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Die Welt · 1912-08-09 · 32 (9.8.1912) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
32 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 32 DIE3q£ELT Herren A. C a s h (Toronto), H. Bernstein (Montreal), M. B r a i n i n (Montreal), A. J. Freiman (Ottawa), Leon Goldman (Montreal), M. Marikus (Montreal); Schatzmeister: Mr. A. Lewin; Schriftführer: Rev. Nathan Gordon und Mr. J. S. Lee; Hebräischer Sekretär: Mr. S. Haskeil; ferner 30 Komiteemitglieder. Am Abend fand eine große öffentliche 959 Versammlung in St. Patrick's Hall statt, woran die gesamte jüdische Bevölkerung von Ottawa teilnahm. Die Konvention hat deutlich gezeigt, daß der Zionismus in Kanada sowohl von dem jüdischen Volk, als auch von seinen Führern unterstützt wird, und daß er dem gesamten kanadisch-jüdischen Gemeindeleben Einigkeit und Kraft verleiht. PALASTINA-RUNDSCHAU (Von unserem Berichterstatter.) Die Generalversammlung des Hebräischen Gymnasiums in Jaffa Die Versammlung wurde in Anwesenheit von etwa 60 Personen eröffnet, darunter sämtliche Lehrer, sowie einige Mitglieder und Freunde des Gymnasiums, die von auswärtigen Mitgliedern mit ihrer Vertretung beauftragt waren. Nach der Eröffnungsrede des Herrn S c h e i n k i n , über die bereits in der vorigen Nummer berichtet wurde, erstattete der frühere Leiter, Dr. Bogratschoff, den pädagogischen Rechenschaftsbericht. Während ,die Schülerzahl im vorigen Jahre ca. 250 betrug, schließt das laufende Schuljahr mit J50 Schülern ab. Der Zuwachs von ca. 100 Schülern in einem iahre stammt zum größten Teile aus dem Ausland. Von der Gesamtzahl stammen 146 Schüler aus Jaffa. Von 109 Schülern eben die Eltern nicht in Jaffa, 65 Schüler leben mit ihren Muttern in Jaffa, während die Väter im Auslande ihrem Ererb nachgehen, 20 Schüler stammen aus den Kolonien. Von den 350 Zöglingen sind 115 Mädchen. Nur 217 u-hüler bezahlen das ganze Schulgeld, während 75 Schüler nur iie Hälfte bezahlen und 48 Schüler von der Bezahlung ganz nefreit sind. Der Zuwachs von ca. 100 Schülern verteilte sich naturgemäß nicht gleichmäßig auf alle Klassen. So erhielten die dritte und vierte Klasse einen Zuwachs von je 17 Schülern, während die fünfte Klasse 23 neue Schüler aufnahm, so daß -ie auf 51 Schüler anwuchs. Dieser Zustrom hätte sich zum Teil gut nach dem Jerusalemer Gymnasium ablenken lassen, was sicherlich im Interesse beider Anstalten gelegen wäre. Aber leider gibt es zwischen den beiden Schwesterschulen noch keine so innigen Beziehungen, wie dies zu wünschen wäre. So entschloß man sich zur Schaffung von Parallelklassen. Die Mittel für den erforderlichen Zubau hat Herr Lordmayor Jakob Moser in gewohnter generöser Weise zur Verfügung gestellt. Dr. Bogratschoff wies dann auf die großen Aufgaben hin, die in nächster Zukunft der Lösung harren. In vorderster Reihe steht die Fürsorge für die auswärtigen Schüler. Zwar hat man bereits eine Pension geschaffen, aber sie kann vorläufig nur 35 Schüler beköstigen. Das Gros der auswärtigen Schüler aber befindet sich in sehr schlechter Lage. Es wurde vom Schularzt konstatiert, daß diese Schüler im Gegensatze zu den einheimischen und den in der Pension beköstigten Schülern, gesundheitlich zu leiden haben. Dieser Frage wird man nun die größte Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Ebenso