Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 32 (9.8.1912)
- Date
- 1912-08-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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des Judentums, zur Einsicht gelangen, und zu ihrem eigenen Nutzen den Zionismus unterstützen/ Es wurde für den Nationalfonds und Schekel gesammelt. Der Ertrag ergab 50 Kronen. Belgien Antwerpen. Donnerstag, am 4. Juli, veranstaltete die Belgische Zionisten-Föderation in Antwerpen eine Herzl- Feier. Nachdem Herr Grünau Grünzweig über die Bedeutung Herzls, des Schöpfers neujüdischen Lebens, gesprochen hatte, hielt Herr Jean Fischer, Mitglied des A. C, eine längere Ansprache. Er sprach über das'Erbe, das uns Herzl hinterlassen, von seinem zu frühen Tode und von der Herzischen Definition der jüdischen Nation, die in letzter Zeit vielfach kritisiert wurde und die dessen ungeachtet ihre vollkommene Richtigkeit habe. Auf dem V. Kongreß sagte Herzl: „Was sich auf diesem breiten, festen Unterbau einer arbeitenden, landwirtschaftlichen Bevölkerung erheben wird....., das wird vom Volk selbst abhängen, nachdem wir ihm die Selbstbestimmung seiner Geschicke verschafft haben werden." In diesem letzten Satz liegt der Kern des Herzischen Zionismus, und nie und nimmer dürfen wir uns beirren lassen und von diesem Kernpunkt weichen. Alle noch so geistreiche Argumentation zerschellt an diesem, den ganzen innern Gehalt der Judenfrage ausschöpfenden Leitsatze, und alle noch so großen und unmöglich zu überwinden scheinenden Schwierigkeiten berühren nicht die Richtigkeit der Herzischen Politik, des politischen Zionismus, welcher den Juden das Recht auf Selbstbestimmung ihrer Geschicke verschaffen will und wird. In Anbetracht der hie und da auftretenden Aeußerungen, daß die Herzische Politik als ad acta gelegt zu betrachten ist, fühle ich mich verpflichtet, so laut als möglich zu erklären, daß meines Wissens die einzige Politik im Zionismus die Herzische ist/' NACHRICHTEN Agudath Jisroel Harzburg. Am Donnerstag, den 1. August, fand im Hotel Hecht, hier, eine Versammlung der „Agudath Jisroel" unter dem Vorsitze des Herrn Dr. Auerbach aus Halberstadt statt. Es waren gegen 60 Personen, größtenteils weiblichen Geschlechts, anwesend. Zuerst sprach der Vorsitzende, und indem er die Versammlung begrüßte, schilderte er die „Agudath Jisroel" als die größte jüdische Vereinigung der Welt. Dabei gedachte er mit keinem Wort der zionistischen Weltorganisation, noch des eine so ungeheure Zahl von Juden umfassenden „ß'ne Brith". Es ist ja natürlich, daß es für Leute, denen das Judentum nur der enge Kreis der Orthodoxie ist, keine große Welt geben kann. Der zweite Redner, Herr Dr. Rosenthal aus Berlin, sprach im allgemeinen über die deutsche Judenheit. Herr Dr. Maier Hildesheimer betonte besonders den schroffen Standpunkt, den die „Aguda" einnehme. Nach einer weiteren Rede eines Rabbiners aus Ostrowo wurden die anwesenden jungen Damen aufgefordert, die Herren, die noch übriggeblieben waren, zum Beitritt zu gewinnen. Wenn ein Jude die Weltmeisterschaft erringt. . (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Bei den großen internationalen olympischen Festspielen in Stockholm errang die Weltmeisterschaft im Säbelfechten der Budapester Rechtsanwalt Dr. Eugen F uch s. Bei den vor vier Jahren in London veranstalteten olympischen Festspielen wurde er ebenfalls Weltmeister und als solcher mit der goldenen Medaille ausgezeichnet. Sein Sieg wirkte damals sensationell, und um die Bedeutung desselben abzuschwächen, trachtete man, seinen Erfolg als einen zufälligen, durch momentane Dispositionen des gütigen Schicksals erfochtenen zu erklären. Die Wiederholung des Sieges in Stockholm war nun die „schlagendste" Widerlegung dieses Kesseltreibens. Dr. Fuchs bekam aber dennoch zu fühlen, daß etwas an ihm ausgesetzt wird..... Bei dem Empfange nach seiner Rückkehr wiederholten sich nämlich dieselben Szenen, welche er vor vier Jahren erleben konnte. Eine große Menschenmenge, bestehend aus den (zumeist jüdischen) Mitgliedern seines und der befreundeten Sportvereine bereiteten ihm einen festlichen Empfang. Mit großer Begeisterung wurde er als ein würdiger Vertreter des M a g y a r e n t u m s gefeiert. Der Empfang hatte aber einen großen Schönheitsfehler: die rassenreinen Sportvereinigungen und die gesamte offizielle Sportwelt glänzten mit ihrer Abwesenheit — gerade wie vor vier Jahren. | □□□ □ □□ FEUILLETON o r> o □ ) O -O o Jugenderinnerungen Von Jehudah Steinberg (Aus dem Hebräischen von Ernst Müller.) Als ich ein kleiner Knabe war, liebte ich es, dem Zuge der Vögel nachzublicken. Gern sah ich, wie sie in großen Schwärmen plötzlich vor meinem Blick auftauchten, wie aus der Luft entsprungen, in langgedehntem Zuge hinschwebten, dann plötzlich auseinanderdrängten und sich in Lager und einzelne Fahnen teilten. Ganze Heerlager, in der Luft schwebend — hangend, wie durch ein Wunder, zwischen Himmel und Erde, zwitschernd ein Gespräch führend, leise singend — so senden sie von oben Segen oder Fluch auf uns herab. Ein anderes Gespräch kannte ich damals nicht — entweder „Segen" oder „Fluch". Gerne wäre ich ihnen nachgeeilt, ihnen entgegengehüpft, hätte sie gerne begleitet, ihnen den letzten Seufzer gesandt, den Sehnsuchtsseufzer nach dem, was über mir ist. Auch konnte ich gar nicht zweifeln, daß sie nach Erez Israel ziehen, sich dort zwischen grünen Lulabim Nester bauen und von Ethrogim sich nähren. Zieht in Frieden, ihr guten Vöglein! Bringt meinen Gruß dem Berge Abarim und dem Nebo, dem Meere, dem Jordan! Besuchet Mutter Rachels Grab und saget ihr, daß ich, ihr Sohn, mich unsagbar nach ihr sehne. Wohl den Wesen, die sich über ihren Ort erheben können! — Und ich liebte auch den schönen Wald, in dem die Vögel wohnen; diesen Wald, den ich nur einmal des Jahres, am „Lag Baomer", zu sehen gewürdigt war. Und damit zugleich liebe ich das Andenken an „Gadiel den Schammes", einen unverheirateten, zänkischen Greis, der in jener „Klaus" Dienste versah, wo mein Vater betete. Er begleitete uns immer am Lag Baomer in den Wald, aus Sorge, es könnte uns etwas zustoßen, obwohl niemand von den Eltern und Lehrern dies von