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Die Welt · 1912-08-16 · 33 (16.8.1912) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
33 (16.8.1912)
Date
1912-08-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr 33 welche ich soeben beschrieben habe, leben in bitterer Armut, unfähig, sich selbst zu helfen, und außer dem Gefühl der Pietät und Liebe für das Land ist jegliche geistige Regung in ihnen ertötet. In diesen Gemeinden finden sich wohltätige Einrichtungen für verschiedene Zwecke, einige sehr gute, einige sehr schlechte — alle mangelhaft wegen ungenügender Unterstützung. Der Anblick von Armut und Elend erregt unser größtes Mitleid und bildet eine der lebhaftesten Erinnerungen, welche in dem Gedächtnis von Tausenden von nichtjüdischen Reisenden haften bleiben, und welche auch leider unsere jüdischen Reisenden von Palästina heimbringen." „Wenn wir den Gründen für diese Zustände nachforschen, finden wir bald die Lösung. Die älteren sowohl als die neueren Ansiedler sind nicht nach Palästina gewandert in der Hoffnung, dort goldene Berge zu finden, sondern aus Liebe für ihre alte Heimat. Diese selbe Liebe für das Heilige Land und sein jüdisches Leben führte zu der Einrichtung der Chaluka. Es ist nicht meine Absicht, hier von der unsystematischen, planlosen und entwürdigenden Art und Weise zu sprechen, in welcher die Verwendung stattgefunden hat, noch von der Bedeutung der Chaluka früher und bei richtiger Leitung auch in Zukunft, noch werde ich des Näheren ausführen, daß diese schlechte Verwaltung und unkluge Verteilung eher zur Schaffung und Vergrößerung der Armut beigetragen hat, welche vermindert werden sollte. Aber ich muß es erwähnen, denn wir müssen erkennen, daß wir, die Juden der ganzen Welt, dazu beigetragen haben, diesen traurigen Zustand zu schaffen, und müßig dagesessen haben und, trotzdem wir die Berichte von dem ständigen Zunehmen desselben erhielten, nichts zur Besserung getan haben bis auf den heutigen Tag." „Aber nicht die allgemeine jüdische Welt allein verdient strenge Kritik für ihre Indifferenz gegenüber diesem Zustand, und die Geringschätzung derjenigen Nichtjuden, welche diese Zustände mit Abscheu betrachten. Ihr, Zionisten von Amerika, was habt Ihr getan, um in Palästina zu helfen? Ich kann keine Beweise dafür finden. Es gibt amerikanische Einrichtungen in Palästina und Syrien. Die protestantische Hochschule u Beynit ist eine Einrichtung, auf welche nicht nur die Kirche, die sie unterstützt, sondern jeder Amerikaner stolz sein kirn, denn sie vertritt mit einer wohlanstehenden Würde die hohen Ziele eines wichtigen Teiles des amerikanischen Volkes. Die einzige jüdische Institution, welche vollkommen von amerikanischen Juden unterhalten wird, ist die neue gedeihende landwirtschaftliche Versuchsstation, welche einen großen Einfluß auf die Entwicklung der Landwirtschaft in dem Lande auszuüben verspricht. Das Technische Institut, das jetzt im Bau ist, wird zum Teil von amerikanischen Juden unterstützt. Aber sind diese freiwilligen Spender aus unseren Reihen hervorgegangen? Sie wissen alle, daß zum großen Teil das Geld von denjenigen gegeben worden ist, welche die erklärten Gegner unserer Zwecke und Ziele sind. Das, was wir getan haben, ist zu gering, als daß es des Erwähnens wert wäre. Wir haben unsere Stimmen laut erhoben in unseren Debatten und großen Versammlungen, und wir haben diejenigen, welche in ihren Ansichten von uns abwichen,- streng verdammt. Wir haben das Programm der praktischen Arbeit in Palästina mit Freuden begrüßt, aber die Hilfe, die wir unseren sich durchkämpfenden Brüdern haben zuteil werden lassen, stand damit nicht im Einklang. Wir haben mit unserer Unterstützung gekargt und geknausert, während unsere Brüder in den Kolonien ihre Kräfte und ihr Leben einsetzten. Die Kolonisten rufen uns zu Hilfe, nicht für sich