Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1912-08-09 · 32 (9.8.1912) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
32 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3315709-3316514-3316546--56315-3350190
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

züglich welcher es heute kaum einen kompetenteren Beurteiler geben wird, als ihn. Im ganzen genommen ist daher der Bericht Achad Haams auch für jene Zionisten, die seiine Grundanschauung nicht teilen, sondern nach wie vor der Ansicht sind, daß die Tragfähigkeit des ganzen Palästinawerkes von der Breite des Unterbaues bedingt ist, welchen die nationale Kolonisation darstellt, daß daher die gegenwärtig wichtigste und dringendste Aufgabe des politischen Zionismus in deren raschem Ausbau besteht, ein Dokument von nicht zu unterschätzender Bedeutung. A. Böhm. Die Jahres-Konvention der Kanadischen Zionisten Die zwölfte Konvention der Federation of Zionist Societies of Canada gehört nun der Vergangenheit an. Sie wird zweifellos als eine der erfolgreichsten zionistischen Zusammenkünfte in Kanada wie überhaupt innerhalb der Organisation angesehen werden können. Es waren mehr als dreiundfünfzig kanadische jüdische Gemeinden vertreten. Einige der Delegierten kamen aus Tausende von Meilen entfernt liegenden Distrikten; die Zionisten von der Küste des Stillen Ozeans scheuten nicht eine Reise von 3000 Meilen nach Ottawa und wieder zurück in ihre Heimat, um an den Beratungen teilzunehmen. Nicht nur die großen Städte an der Küste und im kanadischen Nordwesten waren vertreten, sondern ebenso die großen Städte des Ostens und der atlantischen Küste, wie Halifax, St. John, Quebec, Toronto usw.; und die Hauptstadt von Kanada, Montreal, ließ nicht weniger als zwei Spezial-Eisenbahnwagen abgehen, die mit Delegierten voll besetzt waren. Sogar in den landwirtschaftlichen Distrikten gab es Männer, welche mitten in ihrer Arbeit die Farm verließen, um nach Ottawa zu reisen und für die Bewegung mitzuwirken. Die Konvention hat große Erfolge zu verzeichnen und wurde besonders bemerkenswert durch die Tatsache, daß der stellvertretende Premierminister von Kanada, Mr. George H. P e r l e y, das Wort für die Bewegung ergriff. Die Konvention wurde am Sonnabend, den 29. Juni, durch einen in der eisten Synagoge von Ottawa gehaltenen Gottesdienst eröffnet, dem eine große Anzahl Delegierter beiwohnte, um der herrlichen zionistischen Predigt von Rabbiner S. F y n e zu lauschen. Die verschiedenen Ausschüsse kamen am Abend in dem ersten Hotel der Stadt zusammen. Am folgenden Morgen tagte die Konvention in St. Patrices Hall, einem der größten Säle der Stadt, in welchem für die 350 Delegierte Plätze vorgesehen waren. Nach Erledigung der gewöhnlichen geschäftlichen Angelegenheiten hielt der Präsident der Federation, Mr. Clarence I. de Sola, die Eröffnungsrede. Nachdem er in anerkennenden Worten der letzten in Ottawa gehaltenen Konvention gedacht hatte, sprach Mr. de Sola von der sehr erfolgreichen elften Konvention, welche vor mehr denn Jahresfrist in Toronto stattfand. Der überwältigende Enthusiasmus, welcher bei dieser Gelegenheit zum Ausbruch kam, war nicht bloßer Enthusiasmus, sondern hat auch praktische Resultate gezeitigt. Besonders ein wichtiges Unternehmen verdankt seine Entstehung dieser Konvention, nämlich die Gründung eines speziellen kanadischen Fonds für den Landankauf in Palästina zur Ansiedlung von jüdischen Kolonisten. Die Gründung des Landfonds war das charakteristische Merkmal der letzten Konvention. Man hoffte, wenigstens die Hälfte von 10 000 Dollar bis