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Die Welt · 1912-09-06 · 36 (6.9.1912) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
36 (6.9.1912)
Date
1912-09-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 36 gebührt. Es ist doch höchst bedauernswert, und es konnte nicht ohne üble Folgen für uns bleiben, daß in manchen Preßorganen und falsch informierten Kreisen das groteske Märchen kolportiert worden ist, als ob der Zionismus eine Bewegung darstellte, die eine einseitige politische Richtung bedeutet. Sowohl durch unsere eigene Nachlässigkeit wie durch dieses alberne Gerücht wurde die öffentliche Meinung Englands uns einigermaßen entfremdet. Wir hielten es daher für unsere Pflicht, auch in England eine Aufklärungsarbeit zu leisten. Es ist hier nicht der Ort, auf Details einzugehen; wir können hier nur allgemeine Gesichtspunkte aufstellen. Wir haben in England nach allen Richtungen, in verschiedenen Kreisen der öffentlichen Meinung, unter den Vertretern der Politik, der Presse und der Literatur Beziehungen angeknüpft, von denen wir absolut sicher sind, daß sie uns jene moralische Unterstützung gewähren werden, die eine Vorbedingung für ein gedeihliches Zusammenarbeiten auch mit den besten Kulturelementen Englands für unser zionistisches Werk darstellen würde. Wir waren in der glücklichen Lage, mit aller Bestimmtheit feststellen zu können, daß die früheren Sympathien englischer Kreise für den Zionismus nur eingeschlummert, aber nicht verschwunden sind, im Gegenteil, wir können jetzt, in Anbetracht unserer praktischen Leistungen in Palästina und der sich mehrenden Symptome unserer nationalen Wiedergeburt in englischen Kreisen den größten Sympathien begegnen, die sich mit der Zeit und unter günstigen Umständen auch zu einer nützlichen moralischen Förderung entwickeln können. Es ist klar, daß eine solche Arbeit nicht im Handumdrehen zu machen ist. Aber eins ist für die Richtung der öffentlichen Meinung in England bezeichnend: Man mochte sich auch sehr vernünftigen und sehr sympathischen Projekten verschließen, aber man kann sich den Lebenserscheinungen und der Arbeit im Orient nicht verschließen. Je mehr wir uns durchsetzen, je mehr wir unsere Kraft entwickeln, je historischer, eigenartiger und nationaler unser Werk in Palästina wird, desto mehr werden wir verstanden, und desto hoffnungsvoller werden die Freunde des jüd'schen Volkes gestimmt. Es ist ein Anfang, der zu rüstigein Fortschreiten auf der gleichen Bahn ermuntert. Wir haben die feste Zuversicht, daß ein großer Kreis ausschlaggebender Faktoren in England unser Werk durch weise Ratschlüsse fördern und uns in moralischer Beziehung behilflich sein wird. Der Boden ist hierfür vorbereitet worden, aber die Arbeit muß mit der allergrößten Energie weiter betrieben werden. Dies gilt auch für alle anderen Länder der Diaspora. An diesem Werk müssen alle unsere Freunde mitarbeiten* Wir haben den Rahmen für diese Arbeit geschaffen, und wir werden je nach den Verhältnissen den Rahmen erweitern. Die Linie dieser Arbeit wird ganz parallel laufen mit unserer eigentlichen selbständigen und bedingungslosen Arbeit in Palästina. In der nächsten Zukunft werden realpolitische Erwägungen für den Zionismus entscheidend sein, und die Organisation kann auch ihrerseits nichts besseres tun, als stets auf eine reale Grundlage ihrer Bestrebungen bedacht zu sein, wie sie sich in unseren Kongreßbeschlüssen bieten. Dadurch verliert der Zionismus nichts von seinem politischen Charakter, im Gegenteil, er gewinnt erst einen solchen Charakter. Denn eine politische Rücksichtnahme fordern wir für unsere ganze Arbeit, die nur ein Ausfluß unserer grundsätzlichen Bestrebungen ist. Was wir über allem Zweifel klar feststellen können, ist der Umstand, daß unser System, die