wird man jetzt an die Herausgabe von Lehrbüchern herantreten, wofür ja Jakob Schiff bereits vor Jahren 5000 Frcs. gespendet hat. Dr. Bogratschoff schloß seine Ausführungen mit einem Rückblick über das pädagogisch bereits Erreichte und mit der Versicherung1, daß die Schüler sowohl in jüdischer wie in allgemeiner Beziehung den Ansprüchen eines Gymnasialunterrichtes entsprechend unterwiesen werden. Herr S c h e i n k i n , der Vorsitzende des Verwaltungsrats, erstattete sodann den finanziellen Bericht. Im abgelaufenen Schuljahr betrugen die Ausgaben öö 75Q Frcs. Von besonderem Interesse sind wohl die Zahlen über den Fonds des Gymnasiums. 376 763,75 Frcs. wurden bis jetzt gezeichnet, von denen bereits 207 455,25 Frcs. eingegangen sind. Ca. 120 000 Frcs. sind bereits zur Deckung des Defizits während der bisherigen Jahre sowie als Agitationskosten usw. verausgabt worden. Von den noch ausstehenden Beträgen betrachtet Herr Scheiiiikin 110 000 Frcs. als sicheres Geld wenn man die Einziehung richtig betreiben wird. Für das kommende Schuljahr wurde ein Budget von 77 400 Frcs. bewilligt. Die Versammlung befaßte sich sodann mit der Frage der Schaffung von Statuten sowie der Legalisierung des Gymnasiums. Beide Materien wurden an entsprechende Kommissionen verwiesen. In den Verwaltungsrat wurden folgende Herren gewählt: Berlin, Ismoschidk, Lew, Metman, Scheinkin und Schertok, ferner Dr. Chissin sowie ein Vertreter des Palästina-Amtes und drei Vertreter des Elternausschusses. Als Leiter der Schule für das kommende Jahr wurde Dr. Moss i n s o h n gewählt. Der Generalversammlung, die drei Abende in Anspruch nahm, gingen Beratungen der Eltern voraus. Alles in allem, zeigte die Versammlung ein erfreuliches Wachstum der Anstalt. Wenn dieses Wachstum in den nächsten Jahren anhält, so werden bald auch die Parallelklassen überfüllt sein. Die auswärtigen Schüler der nationalen Schulen in Jaffa und Jerusalem werden aber, wenn sie auch nicht alle im Lande bleiben sollten, guten palästinischen Geist nach Hause mitnehmen und unsere besten Vorposten in der Diaspora bilden. Schlägereien In S i ch r o n - J ak o b kam es in der Nähe des Druschplatzes zwischen dem arabischen Wächter und dem Hirten eines benachbarten Dorfes zu einem Streit, der damit endete, daß der Hirt den Wächter erschoß. Alsbald rotteten sich die Verwandten des Ermordeten zusammen und wollten den Druschplatz plündern, obwohl er den Juden gehört, die an der Ermordung gar keinen Anteil hatten. Sofort wurde die Regierung verständigt, die den Mörder festnahm und jede Ausschreitung verhinderte. Freilich ist es dabei nicht ohne größere „Ausgaben", die zur Beruhigung der Gemüter dienen sollten, abgegangen. Der zweite Vorfall gestaltete sich trauriger für uns. Der Kolonist Abraham Nachodkin in K a s t i n i e ertappte seinen arabischen Knaben beim Stehlen der Mandeln. Es kam darüber zwischen ihm und seinem arabischen Hirten, einem nahen Verwandten des Knaben, zu einer Prügelei. Kurz darauf starb der Kolonist; wie die ärztliche Untersuchung ergab, waren die erlittenen Verletzungen nicht die direkte Ursache des Todes. Der Kolonist war herzkrank, und die Aufregung mag sein Ende herbeigeführt haben. Der Hirt ist geflüchtet und konnte noch nicht festgenommen werden.

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