Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 33 (16.8.1912)
- Date
- 1912-08-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1000 DIE 3§£ELT Nr. 33 Tätigkeit, wie sie keiner anderen Federation in der ganzen Welt zu Gebote stehen, denn Sie können in einer jüdischen Bevölkerung von nahezu zwei Millionen arbeiten und erfreuen sich dabei der größten Bewegungsfreiheit. Systematische Tätigkeit in weitgehendstem Maße ist also die Aufgabe, welcher Sie sich baldigst widmen sollten. Aber ebenso wichtig ist die Zunahme der Unterstützung, welche Sie der Zentral-Organisation zuteil werden lassen. Der Betrag Ihrer Schekel-Sammlungen im Vergleich zu der jüdischen Bevölkerung Ihres Landes steht in keinem Verhältnis zu denjenigen von viel kleineren Federationen, so daß hier viel angestrengte Arbeit von Ihnen verlangt wird. Auch hat Ihre Federation absolut nicht auf den Mahnruf reagiert, der sich mit dem Zionistischen Zentralfonds beschäftigt. Unsere Schckeleinnahmen sind unbedingt notwendig für die Erhaltung unserer Organisation mit ihrem stets zunehmenden Arbeitsfeld, und wir müssen darum jedes Jahr beträchtliche Summen im Zentralfonds zusammenbringen, um die Ausgaben zu decken. Die Wichtigkeit desselben ist sofort von den Federationen des Kontinents erkannt worden, besonders in Oesterreich, Galizien und Deutschland, aber leider müssen wir bekennen, daß die englisch sprechenden Federationen kaum darauf reagiert haben. Wir hoffen darum zuversichtlich, daß Ihre Federation ernstlich bemüht sein wird, diesen Vorwurf, soweit Amerika in Frage kommt, von sich abzuwälzen, und daß Sie Ihre Treue und Bereitschaft zur Mitarbeit dadurch beweisen werden, daß beträchtliche Summen für den Zentralfonds gezeichnet werden." „Wir können mit Freuden konstatieren, daß unser Werk im Orient, besonders in Palästina, gute Fortschritte macht, und wir haben alien Grund zu der Annahme, daß dies auch ferner so bleiben wird. Der unselige Konflikt im nahen Osten hat zu unserer großen Freude keinen nachteiligen Einfluß auf unsere Kolonisationsarbeit im Heiligen Lande gehabt. Im Gegenteil, es hat eine ständige Einwanderung unserer jemenitischen Brüder während der letzten Monate stattgefunden, welche dank ihres großen Fleißes und ihrer Geschicklichkeit dazu bestimmt sind, ein wichtiges Element der Arbeitskräfte in Palästina zu bilden. Es hat sich auch ein zunehmendes praktisches Interesse an unserem Kolonisations- und Zivilisationswerk gezeigt sowohl seitens unserer Zionisten, welche sich immer geneigter für den Landerwerb zeigen, als auch von Seiten der Nicht-Zionisten, wie der große Erfolg der kürzlich in London und Liverpool stattgefundenen Palästina-Ausstellungen gezeigt hat. Aber alles, was bisher vollbracht ist, ist in der Tat sehr gering im Vergleich zu der Größe unseres Unternehmens, und wir können von der Erfüllung unserer Ziele in Palästina nicht sprechen, ehe sich unser Werk im Heiligen Lande nicht in jeder Richtung beträchtlich vergrößert hat. Aber durch festes Vertrauen und durch Energie, hoffen wir, unserem großen Ziel immer näherzukommen, und wir blicken auf Ihre Federation als auf einen Mitarbeiter und Helfer in unserem redlichen Bemühen." Dr. Bodenheimer schrieb u. a.: „Meine Reise nach Palästina bestärkte mich in der Ueberzeugung, daß eine der wichtigsten, vielleicht die wichtigste Frage überhaupt, die wir zu lösen haben, die jüdische Arbeiterfrage ist. Diese Frage hat in den letzten Jahren eine neue Gestalt angenommen infolge der zunehmenden Einwanderung jemenitischer Juden. Um diese Jemeniten im Lande anzusiedeln, ist es eine unbedingte Notwendigkeit, ihnen Häuser mit kleinen Gärten zu gehen. Die t rage, für die jemenitischen Einwanderer Häuser zu beschatten, die bis jetzt noch nicht gelöst ist, ist eines der wichtigsten Probleme