Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 37 (11.9.1912)
- Date
- 1912-09-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr 37 D1E3 erhoben hat. Ich setze mich mit Herrn Kaplansky gern auseinander. Er ist ein Gegner meiner Auffassungen in der Verwaltung des Nationalfonds und die Gegnerschaft beruht auf der grundsätzlichen Verschiedenheit unserer Weltanschauung. Es ist gewiß bedauerlich, daß wir auf die Versuchsstation keinen Einfluß haben, trotzdem wir für deren Zustandekommen einen gewissen Betrag Herrn Prof. Warburg zur Verfügung gestellt haben. Dieser Betrag ist von demselben für die ersten Vorbereitungen der Versuchsstation aufgewendet worden. Es ist nun, wie Herr Professor Warburg sagt, keine Möglichkeit vorhanden, um dem Nationalfonds einen Einfluß auf die Versuchsstation zu verschaffen. Das gegenwärtige Direktorium des N. F. hat damit nichts zu tun. Was nun die Schaffung von Häuslerwirtschaften betrifft, so möchte ich hervorheben, daß Herr Kaplansky meine Ansicht darüber nicht richtig aufgefaßt hat. Es ist nicht immer möglich, in Publikationen die Absichten, die man hat, an die breite Oeffentlichkeit zu bringen. Ich kann nur soviel sagen, daß ich nicht auf dem Standpunkte stehe, der Nationalfonds sei ausschließlich zu dem Zwecke da, um Häuslerwirtschaften zu schaffen. Das Ideal einer nationalen Kolonisation stelle ich mir anders vor. Der Nationalfonds soll große Domänen erwerben, die er erfahrenen Landwirten in Erbpacht neben kann. Darüber wird erst in einem späteren Zeitpunkt die Möglichkeit sein, zu sprechen, weil wir vorläufig nach Maßgabe unserer Mittel durch die Farmen, die wir geschaffen haben, in Anspruch genommen sind und weil noch viele andere dringende Aufgaben in Palästina zu erfüllen sind. Die Zeit ist noch nicht reif, wo wir große Grundstücke erwerben und verwalten könnten. Es ist ferner hier von Herrn Kaplansky der geplante Agrarfonds angegriffen worden. Er hat behauptet, daß dieser Fonds dazu bestimmt sei, nur die Wirtschaften der bessergestellten Elemente zu stützen, während er kein Fonds für die Arbeiterschaft und die ärmere Bauernklasse sei. Ich vertrete prinzipiell den Standpunkt, daß der Nationalfonds nicht bloß für die arme, sondern auch für die bemittelte, also für die gesamte jüdische Bevölkerung Palästinas da ist. Die künftige Wirtschaft ist nicht bloß auf die Arbeiterschaft, sondern audi auf die Grundlage der finanziell stärkeren Schultern angewiesen und muß auch darauf aufgebaut sein. Wir müssen dem nationalen das Klassen-Interesse unterordnen. Herr Kaplansky ist ferner prinzipiell gegen eine Unterstützung von Häuserbaugesellschaften, aber er vergißt, daß durch die Unterstützung mit 250 000 Frcs., die wir gewährt haben, I1/2 Millionen Privatbeteiligung in Tel Awiw aufgebracht worden sind und daß damit der erste größere Schritt zu 'einer städtischen Kolonisation in Palästina getan wurde. Herr Kaplansky befindet sich übrigens mit seinem Prinzip selbst in einem Widerspruch, denn er hat mir erst gestern nahegelegt, einem Handwerkerverein in Jaffa einen Kredit aus den Mitteln des Nationalfonds zu bewilligen. Im übrigen handelt es sich bei dem zu schaffenden Agrarfonds nicht allein um die wirtschaftlich starken Elemente, sondern auch um kleine Handwerker und Bauern. Aus diesem Fonds sollen auch Arbeiterwohnungen geschaffen werden. Ich komme zum Schluß meiner Ausführungen. Eine unserer wichtigsten Aufgaben für die nächste Zeit ist die Schaffung von Wohnstätten für die Jemeniten. Sie wissen alle, daß die Jemeniten ein vorzügliches Arbeiterelement darstellen und für unsere neue Siedlung von ungeheurer Wichtigkeit sind. Durch die Schaffung von Wohnstätten kann es gelingen, dieses wertvolle Element dauernd anzusiedeln, und wir müssen diese wichtige Sache mit allen unseren Kräften fördern. Ich glaube, daß, nachdem der Nationalfonds bedeutende Mittel bereits zur Verfügung gestellt hat, es die Pflicht aller Gesinnungsgenossen in der ganzen Welt ist, für den geplanten Arbeiterheimstättenfonds zu werben, damit wir hier etwas Großes schaffen und der [ELT 1131 Welt zeigen können, welche bedeutenden kulturellen Aufgaben wir durch den Jüdischen