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Die Welt · 1912-09-06 · 36 (6.9.1912) · page 20

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
36 (6.9.1912)
Date
1912-09-06
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1108 bekannt und neu, denn die Fehler sind nicht von heute. Die Fehler der P. L. D. C. hat Herr Kann sehr übertrieben. Sie hat einen Fehler, und dieser ist, daß die Gründungvon mehr oder weniger privater Seite mit unzureichenden Mitteln vorgenommen werden mußte, weil wir die Hilfe der offiziell bestehenden Institute nicht haben konnten. Das ist nicht unsere Schuld. Dr. Schemarja Levin: Ich möchte hier nicht als Mitglied des E. A. C. zu Ihnen sprechen und auch nicht als Verteidiger der Dinge, die hier angegriffen wurden, auftreten; darauf werden die berufenen Fachmänner antworten. Ich möchte hier nur in die Debatte eingreifen, um über die Palästina-Arbeit zu sprechen, weil ich bereits einige Male in Palästina war. Wir hatten dieselben Debatten bereits vor zwei Jahren, vor D 2 Jahren und auch später noch auf allen Sitzungen. Die Oelbaumspende besteht jetzt 5 Jahre, der Bezalel 6 Jahre. Herr Professor Warburg war doch früher mehrere Jahre Mitglied des E. A. C, und wenn Sie da mit ihm nicht fertig geworden sind, wie sollen wir mit ihm fertig werden, nachdem er unser Präsident ist (Heiterkeit.) Herrn Kann möchte ich sagen, wenn er Vorwürfe macht, so soll er sie klarer formulieren. Sie haben hier eine Rechnung gemacht, Herr Kann, wonach 50 000 M. übrig bleiben, wovon 500 Familien leben. Es gibt in Palästina mehr solcher 500 Familien, die dort von 5OO0Ü M. leben. Der Bezalel ist noch kein Fabriksunternehmen, sondern ein Zwitterding zwischen Fabrik und Schule. Es ist nicht so leicht, sich die Teppich-Industrie anzueignen, und vielleicht war es ein Leichtsinn von uns, daß wir damit angefangen haben. Aber der Bezalel ist doch auch eine Schule, und es arbeiten doch wirklich 500 Leute dort. Wer für den Bezalel etwas gegeben hat, hat es nicht getan, damit er später Zinsen bekommt. Herr Kann hat mit allen diesen Leuten, die für den Bezalel gespendet haben, Erbarmen, sogar mit Nathan Strauß. Aber vergessen Sie nicht, Nathan Strauß ist nach Jerusalem gekommen, und war kein Zionist. Vielleicht ist er durch den Bezalel Zionist geworden. Vor sechs Jahren, als der Bezalel noch nicht bestand, gab es in Jerusalem und anderen palästinensischen Städten verdammt wenig. Jetzt ist durch den Bezalel und das Palästina-Amt ein ganz anderes Leben entstanden. Der Redner gibt dann eine kurze Darstellung über die Brunnenbohrung in Hulda, die einen ersten Versuch darstellt, Brunnenbohrungen nach einem neuen System vorzunehmen. Der leitende Ingenieur habe die ersten 100 m der Bohrung kostenlos vorgenommen. Ueber die Oelbaumspende habe ich einen Bericht aus Köln bekommen, den ich in Palästina verzollen mußte. Ich habe dem Bericht entnommen, wie man auf Einzelheiten eingehen kann, trotzdem man kein Fachmann, sondern ein Jurist ist. Ich habe mich in Palästina überzeugt, wie die Oelbaumpflanzungen vor sich gehen. Wenn nun Herr Kann sagt, daß man für 6 M. keinen Oelbaum pflanzen kann, und daß wir die Öffentlichkeit irregeführt haben, so stimmt das nicht. Wir haben nicht gesagt, daß man für 6 M. einen fertigen Oelbaum bekommt, sondern nur, daß man ihn für diesen Betrag pflanzen kann. (Zurufe: Das stimmt nicht!) Gut. Wenn das nicht stimmt, wo war denn da die Weisheit der Herren zu jener Zeit, als man die Oelbaumspende anregte? Im übrigen ist es gleichgültig. Wenn Sie wollen, werde ich Ihnen 20 bis 30 000 Unterschriften aufbringen, wonach wir auf unsere Bäume verzichten, damit die Kosten für die anderen aufgebracht werden. Ich habe in dem Bericht aus Köln gelesen, daß man anstatt Oelbäume, andere Fruchtbäume pflanzen soll, und bin der Ansicht, daß man einen solchen Vorschlag zunächst den Fachmännern überlassen soll. Unsere sämtlichen