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Die Welt · 1912-08-09 · 32 (9.8.1912) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
32 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 32 nach Europa zurücktransporticrt werden. Dieser behördliche Beschluß steht eigentlich im Gegensatz zu den Staatsgesetzen, die besagen, daß die minderjährigen Kinder eines amerikanischen Staatsbürgers vom Augenblick seiner Naturalisation ab gleichfalls als amerikanische Bürger betrachtet werden. Demgegenüber unterwarf die Einwanderungsbehörde derartige Kinder stets der für Ausländer erforderlichen Prüfung. Die neue Entscheidung des Staatssekretärs besagt nun, daß die Bürgerrechte von Kindern naturalisierter Einwanderer von dem 955 Augenblick an gelten, „wo sie beginnen, sich in den Vereinigten Staaten dauernd niederzulassen'4, daß also die Reise nach Amerika bereits der Beginn der Niederlassung ist und die betr. Kinder, gleich anderen amerikanischen Staatsbürgern, von der Prüfung seitens der Einwandererbehörde entbunden sind. Hauptsächlich für jüdische Immigranten, die häufig kurze Zeit .nach der Einwanderung ihre Familie nachkommen lassen, ist diese Bestimmung von höchstem Wert. Achad Haam über Palästina*) Im Märzheft des „Haschiloach" hat Achad Haam in einem längeren Essay die Eindrücke geschildert, die er von der jüdischen Entwicklung in Palästina bei seiner letzten Anwesenheit im Lande (Herbst 1911) empfangen hatte, und ihre Bedeutung kritisch gevvertet. An den Artikel Achad Haams hat sich eine heftige Polemik geknüpft. Die darin niedergelegten Anschauungen haben sowohl im zionistischen Zentralorgan „Die Welt", als auch im Blatte der palästinensischen Arbeiterorganisation „Hapoel Hazair" starken Widerspruch erfahren. In beiden Organen wurde gesagt, daß die Hoffnungen der politisch-zionistischen Bewegung hauptsächlich auf einer raschen Ausdehnung der nationalen, speziell der genossenschaftlichen Kolonisation beruhten, während das von Achad Haam als allein erstrebenswert und als allein praktisch erreichbar bezeichnete Kulturzentrum, wenn es nicht organisch auf einer breiten Unterlage des Volkslebens sich entwickle, keinen Bestand haben und für die Befreiung des Volkes wie des Landes keine Garantie bieten könne. Eine solche sei nach Ansicht des politischen Zionismus nur in einer Verwurzelung einer steigenden Anzahl von Juden mit dem palästinensischen Boden und dem dadurch zu schaffenden unzerstörbaren Kraftzentrum zu finden. Dieser prinzipielle Streit ist bekanntlich sehr altem Datums. Die Heftigkeit der Kritik erklärt sich diesmal daraus, daß Achad Haam aus der bisherigen jüdischen Entwicklung Palästinas nachzuweisen bemüht ist, daß diese die Richtigkeit seines Standpunktes und die Unmöglichkeit der Durchführbarkeit der politisch-zionistischen Ideen erwiesen habe. Zu diesem Kampf der Meinungen sei bemerkt, daß Achad Haam in seiner Beweisführung — und das erklärt zum großen Teil die Schärfe, mit welcher er diesmal bekämpft wird — die Ideen und Ziele des politischen Zionismus in einer solchen Form vor Augen hat, wie sie seit vielen Jahren nicht mehr besteht. Er scheint die Entwicklung der zionistischen Organisation zu wenig beachtet zu haben, denn sonst könnte er nicht gegen Meinungen polemisieren, die dem längst überwundenen „Charterzionismus" entsprechen, könnte nicht behaupten, daß die Zustimmung zur praktischen Palästinaarbeit des Nationalfonds, deren Resultate er selbst mit größter Anerkennung lobt, den politischen Zionisten nur mit *) Als Ergänzung des Artikels „Staatsmännische und kleinbürgerliche Utopien", von Dr. Pasmanik und der Entgegnung >,»Lin Volksfeind", von Schear Jaschub, bringen wir die Ausführungen Adolf Böhms, der einen vermittelnden Standpunkt einnimmt. Damit wollen wir die Diskussion über den Haschiloach-Artikel Achad Haams, der in der neuesten Nummer (7/8) der Zeitschrift Palästina in deutscher Uebersetzung erscheint, vorläufig abschließen. Mühe und quasi gegen deren Ueberzeugung abgerungen werden müsse, könnte nicht spottend fragen, ob es die arabischen Arbeiter wären, welche die „gesicherte Heimstätte" erarbeiten sollen, usw. Es ist unbegreiflich, daß ein Denker von der Gründlichkeit Achad Haams sich so wenig informiert über den jetzigen Charakter der zionistischen Bewegung zeigt, der er, wenn auch nicht parteigemäß organisiert, als führender Geist selbst angehört. Er beachtet es nicht, daß seit mehr als sechs Jahren die praktische Palästinaarbeit der einhellig anerkannte Hauptinhalt des politisch-zionistischen Tätigkeitsprogrammes ist, ja, daß sogar die Theoretiker der Organisation, nicht unähnlich seiner eigenen Auffassung, davon sprechen, daß der Zionismus zunächst nicht die ökonomische, sondern nur die moralische Judennot beseitigen könne, daß es daher sein nächstes Ziel sei, in Palästina einen „nationalen Kristallisationskern" zu schaffen (Ruppin: „Die Juden der Gegenwart"). Der Spott Achad Haams gilt einer von der Entwicklung schon lange überwundenen Stufe des politischen Zionismus. Aber auch von dieser muß gesagt werden, daß all das, was Achad Haam heute preisenswert findet, nur durch den von ihm so sehr kritisierten politischen Zionismus möglich wurde, denn erst er war imstande, eine Ost und West umfassende Bewegung ins Leben zu rufen, und die großen Machtmittel, Organisation, Bank und Nationalfonds zu schaffen, während die von Achad Haam geführte kulturzionistische Bewegung ohne das Auftreten Herzls wahrscheinlich praktisch unwirksam geblieben wäre. Verkennt Achad Haam die Wesensrichtung des politischen Zionismus von heute, so macht er ihn andererseits für Erscheinungen verantwortlich, die er nicht nur nicht verursacht, sondern seit jeher genau so beurteilt hat, wie Achad Haam selbst. Wen soll der Spott treffen, mit dem er z. B. davon spricht, daß die arabische Arbeit nicht die '(Grundlage der Befreiung (des Landes sein könne? Die erste kräftige Lebensäußerung des politischen Zionismus war eine Verdammung — vielleicht sogar eine nicht ganz gerechte — der Kolonisationsarbeit der früheren Chowewe-Zion, vor allem des Basierens derselben auf fast ausschließlich arabische Arbeit. Wo die Organisation selbst kolonisiert, schafft sie rein nationale Farmen, und die steigende Heranziehung der Jemeniten sowie die Wohnungsfürsorge für diese und andere jüdische Arbeiter, zeigen deutlich, daß die Organisation in der Frage der Nationalisierung der Arbeit zielbewußt handelt. Wenn Achad Haam des weiteren den Habitus der Kolonisten untersucht, so hat er wieder nur die Resultate der Chowewe-Zion-Kolonisation im Auge. Gewiß, das Gros dieser Kolonisten zeigt mehr Farmer- und Kaufmanns-, als Bauerntypus. Aber, wenn Achad Haam

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