Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 36 (6.9.1912)
- Date
- 1912-09-06
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 36 Kapitalien stecken. Aus den Bilanzen des Nationalfonds ist nicht ersichtlich, welche Verluste er dabei erlitten hat. So werden z. B. die englischen Konsols mit 77<>o des Wertes eingestellt und die P. L. D. C. auf Pari. Diese Bevorzugung ist doch sonderbar. Herr Prof. Warburg hat durch fotwähende Appelle und Versprechungen die Verantwortung an dem, was gekommen ist. Keine seiner Unternehmungen hat gehalten, was sie versprochen hat. In diesen Unternehmungen stecken schon weit über 3 000 000 Frcs. (Tschlenow: Das sind meistens private Unternehmungen.) Aber wir alle sind für diese Unternehmungen verantwortlich, in erster Reihe Dr. R u p p i n und die Herren von der Berliner Leitung. Herr Hoofien ergreift das Wort und gibt in ausführlicher Weise eine Darstellung verschiedener finanzieller Punkte, die sich auf die genannten Gesellschaften beziehen. Dr. Heymann: Herr Kann hat sich genötigt gesehen, gegen Professor Warburg und die Berliner Herren, die infolge des Versagens des J. C. T. und der A. P. C. seit dem VII. Kongreß bemüht waren, die Kolonisation Palästinas zu fördern, eine Anklagerede zu halten, und auf einige Punkte dieser Anklage möchte ich antworten. Unrichtig ist die Behauptung des Herrn Kann, daß sämtliche Gesellschaften, die Herr Professor Warburg gegründet hat, unrentabel seien. Dies trifft zunächst nicht zu auf die I m m o b i 1 i e n g e s e 11 s c h a f t Palästina, die 6 °o Dividende bezahlt hat, und auch nicht auf das Industrie-Syndikat. Das von der A. P. C. dem Industrie-Syndikat proponierte Geschäft haben wir zum Glück abgelehnt; wir hätten wahrscheinlich ein Drittel daran verloren. Wir haben mit unseren Geschäften heute unser Kapital in voller Höhe intakt, haben eine Reihe von Jahren wohl keine Dividende gegeben, haben aber im letzten Jahre aus verdienten Zinsen 4 <> o ausgeschüttet. Ich glaube, daß auch diese Gesellschaft entsprechende Dividende wird geben können. Was die Tiber ia ssee-Gesellschaft anlangt, für die Herr Kann ein so besonderes Interesse hat, so bemerke ich, daß das ein ganz privates Unternehmen oder, wenn Sie wollen, Vergnügen einzelner Herren ist, unter denen sich einige Nichtzionisten befinden. Das ganze Unternehmen hat mit der zionistischen Organisation nichts zu tun, und wir, die wir dabei sind, brauchen die väterliche Vormundschaft des Herrn Kann nicht. Nun komme ich zum B e z a 1 e 1. Es bedurfte nicht der vorzüglichen banktechnischen Kenntnisse der Herren Kann und Hoofien, um zu sehen, daß hier vieles nicht in Ordnung ist. Ich habe bereits Ende 1910 den Zustand der Dinge gerügt, und verlangt, daß eine einheitliche Bilanz, betreffend Palästina und Berlin, veröffentlicht wird. Bei der letzten Generalversammlung des Bezalel habe ich mit meinennn Freunden die Leitung des Bezalel entschieden darauf hingewiesen. Wir haben es für unsere Pflicht gehalten, diesem Unternehmen, das uns ans Herz gewachsen ist, mit besten Kräften auf die Beine zu helfen, indem wir noch in dieser Versammlung uns zusammengeschlossen haben und 7000 M. Anteile für eine zu gründende Betriebsgesellschaft gezeichnet haben. Unser Hauptverlangen auf dieser Versammlung war eine geschäftliche Reorganisation des Bezalels. Aufs schwerste geschädigt hat den Bezalel wohl Herr Kann durch seine Berichte, die er in der Zeitung veröffentlicht hat. Da der Bezalel ein segensreiches Institut ist und bleibt, trotz mancher Fehler, so gibt es nur eine Möglichkeit, daß wir die Sache gemeinsam reorganisieren, indem wir dem Bezalel das erforderliche Betriebskapital besorgen, und dafür Sorge tragen, daß eine zweckmäßige Leitung des Bezalel in Jerusalem eingeführt werde. Von diesem Unternehmen, das keine Gründung des Herrn Prof. Warburg ist und auch keine ausschließlich zionistische Gründung (ich nenne nur die