Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 33 (16.8.1912)
- Date
- 1912-08-16
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 33 —- DIE3 Holland Niederländische Zionistische Studenten- Organisation Zionistische Studenten, die ihre Ferien in holländischen Badeorten verbringen und Wert darauf legen, mit ihren holländischen Kollegen und Gesinnungsgenossen in Verbindung zu treten, werden gebeten, sich an Herrn F. S. Loch, cand. ing., De Ruyterstraat 80 Den Haag, oder B. A. Kahn, jiir. docts, Hotel * Huis ter Duin, Noordwvk a. Zee, P. C. Hooftstraat 183, Amsterdam, zu wenden. Von holländisch-zionistischer Seite, nämlich von Dr. Ornstein aus Groningen, sind gelegentlich des vorjährigen Kongresses in Basel Anregungen ausgegangen zu einer Organisation der zionistischen Studenten aller Lander. Diese Organisation ist noch nicht zustande gekommen, da die zionistischeil Studenten der verschiedenen Länder sich noch recht fremd gegenüberstehen. Wenn Gelegenheit zu gegenseitiger Bekanntschaft gegeben wird, so kann sich daraus vielleicht eine Organisation entwickeln. Die Hauptsache aber ist die gegenseitige Annäherung, und dazu will die Niederländisch-Zionistische Studenten-Organisation durch diese Bekanntmachung beitragen. F. S. L o e b. Der Gemeindekonfükt in Bulgarien Von Herrn Dr. R y m a l o w s k y ist uns die folgende Replik auf die letzten Erklärungen des Herrn Dr. Ehrenp reis zugegangen: Wenn die Rückerwiderung des Dr. Ehrenpreis sein letztes Wort ist, wie er in der Einleitung zu verstehen gibt, so wird ihn die Welt beklagen. Was davon nach unserer neuen Durchleuchtung übrig bleiben wird, wird zeigen, wo die Rechthaberei und das Recht ist. Der Vorwurf der Gehässigkeit mag am Tone der Ehrenpreis'schen Erklärungen ermessen werden. Ad 1. „Die mehrfach citierte spaniolische Wochenschrift ,,Luz'4 ist seit April dieses Jahres nicht mehr mein < )rgan, ich habe nunmehr auf dieselbe keinerlei Einfluß und hin für ihren Inhalt nicht verantwortlich." So sagt uns Dr. Ehrenpreis. Wir übersetzen dieses negative Bekenntnis ins Positive: Bis April dieses Jahres war die „L u z44 d a s O r g a n d e s D r. Ehrenpreis; e r h a 11 e a u f dieselbe maßgebenden Ei n f 1 u ß u n d w a r fü r ihren Inhalt v e r a n t w o r 11 i c h. I )ieses Zugeständnis ist lapidar. Seit Jahren hat die ,,Lu//' gegen die zionistische Organisation, gegen ihre Arbeiten, gegen ihre Schulen und übrigen Institutionen die allerheftigste Kampagne geführt. So oft wir Dr. Ehrenpreis anklagten, der Urheber dieser Kampagne zu sein, protestierte er energisch und apostrophierte uns ais „Verleumder'4. Jetzt sagt er das nicht. Jetzt rektifiziert er nur, die „Luz" sei seit 1. April nicht mehr sein Organ. Wir verleumdeten also nicht. Er war es, der hinter all den Anonymen steckte. Er gesteht es selber, das genügt uns. Und seit dem 1. April? Seit diesem Tage hat er sein Organ an die „Union Israelite Bulgare44 abgetreten und machte s-o das Blatt des Zionisten Ehrenpreis zu dem einer offen ■ mtinationalen Liga. Früher bediente sich ein gewisser „X.44 in den Spalten der „Luz4"4 der Autorität des zionistischen Actions - ComitOs, um die bulgarische Zionistenorganisation durch sie zu diskreditieren. Jetzt schreibt derselbe „X." in derselben „Luzu vinen Monstreartikel, der sich nicht nur gegen den Schreiber dieser Zeilen und die bulgarische Zionistenorganisation richtet, sondern auch das Actions-Comite verleumdet. Aber dafür kann doch der Dr. Ehrenpreis nicht! Die „Luz" ist ja seit 1. April nicht mehr sein Organ. Also, er ist für die Infamien des Skribenten „X." doch keineswegs verantwortlich. Ja, aber, aber! Ein peinlicher Druckfehler kommt dem famosen „X." in die Quere, in der Tat höchst peinlich. Im ganzen Artikel lobhudelt er Ehrenpreis so hübsch in der dritten Person, und auf einmal geschieht ein Unglück, der arme „X." entschwindet, und er, der bulgarische Großrabbiner Dr. Ehrenpreis bikevodo uweazmo steht plötzlich vor uns und spricht majestätisch „Ich4"4"..... Dieser Druckfehler hat dem Dr. Ehrenpreis seinen ganzen Prozeß verloren. Wir könnten uns nun eigentlich alle weiteren Erläuterungen sparen. Ad 2. Herr Dr. Ehrenpreis will sich durchaus hinter der Kongreßfrage verschanzen. Er fühlt sich offenbar auf dem Meere der zionistischen Gesinnung nicht wohl und möchte lieber auf dem Festlande des lokalen Gemeinde wesens kämpfen. :ELT 1007 Da möchten wir ihm denn zuerst bemerken, daß es die Wahrheit n i c h t ist, daß sich a u s s c h 1 i e ß lieh auf