Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 34 (23.8.1912)
- Date
- 1912-08-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Hebräischer Schulverein Die neugewählte Leitunodes hebräischen Schulvereins für Galizien und die Bukowina entwickelt jetzt eine rührige Agitation. An der Spitze des Schulvereins stehen jetzt Gg. Dr. Abraham Freilich als Präsident und N. Glücksman als Sekretär, die sich zusammen mit den Ausschußmitgliedern zu einer energischen Tätigkeit für die Entwicklung des hebräischen Schulwesens in Galizien entschlossen haben. Im Monate Ab wurden in vielen galizischen Städten Vorträge und Versammlungen abgehalten, in welchen neue Mitglieder für den Schulverein geworben wurden. Eine beträchtliche Zahl von neuen Mitgliedern wurde auch bereits herangezogen. Im Herbst will die Leitung des Schulvereines zur Gründung eines Lehrerseminars in Lemberg schreiten, wo entsprechende Lehrerkräfte zum Unterrichte in den hebräischen Schulen herangebildet werden sollen. Der Schulverein schickt auch die bereits theoretisch genügend ausgebildeten Lehrer in die besser funktionierenden Schulen, damit sie dort praktisch ihren Beruf erlernen. In den musterhaft geleiteten hebräischen Kindergarten in Buczacz werden einige Mädchen geschickt, damit sie dort die Leitung eines Kindergartens erlernen und dadurch die Gründung von weiteren Kindergärten in Galizien und Bukowina ermöglichen. Für diese Lehrer und Mädchen werden vom Schulverein Stipendien bestimmt. In der nächsten Zeit wird die Leitung des Schulvereins auch an die Gründung von neuen hebräischen Schulen herantreten und die diesbezüglichen Vorarbeiten werden bereits heute vorgenommen. Im Monat September wird der Schulverein in Lemberg eine Prüfung der hebräischen Lehrer-Kandidaten veranstalten. Das Programm dieser Prüfung wurde bereits veröffentlicht. Der Schulverein legt auf diese Prüfungen großes Gewicht, weil es sich um die Bestallung von gut qualifizierten neuen hebräischen Lehrern handelt. Ein Ito-Zweigverein in Ungarn (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Die letzte Ito-Konferenz, welche selbst bei den Anhängern des Mr. Zangwill überaus gemischte Gefühle zurückließ und im Judentum überhaupt keinen Eindruck ausübte, war der Ausgangspunkt einer interessanten Ito-Zweigvereinsgründung in Ungarn. Der Initiator der neuesten Ito-Bewegung ist der Redakteur des ungarischen assimilatorischen Kampforgans „Egyenlöseg", Max Szabolcsi. Um der Gründung die nötigen Unterlagen zu verschaffen, wurden zuerst die gänzlich belanglosen Beratungen der Konferenz als ein jüdischer Weltkongreß aufgebauscht, an welchem die Judenschaften sämtlicher Länder vertreten waren, mit Ausnahme Ungarns. Es sei daher eine patriotische Pflicht der ungarischen Juden, in dieser internationalen Gesellschaft auch die ungarischen Farben vertreten zu lassen. Zweitens wurde in Leitartikeln entdeckt, daß die Judennot in einzelnen Ländern, wie z. B. in Rußland, ganz unerträglich ist. Dann kam die Hauptsache: die Ito-Bewegung hat mit der verhaßten zionistischen Bewegung gar nichts gemein. Sie verabscheut den jüdischen Nationalismus und alles, was dazu gehört, will von Palästina nichts wissen, ist bloß eine Wohltätigkeitsgesellschaft und verlangt den jährlichen Mitgliedsbeitrag von 4 K. Wir können nicht umhin, den geistigen Tiefstand des Assimilantenblattes mit seinen eigenen Worten zu charakterisieren: „Nicht davon ist die Rede, daß den Juden ihre alte Heimat erworben werden soll, das kann nur die Aufgabe des Messias sein; nicht davon ist die Rede, daß der Judenstaat erschaffen werden soll, dagegen sträubt sich unser patriotisches