Nationalfonds durchführen können. Deswegen erwarte ich, daß die Mitglieder des Zentralkomitees nicht auseinandergehen werden, ohne die Grundlagen für eine große Aktion in dieser Sache zu schaffen. Ich habe mich übrigens persönlich überzeugt, daß wir in Palästina über ein vorzügliches Arbeiterelement verfügen, das, getragen von idealem Geist, zu den größten Opfern fähig ist. Durch die Arbeit auf unseren nationalen Farmen scheidet diese Arbeiterbevölkerung von selbst ungesunde Auswüchse einer übertriebenen Ideologie aus und ist beim Fortschreiten unserer Kolonisationsarbeiten zu hoffen, daß das neue osteuropäische Arbeiterelement in Verbindung mit den einwandernden Jemeniten eine zuverlässige Grundlage neuer Siedlungen bilden kann. Dann haben wir nicht zu fürchten, daß den größten Teil der Früchte unserer Pionierarbeit fellachische Lohnarbeiter aufessen werden, sondern dürfen erwarten, daß unsere Kolonisten den Kern eines neuen jüdischen Bauernstandes auf jüdischem Besitz darstellen werden. Wenn dem Nationalfonds die Durchführung dieser Aufgabe gelingt, hat er, wie ich glaube, im Sinne seiner Gründer und Förderer genug getan. (Lebh. Beifall.) * Nach dem Referate Dr. Bodenheirners wird die Palästinadebatte fortgesetzt. Dr. T s c h 1 e 11 0 w: Ich möchte zu den Ausführungen des Herrn Kann bezüglich Medschdel einiges richtig stellen. Medschdel ist ein ganz privates Unternehmen, wofür die zionistische Organisation keinerlei Verantwortung trägt. Als eigentlicher Gründer des Unternehmens war ich während meiner Anwesenheit in Palästina volle sechs Tage in Medschdel und kann nur sagen, daß wir mit der Entwicklung unseres Unternehmens, in dem heute ca. 700 000 Frcs. stecken, absolut zufrieden sind. Wir haben die feste Hoffnung, daß sich dieses Unternehmen gut rentieren wird und brauchen keineswegs das Mitleid des Herrn Kann. Die Schaffung von Medschdel, das früher in deutschen Händen war und nun in jüdischen Besitz übergeführt wurde, geschah mit großer Liebe. Wir wollten, daß sich durch unser Beispiel auch andere veranlaßt sehen, Grund und Boden in Palästina in ähnlicher Weise zu erwerben. Schon im Hinblick darauf muß ich die ganz unbegründeten Bemerkungen des Herrn Kann zurückweisen. Podlischewski: Betreffs der Wächter-Organisation des „Haschomer", wäre es zweckmäßig, die Schomrin zu Kleinbesitzern zu machen, damit sie und ihre Familie Beschäftigung haben. Was die Ausführungen des Herrn Kann betrifft, so kann man pessimistische Kritik auch unseren Banken gegenüber anwenden, wenn wir aber zionistisch kritisieren, so ist der Redner fest überzeugt, daß die Oelbaumspende, der Bezalel und die P. L. D. C. so gut stehen, wie die anderen Institutionen. Wir müssen nicht nur die Ausgaben aufschreiben, sondern auch die Werte unserer Arbeit kreditieren. Es wäre auch wünschenswert, daß die Herren von der Bank Kritik so ruhig hinnehmen, wie sie Herr Professor Warburg annimmt. Co wen: Man sagt, da'ß die Kritik des Herrn Kann dem Bezalel geschadet hat, aber trotz seiner Kritik haben wir die Spenden'von St raus und Rothschild bekommen und die Ausstellung in London gemacht, das beweist also das Gegenteil. Die Kritik des Herrn Kann hatte den Zweck, den Bezalel zu reformieren. Sie sind mit uns darüber einig, daß man Aenderungen im Bezalel treffen muß. Nehmen Sie diese Aenderimgen also rasch vor, dann werden wir sehr zufrieden sein. Der Redner kommt hierauf aui die politische Arbeit zu sprechen und begrüßt als politischer Zionist die Reise des Herrn Sokolow nach England. Dr. Halpcrn: Herr Kann spricht immer von rentierenden Betrieben und Flerr Dr. Bodenheimer von nutzbringenden Betrieben. Darin liegt ein prinzipieller Unterschied. Wir als Zionisten und alle, die uns für unsere Institutionen Geld gegeben haben, hatten immer nur die Absicht, nutzbringende Institutionen zu schaffen für Palästina und die Juden. Diese Betriebe werden nach einigen Jahren sicherlich auch gewinnbringend sein. Wir werden den Bezalel rechnerisch teilen müssen in eine Schule, einen Betrieb und eine Verkaufs- Organisation. Für die letztere Sache haben wir besonders in Hamburg großes Interesse, und es ist daran gedacht worden,