Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 37 (11.9.1912)
- Date
- 1912-09-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 37 DIE3 Schaffung von Häuslern in Palästina. Wenn wir Besitzlose an den Boden fesseln wollen, sind wir verpflichtet, ihnen soviel Boden zu geben, daß sie selbst wirtschaftende Bauern werden. Dazu muß der Nationalfonds als Bodenfonds unbedingt erhalten bleiben und den zur Landarbeit erzogenen Arbeitern Boden zur Verfügung stellen. Diese Arbeiter wollen nicht unbedingt Bodenbesitzer sein. Es genügt für sie, wenn sie Erbpächter auf Nationalfondsboden sind, damit sie die Möglichkeit haben, alle notwendigen Ameliorationen und Investitionen zu machen. Ob der Arbeiter dabei aber dem Nationalfonds in 50 Jahren den Boden auszahlt oder einen Pachtzins zahlt, sei gleichgültig. Verkehrt sei aber die Tendenz, den Nationalfonds als Fonds des jüdischen Volkes aufzugeben und aus ihm einen Agrarfonds zu machen, der also für privaten Besitz sorgt. Daran habe die Masse des jüdischen Volkes kein Interesse, weil sie nicht die Möglichkeit hat, Boden zu kaufen. Der Grundgedanke des J. N. F. sei, daß das jüdische Volk die Möglichkeit hat, große Grundstücke den besitzlosen Ansiedlern zur Verfügung zu stellen und daß der Nationalfonds ewiger Besitzer des Bodens bleibe, die Ansiedlungsmethode in der Hand habe, die Bodenpreise reguliere. Der Redner wendet sich dagegen, daß man den Nationalfonds zu einer Anstalt machen will, die privatwirtschaftlichen, nicht nationalwirtschaftlichen Interessen dient. Eine jüdische Bauernklasse könne nur geschaffen werden, indem man den Arbeitern die Möglichkeit gibt, zur Landwirtschaft erzogen zu werden, um sie dann zu kolonisieren. Wenn wir den Arbeitern Boden und Gebäude geben, dann wird die J. C. A. wohl geneigt sein, den Personalkredit für das erforderliche Inventar zu gewähren. Der Redner ist auch gegen den Kredit an die Häuserbaugesellschaften. Der Nationalfonds sei für die jüdischen Massen geschaffen, nicht für die Privatinteressen einzelner Gesellschaften. Gründen Sie, führt der Redner aus, Agrarkreditinstitutionen aus der Bank, aus der A. P. C. oder aJs Agrarfonds, aber rühren Sie nicht an den Nationalfonds, der nicht dazu geschaffen worden ist. Greifen Sie auf den Beschluß des VIII. Kongresses zurück und beschließen Sie, dem nächsten Kongreß die Schaffung eines Agrarfonds vorzuschlagen. Wir müssen das Vertrauen des jüdischen Volkes zu gewinnen suchen durch die Großzügigkeit unserer Kolonisationsarbeit, indem wir auch in der Vorbereitungsarbeit den Zug ins Große, den Herzl uns lehrte, nicht aus den Augen verlieren. * Hierauf erstattet Dr. M. J. Bodenheimer seinen Bericht über die Tätigkeit des Jüdischen Nationalfonds. Refeiat Dr. Bodenheimers Wenn ich nunmehr meinen Bericht erstatte, muß ich denselben in zwei Abschnitte teilen. Der erste ist der Geschäftsbericht, der zweite Teil beschäftigt sich mit der Kritik, die gestern und heute gegen die Arbeit des J. N. F. und meinen Bericht über das A. C. eingesetzt hat. Ich kann mich zur Ergänzung auf die bisherigen Publikationen unserer Statistik in der „Weltu beziehen, auf die veröffentlichten Bilanzen, sowie auf den Bericht an die Vertrauensmänner über meine Reise in Palästina. Im übrigen sind Sie über die Tätigkeit des Nationalfonds auch schon durch die anderen Palästina-Referate zum großen Teil unterrichtet. Denn ich glaube kaum, daß irgend etwas von seiten unserer Palästina-Unternehmungen geschehen ist, woran nicht der Nationalfonds einen hervorragenden Anteil genommen hätte. Denjenigen unter Ihnen, welche ein besonderes Interesse an einzelnen Fragen unserer Arbeit nehmen, stehen die Beamten unseres Bureaus gern zur Verfügung, und bin ich auch bereit, jedem Mitglied des Zentralkomitees, das sich für eine Spezialfrage interessiert, zu gestatten, Einsicht in unsere Berichte an das Actions-Comite und das Direktorium des Nationalfonds, zu