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Die Welt · 1912-09-06 · 36 (6.9.1912) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
36 (6.9.1912)
Date
1912-09-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1096 DIE^ELT Nr. 36 wir dieses Etwas schaffen. Erst dann haben wir einen ganz klaren Zweck für unsere politische Arbeit, nämlich unserer Arbeit bei der Außenwelt zu einer besseren Würdigung zu verhelfen. 3. Kulturpolitik. Da wir weder Machtgelüste haben, noch diplomatische Kombinationen zur Geltung bringen können oder wollen, müssen wir naturgemäß das Schwergewicht unserer Bemühungen in die Zusammenhänge verlegen, die unsere positiven Arbeiten in Palästina und die tatsächlichen Momente unserer nationalen Auferstehung zwischen uns und anderen Völkern schaffen werden. Um diesen Gedanken zu verstehen, muß man freilich den Begriff ,,Politik14 etwas tiefer fassen, als für gewöhnlich geschieht. Vor allem muß man sich klar machen, daß das Wort ,,Politik" durchaus nicht einen Angriff auf irgendein bestehendes Staatsgebilde bedeutet; wäre dies der Fall, dann müßten wir jedes Unternehmen dieser Art zurückweisen. Politik nach außen bedeutet für uns eine Orientierung unserer Methoden nach den bestehenden politischen Verhältnissen. Der Ausgangspunkt jeder Entwicklung ist für uns die große Regenerationsarbeit, die wir im Orient machen. Zwischen dieser Arbeit und den Nationen, die auf diesem Gebiete in Betracht kommen, spinnen sich tausendfache kulturelle und wirtschaftliche Fäden, deren Stärkung und richtige Verbindung uns als eine Aufgabe erscheint, die als ein vollberechtigter Bestandteil unseres Arbeitsprogramms betrachtet werden muß. 4. O e f f e n 11 i c h e Mein u n g. Wenn wir von Machtfaktoren sprechen, so handelt es sich hauptsächlich um die öffentliche Meinung der Welt. Mit den Regierungen haben wir nur insofern Berührungspunkte für den Zionismus, als es sich um die Arbeit der zionistischen Bewegung in den verschiedenen Ländern handelt. Für unsere Palästinaarbeit liegt, wie bekannt, die Voraussetzung in einer unerschütterlichen Verfassungsmäßigkeit und in einer vollständigen Harmonie mit der Entwicklung des ottomanischen Reiches. Aber unser Werk ist ja ein kolonisatorisches Werk, und wir befinden uns auf einem Gebiete, auf dem die Tüchtigsten unter den Nationen wetteifern. Es handelt sich ja um den Orient, der ein Schauplatz intensiven Unternehmungsgeistes seitens großer Kulturnationen geworden ist und immer mehr wird. Deshalb ist es notwendig, nicht nur die frühere Stellungnahme zu verschiedenen Kreisen aufrecht zu erhalten, sondern noch weitere zu schaffen. Wir sind im Grunde allen Machtfaktoren gegenüber vollständig neutral. In seltsamer Verkennung der eigentlichen Zwecke des Zionismus werden von Zeit zu Zeit, bald nach dieser, bald nach jener Richtung Verleumdungen ausgestreut, die uns als Helfershelfer irgendeiner speziellen Politik darzustellen suchen. Dies ist ein störendes Moment in unserer Arbeit, das bekämpft werden muß. Wir haben keinen anderen Zweck als unseren eigenen; unser eigener Zweck kann niemandem schaden, im Gegenteil, er kann vielen nützen. Dies durch die Tat zu beweisen, ist Aufgabe der Palästinaarbeit; durch Wort - Aufgabe der Politik und der Propaganda. Es ist selbstverständlich, daß wir für unsere Palästinaarbeit ganz besonders auf Beziehungen mit den Nationen angewiesen sind, die einen besonderen Sinn und Interesse für diese Arbeit haben. Es ist dies nicht eine tendenziöse Neigung und bedeutet nicht etwa ein Gravitieren nach einer Seite, sondern es ist ein Gebot tatsächlicher Verhältnisse. Wir bestreben uns, überall Beziehungen zur öffentlichen Meinung zu gewinnen, weil wir alles, was wir machen, im vollen Licht des Tages