diesem Gebiete der Kampf bewegt hat. Dieser Kampf ist auch nicht, wie Dr. Ehrenpreis will, ohne Beziehung zum Zionismus. Es ist wahr, unser Gemeindekongreß hat mit der Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina nichts zu tun. Trotzdem aber stehen „die Gliederung und Zusammenfassung der Judenheit'4 und die „Weckung des Selbstgefühls und Volksbewußtseins4'4' im Baseler Programm. Trotzdem besteht die uns von Herzl und N o r d a u überlieferte Parole der Eroberung der Gemeinden. Und die ganze Welt hat sich daran gewöhnt, die zionistische Gemeindearbeit als die Aufgabe zur Realisierung nationaler und demokratischer Tendenzen zu betrachten. Indem Dr. Ehrenpreis die demokratische Form des Gemeindekongresses verwirft, um den Notabeinkongreß herbeizuführen, handelt er gegen die universell akzeptierten zionistischen Gemeinde-Programme, und in der Linie der a'lwärts bekannten geldsackgewaltigen assimilatorischen Gemeindegötzen. Aber wir wollen uns auf sein eigenes, das formale Terrain begeben. Will Dr. Ehrenpreis als Rabbiner nicht den Sinn des Baseler Programms respektieren, so sollte er desto gewissenhafter nach dem Organisationsstatut der bulgarischen Judenheit handeln. Dieses Statut ist vom Gemeindekongreß von 1900 ausgearbeitet worden, demselben, der den Dr. Ehrenpreis gewählt hat. Dieses Statut verlangt die Einberufung des Kongresses, wie wir ihn wollen: aus allgemeiner Wahl hervorgehende Volksvertreter, nicht Parnassim-Delegierte. Dieses Statut trägt die Unterschrift von Dr. Ehrenpreis, ist von ihm selbst während voller 12 Jahre zur Geltungmachung seiner Amtsrechte benutzt und als obligatorisch erklärt worden. Dieses Statut hat die bulgarische Regierung, ohne es durch einen speziellen Akt zu bekräftigen, doch auf Verlangen des Dr. Ehrenpreis zu wiederholten Malen angewendet und dem bulgarischen Judentume in zahlreichen Verordnungen unter Anrufung des Statutsartikels seine Exekutierung aufgedrungen. Trotzdem hat der bulgarische Oberrabbiner sein offizielles Gemeindestatut suspendiert, wenn es ihm paßte, und es verletzt „unter parteitaktischen Vorwänden für lokale Machtfragen'4, wie er sich so passend ausdrückt, als er den demokratischen, nicht einen oligarchischen Kongreß einberufen sollte. A d 3 u n d 5. Herr Dr. Ehrenpreis beruft sich auf seine Freunde und Bekannten diesseits von Zaribrod, die ihn als Kämpfer für die nationale und hebräische Schule kennen und keinen „Verleumdungen" glauben werden. Herr Dr. Ehrenpreis ist sehr geschickt; er ist immer ein zweifacher Ehrenpreis zugleich gewesen, der Ehrenpreis von diesseits und der von jenseits Zaribrod. Der Ehrenpreis von diesseits Zaribrod als nationaler Theoretiker, hebräisierender Journalist und zionistischer Kongreßredner, und der Ehrenpreis von jenseits Zaribrod als praktischer Alliancist und taktischer und faktischer Verfolger und Verderber der nationalen Schule. Wir halten diese Anklage in vollem Umfange aufrecht. Im Jahre 1902 berief Dr. Ehrenpreis von diesseits Zaribrod (er war damals erst zwei Jahre in Bulgarien) wirklich einen Lehrerkongreß ein, mit der Aufgabe, ein Unterrichtsprogramm für das Hebräische aufzustellen. Aber der Ehrenpreis von jenseits Zaribrod wußte ganz genau vorher, daß dieses Programm „lettre morte" bleiben würde. Er wußte besser als jedermann, daß die Alliance Israelite, die die Schulen beherrschte, nur soviel Hebräisch in ihnen zulassen wollte, als für die religiösen Bedürfnisse nötig war, und für die Mädchen nur soviel, als man zum Beibringen verständnislosen Wortelesens brauchte. Das ganze war eine Komödie. Als die Lehrer auf dem Kongresse die Frage aufwerfen und diskutieren wollten, welchen praktischen Wert ihre theoretischen Beschlüsse gewinnen könnten, da entzog ihnen der Präsident und Einberufer, Herr Dr. Ehrenpreis selber, das Wort und verbot ihnen, von der Alliance zu sprechen; das stände nicht auf der Tagesordnung! Und nach dem Kongresse? Das von Ehrenpreis so hervorgehobene neue Schulprogramm ist tatsächlich toter Buchstabe geblieben. Die Alliance untersagte einfach, es anzuwenden. Kein Schulkomitee wagte dagegen vorzugehen. Nur das Philipoppler Schulkomitee, das schon damals zionistisch war, beging das „anarchistische" Wagnis, das Programm, wenn auch aus Rücksicht auf die Alliance, nur teilweise einzuführen. Aber was war die Folge? Die Alliance gab inmitten des Schuljahres Order, die hebräischen Unterrichtsstunden wieder einzuschränken. Die wiederholten Bitten des Schulkomitees, doch den Status quo