Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 32 (9.8.1912)
- Date
- 1912-08-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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962 DIE] In der Debatte wurde dem Zentralbureau die Anerkennung für die geleistete Arbeit und das Vertrauen ausgesprochen. Anträge, betreffend Ausgestaltung der Parteipresse, Begründung eines Bureaus in Palästina und Begründung der Gartenbaukolonie, fanden einstimmige Annahme. Ueber die Stellungnahme des Misrachi zur Agudath-Israel referierten Dr. L e w y, Charlottenburg, und Jurovitz, Berlin. Nach sehr lebhafter Debatte konstatierte das Zentralkomitee sein Einverständnis mit der Teilnahme des Vorsitzenden Dr. Frank an der Konferenz in Kattowitz und der Zurückweisung der Breuerschen Angriffe. Es wurde folgende Resolution gefaßt: „Die in Berlin versammelten Mitglieder des Zentralkomitees des Misrachi protestieren aufs schärfste gegen die Beschimpfungen des Misrachi durch Rabbiner Dr. Breuer auf der Konferenz in Kattowitz. Sie erwarten eine offizielle und öffentliche Zurückweisung dieser Angriffe durch das provisorische Komitee, da sie sonst nicht in der Lage sind, den Mitgliedern des Misrachi den Anschluß an die Agudath Israel zu empfehlen." Das auf Grund des neuen Organisationsstatuts der Gesamtbewegung notwendig gewordene neue Misrachistatut findet vorläufige Annahme, da die endgültige Beschließung dem ordentlichen Delegiertentage vorbehalten bleibt. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Deutschland Köln. Die hiesige Zionistische Vereinigung veranstaltete am 30. Juni er. die Äbschicdsfeier ihres von Köln scheidenden Vorsitzenden, Herrn Max G o 1 d r e i c h. Die Eröffnungsansprache hielt Herr Lehrer Reinhardt. Er dankte Herrn Goldreich im Namen der Ortsgruppe für seine aufopferungsvolle Arbeit und überreichte das Diplom über seine Eintragung ins Goldene Buch. Der Direktor des Jüdischen Nationalfonds, Herr Dr. M. J. B o d e n h e i m e r , dankte Herrn Goldreich für dessen Tätigkeit zugunsten des Nationalfonds. Zum Schluß widmete Herr David W o 1 f f s o h n dem Scheidenden herzliche Worte des Abschieds. Königsberg i. Pr. Zum Andenken an Theodor Herzl veranstaltete die Zionistische Vereinigung im Ostseebad Cranz am Sonntag, den 28. Juli, eine öffentliche Versammlung, an welcher etwa 250 Personen teilnahmen. Die Herren Dr. Julius R o s e n f e 1 d , Redakteur G o 1 d s t e i n vom „Raswjet" und Kurt Bl u m e n f e 1 d hielten Ansprachen. Die zugunsten des Herzlwaldes veranstaltete Sammlung ergab mehr als 300 M. Österreich Eine neue Zeitung Unter dem Titel „Der Volkswille" wird in Lemberg ein Wochenblatt in jüdischer Sprache erscheinen, herausgegeben und redigiert von Dr. Leon Reich. Das Blatt, das auf dem Standpunkte des Baseler Programms steht, will der Propaganda und Vertiefung der zionistischen Idee und des jüdischnationalen Gedankens dienen, vor allem jedoch den jüdischen Angelegenheiten in der Hauptstadt Galiziens Aufmerksamkeit widmen und sich bestreben, zur ökonomischen und moralischen Sanierung der Verhältnisse im „dritten Viertel" Lembergs beizutragen. Ebenso wird das Organ bemüht sein, die aktuellen Fragen der zionistischen Parteileitung in Galizien rechtzeitig und allseitig zu erörtern. * Chrzanow. Anlaßlich der Wiederkehr des Todestages unseres unvergeßlichen Führers Dr. Theodor Herzl hat der Verein „Bnej Zion", Chrzanow, wie alljährlich, eine Trauerandacht in der Synagoge „Ansehe Chajil" veranstaltet, zu welcher über 200 Personen aus allen Schichten der Chrzanower Bevölkerung erschienen waren. In einer 11 L> stündigen Rede entwickelte Gg. Schwarzbart die Bedeutung Herzls für das jüdische Volk. Danach wurde für den Herzlwald gesammelt. Es wurde dann ein Komitee gewählt, das eine Auslosung von Oelbäumen in folgender Weise veranstaltete: Es wurden 175 Lose a 20 Heller mit fünf Treffern ausgegeben, und auf den Namen der Gewinner wurde ein Oelbaurn eingetragen. Im Laufe von acht Tagen ist es gelungen, alle 175 Lose zu verkaufen. Die Auslosung hat schon stattgefunden, und die Treffer fielen auf folgende Namen: Abraham ftELT Nr. 32 Wasserberger, Juda Orn