der Uebersiedlung von Köln nach Berlin und trotz der Schwierigkeiten einer durchgreifenden Reorganisation hat sich sein Umsatz im Geschäftsjahr 1911/12 bereits verdoppelt. Doch muß das neue Geschäftsjahr eine nochmalige Verdoppelung des Umsatzes bringen, wenn der Jüdische Verlag ohne jede Beihilfe bestehen soll. Das verflossene Jahr hat uns bewiesen, daß die Organisation einen solchen Verlag nicht nur braucht, daß sie ihm auch den nötigen Umsatz geben kann. Wir appellieren daher an das Solidaritätsgefühl der Organisation. Die Geschäftsführung des Jüdischen Verlages und das A.-C. werden ihrerseits alles tun, was in ihren Kräften liegt. Denn wir sind uns der großen Bedeutung wohl bewußt, die ein gut geleiteter Verlag, der gleichzeitig ein Parteiamt für zionistische Literatur ist, für unsere Bewegung und die Entwicklung der in ihr tätigen ideellen Kräfte hat. Unsere Parteipresse hat sich im verflossenen Jahr sehr befriedigend entwickelt. Unser Zentralorgan ,,Die Welt" hat unter der Redaktion Richard Lichtheims einen erfreulichen Aufschwung genommen. Das beweisen rein äußerlich die Erhöhung der Abonnentenziffer und die Verminderung des noch erforderlichen Zuschusses des A.-C. trotz wesentlich vermehrten Umfangs und erhöhter Herstellungskosten. Wir glauben, daß auch inhaltlich unser Organ sich des Vertrauens der zionistischen öffentlichen Meinung erfreuen dürfte. Die vom Verlag der ,,Welt" eingerichtete kommerzielle Abteilung entwickelt sich zufriedenstellend. Sie wird nicht nur den Interessen der „Welt" dienen, sondern gibt schon heute, insbesondere für Palästina, zionistischen Interessenten wertvolle Fingerzeige und dem Palästinaamt eine gern anerkannte Unterstützung.