der Kolonisation Palästinas. Während meines Aufenthaltes in Palästina wurde beschlossen, daß der Nationalfunds die Lösung dieses Problems in Maßstabe vornehmen solle. Ehe dieses Jahr zu Ende geht sollen 100 Häuser gebaut sein, und dieselbe Anzahl soll im Laufe des nächsten Jahres errichtet werden. Diese Maßnahme stellt nur die Erfüllung eines kleinen Teiles dessen vor, was geschehen muß, aber in Anbetracht seiner geringen Mittel konnte sich der Nationalfonds zu nichts weiterem verpflichten. Jedoch ist es äußerst wünschenswert, daß die Errichtung solcher Häuser für die Jemeniten in bedeutend größerem Maßstabe vorgenommen wird, und es würde sicher eine große und ehrenvolle Aufgabe für die amerikanischen Zionisten sein, diese Angelegenheit energisch in die Hand zu nehmen." Hermann Bernstein wies in einem Schreiben auf die äußerst kritische Lage der Juden in Rußland hin und erklärte, daß sich dort den Zionisten Gelegenheit böte für wahre Arbeit zum Wohle der Juden. Nach Verlesen der verschiedenen Botschaften brachte Jacob d e Haas eine Resolution ein, wonach allen, welche Begrüßungsschreiben gesandt hatten, der Dank und die Freude der Konvention für ihre Anteilnahme ausgesprochen werden solle. Der Bericht des Exekutiv-Aiisschusses wurde verlesen und debattiert. Er berührte organisatorische Fragen und die in dem vergangenen Jahre geleistete Arbeit. Es heißt darin: „Wir können mit Geniigtuung berichten, daß sich unter denen, welche früher dem Zionismus keine Sympathie entgegenbrachten, entschieden bedeutende Regungen für Palästina und sein Wiederaufleben bemerkbar machen. Wir können hierzulande ein entschiedenes (Erwachen des Interesses für das Heilige Land als den Mittelpunkt neuer Hoffnungen für das Volk Israel wahrnehmen. Dieses Zunehmen an Interesse ist unleugbar der Propagandaarbeit zuzuschreiben, welche wir während der letzten fünfzehn Jahre geleistet haben.u „Als ein sichtbares Zeichen von praktischem Interesse an Palästina erkennen wir die großartige Mitarbeiterschaft von Mr. Nathan St raus, welcher, durch ein Mitglied unseres Komitees, Herrn Dr. J. L. Magnes, zu einer Reise nach Palästina veranlaßt, von dem, was er in unserer nationalen Heimat sah, so durchdrungen war, daß er sofort ein materielles Zeugnis von seinem Interesse gab, indem er Juden veranlaßte, für die Durchdringung Palästinas mit jüdischem Geist durch materielle Unterstützung mitzuarbeiten. Er zeichnete für eine Anzahl von Institutionen philanthropischen Charakters größere Beträge. Er verpflichtete sich, drei Jahre lang je 10 000 Dollar für Volksküchen zu geben, welche den Namen Nathan Straus-Speisehäuser haben sollen. 10 000 Dollar wurden dem Bezalel zugewendet. Für drei Jahre gibt er jährlich 5000 Dollar für ein Gesundheitsamt, welches der landwirtschaftlichen Versuchsstation angegliedert werden soll, wozu noch 1200 Dollar für Laboratoriums-Einrichtungen kommen. 1500 Dollar bestimmte er für den Ankauf des Hügels hinter der Versuchsstation und kaufte für 1200 Dollar das Land gegenüber von Raheis Grab. 6000 Dollar gab er zum Ankauf von Land in der Nähe von Jerusalem an dem Wege nach Bethlehem, 1250 Dollar für ein Freibett in dem Hospital Shaare Zedek im Namen seiner Mutter, und machte außerdem noch kleinere Schenkungen für verschiedene Zwecke zum Besten von Juden und Nichtjuden. Die vorbildliche Menschenfreundlichkeit von Mr. Straus möge das Erwachen des Interesses anderer Männer in den Vereinigten Staaten zur Folge haben, die auch einen Anteil haben wollen an dem Wiederaufleben jüdischen Einflusses in Palästina/' „In seiner Botschaft an die Zentralkonferenz der amerikanischen Rabbiner, welche in Baltimore stattfand, sagte Dr. Samuel S c h u 1 m a n , der wieder zum Präsidenten gewählt wurde, folgendes: ,,Es ist sicher eine große Freude für uns