Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1912-09-06 · 36 (6.9.1912) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
36 (6.9.1912)
Date
1912-09-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3316514-3316550--56434-3350313
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1098 die: Aber auch die S e ß h a f t m a c h u n g der aus O s t - e u r o p a stammenden Arbeiter, die sich teilweise als Pioniere so verdient gemacht haben, müßte natürlich weiter betrieben werden. Während die billigen Jemenitenhäuser ohne strengere Bedingungen den Neu-Einwandernden zur Verfügung gestellt werden können, da die an die bescheidensten Lebensverhältnisse gewöhnten Leute sich den palästinensischen Verhältnissen fast ohne Ausnahme gut anpassen, bedarf es bei den kräftigeren, aber schwerer zu befriedigenden Osteuropäern schon gewisser Garantien, und es ist daher der Vorschlag des Palästina-Amtes sehr erwägenswert, daß der N. F. zwar jährlich auch eine Anzahl dieser bedeutend teureren Baulichkeiten errichte, sie aber nur solchen Arbeitern zur Verfügung stelle, die erstens eine Reihe von Jahren in Palästina gearbeitet haben und zweitens durch Ersparung einer kleinen Summe einen Beweis ihrer Wirtschaftlichkeit gegeben haben; ferner sollen unter den Bewerbern die bevorzugt werden, die Ottomanen geworden sind und unter diesen solche, die ihrer Militärpflicht genügt haben. Auf die anderen Förderungsmittel der bestehenden Kolonien einzugehen, würde zu weit führen. Es sei nur darauf hingewiesen, dar) wir grobe Mühe darauf verwenden, die einseitige Wirtschaftsmethode durch gemischte Wirts c haften zu ersetzen, daß Gemüsebau, Viehzucht und Molkerei sowie Geflügelzucht ermuntert werden, und daß besonders die Heranb i 1 d u n g d er Fr a u e n zu tüchtigen Kolon istinn e n im Vordergrund unseres Interesses steht, alles das Forderungen, die der letzte Kongreß in Resolutionen ausgedrückt hat. Wir hoffen, daß der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, der schon einen so schönen Anfang mit der Gründung einer Mädchenfarm in Kinereth gemacht hat, auf diesem Wege kräftig fortschreiten möge, wobei er unserer nicht nur moralischen Unterstützung sicher sein darf. Die durch uns kürzlich ins Leben gerufene landwirtschaftliche hebräische Zeitschrift „Hachaklai" wird hoffentlich gleichfalls dazu beitragen, die palästinensische Landwirtschaft zu heben, ebenso die durch uns mit Barmitteln unterstützten 1 a n d w i r t s c h a f 11 i c h e n L e h r k u r s e , welche diesen Sommer in Sichron Jacob unter einer überaus großen Beteiligung stattgefunden haben. Die Errichtung der von uns seinerzeit angeregten 1 a n dw i r t s c h a f 11 i c h e n V e r s u c h s s t a t i o n hat in diesem Jahr sehr erfreuliche Fortschritte gemacht, die Versuche betreffend Einführung neuer Kulturen und Verbesserung der alten sind in bestem Gange, und besonders zu begrüßen ist es, daß ihr auch durch die Hochherzigkeit des Herrn Nathan Strauß eine (iesundheitsstation angegliedert werden konnte. Die Einführung von Hausindustrie in den Kolonien hat gleichfalls Fortschritte gemacht, die Spitzenindustrie in Ekron entwickelt sich zufriedenstellend, und auch andere Kolonien bewerben sich beim Frauenverband um die Einführung derselben. Die Kolonie des Bezalel in Benschemen, in der bisher 15 jemenitische Familien als Filigranarbeiter angesiedelt sind, soll mit Hilfe des N.-F. vergrößert werden, da es sich herausgestellt hat, daß sie zur rentablen Selbsterhaltung zu klein ist. Schließlich mag erwähnt werden, daß bei Ermangelung eines regulären Agrarkreditinstitutes der N.-F. sich für verpflichtet hält, der A. P. C. weitere Mittel für langfristige, ländliche Betriebs- und Ameliorationskredite zur Verfügung zu stellen, womit er einer Forderung des letzten Kongresses entspricht. Die Wichtigkeit eines solchen Agrarfonds ist erst kürzlich in einer den Mitgliedern des A.