Unternehmungen in Palästina leiden darunter, daß wir so sehr klein an- Nr. 36 gefangen haben. Sie, Herr Kann, sprechen immer nur von dem Geld, das wir hineingesteckt haben und wofür man uns verantwortlich machen wird. Wer wird uns verantwortlich machen für das Blut? Gehen Sie einmal nach Merchawja und sehen Sie sich die jüdischen Wächter an. Wir haben in Palästina große Aufgaben, und wir werden noch bei vielen Gelegenheiten Geld verlieren. Bei allen unseren Unternehmungen laufen wir Gefahr, Verluste zu erleiden. Wenn wir heute eine Hochschule bauen, so haben wir auch dafür keinerlei Garantien. Vor kurzem hatte ich in Palästina eine Unterredung mit einigen Mitgliedern der I. C. A., die sich mir gegenüber beklagten, daß die Farrn Sedschera sie bereits 300—400 000 Frcs. gekostet habe. Die I.C. A. hat diese Farm an die Gesellschaft Agudath Netaim verkauft, weil sie gesehen hat, wie unsere Gesellschaft mit wenigen Mitteln die Wirtschaften besser führen, als sie mit ihren vielen Mitteln. Der Redner spricht dann über den Landerwerb und wie durch den Mangel an Kapitalien die besten Gelegenheiten versäumt werden, größere Bodenflächen in Palästina zu günstigen Preisen zu kaufen, da die Bodenpreise nicht nur in den Städten, sondern auch in den Dörfern rapide steigen. In bezug auf den Bezalel bemerkt der Redner nochmals, daß die begangenen Fehler in keinem Verhältnis zu dem ungeheuren Segen, den das Institut stiftet, stehen. Selbstverständlich sei es notwendig, eine Reorganisation der kaufmännischen Leitung durchzuführen, und er hätte es gerne gesehen, wenn Herr Hoofien, anstatt nach Jaffa, nach Jerusalem gegangen wäre, um sich des Bezalels anzunehmen. Man kann auch in Palästina die meisten Geschäfte auf gesunder Basis aufbauen, genau wie anderswo. Vor allem ist es aber notwendig, daß wir in Palästina mehr und bessere Arbeitskräfte haben. Herr Kann beruft sich immer auf die Verantwortung, die wir mit unseren Institutionen in Palästina zu tragen haben. Wir tragen aber diese Verantwortung gern, denn wir sind unseres endlichen Sieges gewiß. (Lebh. Beifall.) Kaplan ski: Herr Lichtheim hat hier über die Palästinaarbeit im Programm des Zionismus gesprochen. Mir erscheint es wichtiger, über das Programm und die Verwirklichung des Zionismus in der Palästinaarbeit zu sprechen. Für mich existiert die Frage nicht, ob die Palästinaarbeit ein integrierender Bestandteil des Zionismus ist. Was uns am meisten interessieren sollte, ist das Problem, ob wir das Programm des Zionismus und den Zionismus selbst in unserer Palästinaarbeit wirklich der Realisierung näher bringen, und in dieser Palästinaarbeit interessiert mich deshalb hauptsächlich das soziale Problem, weil für mich Politik nicht bloß, wie Herr Sokolow definiert, die Anpassung an die äußeren Umstände ist, sondern für mich ist Politik hauptsächlich die Lösung sozialer Probleme. So haben wir denn zu untersuchen, inwieweit wir mit den Methoden unserer Palästinaarbeit der Lösung dieser sozialen Fragen näherkommen. Auf die Details und besonders auf die finanziellen Dinge kann ich hier nicht eingehen, weil ich glaube, daß der einzige, der mir Antwort auf die Details geben kann, Herr Dr. Ruppin wäre. Bezüglich des Bezalel bemerke ich, daß ich dem Bezalel nicht den Vorwurf machen kann, daß er etwa keinen Gewinn einbringt. Das interessiert meine politischen Freunde am Bezalel nicht. Wir schätzen ihn als eine Institution, die Arbeitsgelegenheit schafft. Der Bezalel ist nun ein großer Betrieb geworden, keine Schule, und deswegen verlangen wir von ihm folgendes: Es sollte endlich einmal den Leitern des Bezalel klargemacht werden, daß von ihnen, ob sie die Arbeiter im Bezalel als Lehrer, sozusagen väterlich, behandeln wollen oder als Leiter eines Betriebes, in jedem Falle korrektes Verhalten zu verlangen ist. Wenn der Bezalel ein Betrieb DIE3qEELT

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