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Die Welt · 1912-09-06 · 36 (6.9.1912) · page 18

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
36 (6.9.1912)
Date
1912-09-06
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Frage: Haben Sie sich, Herr Präsident, seitdem an Hand der Berichte überzeugt, daß meine Warnungen berechtigt waren und daß die Vorstellungen, die Sie dem Kongreß gegeben haben, unrichtige waren? Es genügt mir, wenn Sie diese Frage mit einem kurzen J a oder Nein beantworten. Professor Warburg: Mit einem kurzen Nein. Kann: Nun werden Sie von mir andere Klänge zu hören bekommen, als heute vormittag. Seit mehreren Jahren habe ich eine Revision in der Führung der Oelbaumspende verlangt. Man sprach von einer b-M.-Stiftung, und sprach davon, daß nach mehreren Jahren die Oelbaumanlagen genügen werden für die Erhaltung einer jüdischen Hochschule u. dergl. m. Herr Professor Warburg hat heute wieder behauptet, daß dieser Preis eines Oelbaumes richtig ist. Auf dem IX. Kongreß wurde uns in Aussicht gestellt, daß im Jahre 1912 50 000 Oelbäume da sein würden und 20 000 andere Fruchtbäume. Wir wissen, daß heute 14 000 Oelbäume da sind, und die Berechnungen ergeben, daß jeder Oclbaum 13 Frcs. kosten wird; Herr Dr. Bodcnheimer spricht in seinem Berichte von irrigen Voraussetzungen dieser Kultur. Welches sind nun die irrigen Voraussetzungen? Eine solche Kultur ist nur rentabel, wenn man über billige Arbeitskräfte verfügt, welche diese Kultur als Nebenbeschäftigung betreiben. Nun hat man den Hauptfehler gemacht, daß man wieder eine Administration eingeführt hat. Wir hatten offenbar noch nicht genug an dem Beispiel der Rothschildschen Kolonien. Ich will die große Opferfreudigkeit und die großen Kenntnisse von Dr. Ruppin anerkennen, und weiß sehr wohl, welch ein gewaltiger Unterschied in beziig auf Pünktlichkeit und Ehrlichkeit zwischen der neuen jüdischen Administration und der alten Rothschildschen besteht. Aber wir sollen nicht auf Dingen beharren, die sich als fehlerhaft herausgestellt haben. Dr. Ruppin hat in einem Gutachten, auf das sich heute auch Prof. Warburg bezog, sich in den rosigsten Farben über die Arbeit in Palästina verbreitet. Ein ernster Mann, wie Dr. Ruppin, sollte doch ■objektiv urteilen. Es wird immer davon gesprochen, wenn auch Verluste vorkommen, dann wird die Wertsteigerung des Bodens alles wieder wettmachen. Da wird ein Wechsel auf die Zukunft gezogen, und es ist die große Frage, ob dieser honoriert werden wird. Niemand kann mit Sicherheit sagen, ob wirklich die Bodenpreise in dem Maße steigen werden. Ferner wird gesagt, wir müssen uns mit dem Kauf beeilen. Ich sage: Der Boden in Palästina läuft uns nicht davon. (Zwischenrufe: Olio!) Aus dem Bericht von Dr. Ruppin geht auch hervor, daß an den meisten Stellen Raubbau getrieben worden ist. Ich konstatiere, wenn Dr. Ruppin in seinem Bericht sagt, daß man keinen Raubbau treiben soll, dann liegt darin das Zugeständnis, daß bis jetzt Raubbau getrieben worden ist. Ich bin ferner dagegen, daß Dinge aufgebauscht werden. In einem Bericht über eine Brunnenbohrung im Herzlwald wird erzählt, daß man auf ISO m Tiefe bohren mußte, und das wird als eine glänzende Leistung und Renommierarbeit hingestellt. Man sagt uns aber nicht, was die Sache gekostet hat. Das Palästina-Amt hat vorgeschlagen, eine Milchwirtschaft einzurichten und dazu 40 000 Frcs. vom Nationalfonds herzugeben. Dies ist wieder Administration. Man beginnt immer mit kleinen Summen, und dann werden immer größere zugeschossen, damit die Sache nicht stecken bleibt. Heute sind 4C0 000 Frcs. in die Oelbaumspende hineingesteckt, und es ist sehr fraglich, ob sie sich rentieren wird, und dazu kommt ja noch die Frage, was wird die Oelbaumspende weiter kosten. Noch eine Frage an Dr. Bodcnheimer: In seinem Bericht heißt es: Die wirtschaftlichen Zustände in Hulda seien befriedigend, aber kurz darauf wird gesagt, daß es sich gezeigt