Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 36 (6.9.1912)
- Date
- 1912-09-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 zu Gebote stehen würden.*) Wir sind daher nicht dafür, daß man in beziig auf die Preisbemessung eines Oelbaumes eine Aenderung treffen oder gar den Namen der Spende mit einem indifferenteren vertauschen soll. Hingegen stimmen wir mit Herrn Dr. Bodenheimer darin überein, daß auch wir für die nächsten Jahre davon absehen möchten, außer unseren zwei Pflanzungen noch andere Oelbaumwälder in eigenem Betrieb anzulegen. Wohl hingegen sollten anstatt dessen neue Methoden von Oelbaumpflanzungen erprobt werden, wie z. B. in Verbindung mit Kolonien, Genossenschaften usw. Gegen die Pflanzung auch anderer Bäume in und neben den Oelbaumpflanzungen haben auch wir nichts einzuwenden. Im übrigen sind Sie durch die Uebersichten des N.-F. in der „Welt" genügend orientiert über die schönen Fortschritte, welche die Sammlungen der Oelbaumspende machen. Es scheint also, daß die auf die Förderung der Oelbaumspende gerichtete Resolution des letzten Kongresses seine Wirkung auf unsere Gesinnungsgenossen nicht verfehlt hat; besonders erfreulich ist es, daß die Oelbaumspende sich jetzt auch in Rußland und Amerika und Südafrika immer mehr einbürgert. Aber auch über die Fortschritte, die der HerzIwald macht, sind sachkundige Besucher Palästinas des Lobes voll und erwarten von den beiden Nationalfondsfarmen Benschemen und Hulda einen intensiven und wohltätigen Einfluß auf die gesamte Landwirtschaft Palästinas. Was die P a 1 e s t i n e Land Development Co. betrifft, so sind wir gleichfalls in der Lage, auf Grund der neuesten Ihnen vorliegenden Berechnungen Dr. Ruppins von Ende Juli eine wesentlich günstigere Darstellung zu geben, als es Dr. Bodenheimer getan hat. Wir kommen danach zu dem Ergebnis, daß das einzig durch die Lehrfarm Kinereth entstandene Defizit der P. L. D. C. Ende dieses Geschäftsjahres (am 30. September) noch keine 2000 U betragen wird. Die Lage der Gesellschaft ist demnach durchaus keine beängstigende. Es kommt noch hinzu, daß bei den steigenden Landwerten in Palästina nach einigen Jahrzehnten auch die Pachtraten von Kinereth schon viel höhere sein werden als jetzt, so daß, selbst wenn wir von allen anderen Gewinnchancen absehen, aller Wahrscheinlichkeit nach das Defizit im Laufe der Pachtzeit von 98 Jahren schon durch Kinereth selbst längst wieder aus der Pacht herausgeholt sein wird. Aber auch die zu verkaufenden Kerak-Parzellen würden schon allein genügen, um das ganze Defizit zu decken. Ein wirkliches Defizit ist übrigens wahrscheinlich überhaupt nicht vorhanden, da ihm ein innerer Mehrwert von Kinereth entspricht, z. B. durch Anlage von Wegen, Aufstellung von Zäunen, Abgrenzung von Gräben, Ameliorationcn, die sich buchmäßig in ihrer Höhe nicht gut bestimmen lassen und daher unter die Aktiva nicht aufgenommen sind. Der vom letzten Kongreß bezüglich der Agitation für die P. L. D. C. gefaßten Resolution kann man einen gewissen Erfolg nicht absprechen, indem die Kapitalzunahme dieses Geschäftsjahres sich auf etwa 2500 £ stellen wird, immerhin besitzt leider die weitaus größte Zahl unserer Gesinnungs- *) Neuerdings eingegangene Berechnungen seitens des Leiters der Oelbaumpflanzungen, Herrn Wilkanskv, ergeben sogar, daß die Pflanzungskosten eines Baumes viel weniger als 6 M. betragen werden, falls die Pflanzung stark ausgedehnt wird. Die Kosten werden schon bei den in den nächsten Jahren in Benschemen gepflanzten Bäumen nach seinen Berechnungen sehr gering sein, nämlich 4,40 M. für die 1912/13 und 3,40 M. für die 1913/14 zu pflanzenden Oelbäume, also 3 -4 mal weniger als die zuerst, nämlich 1909—1911 gepflanzten Bäume. 