Leistungsfähigkeit unseres Volkes in Palästina lebendig vor die Augen zu führen, den besten Weg zeigt, die öffentliche Meinung allmählich zu gewinnen. Die Besprechungen in England haben utiu in dieser Ueberzeugung bestärkt. Es ist für uns ein auf- 1097 richtendes Bewußtsein, daß wir zwar noch sehr viel zu arbeiten haben, aber daß wir auf dem rechten Wege mit unserer Arbeit sind. Wir werden aber diesen Grundsätzen treu bleiben und auf streng nationaler Grundlage und im engen Anschluß an das ottomanische Reich und an die öffentliche Meinung der ganzen Welt weiter arbeiten. Wir möchten uns zu allerletzt mit möglichster Klarheit und Kürze ausdrücken: Es handelt sich nicht darum, einmal an eine Regierung heranzutreten und irgendeine Bewilligung zu erlangen. Wir sind aus dem Stadium der tastenden Versuche heraus. Unsere Arbeit ist eine stetige, unaufhörliche und systematische. Wir werden nicht aufhören, uns zu orientieren, die öffentliche Meinung aufzuklären, Beziehungen anzuknüpfen und Sympathien zu wecken. Mit Genugtuung können wir konstatieren, daß die Resultate der letzten Bemühungen günstig waren, und daß wir überzeugt sind, daß wir vorwärts kommen werden. Hierauf ergreift Herr Prof. Warburg das Wort. Bericht Professor Warburgs über unsere Tätigkeit in Palästina Sehr geehrte Herren! Die Palästina-Arbeit des vergangenen Jahres zeichnet sich durch besondere Intensität aus. Es wurden unsere Vertrauensmänner durch die Monatsberichte und die Veröffentlichungen in unserer Presse darüber genügend auf dem laufenden gehalten, so daß es sich wohl erübrigt, hier auf alle Einzelheiten unserer Tätigkeit einzugehen. Was aber die Richtlinien betrifft, so sind dieselben in dem Ihnen zugekommenen und vorliegenden Bericht von Dr. Ruppin in so klarer und eingehender Weise niedergelegt, daß es sich erübrigen würde, hier das gleiche zu wiederholen. Nur die wichtigsten sowie die strittigsten Punkte mögen hier besprochen werden. Ich möchte noch erwähnen, daß wir ja auch der Reise Dr. Bodenheimers und Herrn Hoofiens nach Palästina manche Aufklärung verdanken und daß wir sowohl von ihnen als auch von den übrigen hier anwesenden Mitgliedern der Jahreskonferenz, die Palästina im letzten Jahre besucht haben, vor allem Dr. Tschlenow, wohl noch manche schätzbaren Einzelheiten erfahren werden. Dr. Ruppin stellt mit Recht die ländliche Arbeit in Palästina an die erste Stelle und teilt sie ein in die Konsolidierungstätigkeit der bisherigen Kolonisation und in die auf Expansion der Kolonisation gerichteten Tätigkeit. Was die erstere betrifft, so ist vor allem zu nennen die Schaffung von Arbcitcrhcimen in P e t a c h - T i k w a h und C h e d e r a und die Erbauung von Einzelhäusern für A r b e i t e r f a m i 1 i e n in den Kolonien Rcchoboth, Rischon le Zion, Petach Tikwah, Kafr Saba und Chedera, womit einem auf dem letzten Kongreß gefaßten B-schluß genügt wurde. Sehr wichtig ist die Ein w a n d e r u n g v o n m e h r als 1000 Jemeniten. Es ist klar, daß die Unterbringung einer so großen Zahl von Einwanderern ganz außerordentliche Anforderungen an uns gestellt hat und zweifellos noch für Jahre hinaus stellen wird. Aber da wir davon durchdrungen sind, daß hierdurch eine für unsere Bestrebungen hervorragend wichtige Arbeit geleistet wird, so sind wir der Ansicht, daß kein Opfer hierfür zu groß ist, und wir erwarten, daß auch das Zentralkomitee seinen Willen dahin unzweideutig zu erkennen geben wird, daß der Nationalfonds auf diesem Wege mit aller Energie fortschreitet. Wir hoffen hierbei nicht nur auf die Munifizenz unserer wohlhabenden Gesinnungsgenossen, sondern erwarten auch, daß jede zionistische Ortsgruppe es sich zur Ehre anrechnet, mindestens ein Haus in Palästina zu errichten. DIE3^ELT

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