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Die Welt · 1912-08-09 · 32 (9.8.1912) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
32 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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„Aber eine Gefahr droht unserem Volk, die schlimmer ist als physische Leiden, Vorurteile und Ungerechtigkeiten, welchen wir in vielen Teilen der Erde begegnen. Ich denke an die Verluste, welche wir durch Assimilation, durch jene fremden Gewalten, die das jüdische Leben in vielen Häusern unterdrücken und abtöten, erleiden, an jene materialistischen Mächte, welche die Gleichgültigkeit gegenüber jüdischen Traditionen, jüdischem Gesetz und jüdischen Gebräuchen heraufbeschwören.4' Mr. de Sola schloß mit einem dringenden Mahnruf an die kanadischen Zionisten, in ihrer Arbeit noch weitere Fortschritte zu machen. Die Rede wurde mit lebhaftem Applaus aufgenommen, und darauf die Vormittagssitzung geschlossen. In der Nachmittagssitzung wurde zunächst eine Anzahl anfeuernder Botschaften aus allen Teilen Europas und Amerikas verlesen, unter denen sich auch eine solche von Professor Dr. Otto War bürg befand, die mit stürmischem Applaus aufgenommen wurde. Auch das Begrüßungsschreiben von Dr. Bodenh e i in c r , dem Vorsitzenden des Jüdischen Nationalfonds, erregte große Freude. Alsdann wurden die verschiedenen Berichte des Komitees entgegengenommen. Der Bericht des Schatzmeisters war noch günstiger, als man vorher angenommen hatte. Alles in allem, wurden 14 475 Doli, für die verschiedenen Fonds gezeichnet, u. a. 1274 Doli. Schekel, 2200 Doli. Nationalfonds, 3300 Doli. Bezalei, 5052 Doli. Landfonds. Am Sonntag Abend fand ein Bankett statt, an welchem alle auswärtigen Delegierten und die hervorragendsten Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Ottawa teilnahmen. Am Montag Vormittag wurde über die verschiedenen Fonds der Bewegung berichtet und diskutiert. Diese Verhandlungen wurden unterbrochen, um den stellvertretenden Premierminister von Kanada, Mr. George H. Perley, zu begrüßen, dessen Erscheinen in der Konvention Aufsehen erregte. Es wurden patriotische Lieder gesungen und Mr. de Sola begrüßte Mr. Perley im Namen der Konvention. Nachdem Mr. de Sola auf Mr. Perleys Wunsch im Verlaufe einer Debatte über den Landfonds einen kurzen Ueberblick über die kolonisatorische Tätigkeit in Palästina gegeben hatte, ergriff der Staatsmann das Wort zu einer Rede, die mit großem Enthusiasmus aufgenommen wurde. Großen Eindruck habe auf ihn die hervorragende Ordnung und die strenge Beobachtung parlamentarischer Regeln bei den Verhandlungen gemacht, und mit großem Interesse sei er den Worten von Mr. de Sola gefolgt, der eine so ausgezeichnete Schilderung des natürlichen Reichtums von Palästina gegeben habe. Er habe auch die Frage erwogen, ob das Land wirklich so fruchtbar wäre, wie es dargestellt wird, und er könne nach selbstgesammelter Erfahrung sagen, daß Mr. de Sola ein richtiges Bild ohne jede Uebertreibung entworfen habe. Das Land besitze sogar noch viel größere Reize und Anziehungskraft, als man nach Mr. de Solas Beschreibung annehmen könne. Denn er, Mr. Perley, selbst sei erst vor kurzem in Palästina gewesen und habe die Ertragsmöglichkeiten des Landes studiert, er sei ebenso erstaunt wie erfreut gewesen, zu erkennen, wie hervorragend fruchtbar und reich das Land wäre, wenn es in der richtigen Weise bewirtschaftet wird. Er sprach mit großer Bewunderung von dem, was die jüdischen Kolonisten schon zu Wege gebracht hätten, und prophezeite dem Lande eine glänzende Zukunft, wenn die Kolonien sich weiter auf der Grundlage, auf der sie jetzt arbeiten, entwickeln; können. Es sei unmöglich, zu viel des Lobes von der Qualität der Früchte und anderer Bodenerzeugnisse der jüdischen Kolonien des Heiligen Landes zu sagen, denn er hätte nie' solch saftige