Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 34 (23.8.1912)
- Date
- 1912-08-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Beirut 2× ep/1047833
- Haifa 1× ep/1047930
- Lod 1× ep/1045074
- Safed 1× ep/1046078
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1038 DIE ELT: Nr. 34 Bearbeituno- und muß mit dem Pflug oder dem Spaten drei- bis viermal im Jahr, und zwar im Winter oder zeitlich im Frühling, gelockert werden. Nach dem Umgraben wird der Boden gelegentlich gedüngt, aber dies ist nur alle zwei bis drei Jahre nötig; als bester Dünger gilt für diesen Zweck Ziegenmist. Beim Pflanzen neuer Olivenhaine läßt man einen Abstand von je 20—24 Fuß (zirka 6—7\'?, m), und gelegentlich läßt man auch größere Zwischenräume1). Der durchschnittliche Olivenertrag eines unter günstigen Verhältnissen gepflanzten Baumes entspricht in fruchttragendem Alter einem Oelergebnis von 12 bis 15 Oka (ca. 15" L> bis 19\'i Kilo oder — bei einem spezifischen Gewicht von 0,917 ca. 14,1 bis 17,6 Liter). Der Oelbaum bringt nur jedes zweite Jahr eine volle Ernte. Dem sehr reichlichen Ertrag eines Jahres folgt oft ein fast kompletter Ausfall im nächsten. Dies scheint eine spezielle Eigenschaft des Baumes zu sein-), aber auch ungünstige klimatische Bedingungen, wie übermäßige Winterkälte oder Sommertrockenheit beeinträchtigen gelegentlich die Erträge. Die Früchte erreichen ihre volle Größe gegen Ende September. Bis zu dieser Zeit bleiben sie grün; dann nehmen sie eine Purpurfarbe an, und gegen Ende Oktober oder Anfang November werden sie schwarz. Das Einsammeln der Oliven wird gewöhnlich zur Zeit des Uebergangs von grün zu Purpur vorgenommen, weil die Früchte zu dieser Zeit den größten Oelreichtum haben sollen. Die Ernte geschieht in der Weise, daß man die Zweige schüttelt oder mit langen Stöcken schlägt. Diese Arbeit wird von Männern besorgt, während Frauen und Kinder die gefallenen Früchte einsammeln. Im Libanon-Gebiet läßt man die Oliven am Baume schwarz werden. Bei völliger Reife fallen sie dann ab und werden nun gesammelt. Der Erntelohn beträgt hier pro Tag 2—3 Piaster für Frauen und Kinder und 6—7 Piaster für Männer (6 Piaster sind etwa 1 Frs.). In den Distrikten von Lattakie, Akka, Nablus usw. sind die Löhne niedriger. Eine nicht unübliche Form der Entlohnung besteht darin, daß die Leute für jede 13 bis 14 Maß eingesammelter Oliven 1 Maß erhalten. Dies entspricht etwa 7—Sl»o des Ertrages. Die primitiven und im Lande selbst hergestellten Mühlen und Oelpressen findet man in großer Anzahl über das ganze Land zerstreut. Ihre mangelhafte und langsame Arbeitsweise machen die Oelgewinnung sehr mühevoll und verlustreich. Wenn die Früchte irgendwie länger lagern, so verderben sie und es setzt Gärung ein. Zur Gewinnung von Oel für Nahrungszwecke muß daher die Verarbeitung unmittelbar nach der Ernte vorgenommen werden. Da die Anzahl der Pressen bei weitem nicht für die schleunige Verarbeitung der Ernte reicht, so bleibt der größere Teil zu lange liegen und ist nun nur noch für die Seifenfabrikation zu brauchen. In manchen Distrikten, wie in Antakic, Tripolis und Nablus wird besonderer Wert auf das Seifenöl gelegt, während beispielsweise in der Gegend von Killis ausschließlich Speiseöl produziert wird. In der Herstellung dieses letzteren Artikels wird aber keine