ausführen und entwickeln wollen. Uns liegt es in allen Ländern daran, Berührungspunkte mit nichtjüdischen Kreisen zu schaffen, sie in alle Details unserer Arbeit einzuweihen und womöglich gegenseitige Verbindungen anzubahnen. Von diesem Bestreben beseelt, standen wir in einem regen Briefwechsel mit unseren Freunden in verschiedenen Ländern, machten ihnen Mitteilungen über manche Pläne und erteilten ihnen Instruktion, wie sie für uns in nutzbringender Weise wirken können. Dieser Briefwechsel hat manchen treffenden Gedanken erzeugt und manche gute Anregung gefördert. In dieser Richtung werden wir zäh und ausdauernd in der Ueberzeugung weiterarbeiten, daß ein harmonisches Zusammenwirken unserer Vertrauensmänner in den verschiedenen Ländern zu günstigen Resultaten führen wird. Nachdem wir die leitenden Gedanken unseres Programms und die Methode unserer Arbeit dargestellt haben, möchten wir Ihre besondere Aufmerksamkeit auf einen Punkt lenken, der uns im Laufe der letzten Monate ganz besonders in Anspruch genommen hat. Dieser Punkt ist eine Neuorientierung in England. Wir haben seit der Entstehung der zionistischen Organisation den allergrößten Wert darauf gelegt, neben der selbstverständlichen unbedingten Loyalität für das ottomanische Reich und der Fühlungnahme mit allen anderen Kulturvölkern, die sich für den Orient interessieren, gute Beziehungen für diesen Zweck auch mit dem großen und freien britischen Volke anzuknüpfen und zu pflegen. Eine Reihe historischer und psychologischer Momente verleiht diesen Beziehungen einen ganz besonderen Wert. Zunächst dürfen wir nicht vergessen, daß das englische Volk seit jeher in einer ganz besonderen Weise auf die Judenfrage im allgemeinen reagiert. Wir möchten keine Schönfärberei treiben und die Tatsache nicht verschleiern, daß sich besonders in den letzten Jahren auch in England so etwas wie eine Judenfrage regt. Auch in England hängt der Himmel nicht voller Geigen für das wandernde Judenvolk, und das Gespenst einer Fremdenfrage hat auch dort zu spuken begonnen. Nichtsdestoweniger war und bleibt England das Land, in dem das Judenleid das größte Mitgefühl und die grausamen Verfolgungen den schärfsten Protest hervorgerufen haben und, wie wir hoffen, immer hervorrufen werden. Wir müssen auch das besondere Verhältnis Englands zum Orient und zu Palästina berücksichtigen. Kein Volk der Welt hat größere Sympathien und ein intensiveres Interesse für die Reformen im ottomanischen Reiche, als das englische. Zu den schätzbarsten Freundschaften europäischer Völker für das ottomanische Reich gehört die Freundschaft des englischen Volkes. War ja das Prinzip der Unverletzlichkeit der Türkei ein Vermächtnis eines englischen Staatsführers, der dem jüdischen Stamme angehörte und der seinerzeit über die zerschlagene und zerrüttete Türkei seine schützende Hand hielt: Benjamin D. Israeli. Auch beruhen die Beziehungen des englischen Volkes zu Palästina nicht nur in religiöser, sondern auch in politischer Richtung auf altehrwürdigen Traditionen. Es bandelt sich nur darum, diese Traditonen wieder ins Leben zu rufen, um die Zionsliebe der Engländer auf ihren gesunden Kern zurückzuführen, um zugleich mit der Sympathie seitens anderer großer Völker auch von Seiten der Engländer, die doch auf dem Gebiete der Kolonisation eine hervorragende Rolle spielen, schöpferische Impulse und nützliche Ratschläge zu erhalten. Dieses Gebiet wurde von uns in den letzten Jahren etwas vernachlässigt, und nur unsere eigene Nachlässigkeit mag der Grund sein, daß der Zionismus in England bei weitem nicht die Stellung einnimmt, die den Einfluß ausübt, der ihm nach allen historischen und gegenwärtigen sachlichen Verhältnissen

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