1099 genossen noch keine einzige Aktie dieser Gesellschaft, und manche große Länder, wie Amerika und Südafrika, sind fast noch gar nicht an der P. L. D. C. beteiligt. Eine rege Propaganda ist aber um so mehr zu wünschen, als die bisherigen eingelaufenen ,Gelder in der Farm Kinereth festliegen, so daß es der Gesellschaft augenblicklich an größeren Geldmitteln für Kauf- und Parzellierungszwecke fehlt. Gerade in einem Lande wie Palästina, wo es keinen regulären Markt für Güter gibt, es sich vielmehr fast stets um Gelegenheitskäufe handelt, ist es von der allergrößten Wichtigkeit, für solche Zwecke stets beträchtliche Mittel parat zu halten. In der ersten Zeit unserer Tätigkeit in Palästina konnte noch die A. P. C. sich mit Landkäufen befassen, dann der N.-F., beide Institutionen sind aber jetzt aus verschiedenen Gründen nicht mehr in der Lage dazu; um so dringender ist die Notwendigkeit, daß die P. L. D. C. selbst ihr Kapital rasch vermehrt. Daß die bisherigen Leistungen der P. L. D. C. für die Kolonisation in Palästina ganz gewaltige sind, wird mit Recht auch von Dr. Bodenheimer besonders rühmend hervorgehoben. In Galiläa war die P. L. D. C, wie Dr. Ruppin mit Recht betont, der Schrittmacher des N a t i o n a l f o n d s, und überhaupt der Schildträger der gesamten jüdischen Kolonisationsarbeit in Palästina; Kinereth, Dagania, Poriah, Merchawja, Dschemama und Bir Adas, das sind sprechende Beweise hierfür. Aber auch in Judäa hat die P. L. D. C. im Verein mit anderen Gesellschaften und Privatleuten erkleckliches geleistet. Nachdem nun die P. L. D. C. einmal die Bahn geebnet hat, bedarf vielleicht der N.-F. keines Schrittmachers mehr, wohl aber eines Instrumentes, welches in seinem Auftrag diejenigen Arbeiten leistet, die ihres geschäftlichen Charakters wegen oder aus anderen Gründen vom N.-F. nicht in eigener Regie ausgeführt werden können; und dieser nationalen Aufgabe wird sich die P. L. D. C. nie entziehen; man muß ihr aber die Möglichkeit dazu geben, und das kann man nur dadurch, daß man sie durch Kapitalvermehrung aktionsfähig macht. Auch in bezug auf die Aussichten des K e r a k - Projektes können wir uns, ebenso wie Dr. Ruppin, der Ansicht Dr. Bodenheimers nicht anschließen. Wir halten die Aussichten dieser Villenkolonie am Tiberiassee für durchaus gut und sind nicht der Ansicht, daß die Käufer der Parzellen sich vielleicht Illusionen hingeben. Die bisherigen Reflektanten sind sämtlich wohlhabende Privatleute, und zwar Gesinnungsgenossen, die sich nach einem ruhigen und schönen Landaufenthalt sehnen und entweder die Gegend persönlich kennen oder von solchen dazu bestimmt wurden, ihre Parzellen zu belegen. Keiner von ihnen rechnet hierbei auf die Entwicklung der Tiberiasbäder, es sind überhaupt keine Spekulanten, sondern Leute, die an der* romantischen Lage des Ortes ihre Freude haben und gern die kleine Summe gegeben haben, um sich ein Vorzugsterrain für ein schönes ländliches Retugium zu sichern. Wir zweifeln auch nicht daran, daß wir ohne irgendeine Agitation in kurzer Zeit außer den 15 schon verkauften auch noch für die übrigen nicht sehr zahlreichen Parzellen Liebhaber gefunden haben werden, so daß unseres Erachtens die Zeit, wo wir dort eine Anzahl schmucker Villen entstehen sehen, nicht mehr fern ist. Was endlich den Bezalel betrifft, so ist er Herrn Hoofien für die Anregungen, die er in bezug auf Buchführung und Kontrolle gegeben hat, sehr dankbar, und hat sich auch bereits denselben angepaßt. Mit Genugtuung konstatiert die Leitung des Vereins, daß auch Herr Hoofien nach gründlicher Prüfung der Verhältnisse zu der Ansicht gelangt ist, daß vorläufig eine organisatorische Trennung von Schule und