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Die Welt · 1912-08-09 · 32 (9.8.1912) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
32 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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gewinnt die segensvolle Wirksamkeit dieses trefflichen Mannes im jüdischen Leben Konstantinopels wieder neuen und festeren Boden. Der neue Kriegsminister und die Juden von Bagdad Die Bagdader Juden richteten warme Glückwunschdepeschen an den neuen Kriegsminister, Nasiin Pascha, aus Anlassung seiner Ernennung. Nasim Pascha war lange Zeit Wali in Bagdad und hat dort wegen seiner Gerechtigkeit und judenfreundlichen Gesinnung die beste Erinnerung bei den Juden hinterlassen. Türkische Jünglinge — in christlichsozialer Schule (Von unserem Berichterstatter.) W i e ji. In der Sommerfrische Gars weht von einer Villa die türkische Flagge. Das Haus bewohnen zehn türkische Jünglinge, Söhne der besten Familien. Ihr Erzieher ist der c h r i s 11 i c h s o z i a 1 e „Knabenhortler", der pensionierte Hauptmann Uppc 1. Die türkische Regierung hat die jungen Leute neun Mohammedaner und ein Katholik - - nach Wien entsendet, um sie zu modernen westeuropäischen Kaiiileuten heranbilden zu lassen. So sollen im Interesse der beiden Staaten die gegenseitigen Handelsbeziehungen gefestigt und erweitert werden. Die Wiener Handels- und Gewerbekammer hat daher auch die türkischen Studenten in ihre Obhut genommen, und zugesagt, für ihre Erziehung zu sorgen. Sie fand niemand geeigneter, die ihnen anvertraute Jugend zu leiten und in die Errungenschaften europäischer Hochkultur einzuführen, als einen christlichsozialen Parteimann. Wie Herr Oppel seines Amtes waltet, geht daraus hervor, daß die türkischen Schüler so teilt uns ein Gewährsmann mit verwundert fragten, ob denn hierzulande die Juden nicht als Menschen betrachtet werden. Just die Wiener Handels- und Gewerbekammer hatte es nötig, die ihrer Fürsorge überantworteten Untertanen der Piorte diesem famosen Pädagogen der Rathauspartei auszuliefern! Die „fortschrittlichen*4 Mitglieder der Handelssektion der Kammer, die Herren Kammerräte Julius Herz, König er, R o b i t z e k und Landtagsabgeordneter Kornel Spitzer, sowie der Vizepräsident der Handelskammer, Herr Pol lack von P am egg, sind stark kompromittiert. Entweder sie haben geschlafen oder sie haben der judenfeindlichen, herrschenden Partei zuliebe gehandelt. Jedenfalls haben sie uns Juden Schande gemacht. Ein Wort des ungarischen Unterrichts- Ministers Bekanntlich strebt gegenwärtig die ungarländische Juden« heit mit erfreulicher Energie die Erlangung der konfessionellen Autonomie an. Jüngst sprach eine Deputation beim ungarischen ünterrichtsminister, Grafen Johann Z i c h y, vor, um ihn für die Sache zu gewinnen. Graf Zichy antwortete in einer längeren, wohlwollenden Rede, der wir folgende markante Sätze entnehmen, die ungemein bezeichnend sind: „Sie können überzeugt sein, daß das Schicksal des Judentums auch in dieser Frage in die Hände des Judentums s e 1 b s t g e 1 e g t ist. Ins o f e r n e S i e m i t d e in G e w i c h t c , m i t d e m e i n h e i t 1 i c h e m Willen auftreten können und wollen, die zu der vollständigen Ausgestaltung einer derart! g e n Angele g c n heit notwendig sind, werde ich mit größter Freude zu ihrer Unterstützung herbeieilen und an der Verwirklichung ihrer Autonomie mitwirken." Es ist interessant, daß die Regierung selbst die Juden des Landes darauf hinweist, wie sie nur durch eine einheitliche, die ganze jüdische Bevölkerung umfassende Organisation zu ihrem Rechte gelangen könne, und daß alles Petitionieren fruchtlos bleiben müsse, wenn nicht gleichzeitigem starker, von der Gesamtheit getragener Wille fordere, was des Volkes ist. Der Bescheid des ungarischen Ministers erinnert an die Aeußerung des ehemaligen cisleithanischen Ministerpräsidenten Baron B i e n e r t h gegenüber Adolf Stand, in der er bedeutete, die Regierung sei insolange außerstande, den jüdischen Forderungen gerecht zu werden, als sie nicht mit einer legitimierten Vertretung, welche die Gesamtheit hinter sich habe, verhandeln könne. Mögen die Juden beider Reichshälften aus diesen Enunziationen der verantwortlichen Minister die Lehre ziehen! Die Baronie als Schönheitspflaster (Von unserem Berichterstatter.) B u d a p e s f. Dem berühmten Chirurgen, Hof rat Prof. Dr. v. Herc/.el wurde die ungarische Freiherrenwürde verliehen. Diese große Auszeichnung, welche einem jüdischen Professor bisher wohl niemals zuteil wurde, wirft ein grelles Licht auf gewisse Zustände in der zeitgenössischen Gelehrtenwelt. Seit einer langen Reihe von Jahren wirkt Prof. Dr. Baron v. Herczel als Privatdozent und später als außerordentlicher Professor an der Universität Budapest. Ordentlicher Professor konnte er aber niemals werden. Vor Jahren wurde ihm eine ordentliche Professur angetragen, jedoch um den Preis seiner Taufe. So blieb er „außerordentlich" in jeder Bedeutung des Wortes. Seine Standeserhöhung beweist das zähe Festhalten unserer offiziellen Kreise an den bisherigen Prinzipien, und die ärztliche Fakultät der Universität Budapest wird auch weiterhin den Ruhm genießen können, daß ein Jude noch niemals ein Ordinariat erhielt. Die Agudath Jisroel in Amerika (Von unserem Berichterstatter.) New York. Die Agudath Jisroel läßt in allen amerikanischen Blättern Aufrufe zum Anschluß an diese neugegründete Gesellschaft, die in der hiesigen Presse recht sympathisch begrüßt wird, ergehen. Die kürzlich in Boston gehaltene Jahreskonferenz orthodoxer Rabbiner sprach ebenfalls ihre Sympathie mit der neuen Gesellschaft aus und beauftragte ein Komitee, mit der Agudath Jisroel zwecks eines evtl. Beitritts der amerikanischen Orthodoxie in Verbindung zu treten. Gleichzeitig beschloß die Konferenz die Prüfung der Frage, ob es ratsam sei, sich dem Misrachi anzuschließen. Neue Einwanderungsbestimmungen Im Anschluß an den Fall einer russisch-jüdischen Einwandererfamilie hat der Sekretär des Handels- und Arbeits-Departements eine wichtige prinzipielle Entscheidung getroffen. Ein elfjähriges Immigrantenkind, dessen Vater bereits naturalisierter amerikanischer Bürger war, sollte wegen Geistesschwäche

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