Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 32 (9.8.1912)
- Date
- 1912-08-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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960 Diese beiden Vorfälle beweisen aufs neue, wie richtig jene Kolonien und Farmen handeln, die jüdische Wächter und Hirten anstellen. Noch sind auf dem Lande unsere arabischen Vettern nicht soweit fortgeschritten, daß wir sie ohne Gefahr bei Arbeiten verwenden können, die einen ständigen persönlichen Umgang erforderlich machen. Und die Erfahrung lehrt immer wieder, daß sich dort mit den arabischen Dörfern am besten ein freundschaftlich-nachbarliches Verhältnis aufrecht erhalten läßt, wo der gegenseitige Umgang auf ein vernünftiges Maß beschränkt bleibt. Weinlese und Mandelernte Die Zeit der Weinlese und der Mandelernte ist da. Da heißt es in unseren Kolonien: Alle Leute an die Arbeit! Auch Frauen und Kinder sind willkommene Helfer, da es viel leichte Arbeiten gibt, die sie gut ausführen können. Die Arbeiter dürfen von der Frucht der Weingärten und der Mandelbäume mitgenießen nach Herzenslust. Dafür aber ist der Arbeitslohn recht niedrig. Es bleibt abzuwarten, wie die Marktpreise sich gestalten werden. Aus den Kolonien Pethach-Tik wah, 18. Juli. Diese Woche fand hier unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Aaron M a s i e aus Jerusalem eine Generalversammlung derjenigen Orangengärtenbesitzer statt, die im „Pardus" organisiert sind. Auf der Tagesordnung standen wichtige Angelegenheiten dieser Gesellschaft. — Die Mitglieder der „Union", der zweiten kleineren Gesellschaft, verkaufen nicht, wie der „Pardus" selbständig ihre Früchte auf dem Weltmarkt, sondern an Jaffaer Kaufleute. Jedoch will im kommenden Jahre auch die „Union" einen Versuch mit dem ^selbständigen Absatz von 15 000 Kisteq machen. Eine eben vorgenommene Zählung hat ergeben, daß es hier 160 aschkenasische landwirtschaftliche Arbeiter gibt. Sichron-Jakob. Von hier wird dem „Hacheruth" geschrieben: „Das abgelaufene Jahr ist nicht als besonders günstig anzusprechen. Die Schuld trifft den Regen, der sich im Winter ganz terminwidrig eingestellt hat. Besonders litten die Getreidefelder in Burg, die sonst immer prächtige Ernten ergaben. Dessenungeachtet ist bei der emsigen Arbeit von Mißmut nichts zu merken. Man mäht, fährt das Getreide nach dem Druschplatz und auch der Drusch wird bereits mit Anspannung aller Kräfte betrieben. Besonders ist es interessant, unsere abgemagerten jemenitischen Brüder bei der Arbeit zu sehen. Gar frohen Mutes schwingt der Jemenite sein Arbeitsgerät, während der Wind ihm die Zizith (Schaufäden) ins braune Gesicht jagt und der Schweiß ihm herunterrinnt." Wie es heißt, werden an den Ferienkursen, die hier von der Lehrerorganisation veranstaltet werden, ca. 120 Lehrer teilnehmen. Schulwesen und Schrifttum Das Lehre rinnen seminar. Im kommenden Oktober wird in Jaffa das Lehrerinnenseminar, das vom Odessaer Komitee auf den Namen des vor zwei Jahren verstorbenen hebräischen Schriftstellers A. L. L e w i n s k y gegründet wurde, eröffnet werden. In den vier Unterrichtsjahren werden die Schülerinnen in hebräischer Sprache und Literatur, in Bibel und Talmud, in jüdischer und allgemeiner Geschichte, Geographie, Mathematik, Physik und Chemie, Kunstgeschichte, Pädagogik, Französiscli (Arabisch ist fakultativ), Handfertigkeit, Zeichnen, Gesang und Turnen ausgebildet. Im kommenden Jahre wird zunächst die erste Klasse eröffnet werden. Leiter des Seminars ist Dr. N. Turoff. Nr. 32 Die Musikschule in Jerusalem. Dieser