Gefühl, da schließlich der Mensch nur ein Vaterland haben kann . . und weiter: „Die Erwerbung Palästinas war eine Utopie, noch bevor die Versuche begonnen hatten, und jetzt, da sie so viele Jahre dauern, erweisen sie sich um so eher als eine Utopie. Palästina ist überhaupt nicht zu haben, und wenn es zu haben wäre, brauchten wir es nicht/i In einem weiteren Artikel wird der 31. Juli als ein Jubilätimsdatum von allergrößter Wichtigkeit gefeiert. An diesem Tage schieden vor sieben Jahren Zangwill und seine Anhänger aus der zionistischen Organisation. „An diesem Tage gab Zangwill dem Judentume eine Idee . . . welche nicht bedroht wird von der Gefahr des Vergessenwerdens. Denn dies ist nicht die Messiastuerei eines schwärmenden Träumers, nicht die Utopie eines phantastischen Dichters, diese Idee ist handgreiflich wahr, eine in Eisen geschmiedete Nüchternheit: sie ist durchführbar und kann realisiert werden. Ja, noch mehr: sie ist schon auf dem Wege der Realisierung. Darin liegt ihre große, überzeugende Kraft. Da kann man nicht zweifeln, ob die Aktion einen Erfolg haben wird. Sie wird ihn sicher haben. — In dieser kolossalen Konzeption reihen sich ja die Erfolge so nebeneinander, wie bei einem Rechenexempel die Ziffern. Der Schlußerfolg stammt folgerichtig von den früheren her . . Angesichts dieser stilistischen Leistung kann es für uns keine andere Parole geben als: niedriger hängen. „Zsidö Szemle", unser offizielles Organ, brachte schon eine Anzahl aufklärender Artikel, in welchen die „Tätigkeit" der Ito in das wahre Licht gerückt wird, darunter einen sehr instruktiven vom derzeitigen Obmanne des innerösterreichischen Distriktskomitees, Gg. Ludwig B a t ö. Es muß nun die Frage aufgeworfen werden, weshalb „Egyenlöseg" erst jetzt das Judenelend in Rußland für unerträglich hält und weshalb erst jetzt an die Gründung der Zweigorganisation der Ito in Ungarn geschritten wird? Die Antwort ist leicht zu geben: Weil zurzeit der Loslösung der Ito von der zionistischen Organisation Herr Szabolcsi gar kein Interesse daran haben konnte, in Ungarn einen Zweigverein zu gründen. Die zionistische Organisation und Presse waren schwach, und sein Blatt monopolisierte sozusagen die Judenschaft in Ungarn. Seither hat sich alles geändert. Es haben sich viele jüdische Organisationen gebildet, in welchen er nicht mehr oder wenigstens nicht mehr allein das große Wort führen kann. Die Orthodoxie löste sich zufolge seiner Verhetzungen los, organisierte sich selbständig und gründete ein eigenes Organ. Die zionistische Organisation und Presse erwiesen sich auch als Gegner, die ihm manche bittere Pille zu schlucken gaben. Neue jüdische Organe begannen zu erscheinen, die Ungarländische Jüdische Zeitung in Preßburg, welche unter Leitung des Gg. S. Bettelheim die deutschlesende Judenschaft unserer Gedankenwelt näherzubringen sucht. Die Monatsschrift Hitközsegi Szemle (Gemeinde-Rundschau) ist in gutjüdischem Sinne geleitet und steht unserer Bewegung sympathisch gegenüber. Mult es Jövö (Vergangenheit und Zukunft), die neue Monatsschrift für jüdische Kunst und Literatur, vermittelt die jungjüdische Kultur den ungarischlesenden Juden. Das neueste jüdische Organ ist die in Vägnjhelj unter Schriftleitung des Gg. Elias Fried mann erscheinende Halbmonatsschrift „Israel", welche auf streng religiöser Grundlage steht und den zionistischen Gedanken in diese für uns oft nur sehr schwer zugänglichen Schichten zu verpflanzen bemüht ist, und sich als ein dem Misrachi nahestehendes Organ bezeichnet. Die Alleinherrschaft des Max Szabolcsi ist daher zu Ende. Derselbe Szabolcsi, welcher den Zionismus mit aller ihm zu