habe, daß der bisherige Anbau nicht rentabel sei. Wie reimt sich das zusammen? Mit der P. L. D. C liegt es noch schlimmer. Dr. Ruppin steht heute auf dem Standpunkt, daß man noch keinen Gewinn von Palästina-Unternehmungen solcher Art erwarten soll. Dieses Verlangen ist aber gar nicht in Uebereinstimmung mit den Versprechungen, die früher gemacht worden sind, worin man uns das Unternehmen als eine sichere Kapitalsanlage mit guter Dividende vorgestellt hat. Dr. Bodenheimer teilt mit: „In der Farm Kinereth ist eine gewisse Verwahrlosung nicht zu verkennen." Das ist deutlich genug. Die Budgets der Arbeiterhäuser werden immer überschritten. Jedermann weiß, daß die Lage der P. L. D. C. eine schlechte ist, aber eine Bilanz wird nicht veröffentlicht, denn man will weiter Aktien verkaufen von einer Gesellschaft, die mit Verlust arbeitet. Ich halte das für ein Vorgehen, das mit der Würde der zionistischen Partei nicht vereinbar ist. Der Schluß wird sein, daß der Nationalfonds, wie immer, die Zeche zahlen muß. Man wird Kinereth verpachten, die Genossenschaft liquidieren und die Farm von Dagania dem Nationalfonds übergeben. Für die P. L. D. C. tragen wir die Verantwortung, wenn auch Prof. Warburg sagen mag: Das sind Privatgesellschaften. Beim Bezalel ist leider die Sache wenig anders. Jedermann hat gewiß Hochachtung vor Prof. Schatz, aber gerügt muß unbedingt die miserable Führung sowohl in Palästina als in Berlin werden. Die Bilanz gibt kein ungeschminktes Bild der Tatsachen. Die Aufnahme der Waren zum Verkaufspreis in die Bilanz ist inkorrekt. Ein Zuwachs an Immobilien, für den bares Geld bezahlt wurde, ist als Ueberschuß von 20 000 Frcs. bezeichnet. Es ist hier genau so, wie bei der P. L. D. C. Man braucht neue Betriebsmittel, und deshalb muß die Sache möglichst rosig hingestellt werden. Ich habe mehrere Wochen vergebens auf die Aufstellung des Etats für 1911/12 gewartet. Nach langer Zeit habe ich ihn dann doch erhalten. Man behauptet immer, das sei ein kolossales Unternehmen, in welchem 500 Leute beschäftigt seien. Wenn man das Budget vornimmt und davon die Kosten für Rohmaterial und die anderen Kosten abzieht, dann wird man sehen, daß die Löhne etwa 50 000 Frcs. betragen. Bei 500 Arbeitern ist das 100 Frcs. pro Jahr, und das spricht doch dafür, daß dort keine 500 Arbeiter beschäftigt sind. Heute sind über 500 000 Frcs. in den Bezalel hineingesteckt. Für Ausstellungen des Bezalel kommen die Sachen zu spät. Nachbestellungen werden mangelhaft ausgeführt. Man wird mir wohl einwerfen, ich sei ein Gegner der Sache. Aber ich bin nur ein Feind der Unordnung. Noch einige Fragen an den Präsidenten des Nationalfonds. Die verschiedenen Palästina-Unternehmungen bringen große Geld- Transaktionen in Palästina selbst mit sich. Ich möchte fragen, ob sich diese bisher immer regelmäßig abgewickelt haben, oder ob das A. C. dem Nationalfonds Geld schuldig geblieben ist, und, wenn dies der Fall ist, wieviel. Ich frage ferner, weshalb sind Abschreibungen vorgenommen auf den Buchwert des Hebräischen Gymnasiums? Die Gebäude sind doch jetzt mehr wert, als der Nationalfonds hineingesteckt hat. Das gleiche gilt für die Bezalel-Häuser. Eine andere Sache: Dr. Ruppin spricht in seinem Bericht von der Verzinsung der Arbeiterhäuser. Ich glaube nicht daran, denn die Kosten für die Administration sind viel größer, als durch diese Verzinsungen eingebracht wird. Die großen Opfer, die für diese Unternehmungen vom Jüdischen Nationalfonds verlangt worden sind, stehen alle nicht im Verhältnis zum Resultat. Die Oelbaumspende verfügt nur noch über geringe Mittel und gewisse Beträge, die der Nationalfonds für Wege, Brunnen usw. zurückzahlen muß. Warum wird diese Abrechnung verschleppt, und warum sind die Zinsen zwischen diesen beiden Institutionen nicht berechnet? Der Nationalfonds hat in den drei Institutionen, TBezalel, P. L. D. C. und; Oelbaumspende große

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