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Die Welt · 1912-08-23 · 34 (23.8.1912) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
34 (23.8.1912)
Date
1912-08-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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noch eine Anzahl Gäste, die an dem Unterrichte mit großem Interesse teilnehmen) fassen kann. Auch der Turnunterricht wird in besonderen Abteilungen für Manner und Frauen erteilt. Bereits im vorigen Jahre wurden Ferienkurse veranstaltet, die in Jaffa stattfanden. Während sie jedoch im vorigen Jahre nur Botanik und Geologie umfaßten und nur eine Woche in Anspruch nahmen, sind sie im laufenden Jahre auf acht Gegenstände erweitert worden und werden einen ganzen Monat dauern. Außer den 121 Unterrichtsstunden sind noch einige wissenschaftliche Exkursionen in Aussicht genommen. Zu bedauern ist, daß die Lehrer der Tachkemoni- Schule, sowie die der „Frankfurter1' Talmud-Thoras an den Kursen nicht teilnehmen. Es handelt sich doch dabei um reine Schulbildungsangelegenheiten, die mit der religiösen Richtung nicht das Geringste zu tun haben. Von den 77 Teilnehmern aus Lehrerkreisen sind 20 aus den judäischen Kolonien, 19 aus Jerusalem, Jaffa und Haifa, 12 aus Untergaliläa, () aus Obergaliläa und 8 aus Sichron- Jakob. Zur Deckung der Kosten, die ungefähr 9000 Frcs. betragen werden, tragen die Lehrer zirka 3000 Frcs. bei. Ferner gingen ein: per Dr. Magnes 2000 Frcs., Dr. Friedenwald (eigene Spende) 1000 Frcs., Odessaer Komitee ca. 800 Frcs. Das Actions-Comite hat 1000 Frcs. bewilligt. Dafür erhalten die Lehrer die Reisekosten nach Sichron-Jakob und zurück^ sowie freie Beköstigung und Unterkunft. Die Referenten haben sich unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Einige Referate werden später im Druck erscheinen. Alles in allem genommen hat der Lehrerverband Grund, auf diese seine Leistung stolz zu sein, und es ist gewiß berechtigt, wenn er die Abhaltung der Ferienkurse als eine ständige Einrichtung behandeln will. Die Wahl von Sichron- Jakob war in seiner schönen Lage, der geologischen Beschaffenheit und seiner zentralen Lage zwischen Judäa und Galiläa begründet. Einen unangenehmen Eindruck macht auf die Teilnehmer nur der fast nichtjüdische Charakter der Kolonie, in der es, wie in keiner anderen Kolonie, von nichtjüdischen Elementen wimmelt. Auch die Interesselosigkeit der jüdischen Einwohner der Kolonie nationalen und fortschrittlichen Gesichtspunkten gegenüber wirkt deprimierend. Es ist bezeichnend, daß Agr. Aaronsohn, der wohl an 30 Jahre in der Kolonie wohnt, kein Stimmrecht in dieser seiner Heimatskolonie hat. Ein anderes bedenkliches Symptom ist, daß die Kolonisten in diesem Jahre ihre zirka 70 ha Mandelpflanzungen nicht geerntet und sie stillschweigend den Nachbarn zu freier Ernte überlassen haben. Bei dem System der nichtjüdischen Bewachung, welchem Sichron-Jakob anhängt, lohnt es gewiß auch nicht, Ausgaben für Bearbeitung und Bewachung der Mandelpflanzungen zu machen. * * * Eine angenehme Abwechslung brachten die zwei allgemeinen Referate, die Herr Dr. Schmarjahu L e v i n , Mitglied des E. A. C, gehalten hat. Diese Referate fanden nicht in dem Administrationsgebäude, in dem die Kurse abgehalten werden, sondern in der Synagoge statt, damit auch die jüdischen Einwohner der Kolonie teilnehmen konnten. In der Tat war die Synagoge von Zuhörern überfüllt. Auch die Jemeniten, obwohl sie dem modernen Hebräisch nur schwer folgen, blieben doch bis zu Ende und waren von der Beredsamkeit des Vortragenden gefesselt. Dr. Levin legte besonderes Gewicht auf die