selber, sondern sie bitten, daß Land gekauft werde, damit sich andere Kolonisten an- 999 siedeln können. Sie sagen, daß alles gut sein würde, wenn sie nur eine größere Anzahl wären. Sie sehen auf zu uns und wünschen, daß wir helfen möchten bei der Verbesserung der Bedingungen, daß es möglich wird für neue Ansiedler, dort zu leben. Aber diese Unternehmungen erfordern Dollars, wo Pennies gegeben worden sind, und Hunderte, wo einzelne Dollars eingingen. Lhid ich versichere Sie, daß nur diese Hilfe zu rechnen ist, das Schreien und die Aufregung von Rednern hat ebensoviel Unheil angerichtet, wie Gutes gestiftet!" „Meine Freunde, die Situation, welcher wir gegenüber stehen, ist eine sehr ernste und erfordert große Opfer. Wir müssen nicht nur mit ernsten Worten, sondern auch mit ernsten Taten den Weg weisen; die Gelegenheiten zur Hilfeleistung in der weiteren jüdischen Besiedelung Palästinas sind größer als wir denken! Sollen wir sie ergreifen oder sollen wir auch fernerhin die große Aufgabe unberücksichtigt lassen? Ich ermahne Sie dringend, großmütig zu sein, freigebig in Ihrer Hilfe und zu wetteifern mit den Kolonisten in Palästina, welche ihr alles, sich selbst, hingeben." ,,Ich wende mich an alle Juden, welchen das Land teuer ist, mitzuhelfen in der Wiedergewinnung Palästinas. Sie müssen alle die gleiche Freude empfinden, wenn Sie das jüdische Leben, das sich dort entwickelt, sehen, Ihre Herzen müssen höher schlagen, wie die unsrigen, wenn sie hören, wie sich die alte Sprache neu belebt und eine lebende Sprache wird, Sie müssen glücklich sein, wie wir es sind, wenn Sie sehen, wie die Juden und Jüdinnen als Typen der höchsten und edelsten Männlichkeit und Weiblichkeit, die mir je begegnet sind, heranwachsen. Ich wende mich auch an Euch, Ihr Juden, die Ihr alle Liebe für Palästina verloren habt, auf welche dieser Name keinen besonderen Zauber ausübt, aber welche stolz sind, Juden zu sein, welche wünschen, den Namen der Juden ohne Tadel zu erhalten. Ich dringe in Euch, mitzuhelfen in der Verringerung der Armut, der Leiden und des Elendes in den Heiligen Städten. Ich wende mich an Sie, weil Sie die Vorwürfe treffen und die Welt Sie für die Unterstützung Ihrer Brüder verantwortlich macht." „Die große jüdische Gemeinde in Amerika hat eine große, heilige Pflicht zu erfüllen, und uns liegt es ob, den Weg zu weisen zu einer ausgedehnten, gesunden und emporblüheuden jüdischen Wiederbesiedelung Palästinas,u Nach dieser Rede erfolgte die Verlesung von Zuschriften. In einem Brief von Lewis Brand eis kam die Anerkennung der zionistischen Grundsätze und seine große Sympathie für den Zionismus zum Ausdruck. Viele Begrüßungsschreiben wurden verlesen, u. a. von dem A c t i o n s - C o m i t e, von Dr. B o d e nheimer, dem Vorsitzenden des Jüdischen Nationalfonds, Dr. N o r d a u , Judge S u 1 z b e r g e r , Herrn Nathan S t r a u s usw. Das A. C. schrieb folgendes: „Wir sind fest davon überzeugt, daß sowohl unter den reichen, wie unter den armen Klassen in den Vereinigten Staaten unserer Sache mit Sympathie begegnet wird, welche nur taktvoll und systematisch gefördert werden muß, um beherzte und großzügige Anhänger zu schaffen. Die Sympathie der reicheren Klassen hat sich bereits in der großmütigen Unterstützung verschiedener Institutionen in Palästina gezeigt, besonders der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Haifa und des Hebräischen Gymnasiums in Jaffa; während die Sympathie der ärmeren Klassen weder Beweise noch besonderen Nachdruck erfordert, da man erkennt, daß in der Regel ihr ganzes Leben von der Hoffnung der Wiedervereinigung Israels im Heiligen Lande und dem dringenden Wunsche einer baldigen Erfüllung beherrscht ist. Ihre Federation hat Ausdehnungsmöglichkeiten und Gelegenheit für weitverbreitete DIEl^ELT

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