und im Geschmack köstliche Apfelsinen gekostet, wie die dort erzeugten, und das gleiche gälte von allen anderen Produkten. Was die Bewegung anbetrifft, so müsse er der Konvention versichern, daß nicht nur er, sondern sämtliche Mitglieder der kanadischen Regierung ihr die herzlichste Sympathie entgegenbringen. Vor allen anderen verdiene diese Bewegung Unterstützung und Ansporn, und er könne nicht begreifen, wie es möglich sei, daß jemand gegen eine Bewegung sein könne, die so viel Gutes für das jüdische Volk tue. Palästina sei das für die jüdische Kolonisation besonders geeignete Land. Das Heilige Land sei die historische Heimat der Hebräer, und ihre Rückkehr dorthin bedeute die Fortsetzung ihrer Geschichte. Die in Kanada eingewandertem Juden seien vorzügliche Bürger, und sie lehrten die neuen Einwanderer, gute und treue Bürger zu werden und die Institutionen und die Verwaltung Kanadas zu verstehen und zu würdigen. Aber während sie sich einer glüdklichen Heimat in Kanada erfreuten, wäre es nur zu richtig und natürlich, daß sie den Wunsch hegten, ihre Glaubensgenossen sollten anderswo auch diese Rechte und Privilegien genießen, und die Vorteile, welche Palästina einwandernden Juden als Heimat böte, müßten dem gesunden Menschenverstand und dem historischen Empfinden eines jeden Juden klar werden. Diejenigen, welche nach Kanada kamen, wurden herzlich willkommen geheißen, und genießen dieselben Rechte und Freiheiten, wie alle anderen Bürger. Aber es sei ja natürlich unmöglich, die großen Mengen jüdischen Volkes von Osteuropa nach dem fernen Kanada zu bringen, und darum führen diejenigen, welche nach Palästina gehen, einen Plan durch, welcher zur Lösung der Judenfrage beiträgt. Er wünsche ihnen alles Gute und seine besten Wünsche für ihren Erfolg würden stets die Zionisten begleiten. Mr. Perleys Rede wurde oft von Beifallrufen unterbrochen, und stürmischer Applaus begleitete seine letzten Worte. Mr. de Sola sprach Mr. Perley den Dank der Konvention aus, und erklärte, daß die Zionisten ihm zu großein Dank verpflichtet seien für die Unterstützung, die er der Bewegung im Namen der kanadischen Regierung habe zuteil werden lassen. Er wies darauf hin, daß die kanadischen Zionisten sowohl, als die Zionisten anderer Länder, der Fahne des Landes, in dem sie leben, treu ergeben seien, aber es würde ein entschiedener Mangel an Pflichtgefühl sein, wenn sie nicht dessen eingedenk wären, daß die allgemeine Lage des jüdischen Volkes eine derartige sei, daß man ihm eine Heimat bereiten und ihm in Palästina eine Wohnstätte wiedergewinnen müsse. Ein allgemeines Dankesvotum wurde Mr. Perley dargebracht, und unter lebhaften Zurufen und den Klängen von „God save the King" verließ er den Sitzungssaal. Am Nachmittag nahmen Bericht und Debatte über den Landfonds den Hauptteil der Verhandlungen in Anspruch, und eine außerordentlich enthusiastische Szene entwickelte sich nach einem Appell von Dr. Shayne von dem B'nai Zion in Toronto, währenddem das Geld buchstäblich herbeiströmte. In wenigen Minuten wurden große Summen gezeichnet, wobei die Delegierten in der Höhe der Zeichnungen wetteiferten; die Agudath Zion von Montreal zeichnete allein 1000 Doli. Das Endresultat der gezeichneten Beträge erreichte beinahe 5000 Doli. Einige Herren aus Toronto versprachen 5000 Doli., Mr. R. Darwin aus Montreal 10 000 Doli, und eine Gruppe Delegierter aus Winnipeg wollte 36 000 Doli, investieren, wenn ein spezieller Titel für eine aus diesen Herren bestehende Gesellschaft, nötigenfalls unter türkischem Gesetz eingetragen, geschaffen werden würde. Diese Summen miteingerechnet, stehen jetzt ca. 60 000 Doli, der kanadischen Federation für Landankäufe zur Verfügung. Die Wahlen hatten folgende Resultate: Präsident: Mr. Clarence I. de Sola (Montreal); Vizepräsidenten: die

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