nehmen, soweit die betreffende Frage in Betracht kommt. Sodann möchte ich meinen Bericht mit der erfreulichen Mitteilung einleiten, daß unsere Einnahmen sich zwar in einem :elt 1127 langsamen, aber ständigen Aufstieg bewegen und daß unser Vermögen nunmehr die dritte Million Mark überschritten hat, währenddem wir Ende Juni 1911 nur einen Kapitalbestand von 2 544 629,32 M. zu verzeichnen hatten. An dieser Steigerung der Einnahmen ist auch Rußland beteiligt, obwohl wir unter schwierigen Umständen die Leitung dieser Sammelstelle selbst übernehmen mußten, weil die Zentrale in Rußland wegen der bekannten Hindernisse ihre Tätigkeit einstellen mußte. Wir hoffen, daß diese Elitwicklung in der Folge noch günstigere Ergebnisse zeitigen wird, da wir erst allmählich das System unserer Vertrauensmänner ausbauen und unsere Arbeit auch in Gegenden und Städten entfalten können, in denen man bisher vom Nationalfonds noch nichts gehört hat. Hier muß ich mich auch gegen eine Ansicht aussprechen, die gestern Herr Prof. Warburg bezüglich der Propaganda für die verschiedenen Institutionen vertreten hat. Der N. F. gehe von allein. Hierin liegt eine Verkennung der intensiven Arbeit, die von unserer Zentrale und den Sammelstellen in dieser Richtung geleistet wird. Wenn man hiervon draußen nicht so viel merkt, ist das ein Beweis, daß diese Behörden wie eine gute Maschine geräuschlos arbeiten. Man baut heute Maschinen von ungeheurer Kraftleistung, und das Auffallendste ist, daß man nicht mehr die Nebengeräusche hört, die man wohl früher als notwendige Begleiterscheinung der Arbeit einer Maschine betrachtete. Leider ist unsere Maschine noch nicht ganz auf ihrer idealen Höhe angelangt, aber ich hoffe, daß es im Laufe der Zeit möglich sein wird, unsere Mittel ohne irgendeine Spur aufdringlicher Propaganda zu vermehren. Während so unsere Einnahmen gewachsen sind, haben sich jedoch auch die Ausgaben vermehrt. Wir waren genötigt, mit Rücksicht auf die Knappheit der dem Actions-Comite zur Verfügung stehenden Mittel die Kosten des Palästina-Amtes vollständig auf uns zu übernehmen, wodurch uns Ausgaben von annähernd 30 000 M. erwachsen. Auch der Ausbau unserer Sammelstellen, die Einrichtung von Bureaus in Amerika, Oesterreich und Deutschland erfordern fortdauernd erhöhte Mittel. Die Vermehrung dieser Ausgaben rechtfertigt sich jedoch durch die wachsende Arbeitslast, welche diesen Bureaus entsteht, sowie dadurch, daß infolge der intensiveren und systematischeren Arbeit die Einnahmen nicht unwesentlich erhöht werden. Ein Vergleich unseres Vermögens vom 30. Juni 1911 mit dem entsprechenden Zeitpunkt 1912 ergibt folgende Tatsachen, welche von allgemeinerem Interesse sein dürften. Der Wert unserer Anlagen und Grundbesitz in Palästina ist von 523 299,33 M. auf S13 928,20 M. gestiegen, was im wesentlichen durch die Erwerbung des Landes von Merchawjali für die Siedllingsgenossenschaft mit 186 876,87 M. und die Kosten der Errichtung von Gebäuden in Dagania bedingt ist. Die Anlagen für die Oelbaumpflanzungen in Palästina sind von 217 300,39 M. auf 328 570,56 M. gestiegen, und unsere Beteiligung an der P. L. D. C. ist im Laufe der Zeit auf 232 200 M. angewachsen. Aus diesen Angaben werden Sie ersehen, daß der größte Teil der uns zur Verfügung stehenden und neu eingegangenen Mittel für diese drei Unternehmungen verwendet werden mußte. Es ist begreiflich, daß die großen Anforderungen für die Oelbaumpflanzungen sowie die erheblichen Geldmittel, welche wir der P. L. D. C. zur Verfügung stellen mußten, uns die Frage nahelegten, ob diese Investierungen durchaus im Rahmen unserer palästinensischen Aufgaben liegen und ob dieselben auch entsprechend nutzbringend im Lande verwendet werden, Ich habe mich daher (entschlossen, im Frühjahr dieses Jahres gemeinsam mit dem Direktor unseres Bureaus, Herrn Hoofien, eine Inspektionsreise nach Palästina zu unternehmen, und ich habe über das Er-