-C. zugesandten Broschüre klar zum Ausdruck gebracht worden. Von besonderer Bedeutung, wenn auch ungleich schwieriger, sind die auf Gründung neuer Kolonien ge- EELT y Nr. 36 richteten Bestrebungen, die viel Arbeit und Geldmittel erfordern. In diesem Jahre handelte es sich streng genommen nicht um Schaffung neuer Kolonien, sondern um den Ausbau einiger Niederlassungen, und zwar ist es speziell Da^ania, das seitens des N.-F. von der P. L. D. C. wieder zurückübernommen wurde, und das jetzt als Siedlungsgenossenschaft einer intensiveren Bebauung entgegengehen wird. Auch die Parzellierungstätigkeit durch die P. L. D. C. hat erfreuliche Fortschritte gemacht, so daß von den <)000 Dunam jetzt nur noch etwa 2000 unverkauft geblieben sind. Auch die beiden in eigenem Betrieb des N.-F. stehenden Güter entwickeln sich zusehends, und auch bei einer weiteren Besitzung ist es nach vieler Mühe endlich gelungen, die Zusammenlegung der vielen zerstreuten Parzellen in eine kleine Anzahl durchzusetzen, so daß man jetzt an die Verwertung dieses guten und gesunden Landes denken muß. Einige neue K ä u f e sind eingeleitet, sowohl in Judäa als auch in Galiläa und Samaria, und in Anbetracht der leider noch sehr geringen Mittel, über welche unsere Institutionen zu solchen Zwecken verfügen, können wir wohl behaupten, daß unsere kolonisatorische Tätigkeit überaus erfolgreich gewesen ist. Auch die städtische Siedlung ist in den Berichtsjahren bedeutend gefördert worden. Nicht nur entwickeln sich die kulturellen Zentren, Gymnasien usw. gut, worauf noch ein besonderes Referat näher eingehen wird, sondern auch die Anlage neuer Stadtviertel in den verschiedenen Städten macht mit Unterstützung unserer Institutionen schnelle Fortschritte,, und wir dürfen hoffen, daß in nicht zu ferner Zeit in Haifa und Jerusalem Viertel entstehen werden, die hinter dem vielgepriesenen Tel-Awiw in Jaffa nicht zurückstehen werden, ja sogar Tiberias soll ein modernes Viertel erhalten. Auch die Industrie und das Kunstgewerbe schreiten dank der Tätigkeit des Bezalel und des Frauenverbandes gut vorwärts, und die Bethlehemer Perlmutterindustrie soll auch in die jüdischen Zentren übertragen werden. Den Fremdenverkehr mehr in jüdischem Sinne zu beeinflussen, versuchen wir durch Reiseführer, Prospekte, Anregungen zum Hotelbau usw. Auch größere Projekte, Errichtung von Fabriken, von Kleinbahnen, von Bädern usw. sind andauernd in Bearbeitung;, fortwährend entstehen neue Ideen, die geprüft und bearbeitet werden müssen; mit Anregungen wird unser Palästinaamt fast überschüttet, und wenn auch nur ein kleiner Teil derselben zur Ausführung gelangen kann, so ist schon dies für das Land ein ungeheurer Segen. Wie Sie sehen, an Arbeit fehlt es nicht, gearbeitet wird hüben und drüben stark, und wir dürfen wohl mit Befriedigung sagen, auch erfolgreich. Zum Schluß sind noch einige Bemerkungen nötig in bezug auf die drei Institutionen der Oelbaumspende, der P. L. D. C. und des Bezalel, wobei wir wohl den Bericht von Dr. Bodenh e i m e r als bekannt voraussetzen können. Was die Oelbaumspende betrifft, so ist das E. A. C. durchaus der gleichen Ansicht wie Dr. Bodenheimer, daß sie einen Teil des N.-F. bildet, indem sie im Rahmen des N.-F. spezielle Zwecke verfolgt. Die Vereinsform der Oelbaumspende wurde seinerzeit nur der Zweckmäßigkeit wegen gewählt und ist in dem Augenblick aufzugeben, wo sie sich als überflüssig herausstellen sollte. Was hingegen die Kostenberechnung eines Oelbaumes betrifft, so sind wir nicht der Ansicht, daß sich schon jetzt ein abschließendes Urteil fällen läßt über die Oelbaumwälder in Benschemen und Hulda, geschweige denn über event. später anzulegende Wälder, bei denen ganz andere Erfahrungen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.