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Die Welt · 1912-09-11 · 37 (11.9.1912) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
37 (11.9.1912)
Date
1912-09-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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NJr 37 DIEÄELT 112g Jen J. N. F. so viele -nützliche, ja notwendige Verwendungsmöglichkeiten verschiedener Art in Palästina, daß es unrecht aber auch ganz unkaufrnännisch wäre, das ganze Vermögen diesem einzigen Zwecke zu widmen. Daß ich prinzipiell der Bildung eines solchen Agrarfonds günstig gegenüberstehe, und in den Grenzen der Leistungsfähigkeit des J. N. F. durch Gewährung zeitweiliger Kredite mitzuwirken bereit bin, habe ich durch die Zustimmung zu dem in dem Rundschreiben an die Vertrauensmänner gemachten Vorschlage deutlich kundgegeben. Ich möchte mich nunmehr der Kritik zuwenden, die gestern und heute an dem Nationalfonds hier geübt wurde. Zunächst zu den Bemerkungen des Herrn Dr. Hey mann. Es ist immer mißlich, wenn man Angriffe zu parieren hat, weil man dabei häufig über die Schnur haut. Das ist Herrn Dr. Heymann gegenüber der Kritik des Herrn Kann an verschiedenen Palästinainstituten begegnet. Darauf führe ich es zurück, wenn er sagt, was ist denn dabei, wenn bei der P. L. D. C. ein Verlust entstanden ist. Jeder, der eine Aktie der P. L. D. C. genommen hat, wird nichts dagegen haben, wenn er erfährt, daß sie nicht den vollen Wert besitzt. Man wird auch Aktien kaufen, wenn das der Fall ist. Herr Dr. Heymann hat vielleicht recht, und ich bin noch zuversichtlicher als er, nur mache ich eine andere Schlußfolgerung. Wenn wir unserer Freunde so sicher sind, daß sie den Wert dieses Unternehmens so hoch einschätzen, auch wenn persönliche Verluste dabei erlitten werden, dann geben Sie doch ruhig diese Tatsache zu und verschleiern die Sache nicht; dagegen allein müssen wir uns auf das entschiedenste aussprechen. Prof. Warburg: Das können Sie doch nicht wissen, so lange die Bilanz nicht da ist. Dr. Bodenheim er: Es ist doch aber eine Bilanz da und es gibt Leute, die sie kennen und sagen, daß Verluste vorhanden sind. Es ist nicht richtig und macht es noch schlimmer, wenn man solche Sachen zu verdecken sucht. Ich halte mich nicht für sachverständig genug, um diese Frage zu entscheiden. Ich bin nur der Ansicht, das einzig Richtige ist absolute Offenheit und Ehrlichkeit, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Ich muß auch gegenüber der Behauptung des Herrn Dr. Heymann wiederholt erklären, daß der J. N. F. bis heute noch nicht die Verwaltung der Oelbaumpflanzungen in Palästina übernommen hat, daß ich Ihnen diese Regelung vielmehr erst jetzt vorschlage. Herr Dr. Levin hat gestern eine schöne Rede gehalten, deren sentimentalem Teil jeder beipflichten kann. Er hat aber auch einige Bemerkungen in bezug auf meinen Bericht gemacht, auf die ich zurückkommen möchte. Herr Dr. Levin betont, indem er gegen mich polemisierte, daß die Frage der Kosten eines Oelbaumes nicht von ausschlaggebender Bedeutung für den Wert unserer Pflanzungen sei; er übersieht, daß ich in meinem Bericht genau dasselbe gesagt habe. Ich hätte also gewünscht, daß Herr Dr. Levin, nachdem er den Zoll für diesen Bericht hat zahlen müssen, ihn auch ausführlich und genau gelesen hätte. Er hat dann auch getadelt, daß ich die Pflanzung von Johannisbrotbäumen empfohlen habe. Ich habe mich dabei auf das Gutachten eines Fachmannes gestützt, und zwar des Herrn Aaronsohn, der der Ansicht ist, daß der Johannisbrotbaum hierfür geeignet sei. Ich bringe dies deshalb vor, weil ich bei den Ausführungen des Herrn Dr. Levin die Empfindung hatte, daß er diesen Bericht nicht richtig einschätze. Er meinte, daß ein Rechtsanwalt in diesen Dingen kein Fachmann sein kann. Ich habe aber hervorgehoben, daß ich in meinem Bericht eine Zusammenfassung