Feststellung, daß das palästinensische und das ausländische Judentum einander nicht entraten können. Er betrachte es in der Diaspora als seine Aufgabe, den dortigen Juden Bilder vom Keimen und Werden des jüdisch-palästinensischen Lebens zu entrollen, hier dagegen erachte er es für seine Pflicht, den Anwesenden die trostlosen Zustände besonders hinsichtlich der Assimilation in der Diaspora in Erinnerung zu rufen. Nach einem Ueberblick über die geistigreligiösen Strömungen innerhalb des Judentums erörterte der Referent das Wesen des Judentums, das nach seiner Auffassung eine einheitliche, geschlossene Lebensanschauung ist und die gesamte Fülle der Lebenserscheinungen von einer Wurzel aus begreift. Im Zentrum des Lebens steht demnach die Nation, während die Idee einer abstrakten Menschheit, losgelöst von allem Völkischen, nach jüdischer Ansicht als falsch zu betrachten ist. Das größte Gewicht lege das Judentum auf die realisierbaren Entschlüsse und nicht auf luftige, theoretische Prachtgebäude. Demnach darf die Distanz zwischen Lehre und Leben nicht zu weit sein. Ewig ist der Kampf des Judentums gegen Sklaverei in jeder Gestalt, auch die der modernen Zeit. Zum Schlüsse sprach er davon, was Palästina für die Renaissance des Judentums tun könne und wie die besten Elemente der Nation für diese Arbeiten zu gewinnen seien. Reicher Beifall lohnte den Referenten. Olivenkultur und Oelproduktion in Palästina und Syrien Ein besonders wertvolles Material über diese wichtigen Produktionszweige findet sich in einer englischen Parlaments- Druckschrift von 1911. Der folgende Auszug daraus verdient Interesse. Die Kultur des Oelbaums, die Oelproduktion und die Herstellung von Olivenöl-Seife bildet einen der wertvollsten und ausgedehntesten Industriezweige ganz Syriens. Klima und Bodenverhältnisse scheinen sich ganz besonders für den Olivenbau zu eignen, der hier seit undenklichen Zeiten in Blüte steht. Während man Oelbaumhaine mehr oder weniger in allen Teilen Syriens und verschiedenen Gebieten Palästinas antrifft, haben die Bodenverhältnisse gewisser Distrikte die Oelbaumkultur ganz besonders begünstigt. Es sind dies: in Palästina die Distrikte von Jaffa, Lydda, Hebron, Ramleh, Akka und Haifa, Nablus, Saida und Sur; in der Libanon-Provinz die Distrikte von Schuf und Kurra; im nördlichen Teil der Provinz Beirut die Distrikte von Tripolis und Lattakie; ferner in der Provinz Aleppo die Distrikte von Antakie, Idlib, Nisib, Killis, Aintab und Riha. Im Distrikte von Damaskus hat die Olivenkultur gleichfalls eine gewisse Ausdehnung. Der Oelbaum trägt reichlich noch in sehr beträchtlichen Höhenlagen (1000 m über dem Meeresspiegel), zieht aber meist einen tieferen Standort vor. Der Baum wird nicht vom Samen gezogen. Das landesübliche System besteht darin, junge, wilde Oelbäume, die reichlich in verschiedenen Gegenden zu finden sind (z. B. im Hügellande von Akka), umzupflanzen und zu pfropfen. Eine andere landesübliche Methode besteht darin, die Wurzelschößlinge alter Kulturbäume abzutrennen und zu pflanzen. Bei ersterem System erzielt man die erste Ernte ungefähr fünf Jahre nach dem Pfropfen, während die von Schößlingen gezogenen Bäume meist erst nicht vor dem 10.—12. Jahre irgendwelchen Ertrag bringen. Selbstverständlich hängt die schnellere oder langsamere Entwicklung in hohem Maße von der Bodenbeschaffenheit und der größeren oder geringeren Sorgfalt in der Behandlung der jungen Bäume ab. Eine Bewässerung der Bäume ist nicht nötig, da Regen und Tau völlig hinreichen. Hingegen verlangt der Boden eine gewisse

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