zu der jetzigen Konvention zusammenzubringen, welche Summe für den ersten Ankauf nötig ist, und mit Genugtuung ist festzustellen, daß sich diese Hoffnung erfüllt hat. Diese Summe ist nicht nur gezeichnet, sondern der Betrag wurde bereits dem Jewish Colonial Trust übermittelt zum Ankauf von Land in Palästina, welches den Namen der Federation of Zionists in Canada tragen soll. Außerdem ist der Fonds durch genügende Zeichnungen gesichert. Auch in anderer Hinsicht sind nur gute Erfolge zu verzeichnen, und die Gesamteinnahmen dieses Jahres haben sich um 105°o gegen diejenigen des Vorjahres vermehrt. Nur mit Verachtung kann man über die Beschränktheit derjenigen lachen, welche behaupten, einen Rückgang in der Stärke des Zionismus wahrzunehmen. Die stetig zunehmende Mitgliederzahl und Einnahme der kanadischen Federation ist das beste Zeugnis für das ständige Wachsen und Gedeihen derselben. Alsdann sprach Mr. de Sola über die in den verschiedenen Vereinen geleistete Arbeit und hob besonders die Arbeit der Frauen hervor; er bemerkte auch, daß die hervorragendsten Mitglieder der kanadischen jüdischen Gemeinden die Bewegung unterstützen. Unter Hinweis auf den X. Kongreß, welcher seit der letzten kanadischen Konvention stattgefunden hat, sprach sich der Präsident in Ausdrücken des Lobes über diejenigen Kanadier aus, welche die Federation bei jenem Kongreß vertreten haben. Indem er auf den Personenwechsel in der zionistischen Leitung, der 'bei dem Kongreß vorgenommen wurde, hinwies, betonte Mr. de Sola besonders die sehr wertvollen und wichtigen Dienste, welche Herr David Wolffsohn während der sehr schwierigen Zeit nach H e r z 1 s Tode geleistet habe, und er sprach die Ueberzeugung aus, daß Professor Dr. Otto Warbürg sich als ein äußerst tüchtiger und würdiger Nachfolger erweisen würde. „Der erste Leiter der Exekutive kann stets auf starke Unterstützung rechnen, und die ergebene Treue der kanadischen Federation dient nur dazu, ein elementares Axiom zu verstärken." ,,Es wird oft die Behauptung aufgestellt, nämlich daß wir das aufgegeben haben, was als politischer Zionismus bekannt ist. Aber wir wissen, daß, wenn irgendwelche politische Arbeit zu leisten ist, wir in unserer politischen Propaganda und Tätigkeit fortfahren. Manche denken, das Erlahmen unserer Bemühungen, einen Charter zu erlangen, ist gleichbedeutend mit dem Aufgeben des politischen Zionismus. Aber der Charter war nur ein Mittel, das zu einem Ende führen sollte, er war nicht das Ende selbst. Ein Charter war notwendig, als die Türkei unter Alleinherrschaft stand; aber seit der Einführung der konstitutionellen Regierung in der Türkei existiert die Notwendigkeit eines Charters nicht mehr." (,Ein anderer absurder Vorwurf ist, daß wir erst jetzt mit der praktischen Arbeit begonnen hätten, und daß wir ein neues Programm für die Kolonisation in Palästina und die Errichtung industrieller Einrichtungen in diesem Lande hätten. Wenn diejenigen, welche solche Ausstellungen machen, nur an das vor fünfzehn Jahren angenommene Basler Programm denken möchten, würden sie darin festgesetzt finden, daß es dem Zionismus obliegt, die Ansiedlung von Ackerbau treibenden, Handwerk, industrielle oder andere Berufe ausübenden Juden zu fördern. Wir konnten mit dieser Arbeit nicht gleich von Beginn unserer Bewegung an anfangen, da wir Idazu nicht die Mittel hatten, aber jetzt, wo wir genügend Hilfsquellen haben, sind wir eifrig tätig an dem Kolonisationswerk gemäß den Bestimmungen, die einen Teil unseres Programmes ausmachen.'*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.