Tage fand die Prüfung in der hiesigen Musikschule statt. Viele Gäste, besonders aus dem Kreise der Eltern und Lehrer, waren anwesend. Die Prüfung zeigte, daß die Schüler während der acht Monate des Bestehens der Schule recht erfreuliche Fortschritte gemacht haben. Dr. A. M a s i e dankte im Namen der Eltern und Schüler Frau Dr. R u p p i n, der Leiterin der Schule, für ihre mühevolle Arbeit. Der „Haor" vor Gericht. Das Jerusalemer Tageblatt „Haor" wurde wegen einer mehrere Monate zurückliegenden Meldung aus Jaffa bezüglich des Verlangens der Konsuln, Kriegsschiffe zum Schutz der Ausländer nach Jaffa zu entsenden, angeklagt. Nach Vorlegung einer autorisierten Uebersetzung der inkrimierten Meldung wurde der „Haor" freigesprochen. Die Eisenbahn Jaffa—Port Said Die „Welt" gibt in Nr. 30 zu dieser Frage einen Artikel der Levantezeitung wieder, der den Bahnbau sehr skeptisch beurteilt, und nur verständlich ist, wenn man berücksichtigt, daß die Herausgeberin der Levantezeitung, die Levantelinie, als Schiffahrtsgesellschaft dem 'Bau einer Eisenbahn von Aegypn ten nach Palästina, die ihr fürs erste erheblichen Fracht- und Paissagiervenkehr entziehen würde, nicht günstig gestimmt sein kann. Dagegen hat die Zionistische Organisation, die bestrebt sein muß, Palästina dem Weltmarkte näher zu bringen und die Reise nach Palästina Einwanderern und Touristen nach Möglichkeit zu erleichtern, das größte Interesse an guten und sicheren Verbindungen mit Aegypten und dem Suezkanal. Schon heute ist Aegypten der beste Markt für die Weine, Trauben, Rosinen, Orangen und anderen Früchte Palästinas. Ist die palästinensische Viehzucht einmal besser entwickelt, so wird Aegypten der beste Abnehmer für deren Produkte, insbesondere für frische Milch, die keinen Seetransport verträgt, den Landtransport jedoch durchaus ertragen könnte. Aehnliches gilt für die Geflügelzucht und die Einfuhr von Eiern. Wird auch durch den Bau des Jaffaer Hafens — wenn er einmal kommt — der .Verkehr außerordentlich erleichtert und verbilligt, so ist dennoch auch für den Frachtverkehr die Bahnlinie in Zukunft von größter Bedeutung. Ganz unentbehrlich ist aber die Bahn für den Personenverkehr. Heute ist infolge der miserablen Hafenverhältnisse in Jaffa und Haifa die Reise von Alexandrien oder Port Said aus alles andere als ein Vergnügen. Oft müssen die Passagiere viele Tage lang in den ägyptischen bzw. palästinensischen Häfen liegen, wenn wegen Sturm die Dampfer die palästinensischen iHäfen nicht anlaufen können. Die Reisenden verlieren Zeit, und wer mit kurz bemessenen Terminen rechnen oder als Kaufmann telegraphischen Abruf nach Aegypten oder Europa erwarten muß, unterläßt die Reise nach Palästina vielfach ganz. Dieses wird sich nun mit dem Hafenbau bessern; aber zahlreiche Leute gehen ungern aufs Meer und gar auf ein so unruhiges, wie das in der Südostecke des Mittelmeeres auf wenig komfortablen Dampfern. Dagegen kann die 300 km lange Landstrecke Port Said- Jaffa, wenn man ägyptische Maßstäbe zugrunde legt, in sieben Stunden durchmessen werden (Kairo—Assuan 884 km, Fahrzeit 20 Stunden 17 Minuten), und die Fahrt auf den ägyptischen und sudanesischen Wüstenbahnen ist zwar bei Sandsturm auch kein Genuß, kann aber durch zweckmäßige Einrichtung der Wagen durchaus erträglich gestaltet werden, während gegen einen Seesturm auf den kleinen Dampfern bisher noch kein Kraut gewachsen ist. Kommt man in einer Nacht im direkten Schlafwagen in 12 Stunden von Kairo nach Jaffa oder Jerusalem, so wird der allergrößte Teil der Aegypten- DIEE^ELT