der Urteile unserer besten Fachleute gegeben habe, anders konnte ich die Dinge nicht behandeln. Wir besitzen für unsere Gesamtarbeit in Palästina keinen Fachmann, und es wäre eine ungeheure Verantwortlichkeit, die wir Dr. Ruppin aufladen würden, wenn wir ihn als einen solchen Fachmann bezeichnen würden. Dafür ist unsere Arbeit schon viel zu kompliziert und vielseitig. Daß ich meine Untersuchung unserer wirtschaftlichen Unternehmungen in Palästina ernst und eingehend vorgenommen habe, weiß Herr Dr. Levin am besten. Dr. Bodenheimer zitiert dann aus einem Artikel in der letzten Nummer der ,,Welti4 eine Bemerkung über die ungenügende Kontrolle, die das E. A. C. an den Finanzinstituten und insbesondere an dem Nationalfonds ausübe. Er hält diese Ausführungen für sehr bedenklich, da sie den Eindruck erwecken könnten, als ob diese Einrichtungen unserer Organisation unzulänglich wären. Wenn man über eine solche Frage spricht, dann muß man sie gründlich kennen. Auf Grund des Statuts weist der Redner nach, daß die Kontrolle und Einflußnahme des E. A. C. auf die Verwaltung des J. N. F. eine in jeder Beziehung hinreichende sei. Wenn man meinen Bericht wirklich kritisch betrachtet, so muß man nicht nur die Schattenseiten, sondern auch die Lichtseiten hervorheben. Herr Kann hat aber nur die Schattenseiten gesehen. Herr Kann sagt, daß in diesem Berichte stehe, die Oelbaurnspende sei auf irrigen Voraussetzungen aufgebaut worden. Herr Kann hat aber den maßgebenden Satz übersehen, welcher lautet: ,,Das Resultat unserer Beobachtungen ist demnach, daß trotz der falschen Voraussetzungen diese Wirtschaften, wenn sie auch keine Oelbaumwälder geworden sind, Wirtschaften vorstellen, die sich in der besten Entwicklung befinden und als bedeutendsten Nebenbetrieb Oelbaumpflanzungen haben werden.4' Ich kritisiere nämlich die Voraussetzungen hauptsächlich insofern, als es irrig war, anzunehmen, daß man die Oelbaumpflanzungen als Hauptbetrieb einrichten könne. Ich glaube aber, daß man sie .als Nebenbetrieb sehr wohl einrichten könne. Herr Kann hat weiter einen Widerspruch in meinem Berichte gefunden, daß ich an einer Stelle sage, die Wirtschaft befinde sich in günstiger Entwicklung, an einer anderen Stelle dagegen, der Fruchtbau sei nicht genügend rentabel und man müßte deshalb Viehwirtschaft einrichten. Ich sagte aber doch deutlich, daß der Fruchtbau „ohne Düngung4' nicht rentabel sei und beweise mit dieser Bemerkung, daß es notwendig sei, zum Anbau von Getreide auch noch Viehwirtschaft einzurichten, damit wir die notwendige Düngung haben, die die Rentabilität auch des Getreidebaues erst ermöglicht. Damit ist doch nicht gesagt, daß die Pflanzungen, wie sie jetzt gemacht werden, schlecht sind. Die Pflanzungen sind vielmehr die besten, die man nach dieser Methode erzielen konnte, so urteilen Fachmänner und zwar solche, die uns nichts Schmeichelhaftes zu sagen interessiert sind, und zwar die Verwalter der benachbarten deutschen Kolonie „Wilhelma". Herr Kann hat auch wegen der Brunnenbohrung und ihrer Kosten eine Bemerkung gemacht, auf die ich eingehen will. Nur durch intensive Wirtschaft können wir die teure Arbeit der jüdischen Arbeiter und die wachsenden Kosten des Bodens wettmachen. Die Intensivierung der Wirtschaft wird gefördert durch gute Bewässerung. Da nun in Palästina die bisherige Brunnenbohrung sehr primitiv war, so haben wir das Anerbieten eines amerikanischen Unternehmens angenommen, mit neuen Maschinen die Bruimenbohrimg soweit durchzuführen, bis wir auf Wasser stoßen. Bei ISO m erst haben wir Wasser gefunden, während es uns bei der bisherigen Methode nur möglich war, bis auf 100 m zu bohren. Die praktische Bedeutung dieses Unternehmens ist einleuchtend, und selbst wenn die Kosten höher gewesen sind, als bei anderen Brunnen, so

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