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Die Welt · 1912-08-30 · 35 (30.8.1912) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
35 (30.8.1912)
Date
1912-08-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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III 1 I Nr. 35 DIE^ELT 1059 Wenn die Grundlinien der politischen und kolonisatorischen Arbeit erörtert sind, wird sich das Zentralkomitee mit dem Gebiet der Organisation und Propaganda zu befassen haben. Das E. A. C. mißt diesen Punkten unseres Programms große Bedeutung bei, und nur Böswilligkeit kann bestreiten, in welchem Maße sich die von ihm in dieser Bteziehung vertretenen Prinzipien bereits jetzt bewährt haben. Auf der ersten Sitzung des Großen A. C. nach dem Kongreß machte sich gegen die großzügigen Pläne des E. A. C. eine gewisse Opposition bemerkbar. Es wurde der Leitung eine Spartaktik empfohlen und die geplanten Reisen nach verschiedenen Ländern als unnütze Ausgaben bezeichnet. Möglicherweise werden sich auch auf der bevorstehenden Tagung des Zentralkomitees solche Stimmen vernehmen lassen, aber wir hoffen, daß sie ohne Einfluß bleiben werden. Wir fordern — und das ist heute die Forderung aller Glieder der zionistischen Organisation —, daß die Leitung der zionistischen Bewegung eine nationale Kraftquelle sei, daß Leben und Bewegung von ihr ausgehe, daß ein enger Kontakt zwischen dem E. A. C. und den Landes Organisationen bestehe, daß unsere Zentrale Organisatoren und Agitatoren entsende, daß die Mitglieder und Beamten der Leitung sich in wahrhaft demokratischem Geiste als Diener des Volkes betrachten, daß sie hinausgehen und auf allen Gebieten zionistischen Lebens und zionistischer Tätigkeit als Helfer und Werber, als Vorbild und Verkünder unserer Idee erscheinen. Dazu müssen Reisen unternommen, Konferenzen und Versammlungen abgehalten, Schriften herausgegeben werden. Die Mittel hierfür müssen beschafft werden, und wer da widerspricht, verrät nicht kaufmännischen Geist, sondern krämerhafte Gesinnung. In diesem Geist großzügiger nationaler Propaganda hat Herzl unsere Organisation geleitet, und diesen Geist wollen wir erhalten sehen. Politische und kolonisatorische Erfolge hängen nicht nur von uns, sondern auch von äußeren Umständen ab. Die Art und Weise aber, wie wir unsere Organisation lenken und unsere Idee ausbreiten, ist nur von unserem eigenen Willen abhängig. In dieser Frage gibt es kein Schwanken und keine Kompromisse. Wir sind kein Wohltätigkeitsverein und kein Kramwarenladen, sondern eine nationalpolitische Organisation, die unablässig kämpfen und werben muß. Geben wir dies auf, weil wir „sparen" wollen, so ist unsere Sache verloren. Daß wrir uns mit den vorhandenen Mitteln einrichten, uns nach der Decke strecken müssen, ist eine billige Weisheit. Sie wird zum Segen, wenn sie überflüssige Ausgaben beseitigt, und wird zum Fluch, wenn sie das Unerläßliche nicht erkennt. Das E. A. C. fordert in seinem Etatsentwurf für das nächste Jahr an Schekeln und Zentralfondsbeiträgen 200000 M. — ein Minimum, das im Hinblick auf die Größe unserer Aufgaben immer noch als höchst ungenügend bezeichnet werden muß. Unsere Organisation ist sehr wohl imstande, diese Summe aufzubringen — wenn sie richtig geleitet wird und wenn das nötige Vertrauen zur Leitung besteht. Auf dieses Vertrauen aber kann das jetzige E. A. C. gerade unter Berücksichtigung seiner propagandistischen und organisatorischen Leistungen vollen Anspruch machen, und wir glauben, daß dieses Vertrauen im Zentralkomitee seinen Ausdruck finden wird. Wenn nicht unvorhergesehene Zwischenfälle eintreten, werden die Eingänge für Schekel und Zentralfonds für das Jahr 1911/12 die Ausgaben decken — zum erstenmal seit Bestehen unserer Organisation — und damit allein hat das E. A. C. schon den Beweis erbracht, daß es zu wirtschaften versteht. Demnach werden die Garantiesummen, welche nach dem letzten Kongreß gezeichnet wurden, um ein eventuelles Defizit zu decken und unsere Bank vor Schaden zu bewahren, gar nicht oder nur in ganz geringem Umfange in Anspruch genommen werden. Damit wäre endlich die finanzielle Gesundung unserer Organisation erreicht. Um dieser aber zu einer dauernden Gesundung zu verhelfen, muß die Tätigkeit der Zentrale noch immer weiter ausgedehnt werden, denn nur wenn Leben von ihr ausgeht, wird ihr Vertrauen entgegengebracht, und mit dem Vertrauen auch die Mittel, die uns jetzt noch fehlen. Diesen Finanzfragen wird das Zentralkomitee ebenfalls besondere Aufmerksamkeit widmen, und wir hoffen bestimmt, daß seine Beschlüsse sich in der hier entwickelten Richtung bewegen werden. Mit Ernst und Entschiedenheit, der schweren Verantwortung bewußt, lenkt das Actions-Cornite die Geschäfte der zionistischen Organisation. Es will das Vertrauen der zionistischen Oeffentlichkeit gewinnen, in welchem es den unerläßlichen Rückhalt für seine Tätigkeit sieht. Wir meinen, daß das verflossene Jahr unserer Leitung bereits ein Anrecht auf solches Vertrauen gibt. Ist dies der Fall, so soll es sich in Taten umsetzen, denn nur die tätige Mitwirkung aller Gesinnungsgenossen sichert uns den Fortschritt unserer Sache und ihren endgültigen Sieg. Es ist unser Wunsch, daß die Tagung des Zentralkomitees jenes Vertrauen befestige und jene Taten vorbereite. In diesem Sinne heißen wir alle Mitglieder des Zentralkomitees und die Gäste, die den Beratungen beiwohnen werden, willkommen. Wenn der Geist brüderlicher Einigkeit und aufrichtigen Vertrauens «unter uns waltet, so werden alle Schwierigkeiten überwunden werden, denn „nicht die Gewalt der Arme, noch die Tüchtigkeit der Waffen, sondern die Kraft des Gemütes ist es, die Siege erringt." R. L. s hl &m

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