besondere Sorgfalt an den Tag gelegt, und ein Reinigen des Oeles ist unbekannt. Trotzdem bleiben die syrischen Oele ein volles Jahr gebrauchsfähig und be- ]) Die angegebenen Zwischenräume entsprechen etwa 200 bis 250 Bäumen per Hektar. — Der angegebene Oelertrag setzt ein Fruchtquantum von SO bis 100 kg voraus. Dies entspräche einem Ernte wert von ca. 12 bis 16 Francs pro Baum an Oliven, während der Oelertrag bei sorgfältigere/r Pressung erheblich mehr ergäbe. Der Olivenertrag pro Hektar von 200—250 Bäumen wäre nach obigem ca. 2400—4000 Francs pro Jahr. -) Dies trifft nicht zu, sondern liegt an den mangelhaften Erntemethoden. halten den Fruchtgeschmack, der von den Eingeborenen bevorzugt wird. Länger aufbewahrt, wird das Oel ranzig und dient dann der Seifenfabrikation. Eine Anzahl von Besitzern größerer Olivenhaine, besonders im Libanon, haben die primitiven Methoden aufgegeben und moderne Maschinen aufgestellt, die schneller arbeiten und eine größere Oelausbeute gewähren. Die Resultate sind zufriedenstellend, und die Anwendung moderner Maschinerie dürfte zunehmen. Die durchschnittliche Oelproduktion der syrischen Gebiete ergibt folgende Jahresziffern: Libanon und Beirut Nablus, Akka und Safed Jaffa nebst Distrikt Tripolis Lattakie, Banias und Distrikt Antakie und Dschisr Shur Killis Aintab, Harim Idlib Nisib, Biredschik 1 700 000 Oka 3 500 000 „ 2 000 000 „ 2 000 000 „ 700 000 „ 2 000 000 „ 1 500 000 „ 1 500 000 „ 1 300 000 „ 1 250 000 „ 17 450 000 Oka Dieses Quantum entspricht ungefähr 22 000 Tonnen, wovon die größere Hälfte (etwa 11000 bis 13 000 Tonnen) zu Seife verarbeitet werden. Der Rest findet als Speiseöl Verwendung und dient zum großen Teil dem inländischen Konsum. Der Preis für beide Arten von Oel schwankt erheblich je nach dem Ausfall der Ernte und ist auch in den verschiedenen Distrikten sehr verschieden. Immerhin zeigen die einzelnen Distrikte in sich bei weitem nicht so große Abweichungen, wie folgender Vergleich der Preise in den verschiedenen Distrikten sie ergibt (Preise per Oka und in Goldpiastern I8V2 Pf.): Produktionsgebiet Beirut und Libanon gutes Jahr..... schlechtes Jahr . . . Nablus- und Jaffa-Distrikt Lattakie gutes Jahr..... schlechtes Jahr . . . . Antakie — gutes Jahr . . Tripolis gutes Jahr..... schlechtes Jahr . . . . 4,90 bis 5,10 \ 8 I 6,25 4,40 6,40 bis 7,20 5,50 8 bis 10 Seifenöl 5,60 bis 6,40*) 5,50 2,20 bis 2,90 4,80 „ 5,60 4 „ 4,50 4,50 7 8,50 Hiernach waren beim Speiseöl Maximalschwankungen zwischen 4,40 und 10 Goldpiastern per Oka zu verzeichnen, während die Schwankungen beim Seifenöl sogar zwischen 2,20 und 8,50 variieren. Immerhin dürfte der Durchschnittspreis für Speiseöl etwa 7 und für Seifenöl etwra 5yi> Goldpiaster betragen. Das Speiseöl von Killis in Nordsyrien erzielt 1—2 Piaster mehr als die anderen Provenienzen und wird überall gern gekauft, auch zum Teil nach Aegypten exportiert. Zur Gewinnung des in den Preßrückständen verbleibenden Oeles gibt es im ganzen syrischen Gebiet nur vier Maschinenanlagen, wovon drei (bei Lydda, bei Haifa und bei Jerusalem) in jüdischen Händen sind. Auch die vierte (in Tripolis) wurde von einem Juden errichtet. Die beiden Anlagen in Haifa und Tripolis verarbeiten täglich 40 Tonnen Oliven- 3) Hohe Durchschnittspreise infolge dreier ungünstiger Jahre 1908 bis 1910.