Namen James 1107 Simon und Paul Nathan aus dem derzeitigen Vorstand), können wir noch segensreiche Tätigkeit erwarten. Ueber die Oelbaumspende kann ich nur das eine sagen, daß sie seit Jahren unter der Verwaltung des Nationalfonds-Direktoriums steht, und Prof. Warburg hat seit Jahren nichts mit ihr zu tun. Die P. L. D. C. ist das Lieblingskind der Herren von der anderen Seite des Hauses geworden. Als es sich darum handelte, erhebliche Mittel für sie aufzubringen, da war das Interesse der Herren sehr gering. Seitdem die P. L. D. C. Verluste hat, ist es gewachsen. Gerade durch die P. L. D. C. ist dem Nationalfonds eine schwierige Aufgabe abgenommen worden, nämlich die Kultivierung von Kinereth. Wir haben dabei infolge eines Brandes, verschiedener Ueberfälle, schlechter Ernten, Geld verloren. Das Schlimme ist, daß die P. L. D. C. mit kleinen Kapitalien arbeitet, so daß die Verluste, die bei dem vollzähligen Kapital von 1—2 000 000 M. keine Rolle gespielt hätten, jetzt eine erhebliche Bedeutung haben. Aber der Nationalfonds hat nicht für die P. L. D. C. die Kastanien aus dem Feuer geholt, sondern es ist umgekehrt gewesen. Der Nationalfonds hätte in Kinereth dieselben Verluste gehabt. Die P. L. D. C. an und für sich ist ein rentables Unternehmen, denn die Tätigkeit des Landkaufes, der Landameliorisierung, Parzellierung und des Landverkaufes, die in Aegypten in unzähligen Fällen mit größtem Erfolge ausgeführt wurde, kann bei fortgesetzter Steigerung der Bodenpreise in Palästina gar nicht zu einem Mißerfolge führen. Wir haben den Mut gehabt,, diejenigen Kulturarbeiten, die eigentlich Sache anderer Institutionen gewesen wären, in Palästina durchzuführen und m u ß - t e n diesen Mut haben, weil die anderen Institutionen wie der Drache auf dem Schatz saßen. Wir haben nun die Verluste gehabt, die sonst die anderen Institutionen getroffen hätten. Ein großer Teil derjenigen Kolonien, die in den letzten Jahren entstanden, dankt gerade der P. L. I). C. ihr Entstehen. Wir haben seit dem VII. Kongreß unaufhörlich dafür gekämpft, daß in Palästina gearbeitet werde, und uns nach Maßgabe unserer schwachen Kräfte bemüht, das Siedlüngswerk in Palästina vorwärtszubringen. Ich glaube, daß wir mit unseren beschränkten Mitteln immerhin etwas geleistet haben. Diejenigen, die ihr Geld in die Sache gesteckt haben, sind in erster Linie unsere engeren Freunde. Ich weiß wirklich nicht, wie die Herren von der Gegenseite dazu kommen, diese Sachen, in denen ihre Hilfe wiederholt erbeten worden ist und bei denen sie uns fast nie mit einem Deut geholfen haben, zu kritisieren. Sie haben uns in der Verwaltung dieser Unternehmungen immer angegriffen, immer ähnliche Kritik geübt wie heute, und Sie haben, anstatt die Sache mit Hilfe der ihnen zur Verfügung stehenden Institute zu fördern, diese Unternehmungen immer als Angriffswaffe gegen das jetzige E. A. C. benützt, wie Sie es auch heute tun. Der Grund dafür liegt tiefer, in der verschiedenen Auffassung bei Ihnen und bei uns. Wir unterscheiden uns, wenn Sie wollen, in der Grundauffassung der Methode. Sie sagen nämlich, daß man in Palästina nur Geschäfte machen darf, die an sich rentabel sind. Sie behandeln die Geschichte vom reinen Bankstandpunkt. (Wolffsohn: Nein!) Ihre Frage ist immer: Rentiert die Sache oder rentiert die Sache nicht? (Wolffsohn: Nein!) Auf dem Standpunkt des redlichen Verwalters stehen wir genau so wie Sie. Es handelt sich nun um folgendes: Wir müssen die Sache gemeinsam in Ordnung bringen. Aber diese Art der Kritik, die Ihrerseits auch in der Presse geübt worden ist, dient nur dazu, die Unternehmungen zu schädigen. (Kann: Man muß doch die Wahrheit sagen.) Herr Kann, es schädigt Geschäfte sehr oft, wenn man im unrechten Moment die Wahrheit sagt. Ich resümiere: Ein sehr großer Teil dessen, was Herr Kann vorgebracht hat, ist unberechtigt. Seine Kritik am Bezalel war zum Teil berechtigt, war uns aber nicht un-