stein, Feiwel Katz, Abraham Hirschberg, Jacob Elias Schönberg. Unser Verein „Bnej Zion", welcher schon ca. 15 Jahre besteht, hat sich während dieser Zeit gut entwickelt, da heute fast die ganze Jugend beider Geschlechter nationalistisch und zionistisch gesinnt ist. Wir bringen jährlich einen schönen Betrag für den jüdischen Nationalfonds auf. Ein schwerer Verlust (Von unserem Berichterstatter.) Prag. Unsere Distriktsorganisation hat einen schweren Verlust erlitten: Am 22. Juli starb in Teplitz-Schönau plötzlich nach der Rückkehr von seinem Erholungsurlaub unser Gg. Bankier B e r t h o 1 d P e r u t z. Der Verstorbene war einer der angesehensten Bürger der Stadt, von Juden und Christen gleichgeachtet, und zählte zu den ältesten Mitgliedern des zionistischen Volksvereins. Seine soziale Stellung hielt ihn nicht ab, sich stets offen und stolz als Jude zu bekennen, und er ist auch aus dem „Deutschen Schulverein", dessen Schatzmeister er lange Zeit war, ausgetreten, als die verborgene antisemitische Gesinnung der Leiter dieses Vereins offenbar wurde. Sein vornehmer Charakter wird unvergessen bleiben. — Die Gattin des Verblichenen ist die durch ihre ungewöhnliche Opferwilligkeit für zionistische Zwecke weit über den Rahmen unseres österreichischen Landesverbandes bekannte Frau Elisabeth Perutz, Mitglied des zionistischen Zentralkomitees für Weltösterreich, der wir unser herzliches Beileid aussprechen. — Der Volksverein „Zion" in Teplitz-Schönau beschloß, zum dauernden Andenken an den verstorbenen Freund einen Berthold Perutz-Garten im Herzlwald zu begründen, für welchen bis 1. August schon 90 Oelbäume gestiftet wurden. Frau Elisabeth Perutz hat dem Jüdischen Volks- Verein „Zion" in Teplitz anläßlich des Ablebens ihres Gatten 300 Kr. überwiesen. Agitationsversammlungen Das zionistische Distriktskomitee für Böhmen hat sich in diesem Jahr besonders die Propaganda im tschechischen Sprachgebiet angelegen sein lassen. Es wurde eine tschechische Agitationsbroschüre herausgegeben, und mehrere andere sind in Vorbereitung. Bei diesen Arbeiten wird das D. K. insbesondere von dem Studentenverein „Theodor Herzl", der vor zwei Jahren durch den Verein Bar Kochba ins Leben gerufen wurde, und von Mitgliedern der „Poale Zion" unterstützt. Auch im Sommer ruht diese Arbeit nicht. Am 4. August fanden in Deutsch brod und in Humpolec große zionistische Versammlungen statt, bei welchen Gg. Angelo Goldstein referierte. Die tschechische Oeffentlichkeit, die durch die verlogene Politik der tschechischen Assimilanten falsch informiert ist, beginnt sich immer lebhafter mit dem Zionismus zu beschäftigen. — Es ist zu hoffen, daß sich die großen moralischen Erfolge der letzten Monate in der kommenden Saison in greifbare Organisationserfolge werden umsetzen lassen. * Wien. Am Sonntag, den 28. Juli, stürzte der Jurist Ignaz Berg er aus Leopoldsdorf von einem der Felsen, die den Königssee umschließen, ab und fiel in den See. Die Leiche konnte bisher nicht geborgen werden. Der so tragisch ums Leben Gekommene war ein vortrefflicher Charakter und begeisterter Zionist. Sein Andenken wird in Ehren gehalten werden. Marienbad. Diese Woche hielt Herr Dr. Hey man i aus Berlin in einer von Herrn Blitz aus Berlin geleiteter Versammlung einen Vortrag über „Die Erhaltung des Judentums". Dem Vortrag erfolgte eine erregte Diskussion, dr die Orthodoxen den Zionismus heftig angriffen. Herr Blitz zitierte hebräische Auszüge aus Bibel und Talmud und bewies damit, auf welch falscher Führte die Orthodoxen sind, wenn sie den Zionismus bekämpfen. Herr Dr. Weisengrün antwortete den Orthodoxen in scharfen Worten. Unbegreiflich ist die Auffassung, daß der Zionismus der Frömmigkeit schade Herr Rosenberg aus Lublin wies auf die Intoleranz dei gesetzestreuen Fabrikeigentümer in Lodz und Warschau hin, die ihre jüdischen Arbeiter zwingen, am Samstag zu arbeiten Die Schlußrede hielt Dr. Heymann. Er führte u. a. aus daß in Deutschland bei den Wahlen und überall, wo es siel; um jüdische Interessen handelt, Orthodoxe mit Zionisten Schulter an Schulter kämpfen. Auch im Osten müßten die Orthodoxen, wenn es ihnen ernst ist mit der Aufrechterhaltunr